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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Beinahe ohne irgendein Gefühl drang Torian weiter auf die Cra’thal ein. Er wußte, daß er ihnen überlegen war, und er nutzte die fremde Macht in seinem Inneren gnadenlos aus. Ihm ging es längst nicht mehr darum, sein Leben zu retten. Er wollte nur noch töten, jeden der Männer erschlagen, jeden der Cra’thal und jeden anderen, der sich ihm in den Weg stellen würde, sein Leben retten und vor allem das des...

Der Gedanke ließ ihn zusammenzucken. Entsetzt begriff er, was er tat und was geschehen würde, wenn er der fremden Macht weiterhin gestattete, sein Handeln zu bestimmen.

Die drei noch lebenden Cra’thal erkannten, daß irgend etwas in ihm vorging, und sie nutzten den Augenblick des Zögerns kaltblütig aus. Erst im letzten Moment konnte sich Torian mit einem raschen Sprung vor ihren Klingen in Sicherheit bringen. Er stolperte über die Leiche eines der Diebe, fand mit rudernden Armen sein Gleichgewicht wieder und parierte einen Streich, der ihm glatt den Kopf von den Schultern getrennt hätte.

»Wir müssen fliehen!« schrie Boron und packte seinen freien Arm. Etwas in Torian sträubte sich dagegen. Er wußte, daß er die Cra’thal töten konnte, wenn er es wirklich wollte und dem fremden Einfluß nachgab, aber er kämpfte dagegen an. Noch einmal trieb er die Blinden mit einem wütenden Gegenangriff zurück, dann warf er sich herum und folgte Boron. Hinter sich verriegelte er hastig die Tür, was ihnen ein paar Sekunden Vorsprung verschaffte.

Immer noch tobte in seinem Inneren ein erbitterter Kampf. Der finstere Einfluß war diesmal ungleich stärker als beim letzten Mal Wie in Trance taumelte Torian hinter Boron her. Die anderen Diebe und die wenigen Frauen, die sich bei ihrer Ankunft noch in dem Gebäude aufgehalten hatten, waren bereits in heller Panik geflohen. Torian schrie auf und krümmte sich, als Boron eine Tür öffnete und heller Sonnenschein hereinfiel. Diesmal war der Schmerz zu schlimm, als daß er ihn niederringen konnte, doch Boron packte ihn kurzerhand und zente ihn mit sich.

Die brodelnde Finsternis in Torians Gedanken wich zurück, aber der Schmerz blieb. Er schlug die Hände vors Gesicht und rannte blind weiter. So schnell, wie die Blinden sich zuvor bewegt hatten, hätten sie sie längst einholen müssen. Etwas war nicht so, wie es sein sollte, aber er war zu schwach, darüber nachzudenken. Sie hetzten durch menschenleere Gassen, bis Boron ihn in die wohltuende Dunkelheit einer verlassenen Ruine stieß, ihn eine steile Treppe hinunterführte und nach einigen hundert Metern schließlich losließ. Keuchend und dicht am Rande einer Ohnmacht brach Torian zusammen. Es dauerte lange, eine halbe Ewigkeit, wie es ihm erschien, bis er wieder halbwegs bei Verstand war.

Gerade noch im richtigen Moment, um den Schlag kommen zu sehen.

Aber nicht mehr rechtzeitig genug, um ihm auszuweichen.

Er blieb nicht sehr lange bewußtlos. Als er erwachte, lag er im Dunkeln, eingehüllt in eine Decke aus wohltuender Schwärze, die so vollkommen war, daß er nicht einmal seine Hand sah, als er sie dicht vors Gesicht hielt. Die Finsternis hätte ihm allen Erfahrungen der letzten Stunden zufolge neue Kraft spenden müssen, aber sie tat es nicht, sondern erfüllte ihn mit einem Unbehagen, das dicht an der Grenze zu unkontrollierbarer Angst lag.

Torian lauschte in sich hinein. Das Fremde war erloschen. Alles, was er fühlte, waren Müdigkeit und ein schwacher Nachhall des erlittenen Schmerzes.

Wie schon zuvor fand er auch jetzt keine Erklärung für das, was geschehen war. Seine Gedanken stießen an eine massive Mauer, sobald er sich in dieser Richtung zu konzentrieren versuchte. Er hatte Dinge getan, die er nicht begriff und für die er sich selbst verabscheute. Selbst wenn es ihm gelingen sollte, den fremden Einfluß irgendwann wieder abzuschütteln, würde immer ein Schatten davon in seiner Seele zurückbleiben, und er würde nicht mehr derselbe sein wie früher.

Torian verdrängte den Gedanken.

»Boron!« rief er leise. Als dumpfes Echo hallte der Ruf von den Wänden wider und zeigte ihm, daß er sich in einer großen Halle befinden mußte. Aber er bekam keine Antwort; auch nicht, als er noch einmal rief.

In seinem Rücken befand sich eine kalte, rauhe Wand. Torian stand auf und ging einige Schritte weit in die entgegengesetzte Richtung, ohne die gegenüberliegende Wand zu erreichen. Um nicht in der Finsternis die Orientierung zu verlieren, kehrte er an seinen Ausgangspunkt zurück. Unter dem Mantel aus Schwärze mochten sich Gefahren verbergen, denen er wehrlos ausgeliefert war, solange er nicht sehen konnte. Boron würde zurückkehren, dessen war er sich sicher. Es wäre sinnlos, ihn hier allein zurückzulassen, es sei denn...

Torian versuchte sich den Weg ins Gedächtnis zurückzurufen, den sie gerannt waren. Es gelang ihm nicht. Das einzige, an das er sich noch erinnern konnte, war, daß sie eine lange steile Treppe hinuntergestiegen waren. Aber wo befand er sich jetzt? Im Keller eines der Häuser? Oder bereits in den Katakomben, von denen Boron erzählt hatte?

Hatte der Dieb ihn hierhergeführt und sich selbst überlassen, um ihn zu opfern, um vielleicht so die Rache der Cra’thal von sich abzuwenden?

Torian beschloß, nicht länger zu warten. Er tastete sich an der Wand entlang, den Boden vor sich bei jedem Schritt erst sorgfältig mit den Fußspitzen prüfend. Die Halle mußte wirklich gigantisch sein, ein gewaltiges unterirdisches Gewölbe, denn erst nachdem er mehr als hundert Schritte in eine Richtung gegangen war, erreichte er eine Ecke und tastete sich an einer weiteren Wand entlang. Irgendwo vor ihm war ein Geräusch.

Torian blieb stehen und lauschte mit angehaltenem Atem.

Schritte näherten sich ihm, doch sie waren noch weit entfernt, und was er hörte, war nur ein Echo, zu verzerrt und zu leise, um es zu identifizieren. Er zog sein Schwert und hastete noch schneller voran als bisher, bis er an eine Felskante gelangte und seine Hand ins Leere tastete. Er hatte die Mündung eines Stollens erreicht, aus dem die Schritte aufklangen. Als er die Hand vorstreckte, konnte er mit der Schwertspitze die gegenüberliegende Wand berühren.

Er starrte in die Dunkelheit, versuchte abzuschätzen, wie weit die Schritte noch entfernt waren. Es war unmöglich. Die Echos verzerrten jeden Laut zur Unkenntlichkeit. Jedes Geräusch mußte hier unten weithin hörbar sein, aber es war unmöglich zu erkennen. Alles war anders. Seine Erfahrungen und sein Wissen nutzten ihm hier nichts. Und wer immer sich ihm näherte, schien dies genau zu wissen, denn er gab sich keinerlei Mühe, besonders leise zu sein. Torian wußte, daß auch er selbst längst gehört worden war.

Trotzdem preßte er sich neben dem Stollen an die Wand.

Nach einer Weile konnte er immerhin erkennen, daß es sich um die Schritte einer einzelnen Person handelte. Dann fiel der schwache Lichtschein einer Fackel aus dem Stollen. Torian hielt den Atem an und hob sein Schwert. Entweder hatte der Unbekannte ihn wirklich noch nicht gehört, oder er fürchtete sich nicht.

»Torian?« Es war eine Stimme, die er kannte.

Borons Stimme.

Im ersten Moment wollte Torian aufatmen, aber dann trat der Dieb vollends aus dem Stollen.

Eine eisige Hand schien nach Torians Herz zu greifen. Er erkannte, daß die Gestalt nicht Boron war; zumindest nicht mehr. Anstelle des abgewetzten Lederwamses trug er nun eine Art Kutte; einen nachtschwarzen Mantel, der sich in ständiger unfaßbarer Bewegung zu befinden schien, fast als lebte er. Die Kapuze war zurückgeschlagen, so daß Torian das Gesicht sehen konnte. Es schien sich nicht verändert zu haben, bis ihn ein Blick aus den dunklen Augen traf, in denen ein lichtloses, verzehrendes Feuer zu lodern schien.

Boron machte sich nicht einmal die Mühe, seinem Hieb auszuweichen. Das böse Lächeln in seinen Augen nahm beinahe noch zu, als er sah, wie Torian das Schwert hob und nach ihm zu schlagen versuchte.

Die Klinge erreichte ihr Ziel niemals. Boron murmelte ein einzelnes, düster klingendes Wort, und alle Kraft wich aus Torians Armen. Die Waffe schien plötzlich Zentner zu wiegen. Er taumelte, verlor, durch den Schwung seiner eigenen Bewegung nach vorne gerissen, das Gleichgewicht und fiel dicht vor Boron auf die Knie. Das Schwert entglitt seinen Händen und klirrte auf den Boden.

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