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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Ich muß wohl.« Torian stand auf, biß die Zähne zusammen und machte einen vorsichtigen Schritt. Es tat weh, aber es ging. Sie verließen den Hof und traten in eine Gasse hinaus.

Bei Tage machte Armar einen völlig anderen Eindruck als in der Nacht, wo nur vereinzelte Gestalten durch den Nebel gehuscht waren. Jetzt war die Straße von pulsierendem Leben erfüllt. Händler hatten Verkaufsstände aufgebaut und priesen lautstark ihre Waren an. Meist waren es Fischbuden, aus denen es nach Fischen und Innereien stank. An anderen Stellen wurde der Fisch gebraten oder geräuchert und verpestete die Luft mit einem nur wenig unangenehmeren Gestank. Die Hitze lastete wie eine Decke aus geschmolzenem Blei über der Stadt und hielt den Brodem der verschiedenen Gerüche in den Straßen. Und das Licht. Dieses entsetzliche Licht!

Torian schnaubte ein paarmal durch die Nase. Der Gestank ließ ihn fast ohnmächtig werden. Er war oft über Marktplätze geschlendert, aber noch niemals waren ihm die Gerüche so deutlich aufgefallen. Er roch alles, Fisch, angefaultes Gemüse, den Schweiß der Menschen, selbst den Kot, den Hunde am Straßenrand hinterlassen hatten. Alles drang mit überdeutlicher Intensität in seine Nase und ließ ihn schwindeln, als hätte sein Geruchssinn mit einem Mal um das Hundertfache an Schärfe zugenommen. Vielleicht nicht nur sein Geruchssinn. Es war erschreckend, aber im gleichen Maße, in dem es ihm immer schwerer fiel zu denken, schienen seine Instinkte an Schärfe zuzunehmen. Ich verwandele mich, dachte er hysterisch. Ich verwandele mich in ein Tier!

Zahlreiche Menschen drängten sich vor den Ständen, und schon nach wenigen Sekunden wurden Torian und Garth von der Menge aufgenommen und mitgerissen. Sie ließen sich treiben, das Menschengewirr schützte sie vor jeder Verfolgung. Torian widmete den Ständen nur einen flüchtigen Blick und versuchte, den Gestank aus seiner Nase zu verdrängen.

»Verstehst du nun, warum ich damals so lange hiergeblieben bin?« raunte Garth ihm zu. So schnell, daß Torian der Bewegung mit den Augen kaum folgen konnte, ließ er seine Hand unter das kostbar aussehende Gewand eines übergewichtigen Glatzkopfes gleiten. Als er sie wieder zurückzog, hielt er eine wohlgefüllte Börse in der Hand, die er in seinem Gürtel verstaute. »Das Geld liegt hier auf der Straße. Man braucht es nur aufzuheben. Und wir brauchen schließlich welches für die Schiffspassage«, fügte er mit einem fast entschuldigenden Seitenblick in Torians Richtung hinzu.

Ein paarmal sahen sie ein Stück entfernt Soldaten, die sich rücksichtslos durch die Menge drängten, und wechselten rasch die Richtung. Aber sie kamen niemals wirklich in Gefahr, was sichtlich auch daran lag, daß die Krieger nicht genau wußten, nach wem sie überhaupt suchten. Nach zahlreichen Umwegen – Torian hatte längst auch den letzten Rest Orientierung verloren und ließ sich allein von Garth führen – erreichten sie schließlich das Elendsviertel. Ebenso wie der Rest der Stadt zeigten auch die Slums bei Tage ein anderes Gesicht als in der Nacht, wenn es auch nicht unbedingt viel ansehnlicher war. Zwar fehlte der klamme Hauch der Angst, der mit dem Nebel herangekrochen war, aber dafür verbargen die undurchdringlichen Schwaden das Elend auch nicht mehr unter einem barmherzigen Mantel. Die Häuser waren in einem noch viel schlimmeren Zustand, als Torian in der Nacht geglaubt hatte. Die meisten waren nicht mehr als Ruinen, zerfallene Baracken, in denen der Gestank von Fäulnis, Krankheit und Tod nistete. Rattenlöcher, in denen keine Menschen hausen konnten, ohne zugrunde zu gehen.

In stinkende Lumpen gehüllte Frauen und alte Männer mit eingefallenen, von Hunger und Seuchen gezeichneten Gesichtern und ausgemergelten Körpern kauerten in den Gassen. Sie starrten die Fremden mit trüben Augen an, in denen der Funke des Lebens längst erloschen war. Einige streckten ihnen flehend die dürren Arme entgegen, aber die meisten waren selbst dafür zu apathisch. »Das ist der zweite Grund, weshalb ich so lange hiergeblieben bin«, sagte Garth mit belegter Stimme. »Und auch der Grund, weshalb wir Diebe niemals so reich geworden sind, wie viele glauben.«

Er zog den Beutel aus dem Gürtel und drückte einigen der Gestalten Münzen in die Hände. Torian widersprach mit keinem Won. Er hätte nicht anders gehandelt. Um die Passage konnten sie sich auch später noch kümmern.

Lange bevor sie ihr Ziel erreichten, war der Beutel leer.

Sie erreichten unbehelligt Borons Haus, und noch bevor sie an die Tür klopfen konnten, wurde sie bereits von innen geöffnet. Boron winkte sie herein und sah hastig auf die Straße, bevor er die Tür wieder schloß und einen gewaltigen Riegel vorlegte, der massiv genug schien, selbst dem Ansturm einer ganzen Armee standzuhalten. Erst dann wandte er sich Garth und Torian zu. Seine Augen blitzten vor Zorn.

»Seid ihr verrückt geworden, so offen hierherzukommen?« fauchte er. »Ich habe doch ausdrücklich gesagt, daß ich euch bei Kaam abholen lasse. Wollt ihr mir unbedingt die Soldaten auf den Hals hetzen?«

Kalte Wut schoß in Torian hoch. Er trat einen Schritt vor und packte Boron grob am Kragen seines Lederwamses.

Zumindest versuchte er es. Aber statt Boron zu sich herabzuzerren, verlor er plötzlich selbst den Boden unter den Füßen und fand sich hilflos im Griff des hünenhaften Diebes zappelnd. Boron drückte nicht einmal richtig zu, aber sein Griff war trotzdem hart genug, Torian die Luft abzuschnüren.

»Versuch das nicht noch einmal, du Zwerg«, sagte Boron. »Sonst werde ich nämlich ungemütlich, verstanden?«

»Hör auf!« befahl Garth. Er sprach nicht einmal sehr laut, aber in seiner Stimme war plötzlich eine schneidende Schärfe, wie Torian sie noch nie bei ihm erlebt hatte. Selbst Boron war so verdutzt, daß er Torian fast – aber eben nur fast – sanft auf den Boden sinken ließ. Torian wich hastig einen Schritt zurück und massierte seinen schmerzenden Hals. Er hatte sich schon oft gefragt, ob er eines Tages einem Mann begegnen würde, der noch stärker war als Garth. Mit Boron schien er diesen Mann gefunden zu haben.

»Uns ist niemand gefolgt«, fuhr Garth fort. »Dafür dürftest du mich gut genug kennen. Wir wären nicht hergekommen, wenn es nicht wirklich wichtig gewesen wäre.« Er legte eine ganz kleine, aber bedeutungsschwere Pause ein. »Kaam ist tot.«

»Tot?« Boron keuchte ungläubig. »Was sagst du da? Aber das ist unmöglich! Niemand würde es wagen...«

Garth schnitt ihm mit einer ärgerlichen Geste das Wort ab. »Jemand hat es gewagt«, sagte er bestimmt. »Kaam ist tot und seine Tochter auch. Und man macht uns dafür verantwortlich, nachdem seine Mörder erst versucht haben, uns ebenfalls die Kehle durchzuschneiden. Hast du dich jetzt endlich so weit abgekühlt, daß wir wie vernünftige Menschen miteinander sprechen können?«

Wortlos wandte sich Boron um und stapfte vor ihnen her in das Zimmer, in dem sie bereits am vergangenen Abend zusammengesessen hatten. Unwirsch scheuchte er einige Männer und Frauen hinaus, ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen und trank einen gewaltigen Schluck Wein direkt aus der Flasche, ehe er sich wieder an Garth wandte. Aller Zorn war aus seinem Blick gewichen. Er wirkte erschütten; nein, dachte Torian, mehr noch, verletzt. Es war schwer vorstellbar, bei zwei so ungleichen Männern wie Boron und Kaamaber Torian war sicher, daß sie mehr als nur Kollegen gewesen waren.

»Erzählt«, bat er, nachdem er die Flasche abgesetzt und sich mit der Hand über den Mund gewischt hatte. Sein Blick irrte zwischen Garths und Torians Gesicht hin und her. Er kämpfte sichtlich um seine Fassung. »Was ist passiert?«

»Genau das wollten wir eigentlich von dir erfahren«, erwiderte Garth ruhig. »Gestern abend haben sich fünf Gestalten auf unsere Fährte geheftet, gar nicht weit von hier entfernt. Wir haben sie im Nebel abschütteln können, aber heute früh haben sie die Schenke überfallen. Es waren keine einfachen Mörder, Boron. Sie waren... sonderbar.«

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