Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Narr«, sagte Boron kalt. Er lachte, hob den Fuß und versetzte Torian einen Stoß vor die Brust, der ihn haltlos nach hinten kippen ließ.
»Hast du wirklich geglaubt, einen Schwarzen Magier mit einem Schwert töten zu können?«
»Ich habe es schon einmal getan«, erwiderte Torian. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, und er war fast selbst überrascht, sich reden zu hören. Er war schockiert, so verstört und überrascht wie niemals zuvor in seinem Leben. Boron. Boron war ein Schwarzer Magier. Es war alles Lüge!
»Ich weiß«, antwortete Boron ungerührt. »Aus diesem Grund bist du hier.« Er trat einen Schritt zurück, machte eine ungeduldige Bewegung mit der Linken und wartete, bis sich Torian mühsam hochgestemmt hatte. Sein Blick war kalt, aber es lag auch ein gewisser, nicht mal widerwilliger Respekt darin. Offensichtlich wußte er ganz genau, mit wem er es zu tun hatte.
»Warum?« fragte Torian mit leiser, brüchiger Stimme. Das Reden fiel ihm noch immer schwer. Er hatte das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Nicht nur aus rein körperlicher Schwäche lehnte er sich gegen die Wand.
Boron lachte; nicht auf die zynische, kalte Art, wie Torian es erwartet hatte, sondern fast väterlich wohlwollend.
»Du wirst alles erfahren«, sagte er. »Der Rat der Magier erwartet dich bereits. Kommst du freiwillig mit, oder willst du dein kleines Spielchen fortsetzen? Es ist nicht nötig«, fügte er rasch hinzu, »uns zu beweisen, wie gut du zu kämpfen verstehst, Torian Carr Conn. Wir kennen deinen Ruf.«
»Dann... dann sag mir wenigstens, wo Garth Und Shyleen sind«, sagte Torian. »Und was mit dem wahren Boron geschehen ist.«
Boron seufzte. »Du begreifst offenbar immer noch nichts, oder stellst du dich nur dumm? Ich bin Boron. Ich war es immer. Ich habe diese lächerliche Diebesgilde aufgebaut, weil ich auf diese Art am besten über alles unterrichtet bin, was in der Stadt geschieht.« Er lachte. Trotz allem klang es ehrlich amüsiert. »Du magst eine Menge vom Kämpfen und Überleben verstehen, Torian, aber von der Kunst der Intrige verstehst du nichts. Du kannst einen Gegner vernichten, indem du ihn bekämpfst. Oder ihn dir zunutze machen, indem du ihn für dich arbeiten läßt. Und was deine Freunde angeht«, er machte eine komplizierte Handbewegung, deren Bedeutung Torian nicht verstand, »sie sind in sicherem Gewahrsam. Ihnen ist nichts geschehen. Bisher.«
»Und Shyleen?«
Boron lächelte flüchtig. »Sie bedeutet dir viel«, behauptete er. »Aber sei beruhigt. Wir haben sie geheilt. Was ihr weiteres Schicksal angeht, das hängt auch von dir ab.«
»Du willst mich erpressen?« Torian legte soviel Verachtung in diese Worte, wie er noch konnte. Sehr viel war es allerdings nicht »Was sollte ein Magier wohl von einem schwachen Menschen wie mir wollen? Genügt nicht eine Handbewegung, um mich wie eine Puppe zu allem zu zwingen?« Sein Spott prallte an Boron ab. Der Magier musterte ihn nur geringschätzig.
»Du hast wirklich nichts begriffen«, sagte er. »Von dir wollen wir überhaupt nichts.«
»So?«
»So«, bestätigte Boron. »Du überschätzt dich, Torian Carr Conn. Du hast einen der Unseren getötet, das ist richtig, und dir unseren Zorn zugezogen, auch das ist richtig. Trotzdem würden wir kaum all unsere Macht einsetzen, nur um einen Mann zu stellen, der aus reinem Glück ein besonders leichtsinniges Mitglied unserer Gilde getötet hat. So etwas ist schon mehr als einmal vorgekommen, und es wird wieder passieren. Nein – wir wollen nichts von dir. Wir wollen das, was in dir ist.«
»Das, was...« Torian konnte nicht verhindern, daß sich der Schrecken auf seinem Gesicht deutlich widerspiegelte. »Du weißt von dem Ding?«
Boron verdrehte in übertrieben geschauspielertem Entsetzen die Augen. »Natürlich, und jetzt komm endlich. Meine Geduld ist bald erschöpft.«
Ohne ein weiteres Wort wandte er sich ab. Torian griff nach seinem Arm. Aber er versuchte es nur einmal.
Im selben Moment, in dem er Borons Umhang berührte, kroch eisige Kälte in seine Finger und ließ sie taub werden. Er riß seine Hand zurück. Boron lachte leise.
»Und wenn ich mich weigere?« fragte Torian trotzig. »Wenn du von dem Ding weißt, dann weißt du auch, daß ich dich vernichten könnte.«
»So? Könntest du das?« Boron lachte erneut. Diesmal klang es eindeutig mitleidig. »Warum versuchst du es nicht? Du wirst kaum meine eigene Kraft gegen mich einsetzen können.«
»Deine...«
Boron unterbrach ihn mit einer unwilligen Geste. »Genug jetzt. Du wirst alles erfahren, und je eher du mir folgst, um so schneller. Muß ich dich erst zwingen?«
Einen Moment lang war Torian ernsthaft versucht, es auf eine Kraftprobe ankommen zu lassen. Aber dann begriff er, daß Boron jedes einzelne Wort so meinte, wie er es gesagt hatte. Ohne ein weiteres Wort trat er hinter den Schwarzen Magier.
Ohne sich der Bewegung überhaupt bewußt zu sein, griff er mit der Hand nach seiner Schulter. Die Schwellung, die sich dicht neben seinem Herzen unter der Haut gebildet hatte, war größer geworden. Sie war jetzt von ovaler, fast faustgroßer Form.
Ein wenig erinnerte sie an ein Ei...
Wieder war Torian unfähig, wahres Entsetzen zu empfinden, und wieder entglitt ihm der Gedanke fast schneller, als er ihn fassen konnte. Aber er wußte jetzt, daß er die Lösung die ganze Zeit über gewußt hatte. Nur war die Wahrheit einfach zu entsetzlich, als daß er sie akzeptieren konnte. Selbst jetzt noch.
Boron führte ihn durch ein wahres Labyrinth von Stollen, Treppen und Gewölben. Torian fiel auf, daß sie sich immer weiter nach unten bewegten, während sie in die lichtlosen Tiefen der Katakomben vordrangen. Längst schon mußten sie sich mehrere hundert Fuß tief unter der Erde befinden, und ein Ende des Weges war noch nicht abzusehen. Die Fackel riß immer nur einen winzigen Ausschnitt der Felswelt aus dem Dunkel, aber er war froh, daß er nicht mehr sah. Gelegentlich glaubte er einen Winkel oder eine Linie der gleichen sinnverwirrenden Geometrie zu entdecken, wie er sie in Rador und im Tempel des Toten Gottes gesehen hatte, die Geometrie der Alten, die nicht ganz menschlich war, aber auch nicht so fremd, daß seine Sinne sie gar nicht mehr wahrnehmen konnten. Er war fast sicher, daß die Fackel nur seinetwegen brannte und er genau das sehen sollte, was er sah: die Katakomben der Letzten Nacht, die möglicherweise noch gewaltiger waren, als Boron behauptet hatte, vielleicht eine zweite Stadt unter der Stadt, die auf ihre Art ebenso verwinkelt und unüberschaubar war wie die Gassen und Höfe Armars, nur fremder, feindseliger.
»Es ist eine Stadt«, sagte Boron unvermittelt. »Dies ist das eigentliche Armar, das vor mehr als tausend Jahren unterging. Auf seinen Trümmern wurde die neue Stadt errichtet.«
»Du... liest meine Gedanken?« fragte Torian alarmiert.
»Nein.« Boron schüttelte amüsiert den Kopf. »Aber es ist nicht schwer zu erraten, an was du denkst.« Er schwenkte die Fackel im Kreis, aber das Licht reichte trotzdem nicht aus, die Wände und die Decke des Gewölbes, das sie gerade durchquerten, sichtbar zu machen. »Armar, die Mächtige, untergegangen wie alle Bauwerke der Alten. Aber wir werden wieder über Caracon herrschen, eines Tages.«
Torian entging nicht, daß der Magier -wir gesagt hatte, aber er verfolgte den Gedanken nicht weiter. Garth hat recht gehabt, dachte er benommen. Er hatte es nicht wahrhaben wollen, aber alles war so, wie Garth behauptet hatte, vielleicht noch schlimmer. Die Schwarzen griffen wirklich nach der Macht, nicht nur nach der Macht über Armar oder Scrooth oder Tremon, sondern über nichts weniger als die ganze Welt. Und die Menschen waren ahnungslos. Am Fürstenhof Tidores, der Hauptstadt Tremons, hielt man die Magier für treue Verbündete, ohne zu ahnen, daß sie längst die wahren Herrscher des Landes waren. Wo noch? Wie weit reichte der unsichtbare Arm der Magierkaste bereits?