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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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»Wenzel kontrolliert sein Tier so gut, dass nicht einmal ich etwas davon bemerkt habe. Ist das nicht Beweis genug, um ihm eine gleich lautende Vergebung zu verschaffen?«, fragte sie mit einem kläglichen Unterton in der Stimme.

Ingrey befeuchtete sich die Lippen. »Das müsst Ihr den Erzprälaten fragen. Es ist nicht meine Entscheidung.« Wollte Fara ihren Ehemann beschützen und behalten? Konnte Wenzel überhaupt eine Untersuchung des Tempels überstehen, die in Ingreys Fall so lange in der Schwebe gehangen hatte? Rossfluten hatte so vieles mehr zu verbergen, aber allem Anschein nach konnte er auch ungleich mehr Macht aufbieten, um diese Aufgabe zu bewältigen. Wenn er das wünschte. Jetzt, wo die Zerschlagung seiner uralten Maske drohte, konnte er sich vielleicht zu so einem Plan gedrängt fühlen.

Man sollte meinen, eine solche Aufgabe würde all seine Aufmerksamkeit erfordern. Doch er ist hinter etwas anderem her. Versessen. Hinter was?

Aus welchen Gründen auch immer: Allem Anschein nach fand Fara die Beschuldigung, dass Wenzel einen Tiergeist in sich trug, beunruhigend glaubwürdig, nachdem sie erst einmal ausgesprochen worden war. Sie sah aus wie eine Frau, die seit langer Zeit ein Rätsel löst, dessen Einzelteile nun schneller und schneller an ihren Platz rutschen. Sie hatte Angst, ja, sowohl vor als auch für ihren Ehemann — und für sich selbst.

»Warum stellt Ihr Wenzel diese Fragen nicht selbst?«, sagte Ingrey.

»Er ist gestern Abend nicht nach Hause gekommen.« Sie rieb sich über Gesicht und Augen. Man hätte dieses heftige Reiben für die Rötung verantwortlich machen können, die sich darin zeigte. »Das kam in letzter Zeit häufiger vor. Biast meinte, ich sollte ihn nicht darauf ansprechen, aber jetzt weiß ich nicht …«

»Wenzel weiß bereits, dass er insgeheim beschuldigt wird. Ihr würdet kein Geheimnis verraten, wenn Ihr ihn auf die Probe stellen würdet.«

Sie blickte ihn furchtsam an. »Steht Ihr schon so tief in seinem Vertrauen?«

»Ich bin sein nächster lebender Vetter.« Zeitweilig. »Wenzel könnte in dieser Krise keinen näheren Verwandten finden.« Um es einmal so zu sagen.

Sie rang die Hände. »Dann bin ich froh über Eure Anwesenheit.«

Das bleibt abzuwarten. Leider konnte er ihr kaum sagen, wie schlecht er wegen des Vertrauensbruchs gegenüber ihrer Zofe von ihr dachte, während er gleichzeitig versuchte, ihr Vertrauen zu gewinnen. Er erstarrte, seine Sinne stellten sich auf eine nähernde Präsenz ein, noch ehe das Geräusch leichter Schritte vom Korridor heranwehte und jemand sich im Türrahmen räusperte.

»Lord Ingrey«, rief Wenzel mit herzlicher Stimme. »Man sagte mir, Ihr wärt eingetroffen.«

Ingrey deutete eine Verbeugung an. »Graf Rossfluten.«

»Ich hoffe, Eure Gemächer sind nach Eurem Geschmack?«

»Ja, danke sehr. Tesko meint, wir würden Karriere machen.«

»Das könntet Ihr.« Wenzel begrüßte seine Frau mit einer Geste, die man als höflich bezeichnen konnte, aber nicht mehr. »Würdet Ihr mich bitte begleiten, Ingrey? Meine liebe Gemahlin, entschuldigt uns bitte.«

Fara nickte ebenso kühl zur Erwiderung. Nur eine leichte Steifheit ihres Leibes verriet den Aufruhr ihrer Gefühle.

Ingrey folgte Wenzel hinaus und durch den Flur um zwei Ecken bis ins Arbeitszimmer. Wenzel zog die Tür entschlossen hinter ihnen zu. Ingrey drehte sich so, dass er seinem Gastgeber nicht den Rücken zeigte. Rossfluten hatte gewiss ausreichend Zeit zur Vorbereitung eines magischen Angriffs gehabt. Aber die Härchen in Ingreys Nacken stellten sich grundlos auf, denn Wenzel wies ihm nur einen Stuhl an und schob seine Hüfte über die Kante des Schreibpults. Er legte die Beine übereinander und betrachtete Ingrey durch zusammengekniffene Augenlider.

»Hetwar hat Euch bereitwillig ziehen lassen«, bemerkte Wenzel.

»Hat Gesca Euch verraten, warum?«

»Oh, ja.«

»Biast macht sich die größten Sorgen um seine Schwester. Fara träumt davon, Euch zu retten, denke ich. Ich verstehe nicht, womit Ihr die Liebe Eurer Frau verdient habt.«

»So wenig wie ich.« Rossfluten schnitt eine Grimasse und wickelte in einer nervösen Geste eine graublonde Haarlocke um einen Finger. »Ich vermute, ihre Erzieherinnen haben ihr vor der Hochzeit zu viel höfische Dichtung durchgehen lassen, und das ist ihr auf den Verstand geschlagen. Ich habe schon Dutzende von Ehefrauen begraben. Heutzutage gestatte ich mir nicht mehr, Zuneigung zu entwickeln. Ich kann kaum beschreiben, wie diese Frauen inzwischen auf mich wirken. Das ist einer der raffinierteren Schrecken meines Daseins.«

»Wie eine Leiche zu küssen?«

»Wie die Leiche zu sein, die geküsst wird.«

»Sie scheint aber nichts davon zu merken.«

Der Graf zuckte die Achseln. »Aus einem ganz bestimmten Grund, den ich nun verworfen habe — Gewohnheit —, habe ich diese Vereinigung begründet, um einen weiteren Sohn zu zeugen. Und dazu muss der Körper nun einmal erregt werden. Glücklicherweise ist dieser hier noch jung, und der einfältige Wenzel wäre mit seiner Prinzessin sehr zufrieden gewesen, denke ich.«

Hatte Rossfluten der halb verdauten Seele erlaubt, während der vorgeblichen Liebesfreuden mit seiner Braut zum Vorschein zu kommen? Und wie entsetzlich verwirrend musste es für Fara gewesen sein, wenn der eifrige Jüngling der Nacht dem eisigen Fremden an der morgendlichen Tafel Platz machte … Vermochte Rossfluten andere Gesichter für unterschiedliche Aufgaben aufzusetzen? Der Prinzessin konnte schwindelig werden beim Versuch, diesem Menschenauflauf an Stimmungen ihres Ehemannes zu folgen.

Wenzel legte wieder eine seiner redseligen Stimmungen an den Tag, aus welchem Grunde auch immer. Ingrey beschloss, die Gelegenheit zu nutzen. »Warum habt Ihr Lady Ijada in Euren Haushalt geholt? Wenn man an die Folgen denkt, scheint das ein Fehler gewesen zu sein.«

Wenzel verzog das Gesicht. »Vielleicht. Im Nachhinein betrachtet.«

»Fara dachte, Ihr wolltet aus ihr Rossflutens neue Zuchtstute machen.«

Der Gesichtsausdruck wurde finsterer. »So sieht es wohl aus. Ich sagte bereits, Fara ist romantisch veranlagt.«

»Wenn es das nicht war, dann … wegen des Wehen Waldes? Und nicht nur, weil Ijada diesen Landstrich geerbt hat.« Es war gegen Ingreys Gewohnheit, Wissen preiszugeben. Aber in diesem Falle mochte es den Informationsfluss anfachen: »Sie hat mir von ihrem Traum dort erzählt.«

»Ach ja«, meinte Wenzel grimmig. »Nun wisst Ihr also darüber Bescheid. Ich hatte mich schon deswegen gefragt.«

»Hat sie Euch auch davon berichtet?«

»Nein. Aber ich habe gemeinsam mit ihr geträumt, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel. Denn es war mehr als ein Traum, es war ein Geschehnis. Selbst wenn sie der Götter Katzenpfote ist, kann sie schlecht in meinem Teich herumfischen, ohne dass die Wellen mich erreichen.« Wenzel seufzte. »Sie gab mir dabei ein schweres Rätsel auf. Ich nahm sie in meinen Haushalt, um sie zu beobachten, konnte aber nichts Ungewöhnliches an ihr entdecken. Falls die Götter sie als Köder gebrauchen wollten, habe ich mich höflich des Anbeißens enthalten. Zweifellos wurde sie in den Zauber hineingewoben, während sie Am Heiligen Baum nächtigte, und doch blieb sie so blind und machtlos wie jedes andere unwissende Mädchen.«

»Bis zu den Ereignissen auf Burg Keilerkopf.«

»In der Tat.«

»Haben die Götter all das beabsichtigt? Auch Bolesos Tod?«

Wenzel nahm einen langen, bedächtigen Atemzug. »Den Göttern zu widerstehen ähnelt auf gewisse Weise einem Spiel ›Burgen und Ritter‹ gegen einen Gegner, der immer ein paar Züge mehr vorausschauen kann als man selbst. Aber sogar die Götter können nicht unendlich weit in die Zukunft blicken.

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