Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 978-3-404-20547-9
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:
»Ja, und schlechter aussehende Gefangene.«
Ingrey wechselte vom Tonfall stichelnder Neckerei zu blanker Drohung: »Solange Lady Ijada dir anvertraut ist, wirst du sie mit ausgesuchter Höflichkeit behandeln, Gesca. Sonst ist der Zorn von Hetwar, des Tempels, Rossflutens und der Götter zusammen noch dein geringstes Problem.«
Gesca duckte sich unter seinem finsteren Blick. »Nun mal halblang, Lord Ingrey. Ich bin kein Untier!«
»Aber ich«, hauchte Ingrey. »Verstanden?«
Gesca wagte kaum zu atmen. »O ja!«
»Gut.« Ingrey trat beiseite. Obwohl er Gesca kaum berührt hatte, sank dieser zusammen wie ein Mann, der gerade aus einem Würgegriff befreit wurde und nun seine Kehle nach Druckstellen abtastet. Oder nach Zahnabdrücken.
Ingrey trottete wieder nach oben und scheuchte Tesko auf, damit dieser seine dürftigen Habseligkeiten für den Umzug in Rossflutens Anwesen erneut zusammenpackte. Er überdachte das Treffen mit Hetwar am Abend zuvor, und was davon wohl — gefiltert durch Gescas Gedächtnis und seinen Verstand — bei Rossfluten angekommen war.
Ingrey glaubte eigentlich nicht daran, dass Rossfluten sich an seinem Spionageauftrag stören würde — solange er nicht töricht genug war, es vor dem Grafen verbergen zu wollen! Und der Graf hatte gewiss von Gesca erfahren, dass Ingrey sein finsterstes Geheimnis für sich behalten hatte. Insgesamt mochte Gescas kleiner Verrat sich sogar als vorteilhaft erweisen.
Als Tesko unter einem Berg von Ausrüstung die Stufen hinunterwankte, erklomm Ingrey den nächsten Treppenabsatz und klopfte an Ijadas Tür. Er war erfreut, das Geräusch eines zurückgleitenden Riegels zu hören, ehe die Tür sich öffnete und das Gesicht der misstrauisch blickenden Zofe erschien.
»Lady Ijada, bitte.«
Ijada quetschte sich an der Frau vorbei in den schmalen Flur. Ihre Miene war ernst und fragend.
Ingrey verneigte sich vor ihr. »Ich wurde bereits an Graf Rossfluten überstellt. Gesca wird eine Zeit lang meine Stelle als dein Wächter einnehmen.«
Ihr Gesicht hellte sich bei dem vertrauten Namen auf. »Das ist nicht so übel.«
»Vielleicht. Ich werde versuchen, zurückzukehren und mit dir zu sprechen, wenn ich … äh, mehr herausgefunden habe.«
Sie nickte. Ihr Ausdruck war eher gedankenvoll als verängstigt, obwohl Ingrey schwerlich erraten konnte, was sie dachte. Sie wusste nicht mehr Antworten als er, aber er bewunderte ihre Gabe, unbequeme Fragen zu stellen. Vermutlich würde er auf diese Fähigkeit bald genug wieder zurückgreifen müssen.
Er umfasste ihre Hände, an Stelle des Abschiedskusses, den sie sich unter den wachsamen Augen der Zofe verwehren mussten. Der seltsame Fluss, der immer noch zwischen ihnen dahinströmte, schien in diesem Händedruck zu verweilen. »Ich werde es erfahren, wenn sie dich fortbringen.«
Sie nickte wieder und ließ ihn los. »Ich werde auch auf Neuigkeiten von dir hören.«
Er brachte die Andeutung einer Verbeugung zustande und riss sich los.
Ingrey wiederholte seinen Marsch von gestern, bergauf durch die Königsstadt von Ostheim, diesmal den keuchenden Tesko mit seinen Habseligkeiten im Schlepptau. Der Pförtner der Rossflutens erwartete sie offensichtlich, denn sie wurden sogleich in Ingreys neues Zimmer geleitet.
Das hier war kein schmaler Dienstboten-Verschlag unter dem Dach, sondern ein geschmackvolles Gemach im zweiten Stock, das für hochwohlgeborene Gäste gedacht war und eine eigene Nische für Tesko bereithielt. Ingrey ließ den Diener mit der Aufgabe zurück, die spärliche Garderobe zu verstauen, und erkundete das Haus. Er fragte sich, ob Rossfluten wohl erwartete, dass er auch den Rest seiner Besitztümer von Hetwars Palast herüberschaffte, und wie der Graf es nun auslegte, wenn er es nicht tat.
Als er kurz in ein Wohnzimmer im ersten Stock schaute, das durch eine anmutig in Birke geschnitzte Wandtäfelung auffiel, erblickte er Fara und eine ihrer Damen. Die matronenhafte Hofdame saß über eine Näharbeit gebeugt. Fara stand da, mit einer Hand auf dem Stoff, und starrte nachdenklich aus dem Fenster. Blasses Morgenlicht versilberte ihre Züge. Das kantige Gesicht war bleich, ihr Leib wirkte kurz und stabil in dem langweiligen Kleid. Mit zunehmendem Alter würde sie stämmig werden, dachte Ingrey. Auf ein Geräusch von ihm, ein Knarren oder Knacken, drehte sie sich zu ihm um, und ihre dunklen Augen weiteten sich, als sie ihn wiedererkannte.
»Lord Ingrey, nicht wahr?«
»Hoheit.« Ingrey beschrieb einen flüchtigen Gruß mit der Hand zum Herzen und zurück, ein angedeutetes, aber nicht vollendetes Zeichen der Fünf.
Sie betrachtete ihn von Kopf bis Fuß und runzelte die Stirn. »Biast erzählte mir gestern Abend, dass Ihr in den Dienst meines Gatten treten würdet.«
»Und, ähm, in den Euren?«
»Ja, das sagte er.« Sie schaute flüchtig zu ihrer Gesellschafterin. »Lass uns allein. Die Tür soll offen bleiben.« Die Frau stand auf, knickste und schlüpfte an Ingrey vorbei hinaus. Fara winkte ihn näher heran.
Sie musterte ihn nachdenklich, während er zum Fenster trat. Ihre Stimme klang leise. »Mein Bruder meinte, Ihr würdet mich beschützen.«
»Glaubt Ihr, das ist nötig?«, fragte Ingrey in neutralem Tonfall und ebenso leise.
Sie machte eine unsichere Geste. »Biast erwähnte, gegen Wenzel wäre ein schrecklicher Verdacht laut geworden. Was haltet Ihr davon?«
»Könnt Ihr nicht selbst sagen, ob etwas daran ist, Hoheit?«
Sie schüttelte den Kopf und hob ihr langes Kinn. »Könnt Ihr es nicht?«
»Die Anwesenheit eines Begleiters, wie ich ihn auch im Blute trage, befleckt einen Mann nicht notwendigerweise. Es ist das, was er damit tut. Zumindest muss ich daran glauben, und mein Dispens erkennt das stillschweigend an. Habt Ihr während der ganzen Zeit nie etwas Unheimliches an Eurem Gemahl gespürt?«
Ihre dichten schwarzen Brauen zogen sich zusammen und verrieten ihren Missmut über diese ausweichende Antwort. »Nein … ja. Ich weiß nicht. Er war von Anfang an eigentümlich, aber ich dachte, er wäre nur launisch. Ich versuchte, seine Stimmung aufzuhellen, und es schien zu gelingen. Aber immer wieder stürzte er in diese Schwärze zurück. Ich betete zur Mutter um Rat und und mehr noch, ich versuchte, ihm eine gute Ehefrau zu sein, so wie es uns im Tempel gelehrt wird.« Ihre Stimme zitterte, aber sie brach nicht. Ihre Miene wurde finsterer. »Dann schleppte er dieses Mädchen an.«
»Lady Ijada? Habt Ihr sie nicht gemocht, zu Anfang?«
»Oh, zu Anfang …« Sie zuckte ärgerlich die Achseln. »Zu Anfang ja, denke ich. Aber Wenzel machte ihr den Hof!«
»Und wie reagierte sie auf seine Aufmerksamkeit? Habt Ihr sie deswegen zur Rede gestellt?«
»Sie gab vor, darüber zu lachen. Ich lachte nicht. Ich habe ihn beobachtet, ich beobachtete sie. Nie habe ich erlebt, dass er irgendeine andere Frau ansehen würde, nicht seit unserer Heirat und auch nicht davor. Aber nach ihr sah er sich um.«
Ingrey dachte über eine Frage nach, mit der er Fara ihre Version der Ereignisse auf Burg Keilerkopf entlocken konnte. Das schien allerdings kaum notwendig zu sein. Hier waltete kein überragender Intellekt, keine verborgene Arglist, keine unheimlichen Kräfte, nur verletzte Verwirrung. Und es haftete auch kein Rückstand des Übernatürlichen an ihr. Wenzel hatte scheinbar beschlossen, seine Frau nicht zu verzaubern. Warum nicht?
Faras Gedanken führten jedoch in eine andere Richtung. »Biasts Anschuldigung …«, murmelte sie. Ihr Blick auf Ingrey wurde schärfer. »Es könnte sein, denke ich. Wenn ich Euch anschaue, kann ich auch nichts feststellen. Falls Ihr tatsächlich einen Wolf in Euch tragt, dann ist er so unsichtbar wie die Sünden anderer Menschen. Das würde vieles … erklären.« Sie holte Luft und wollte dann unvermittelt wissen: »Wie seid Ihr an Euren Dispens gelangt?«
Er hob die Brauen. »Der Untersuchungsbeamte des Tempels war in meinem Fall wohl besonders wohlwollend. Der kranke Waisenjunge tat ihm vermutlich Leid. Und schließlich stellte ich unter Beweis, dass ich meine Heimsuchung unter Kontrolle halten konnte. Zumindest weit genug, um das Untersuchungsgremium zufrieden zu stellen, auch wenn es natürlich nicht reichte, um mir die Verwaltung einer Burg anzuvertrauen. Später … später hat Hetwar mich unterstützt.«