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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Sie ist ... besessen«, flüsterte der Prinz. »Von dem bösen Geist des Maferis besessen. Befreit Eure Schwester von Maferis’ Geist. Und befreit Maferis’ Geist von seiner Gier ...«

Reglos blickte der König ihn an. »Wie kann ich sie befreien?«

»Ist das alles, was Ihr wünscht?«

»Ja.«

»Wollt Ihr alles dafür tun?«

»Ja.«

Der Prinz atmete hauchend aus. »Dann hört, was ich Euch sage: Ihr müsst den Geist des Maferis von seinem Begehren freisprechen! Erst dann verlässt er auch Xanyes geplagte Seele. Ihr müsst ihn vom Bann der Krone Elrysjar befreien ...«

Eine Träne rollte über die Wange des Elfenkönigs.

»Wie?«

Die Augen des Menschenprinzen wurden starr wie Kieselsteine. Er hatte es geschafft. Er hatte es fast geschafft, er würde es tatsächlich schaffen! Seine Hände zuckten, doch er zwang sich, bewegungslos stehen zu bleiben. Warte, flüsterte er sich selbst zu.

Das Wort zerging ihm in Gedanken wie warme Butter. Warte noch ...

»Legt die Krone Elyrsjar ab«, befahl er. »Legt sie vor Eure Füße. Legt sie auf den Boden! Und dann wiederholt dreimal den Namen Eurer Schwester. Wiederholt den Namen! Dann wird sich die Gier des Maferis auflösen wie Rauch im Regen.«

Schluchzend sank der König von seinem Stuhl auf die Knie. Seine Hände schlossen sich um die schwarze Krone. Er hob sie sich von der Stirn. Dann lag das steinerne Diadem, die Kronenhälfte der Moorelfen, auf dem Boden zwischen dem König – und dem neuen König.

»Xanye«, wimmerte der König. »Xanye! Xanye! Maferis, gib Xanye frei!«

Der Prinz stürzte vor. Wie ein dunkler Schatten fiel er über die Krone und begrub sie mit seinem ganzen Körper. Der König schrie auf – dann brach sein Schrei abrupt ab. Erstarrt blickte er in das schmutzige Menschengesicht. Der Mensch hatte ihm ein Messer in die Brust gebohrt.

Verwundert starrte der König der Moorelfen auf das Blut, das ihm aus der Wunde schoss. Er hatte sein eigenes Blut so lange nicht gesehen ... Es war so unwirklich! Wer die Krone Elrysjar trug, konnte nicht bluten. Er sah von seiner Wunde auf. Der Mensch hielt das steinerne Diadem in verkrampften Fingern. Und plötzlich brach ein Lachen aus dem Menschen heraus, ein heiseres, keuchendes, wahnsinniges Lachen. Mit diesem Lachen starb der König. Und wurde der neue König geboren.

Aus allen Häusern kamen die Männer, die Frauen und Kinder in den Regen. Zitternd näherten sich die Moorelfen der Hütte ihres Königs. Das Wasser glänzte auf ihrer grauen Haut und ließ sie wie Wesen aus Stein erscheinen. Und wie erstarrt blieben sie stehen, als ihr König aus der Hütte trat.

Der Regen, der jetzt stärker in die Pfützen trommelte, zog Rinnsale über seinen verdreckten Mantel.

Einen Augenblick lang stand der neue König reglos vor den Elfen. Dann hob er die Hände und schob sich die Kapuze zurück: Die steinerne Krone Elrysjar schmiegte sich um seine Stirn, glänzend wie Sumpföl. Der Regen rann ihm über das Gesicht, er wusch Erde und Schmutz fort und enthüllte das lächelnde Gesicht eines Menschen.

»Folgt mir«, sagte der Menschenmann, feierlich und zischelnd, gebrochen in der Sprache der Elfen.

Und als er aus dem Dorf schritt, folgten ihm vierhundert bleiche Gestalten in einem stummen Zug.

»Das ist alles?«, hauchte die Stimme des Mädchens.

Die Augenlider des Königs zuckten. Es war, als erwache er aus den Erinnerungen ... Er starrte erst Arane an, dann seine eigenen bebenden Hände, als sähe er das Blut daran kleben. Das Blut des Moorelfenkönigs, den er erdolcht hatte, als er vor ihm auf dem Boden gekniet hatte.

Erstarrt beobachtete Arane, wie die Hände des Königs zu zittern begannen. Ihr fiel auf, dass seine Fingernägel bis aufs Nagelbett zurückgeschnitten waren. Zarte rote Schrammen zogen sich über seine Hände, weil er sie so heftig geschrubbt hatte.

»Ich habe ihm ein Messer in die Brust gestoßen.« Plötzlich kicherte er. »Ein Messer hat ihn getötet!«

Arane schluckte schwer. Ihr Mund war wie ausgetrocknet. Jetzt oder nie!

»Euch, mein König, wird kein Messer töten!«

Der Blick des Königs richtete sich auf sie.

Aranes Gesicht verriet nichts von ihrer Erregung, nichts von ihrem Plan. »Hört meine Vision an«, hauchte sie. »Hört zu, was Ihr tun müsst, um das magische Messer der Freien Elfen zu zerstören. Es ist ein Zauberspruch. Und wenn Ihr ihn aussprecht, dann wird das magische Messer in seiner Mitte gespalten, es wird zerbrechen und verglühen wie ein Stück Kohle!«

In den Augen des Königs lag ein Funkeln. »Es soll verglühen wie ein Stück Kohle«, wiederholte er.

»Wie ein Stück Kohle, ja. Es wird zerstört.«

»Es soll zerfallen wie Asche!« Der König lachte so schrill auf, dass Arane zusammenzuckte.

Dann stand sie auf. Ihr Blick verschleierte sich.

Für die Worte, die ihr jetzt über die Lippen kommen würden, würde sie enthauptet, oder ... oder sie würde die mächtigste Königin, die die Welt je gesehen hatte.

»Befolgt die Vision, die ich hatte, mein König, und Ihr werdet unbesiegbar wie ein Gott. Steigt bei Nacht zum höchsten Punkt des Turms hinauf, dorthin, wo die Winde zu den Wolken flüstern. Dort legt die Krone direkt vor Eure Füße, legt sie auf den Boden! Und dann wiederholt dreimal Euren Namen, laut und klar.«

»Meinen Namen?«, fragte der König.

Arane blickte über ihn hinweg. Sie konnte ihm nicht in das erschreckende Gesicht sehen. »Ein Name«, sagte sie, »ist die größte Schwäche, die jemand haben kann. Einen Namen kann man verfluchen. Euer Name ist die letzte Schwäche, die Euch anhaftet. Der Mord am König der Moorelfen klebt an Eurem Namen. So wie das Blut an Euren Händen klebt.«

Die Worte schienen den König wie Knüppelschläge zu treffen.

Arane hörte nicht auf zu sprechen. »Wenn Ihr Euren wahren Namen sagt, dreimal, werden die Winde des Himmels ihn auflösen, so wie sich Rauch im Regen auflöst. Und mit Eurem Namen wird Eure letzte Schwäche, das magische Messer der Freien Elfen, sich ebenfalls auflösen.«

Der König sah sie aus lichtlosen Augen an. Der Donner grollte nicht mehr. Die Stille füllte den gesamten Turm wie Daunenfedern.

Der König starrte Arane noch immer an. Was dachte er? Wollte er sie töten lassen für die Worte, die sie gesprochen hatte? Dachte er überhaupt etwas?

Stunden schienen in der Stille zu verstreichen, während er sie ansah ...

... Erschrocken fuhr Arane aus dem Schlaf. Einen Herzschlag lang glaubte sie noch immer die wahnsinnigen Augen des Königs vor sich zu sehen – doch sie blickte auf den fein bestickten Stoff ihres Himmelbettes.

Sie schluckte schwer, setzte sich auf und sah sich im großen Bett um. Scapa war nicht neben ihr. Es dauerte einen Moment, bis sie nach dem Traum ihre Stimme wiederfand.

»Scapa?«

Er befand sich nicht im Zimmer. Durch die hohen Fenster drang bereits helles Tageslicht. Arane stand auf und rief nach ihren Dienerinnen. Mit ausgestreckten Armen ließ sie sich in ein grünes Kleid hüllen und frisieren; weil sie keine Zeit verlieren wollte, entschied sie sich, das Haar in einem lockeren Zopf zu tragen. Dann verließ sie das Zimmer und machte sich auf die Suche nach Scapa.

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