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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Noch nie hatte er einen so durchdringenden Schrei gehört. Scapa zuckte zusammen, und als Arane nicht zu schreien aufhörte, trat er rückwärts mehrere Stufen hinab.

Arane hielt das Kästchen mit dem Schmuck in beiden Händen. Das magische Messer war fort. Ihre Finger verkrampften sich. Mit aller Wucht schleuderte sie das Kästchen von der Empore. Das Holz zersplitterte und die Schmuckstücke schlitterten über den Steinboden. Den Rock gerafft, kam Arane die Stufen herunter.

»WEG?!«, schrie sie. »DAS MESSER IST WEG?!«

Einer Dienerin, die mit einem Frühstück neben der Empore stand, riss sie das Tablett aus der Hand. Die Speisen flogen durch die Luft. Die Dienerin zuckte zusammen und Arane gab ihr eine Ohrfeige. Wieder stimmte sie einen ohrenbetäubenden Schrei an und riss am Stoff ihres Kleides.

»WEG?! IN – DER – ERSTEN – NACHT VERSCHWINDET DAS MESSER! WER HAT ES GESTOHLEN?«

Sie fuhr zu den Grauen Kriegern herum, die die brauntätowierten Gesichter gesenkt hatten. Mit bebenden Nasenflügeln schritt sie an den Tyrmäen vorbei.

»Wer hat es genommen?«, sagte sie.

Die Krieger warfen sich unruhige Blicke zu. »Die, die ... In Nacht, der Prinz von Freie Elfen und ... Mädchen verschwunden«, stammelte einer von ihnen.

Arane atmete schwer. Dann wurde ihr Keuchen zu einem wütenden Brüllen, sie packte den Grauen Krieger an den Schultern und stieß ihn zurück. Er ließ sich mehr von selbst zu Boden fallen, als dass er geworfen wurde. Dem zweiten Krieger riss Arane den Speer aus den Händen und schleuderte die Waffe weg.

»GEFANGENE FLIEHEN UND MESSER VERSCHWINDEN AUS MEINER THRONHALLE! UND WAS MACHT IHR? IHR MERKT NICHTS UND KÖNNT NICHT EINMAL SPRECHEN’.«

»Arane«, rief Scapa. »Arane!« Mit funkelnden Augen drehte sie sich um. »Das waren Elfen. Und ich kenne sie. Wahrscheinlich haben sie irgendeinen Zauber angewendet oder ... ja, sie haben ein Wildschwein! Das Wildschwein, das riecht alles.«

Sie kniff die Augen zusammen. »Ein Wildschwein?«

»Sie sind nicht wie normale Gefangene. Sie sind ...«

»Sie sind entschlossen, mich zu töten«, fauchte Arane. Ihr Blick irrte durch die Halle. »Ja, das ist es, was sie so zielstrebig macht: Sie wollen mich töten. Und sie wissen, wer ich bin.«

Sie reckte sich und nahm allmählich wieder die Haltung einer Königin an. »Aber ich werde sie aufspüren lassen. Und dann ...« Sie lächelte verkrampft.

»Dann gibt es Wildschweinbraten.«

Festen Schrittes ging sie durch die Halle. Scapa trat ihr in den Weg.

»Bitte. Tu ihnen nichts an, Arane! Ich bitte dich.«

Er ergriff ihren Arm. »Was, was sollen sie mit dem Messer schon anrichten? Sie haben doch keine Chance.«

Arane sah ihn aus schmalen Augen an. Und Scapa erschrak. Ein Schatten schien über ihr Gesicht gefallen zu sein. Ihre Züge blieben unbewegt – und doch erkannte Scapa sie für Sekundenbruchteile nicht wieder.

»Du verstehst es einfach nicht, Scapa.« Ihre Stimme war ein Schlangenzischen. »Du weißt ja nicht, was es bedeutet, dass sie das Messer haben!«

Mit einem bitteren Lächeln machte sie sich von ihm frei, strich sich über das Gesicht –ihre Hände zitterten – und lief aus der Halle.

Eine neue Welt

Scapa fand Arane auf einem weiten Balkon wieder, der größer war als das Zimmer, das zu ihm führte.

Schwarze Steinplatten bedeckten den Boden und in die Geländersäulen waren Löwenköpfe, Drachen und Dämonen gehauen.

Ein kühler Wind strich hier oben um den Turm. Er trug den Feuergeruch der Minen mit sich, deren Lichter tief unter dem Balkon schimmerten – die einzelnen Arbeiter konnte man von hier oben aus gar nicht sehen. Es war, als blicke man auf ein weites Feld von Ameisenhügeln herab.

Scapa trat neben Arane. Ihr Blick war in die Ferne gerichtet, dorthin, wo der riesige Krater anstieg und der Horizont in den Sumpfnebeln verschwamm. Eine Weile standen Scapa und Arane stillschweigend nebeneinander und beobachteten das graue Land. Der ewig währende Dunst der Marschen schien sie zu umschließen wie ein Laken und schirmte die Welt dahinter ab.

»Du hast Recht«, sagte Scapa leise. »Ich weiß nichts. Ich weiß nicht, was das Messer wirklich bedeutet.«

Er beobachtete ihr Profil. Der Wind spielte mit einzelnen Locken, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten. Von ihrem Wutausbruch war eine leichte Röte in ihre Wangen gestiegen. Aber die merkwürdige, erschreckende Schwärze, die über ihr Gesicht geglitten war, hatte sich längst aufgelöst.

»Ich verstehe nichts von dir.« Scapa wandte sich dem Wind zu. Er ignorierte den Geruch der Feuer und versuchte der Luft eine angenehme Frische abzuringen. Es kostete ihn alle Vorstellungskraft. »Weil du mir nichts erzählt hast.« Langsam lenkte Arane den Blick auf ihn. Und sehr ruhig begann sie zu sprechen.

»Das Messer ist die andere Hälfte der Krone. Es war die Krone der Freien Elfen. Dann haben sie sie in das Messer verwandelt, das den Träger Elrysjars töten kann ... das mich töten kann. Weil es aus demselben magischen Stein besteht wie Elrysjar selbst. Aber nicht wegen der Gefahr, die vom Messer ausgeht, muss ich es haben. Keine Gefahr kann mich hier berühren.«

Arane blickte wieder in die Ferne. Der Wind spielte mit den Falten ihres Kleides.

»Die beiden Kronenhälften waren irgendwann zusammengefügt. Sie waren eine Krone, die alle Elfen, die der Wälder und die der Marschen, zu einem Volk vereinte. Und wenn ich das Messer habe und es wieder mit Elrysjar zusammenfügen kann, dann ist es so wie früher. Und alle Elfen stehen unter einem König.«

»Du willst auch die Freien Elfen beherrschen?«

Aranes Augen glänzten matt. »Ich will die ganze Welt beherrschen. Elfen, Menschen ... Dass ich die Königin der Elfen bin, ist nur ein Mittel zum Zweck.«

Eine Weile schwieg Scapa. Irgendwo in der Ferne, hinter den Nebeln waren Nill und die Elfen. Und das magische Messer.

»Bitte«, sagte er mit belegter Stimme, »bitte töte sie nicht. Ich bitte dich, Arane. Es ist mein einziger Wunsch.« Als er Aranes Blick auf sich spürte, senkte er das Gesicht und stützte sich mit den Armen auf die breite Steinbrüstung.

»Denkst du an das Mädchen? Wer war sie? Eine enge Freundin? Hast du ... sie gerne gemocht?«

»Keine Ahnung. Ich, also ich kannte sie eigentlich nicht so besonders. Ich glaube, sie war in mich verliebt oder so.« Scapa wurde heiß, doch er war erstaunt, wie leicht er sein Gewissen zum Schweigen bringen konnte. Es war ganz einfach.

»Sie musste dich sehr gemocht haben, dass sie dir bis hier her gefolgt ist. Dich haben die Menschen schon immer gemocht.«

Eine Weile blieb es still zwischen ihnen. Dann sagte Scapa: »Erzähle mir alles. Alles über dich und den Turm und dein Reich. Deine Dienerinnen, zum Beispiel, sind keine Moorelfen. Wer sind sie?«

»Es sind Adelige. Bevor der Menschenkönig von Korr auftauchte, haben die Moorelfen und vierzehn Fürstenhäuser der Menschen Korr regiert, das weißt du bestimmt noch. Früher gab es doch auch in Kesselstadt einen Fürsten. Der König hat sie dann alle ermorden lassen oder gefangen genommen. Als ich die Krone erlangt habe, habe ich die Kerker durchsuchen lassen. Du wirst kaum glauben, wie riesig sie sind! Die Verliese erstrecken sich bis weit unter die Erde, es gibt unendliche Labyrinthe und Irrgänge. Dort habe ich lauter Fürstenkinder, Grafentöchter und Herzogssöhne gefunden – und ich suche immer noch nach neuen, denn ich habe längst nicht alle Kerker entdeckt. Jedenfalls sind sie jetzt meine Diener. Ich mag Elfen nämlich nicht in meiner Nähe, wenn ich es vermeiden kann.«

Scapa runzelte die Stirn. »Und dann bist du ausgerechnet die Königin der Elfen geworden?«

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