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Georgs Sorggen um die Vergangenheit

Электронная книга - «Georgs Sorggen um die Vergangenheit». Краткое содержание книги:

Georg wächst in einer der schönsten Wohngegenden Prags in einem summenden Frauenhaushalt auf. Leider zur Zeit des politischen Terrors, der überirdischen Atomtest und später des brutal unterdrückten Reformversuchs von '68. Umstellt von seinen vielen Tanten mit Kriegstraumata, dem tyrannischen Onkel ONKEL und der überstrahlend-schönen Mutter hält er an seiner Überzeugung fest, unter der Schirmherrschaft eines gewissen Heiligen eine helle Zukunft zu finden — trotz der totalitären Verhältnisse, der zerfallenden Prager Bausubstanz und der familiären Zwänge.
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Weil Frau Slajsovä alle großen Aufgaben liebte, blühte sie auch an den Tagen auf, an denen GROSSE WÄSCHE dran war. Große Wäsche hieß bei uns in der Regel Kochwäsche, weil alles, was nicht unbedingt geschont werden mußte, mit Vorliebe gleich mitgekocht wurde. Die Kochwäsche wurde in der ganzen Familie eine Weile gesammelt — so lange, bis der Berg für Frau Slajsovä groß genug war. Unsere Großfamilie besaß, wie man sich denken kann, noch keine Waschmaschine. Am Vorabend des großen Waschtageswurde der riesige Wäscheberg in eine Badewanne geworfen und unter Wasser gesetzt — zum zwölfstündigen Einweichen. Am nächsten Morgen begab sich die rauhhändige Slajsovä als erstes in die hinter den Kellern liegende Waschküche, heizte den Kessel ein, rieb Kernseife, bereitete alles Nötige vor. Schließlich schleppte sie in Eimern die schwer gewordene nasse Wäsche nach unten. Dort verschwand diese Ladung im beinah kochenden Wasser, und Frau Slajsovä verschwand ihrerseits auch — in den schweren Wasserdämpfen. Sie wurde in ihnen trotz ihrer Breite und Größe tatsächlich so gut wie unsichtbar.

— Frau Slajsovä, sind Sie da?

— Natürlich, bleib aber lieber draußen, Georg. Hier kann man nicht atmen — und der Ofen glüht. Der Grund für diese Zurückweisungen war klar — Frau Slajsovä war praktisch entkleidet, köchelte so gut wie nackt. In der Waschküche herrschte eine unvorstellbare Hitze, und die dort erreichte relative Feuchtigkeit lag sicher bei hundert Prozent. Was Frau Slajsovä zum Bleichen nutzte, wußte ich nicht, der ätzende Geruch, der aus dem Raum strömte, ließ einen aber das Schlimmste befürchten.

Frau Slajsovä fühlte sich dort trotz allem wie in ihrem Element, hatte ich das Gefühl. Sie wollte wie ein Fisch im Wasser alle Wonnen dieser dampfschweren Arbeit auskosten und weigerte sich grundsätzlich, bei den Kocharbeiten das Fenster zum Hof zu öffnen. Vielleicht wollte sie die Umwelt nicht verpesten, vielleicht fürchtete sie, ihre optimale Betriebs-, also Körpertemperatur zu verlieren und sich dabei noch zu verkühlen. Etwas Frischluft kam in den Raum nur durch die angelehnte Tür zum Kellergang. Einmal sah ich Frau Slajsovä in den Nebelschwaden breitbeinig auf einem hohen Hocker sitzen und mit dem zünftigen meterlangen Waschlöffel die familiäre Kochbrühe rühren. Sie saß mit dem Rücken zur Tür, dem Türspalt war sie dabei seitlich leicht zugewandt. Sie hatte nur ihren durchgehenden Unterrock an,»kombine «genannt, ihre überdimensionalen Brüste quollen über, Büstenhalter trug sie sowieso nie. Wie ich wußte, hatte sie ihr Leben lang allein gelebt. Sie saß etwas unruhig, erhob sich immer wieder leicht, setzte sich wieder hin und rieb ihre riesigen Arschbacken an der — im Verhältnis zu ihrem Unterleib — winzigen Sitzfläche des Hockers. Dann hob sie ihren Sitzapparat wieder leicht an und stellte sich zur Abwechslung etwas breitbeiniger hin — und rührte, ruderte und schaufelte mit ihren nackten oberen Extremitäten fleißig weiter. Plötzlich packte sie den schweren Hocker regelrecht zwischen ihre mächtigen Schenkel, rutschte auf ihm — trotz der gnadenlosen Umklammerung — nach vorn und schob sich dann wieder zurück. Anschließend fuhr sie wieder nach vorn, wobei sie ihren Schambereich anscheinend als Reibe- und Bremsklotz nutzte… Wenn ich damals jemanden gehabt hätte, mit dem ich über diese Nummer von Frau Slajsovä hätte reden können!

Es hätte durchaus auch eine Frau sein dürfen — eine familienfremde, versteht sich. Oder mein freigeistiger Großvater Schornstein, den ich manchmal aus seinem Ostrauer Grab gern herausgeholt hätte — wenn schon nicht vom Himmel heruntergezogen. Was mir über ihn und die vergnügliche Vorkriegszeit alles erzählt wurde! Er machte einmal einer Bekannten, die unangemeldet zu Besuch kam, die Tür auf, hatte aber lediglich sein Oberhemd an; darunter war er nackt.

— Ich bin immer gern bereit, wie Sie sehen.

Großvater Schornstein hätte mir sicher einiges genau erläutert und mir meine Karriere als Mösenschaftler behutsam geebnet. Und ich hätte Frau Slajsovä Geheimnis, aber sicher nicht nur dieses, viel früher lüften können. Heute weiß ich beispielsweise auch ohne die Hilfe meines Großvaters, daß etliche Damen das wildstreunende Fremdinteresse an ihrem Zentralorgan alles andere als unerfreulichfinden. Sie fühlen sich aber natürlich nur dann nicht peinlich berührt, wenn die mösenmagnetische Aufmerksamkeit in der Wortwahl sittlich und erst einmal — IM ERNST! — auf Narration und Deskription beschränkt bleibt.

in der Stadt gab es immer mehr rollstuhl-desperados auf crashkurs

In Prag war man umgeben von Diplomingenieuren. Überall auf den Straßen, in den Büros, auf Baustellen, in den Schlangen vor Geschäften, in Straßenbahnen oder Theatern. Überall hörte man:

— Guten Tag, Herr Ingenieur… ach, Sie sind es, Frau Ingenieur, haben Sie eingekauft?… Sie haben sich aber gar nicht verändert, Herr Ingenieur… Sehen Sie mal, da geht Herr Ingenieur Kapr über die Straße…

Ich persönlich wurde auch von Diplomingenieuren umlagert. Mein Vater war einer, mein Onkel und erstaunlicherweise sogar meine Mutter. Onkels Frau Eva sowieso, sie war aber noch mehr. In unserem Mietshaus gab es dann noch zwei oder drei weitere Diplomingenieure, wenn nicht mehr — manche versuchten, ähnlich wie meine Mutter, ihren Titel geheimzuhalten. Diese Ingenieurdichte kam in Prag nicht deshalb zustande, weil man in der Vergangenheit auf technische Berufe so versessen gewesen wäre. Diesen Titel trugen neben den echten Hardware-Ingenieuren zum Beispiel auch alle tschechischen Ökonomen und Landwirte. Die ihnen eher zustehenden Titel Dipl.-Ökon., Dipl.-Landw. gab es bei uns einfach nicht, was eine gewisse Tradition hatte. Und weil Fachschulabsolventen überhaupt keine Titel trugen, war bei den Hochschülern auch das Kürzel» Dipl.«überflüssig — jeder» Ing. «war von Hause aus ein diplomveredelter Mensch.

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