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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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»Fühlen, gewiss. Aber ich sehe es nicht. Nicht genau.«

»Was hat Wenzel vor?«

Ingrey schüttelte den Kopf. »Ich habe immer mehr Zweifel, dass er überhaupt etwas vorhat … außer seine alten Geheimnisse zu schützen. Sein Verstand ist dermaßen angefüllt, dass er manchmal gar nichts mehr wahrzunehmen scheint … aber nicht, dass es ihn weniger gefährlich machte. Wovor hat er wirklich Angst? Ermordet werden kann er nicht, wie es den Anschein hat.« Eine Hinrichtung würde den Grafen nicht aufhalten. Aus einem Gefängnis konnte Wenzel, wenn er verzweifelt genug war, auf die gleiche grausame Weise flüchten, egal wie tief der Kerker sein mochte oder wie viele Wachen es gab. Plötzlich erkannte Ingrey, dass er keinesfalls Wenzels Verhaftung riskieren wollte.

Ijadas Lippen zuckten in neuerlicher Verwirrung. »Wenn die Seele des Grafen nie zu den Göttern gelangt ist, wie hat er dann während all der Jahrhunderte seine Bestattungszeremonien überstanden, ohne Aufsehen zu erregen?«

Ingrey hielt inne, wägte ausbleibende Gerüchte ab und machte dann eine verneinende Gebärde. »Da er den Körper seines Erben besetzte, wird er in der Regel für seine eigenen Rituale verantwortlich gewesen sein. Ich bin mir sicher, im Laufe der Zeit verstand er es meisterhaft, seine Bestattungsriten so zu beeinflussen, dass sie genau das von ihm gewünschte Ergebnis zeigten. Und wenn es mitunter fehlschlug … nun ja. Einige Menschen sind eben verloren.«

Diese Merkwürdigkeit brachte Ingreys Gedanken erneut durcheinander. Wie musste es auf Rossfluten gewirkt haben, dem Begräbnis des eigenen Körpers zuzusehen, wieder und wieder? Ein verdrehter Verlust durch das Wissen, dass nicht der Vater, sondern der Sohn in dieser Stunde verloren gegangen war.

Ijada nickte. »Wenn die Kirche sich dieses Zaubers annehmen müsste, was könnte sie tun?«

»Ich weiß es nicht genau. Nichts, denke ich, abgesehen vielleicht durch Magie oder ein Wunder.«

»Die Götter stecken bereits bis zum Bauchnabel mit drin. Und zwar ohne große Beteiligung der Kirche.«

»So sieht es aus.« Ingrey seufzte.

»Was also sollen wir tun?«

Ingrey rieb sich den schmerzenden Nacken. »Weiterhin warten. Ich werde in Rossflutens Dienste treten. Und dort spionieren, aber nicht nur für Hetwar. Vielleicht entdecke ich da etwas, um dem Ganzen einen Sinn zu verleihen … ein Stück, das uns noch fehlt.«

»Und die Gefahr für dich selbst?«, wandte sie besorgt ein.

Ingrey zuckte die Achseln.

Sie sah unzufrieden aus. »Ich habe das Gefühl, dass während dieser Pause irgendwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.«

»Welche Pause? Dieser grauenhafte Tag hat mich bis auf die Knochen zermürbt.«

Zornig stieß sie hervor: »Während ich in diesem Haus eingesperrt bin!«

Er beugte sich vor, zauderte für einen Sekundenbruchteil voller Angst und küsste sie. Sie schreckte nicht zurück. Diesmal gab es keine unvermittelte Erschütterung, keine Veränderung seiner Wahrnehmung von ihr. Das aber lag nur daran, dass ihre leise Präsenz ihn seit dem ersten Kuss niemals verlassen hatte. Er konnte sie spüren als einen gleichmäßigen Fluss, wie die Strömung in einem Mühlgerinne zwischen ihnen beiden. Seine körperliche Erregung war nun betäubt von Erschöpfung, der Genuss ihrer Lippen ertrank in verzweifeltem Unbehagen. Sie erwiderte die Umarmung weder in Lust noch in Liebe, sondern in hungrigem Vertrauen — nicht in seine zweifelhaften Fähigkeiten, aber in ihn als Ganzes. Sein Herz erglühte vor Staunen. Er bebte.

Sie zog sich zurück und strich ihm die Haare aus der Stirn, halb lächelnd, halb besorgt. »Hast du etwas gegessen?«

»Nicht in letzter Zeit.«

»Du siehst müde aus. Vielleicht solltest du etwas zu dir nehmen.«

»Hetwar meinte das auch.«

»Dann wird es wohl stimmen.« Sie stand auf. »Ich gebe in der Küche Bescheid, dass sie etwas vorbereiten.«

Er drückte ihren Handrücken gegen seine pochende Stirn, ehe er sie widerstrebend losließ.

Auf halbem Weg zur Tür schaute sie über die Schulter. »Ingrey …«

»Ja?« Er hob den Kopf.

»Wenn Wenzel wirklich ein geheimnisvoller Geheiligter König ist und du dessen Erbe, was wirst du dann dadurch?«

Vor allem ängstlich. »Nichts Gutes.«

»Oh.« Sie schüttelte den Kopf und ging hinaus.

Ingrey schlief am nächsten Morgen länger, als er vorhatte, und seine neuen Befehle trafen eher ein als erwartet; sie wurden von Gesca überbracht. Hastig warf er seine Kleidung über, eilte die Treppe hinunter und traf in der Eingangshalle seinen ehemaligen Truppführer. Während der Pförtner zur Küche schlurfte und nach dem Jungen rief, sprach Gesca mit gedämpfter Stimme in Ingreys Ohr:

»Ihr sollt dem Grafen von Rossfluten unterstellt werden.«

»Jetzt schon? Das ging aber schnell. Was wird aus meiner Gefangenen?«

»Ich soll Euren Platz als Aufseher übernehmen.«

Ingrey straffte sich. »In wessen Auftrag? Hetwars oder Rossflutens?«

»Hetwars und des Erzprälaten.«

»Soll sie anderswo hingebracht werden?«

»Davon hat mir bisher niemand etwas gesagt.«

Ingrey musterte den ängstlich wirkenden Offizier mit zusammengekniffenen Augen. »Und wem hast du letzte Nacht nach dem Treffen bei Hetwar Bericht erstattet?«

»Warum sollte ich jemandem davon berichten?«

Mit einem zufällig wirkenden Schritt, der niemanden täuschte, drängte Ingrey den Mann gegen die Wand. Er stützte sich auf den ausgestreckten Arm und drehte sich, um Gesca genau in die Augen zu schauen. »Du kannst genauso gut zugeben, dass du zu Rossfluten gegangen bist. Wenn ich Wenzel auf die gleiche Weise diene, wie ich Hetwar gedient habe, werde ich bald schon in seine Pläne eingeweiht sein.«

Gesca öffnete den Mund, doch er schüttelte nur den Kopf.

»Es hat keinen Sinn, Gesca. Ich weiß von deinen Briefen an ihn.« Es war ein weiterer Schuss ins Halbdunkel, doch dem Zucken des Offiziers nach traf er sein Ziel.

»Wie habt Ihr … Ich dachte, es könnte nicht schaden. Der Graf war Lord Hetwars Verbündeter. Ich dachte, ich würde einfach nur einem Freund meines Herren einen Gefallen erweisen.«

»Gegen eine angemessene Belohnung, möchte man meinen.«

»Nun … ich bin kein reicher Mann. Und der Graf ist kein Knauser.«

Gescas Augenbrauen sanken in wieder erwachter Wachsamkeit herab. »Woher habt Ihr davon gewusst? Ich könnte schwören, Ihr habt es niemals beobachtet.«

»Durch Wenzels allzu pünktliche Ankunft in Mittelstadt. Unter anderem.«

»Oh.« Gescas Schultern sanken herab und er verzog das Gesicht.

War Gesca unglücklich darüber, weil er sich zu einer Untreue gegenüber Lord Hetwar hatte hinreißen lassen, oder weil man ihn dabei erwischt hatte? »Da bist du auf einen schlüpfrigen Abhang geraten, nicht wahr? Einen Gefallen zu erweisen macht einen Mann ebenso verwundbar, wie einen Gefallen anzunehmen. Deswegen neige ich weder zu dem einen noch zu dem anderen.« Ingrey lächelte auf wölfische Weise, um für Gesca die Illusion seiner Unverletzlichkeit aufrechtzuerhalten.

Gesca wurde kleinlaut. »Werdet Ihr mich jetzt verpfeifen? «

»Habe ich dich beschuldigt?«

»Das ist keine Antwort. Nicht von Euch.«

»Stimmt.« Ingrey seufzte. »Würdest du es Hetwar selbst gestehen, anstatt auf eine Anklage zu warten, hättest du wohl eher eine Rüge zu erwarten als eine Entlassung. Hetwar legt nicht so viel Wert auf die absolute Ehrlichkeit seiner Leute. Wichtiger ist ihm, dass er genau weiß, wo die Grenzen ihrer Arglist liegen. Auf gewisse Weise verschafft ihm das wohl eine beruhigende Sicherheit, denke ich.«

»Und was ist mit Euren Grenzen? Welche Beruhigung findet er da?«

»Wir erinnern einander gegenseitig daran, dass man stets auf der Hut sein muss.« Ingrey musterte Gesca von oben bis unten. »Nun, es gibt wohl schlimmere Wärter.«

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