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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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»Und das wirft die Frage nach dem Verbleib der Gefangenen auf«, sagte Hetwar. »Wenn Wenzel unter Verdacht steht, so auch seine Großzügigkeit bei der Unterbringung von Lady Ijada. Es mag an der Zeit sein, sie an einen sichereren Ort zu verlegen.«

Ingrey erstarrte. Würde man Ijada nun seiner Aufsicht entreißen? Behutsam fragte er: »Würde das unser Misstrauen gegen Wenzel nicht vorzeitig aufdecken?«

»Keinesfalls«, widersprach der Erzprälat. »Eine solche Veränderung war nach der Bestattung absehbar.«

»Mir scheint, als wäre ihre gegenwärtige Unterbringung angemessen«, wandte Ingrey ein. »Sie macht keine Anstalten zu fliehen und vertraut auf die Gerechtigkeit der Kirche. Ich erwähnte bereits, dass sie naiv ist«, fügte er noch als kleinen Stich gegen Fritine hinzu.

»Ja, aber Ihr könnt nicht an zwei Orten gleichzeitig aufpassen«, führte Biast folgerichtig an.

Angesichts der wachsenden Anspannung in Ingreys Haltung, griff Hetwar schließlich ein und hob in einer beschwichtigenden Geste die Hand. »Darüber können wir später noch reden. Ich danke Euch, dass Ihr Euch bereit gefunden habt, uns in dieser schwierigen Angelegenheit zu helfen, Lord Ingrey. Was glaubt Ihr, wann Ihr in Rossflutens Haushalt überwechseln könnt?«

»Heute Abend?«, sagte Biast.

Nein! Ich muss erst noch Ijada treffen! »Ich fürchte, es würde sehr seltsam wirken, wenn ich dort schon erscheinen würde, bevor er bei Euch um meine Dienste nachgesucht hat, Lord Hetwar. Und Ihr solltet Euch auch nicht zu bereitwillig überreden lassen. Außerdem muss ich dringend etwas essen und schlafen.« Zumindest Letzteres entsprach der Wahrheit.

»Ich würde meine Schwester lieber jetzt schon beschützt sehen«, stellte Biast fest.

»Dann könnt Ihr vielleicht selbst noch einen Besuch bei ihr einrichten.«

»Ich habe keine übernatürlichen Kräfte, die ich gegen Wenzel zu Felde führen könnte!«

Also glaubt Ihr allmählich, dass Ihr mich doch noch unverbrannt benötigt? Gut. »Gibt es denn keinen Tempelzauberer, denn man zwischenzeitlich zu ihrem Schutz abstellen könnte?«

»Alle, die ich für geeignet halten würde, sind derzeit in anderen Aufgaben unterwegs«, erklärte Lewko. »Ich werde baldmöglichst den dringenden Befehl für ihre Rückkehr aussenden.« Fritine nickte zu diesen Worten.

»Beruhigt Euch, Hoheit«, sagte Hetwar zu Biast, der schon wieder den Mund öffnete. »Ich glaube, heute Abend können wir nichts Sinnvolles mehr tun.« Mit einem müden Ächzen stemmte er sich an seinem Schreibpult hoch. »Ingrey, kommt mit mir nach draußen.«

Ingrey entschuldigte sich bei den noch dasitzenden Großen und verabschiedete sich mit einer kleinen Verbeugung von Gesca, nur um ihn ein wenig einzuschüchtern. Wenn Gesca tatsächlich Rossflutens Spion war, wie würde Wenzel dann auf diesen Bericht reagieren? Obwohl der Graf Cumrils Beschuldigung gewiss erwartet hatte. Zumindest konnte Gesca bestätigen, dass nicht Ingrey diesen Verdacht aufgebracht hatte. Ja. Diesmal sollte ich Gesca noch laufen lassen, seiner Duftmarke folgen und nachsehen, ob sie wirklich dorthin führt, wo ich vermute.

Ingrey folgte Hetwar durch den dämmrigen, mit Teppich ausgelegten Korridor bis außer Hörweite der geschlossenen Tür zum Arbeitszimmer. »Herr?«

Hetwar wandte sich ihm zu, unmittelbar unter einem Wandleuchter. Der Kerzenschein umriss seine besorgten Gesichtszüge. »Bis heute war ich überzeugt, dass Wenzels offensichtliches Interesse an der bevorstehenden Wahl dem Wohl seines Schwagers dienen sollte. Er genoss mein höchstes Vertrauen. Jetzt aber frage ich mich, ob er nicht wie Boleso von sehr viel näher liegenden Wünschen angetrieben wurde.«

»Hat er in letzter Zeit noch weitere eigenartige Schritte unternommen, von seinem seltsamen Interesse an Ijada abgesehen?«

»Sagen wir lieber, eigenartige Schritte in früherer Zeit, die jetzt in einem neuen Licht erscheinen.« Hetwar rieb sich die Stirn und schloss kurz die Augen. »Während Ihr auf Fara aufpasst, dann achtet bitte auch auf jeden Hinweis auf ein ungesundes persönliches Interesse Wenzels an der nächsten Königswürde.«

»Ich bin mir ziemlich sicher, dass Wenzel nicht an bloßer politischer Macht interessiert ist«, sagte Ingrey.

»Diese Äußerung beruhigt mich nicht allzu sehr, Ingrey. Vor allem dann nicht, wenn ein gewisser Wolfsherr die Worte Königswürde und Magie im selben Atemzug ausspricht. Ich weiß sehr gut, dass Ihr längst nicht alles gesagt habt.«

»Wilde Mutmaßungen bergen auch ihre Gefahren.«

»Allerdings. Ich will Tatsachen. Ich möchte keinen wertvollen Verbündeten nur wegen falscher Anschuldigungen verlieren. Ich will es aber umgekehrt auch nicht an Wachsamkeit gegenüber einem möglicherweise gefährlichen Gegner fehlen lassen.«

»Ich bin in dieser Sache zumindest ebenso neugierig wie Ihr, Herr.«

»Gut.« Hetwar klopfte ihm auf die Schulter. »Dann geht und sorgt dafür, dass Ihr das Essen und den Schlaf bekommt, von dem Ihr geredet habt. Ihr seht wie eine lebende Leiche aus.

Seid Ihr sicher, dass Ihr heute Morgen nicht wirklich unpässlich wart?«

»Das wäre mir lieber gewesen. Hat Lewko berichtet, was ich ihm erzählt habe?«

»Von Eurer so genannten Vision? O ja, in der Tat. Und es war wirklich eine sehr lebhafte Erzählung.« Er zögerte. »Auch wenn Biast sie anscheinend als recht tröstlich empfand.«

»Habt Ihr sie geglaubt?«

Hetwar neigte den Kopf. »Habt Ihr es?«

»O ja«, hauchte Ingrey.

Hetwar stand ganz still da, schaute Ingrey in die Augen und senkte dann voller Unbehagen den Blick. »Ich bedauere sehr, dass mir diese Darbietung entgangen ist. Was habt Ihr und der Gott denn nun wirklich miteinander besprochen?«

»Wir … haben uns gestritten.«

Hetwars Lippen kräuselten sich in einem trockenen Lächeln. »Warum überrascht mich das nicht? Ich wünsche den Göttern alles Gute mit Euch. Mögen sie mehr Glück haben als ich bei dem Versuch, Euch jemals eine klare Antwort zu entlocken.« Er wandte sich zum Gehen.

»Herr«, rief Ingrey.

Hetwar wandte sich ihm wieder zu. »Ja?«

»Wenn … äh …« Ingrey musste schlucken, denn sein Hals war rau. »Wenn … aus welchem Grund auch immer … mein Vetter Wenzel in den nächsten Tagen ums Leben kommen sollte, würdet Ihr dann bitte dafür sorgen, dass ich unverzüglich vor ein Tribunal des Tempels komme? Und dass bei der Untersuchung die besten Zauberer zugegen sind, die Lewko auftreiben kann?«

Hetwar runzelte die Stirn und schaute ihn an. Er setzte zum Sprechen an, schloss den Mund dann aber wieder. »Ich nehme an«, brachte er schließlich hervor. »Ihr meint, dass Ihr mir so etwas einfach vorsetzen und dann unverrichteter Dinge davonspazieren könnt?«

»Darauf könnt Ihr schwören.«

»Ihr verwechselt wohl schwören und fluchen

»Schwört es.«

»Ja, meinetwegen.«

»Gut.«

Ingrey trat mit einer Verbeugung von ihm fort. Hetwar rief ihn nicht zurück, obwohl Ingrey ihn tatsächlich leise fluchen hörte, als er zur Treppe ging.

Kapitel Achtzehn

Als der Pförtner Ingrey einließ, kauerte Ijada unten auf der Treppe und hatte die Arme noch fester um sich geschlungen als beim letzten Mal. Die Zofe saß ein paar Stufen höher und betrachtete Ijada besorgt.

Ijada sprang auf, und ihre Augen schienen in Ingreys Gesicht nach etwas zu forschen; er hatte keine Ahnung wonach. Doch Ijada schien es zu entdecken, denn sie stürzte sich auf ihn, packte seine Arme, zerrte ihn in den Nebenraum und schlug der unzufriedenen, eingeschüchterten Zofe die Tür vor der Nase zu.

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