Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Русская классическая проза » Aufzeichnungen aus einem toten Hause

Электронная книга - «Aufzeichnungen aus einem toten Hause». Краткое содержание книги:

Aufzeichnungen aus einem toten Hause
1 ... 81 82 83 84 85 86 87 88 89 ... 96
Перейти на страницу:

»Aha, jetzt seid ihr alle zufrieden!« rief er hastig. »Ich habe es gesehen... ich habe es gewußt. Das sind die Rädelsführer! Unter diesen befinden sich die Rädelsführer!« fuhr er fort, sich an Djatlow wendend. »Das muß man genauer untersuchen. Und jetzt... jetzt ist es Zeit zur Arbeit. Man schlage die Trommel!«

Er wohnte selbst dem Abmarsche der einzelnen Gruppen zur Arbeit bei. Die Arrestanten gingen schweigend und traurig zu ihren Arbeiten, wenigstens damit zufrieden, daß sie ihm aus den Augen kamen. Aber gleich nach dem Abmarsche ging der Major sofort auf die Hauptwache und diktierte den »Rädelsführern« ihre Strafen zu, die jedoch nicht zu grausam waren. Er hatte sogar Eile. Wie man sich später erzählte, bat ihn einer von ihnen um Verzeihung, die er ihm auch sofort gewährte. Der Major fühlte sich sichtlich nicht sehr behaglich und hatte vielleicht sogar einige Angst bekommen. Eine Beschwerde war in jedem Falle eine heikle Sache, und obwohl die Klage der Arrestanten eigentlich gar keine Beschwerde war, da sie nicht an die höhere Behörde, sondern an den Major selbst gerichtet wurde, war sie doch eine unangenehme, üble Geschichte. Besondere Bedenken machte ihm, daß alle, ohne Ausnahme, sich gegen ihn erhoben hatten. Nun galt es, die Sache so schnell wie möglich zu vertuschen. Die »Rädelsführer« wurden bald entlassen. Gleich am nächsten Tag war schon die Beköstigung besser, aber diese Besserung hielt nicht lange an. Der Major besuchte in der ersten Zeit häufiger das Zuchthaus und fand häufiger Unordnungen vor. Unser Unteroffizier ging besorgt, wie vor den Kopf geschlagen umher, als könnte er sich von seinem Erstaunen nicht erholen. Was aber die Arrestanten betrifft, so konnten sie sich lange nachher nicht beruhigen; aber sie waren nicht mehr so aufgeregt wie früher, sondern eher aus dem Konzept gebracht. Manche ließen sogar den Kopf hängen. Andere äußerten sich brummig und wortkarg über die Sache. Viele machten sich gehässig und laut über sich selbst lustig, als wollten sie sich für ihre Beschwerde bestrafen.

»Da hast du es erlebt, Bruder!« sagte manchmal einer.

»Was man eingebrockt hat, muß man selbst auslöffeln!« fügte ein anderer hinzu.

»Wo ist die Maus, die der Katze die Schelle umhängt?« fragte ein dritter.

»Wir lassen uns ohne einen Knüppel nicht belehren. Es ist noch gut, daß er nicht alle hat durchpeitschen lassen.«

»Man soll eben mehr vorher denken und weniger schwatzen, das ist immer besser!« bemerkte einer boshaft.

»Wie kommst du dazu, uns zu lehren, wer hat dich als Lehrer angestellt?«

»Ich lehre euch Vernunft.«

»Ja, wer bist du überhaupt?«

»Ich bin vorläufig noch ein Mensch, wer aber bist du?«

»Ein Hundefraß bist du.«

»Das bist du selbst.«

»Genug! Was lärmt ihr so!« schrie man den Streitenden von allen Seiten zu...

Am gleichen Abend, d.h. am Abend des Tages, an dem die Beschwerde vorgebracht wurde, traf ich, von der Arbeit zurückgekehrt, hinter der Kaserne Petrow. Er hatte mich schon gesucht. Er ging auf mich zu, murmelte etwas vor sich hin, machte zwei oder drei unbestimmte Ausrufe, verstummte dann aber zerstreut und ging automatisch neben mir her. Diese ganze Sache lag mir noch schwer auf dem Herzen, und ich glaubte, Petrow würde mir einiges davon erklären.

»Sagen Sie, Petrow,« fragte ich ihn, »sind Ihre Leute uns nicht böse?«

»Wer soll böse sein?« fragte er, gleichsam aus dem Schlafe erwachend.

»Ob die Arrestanten nicht uns... den Adligen böse sind.«

»Warum sollten sie Ihnen böse sein?«

»Nun, weil wir uns an der Beschwerde nicht beteiligten.«

»Weshalb sollten sie sich an der Beschwerde beteiligen?« fragte er, als bemühe er sich, mich zu verstehen. »Sie haben ja Ihre eigene Beköstigung!«

»Ach, mein Gott! Es gibt ja auch unter Ihren Kameraden solche, die ihre eigene Kost essen, und die waren doch alle dabei. Also hätten auch wir dabei sein müssen... aus Kameradschaft.«

»Ja... was sind Sie uns denn für ein Kamerad?« fragte er erstaunt.

Ich sah ihn rasch an: er verstand mich absolut nicht, er begriff nicht, was ich wollte. Dafür hatte aber ich ihn in diesem Augenblick vollkommen verstanden. Ein Gedanke, der sich in mir schon längst dunkel geregt und mich verfolgt hatte, wurde mir nun zum erstenmal vollkommen klar, und ich begriff plötzlich das, was ich bis dahin nur vermutet hatte. Ich begriff, daß sie mich niemals in ihre Kameradschaft aufnehmen würden, selbst wenn ich ein noch so gemeingefährlicher, für Lebenszeit verurteilter Arrestant, sogar einer aus der Besonderen Abteilung wäre. Besonders deutlich blieb mir das Gesicht, das Petrow dabei machte, in Erinnerung. In seiner Frage: »Was sind Sie uns für ein Kamerad?« tönte eine so echte Naivität, ein so einfältiges Erstaunen. Ich fragte mich sogar: ist hier nicht auch Ironie, Bosheit, Spott dabei? Es war aber nichts von alledem der Falclass="underline" ich war ihnen einfach kein Kamerad und basta. Geh du deinen Weg, wir gehen den unsrigen; du hast deine eigenen Geschäfte, und wir haben unsere Geschäfte.

Ich hatte schon geglaubt, daß sie uns nach der Geschichte mit der Beschwerde einfach auffressen und uns das Leben vergiften würden. Aber es geschah nichts Derartiges: wir bekamen nicht den geringsten Vorwurf, nicht die leiseste Spur eines Vorwurfes zu hören und auch kein bißchen Bosheit mehr als sonst zu spüren. Sie quälten uns einfach bei Gelegenheit, wie sie uns auch schon vorher gequält hatten, aber weiter nichts. Sie waren übrigens auch auf diejenigen ihrer Kameraden nicht böse, die sich an der Beschwerde nicht hatten beteiligen wollen und in der Küche geblieben waren, ebensowenig auch auf die, die als die ersten gerufen hatten, daß sie mit allem zufrieden seien. Das wurde überhaupt von niemand erwähnt. Das letztere war mir besonders unbegreiflich.

VIII

Die Kameraden

Ich fühlte mich natürlich mehr zu meinesgleichen, d.h. zu den »Adligen«, hingezogen, namentlich in der ersten Zeit. Aber von den drei ehemaligen russischen Adligen, die sich bei uns im Zuchthause befanden (es waren dies: Akim Akimytsch, der Spion A–w und derjenige, der als Vatermörder galt), verkehrte ich nur mit Akim Akimytsch. Offen gestanden, verkehrte ich mit Akim Akimytsch nur aus Verzweiflung, in Augenblicken der äußersten Langeweile, wenn ich keine Möglichkeit sah, mit jemand anderem außer ihm zu sprechen. Im vorigen Kapitel hatte ich versucht, alle unsere Leute in Kategorien einzuteilen, aber wenn ich mich jetzt an Akim Akimytsch erinnere, glaube ich noch eine Kategorie hinzufügen zu können. Diese bestand allerdings aus ihm allein. Es ist die Kategorie der völlig gleichgültigen Zuchthäusler. Völlig gleichgültige Menschen, d.h. solche, denen es gleich gewesen wäre, in der Freiheit oder im Zuchthause zu leben, gab es bei uns natürlich nicht und konnte es auch nicht geben, aber Akim Akimytsch bildete, glaube ich, eine Ausnahme. Er hatte sich im Zuchthause sogar so eingerichtet, als hätte er die Absicht, lebenslänglich da zu bleiben: alles, was er um sich hatte, mit den Kissen, der Matratze und sonstigem Hausrat angefangen, war so fest, stabil und dauerhaft. Vom Biwakmäßigen, Provisorischen war nicht die Spur zu merken. Er hatte allerdings noch viele Jahre im Zuchthaus zuzubringen, aber er dachte wohl kaum je an den Tag seiner Entlassung. Wenn er sich mit der Wirklichkeit abgefunden hatte, so nicht aus Herzensneigung, sondern nur aus Subordination, was für ihn übrigens dasselbe war. Er war ein guter Mensch und half mir sogar in der ersten Zeit mit seinen Ratschlägen und einigen Dienstleistungen, aber ich muß gestehen, daß er mich, besonders in der ersten Zeit, ungeheuer trübsinnig machte und meine schon ohnehin drückende Melancholie noch vergrößerte. Es war aber gerade diese melancholische Stimmung, die mich trieb, mit ihm zu sprechen. Ich erwartete von ihm zuweilen ein lebendiges Wort, wenn auch ein erbittertes, unduldsames, sogar gehässiges: dann würden wir uns wenigstens zusammen über unser Schicksal ärgern; er aber schwieg, klebte seine Laternchen oder erzählte, was für eine Truppenparade sie in dem und dem Jahre gehabt hätten, wer der Divisionskommandeur gewesen sei, wie dieser mit seinem Namen und Vatersnamen geheißen habe, ob die Truppenparade ihn befriedigt hätte oder nicht, wie die Plänklersignale einmal abgeändert worden seien usw. Dies alles erzählte er mit einer so gleichmäßigen Stimme, wie wenn Wasser Tropfen auf Tropfen herunterfiele. Er äußerte sogar fast keine Begeisterung, als er mir erzählte, wie er wegen Teilnahme an der und der Schlacht im Kaukasus mit dem Orden der heiligen Anna und dem Ehrendegen ausgezeichnet worden sei. Nur klang seine Stimme in solchen Augenblicken ungewöhnlich wichtig und solid; er dämpfte sie ein wenig, so daß es sogar irgendwie geheimnisvoll klang, als er das Wort »heilige Anna« aussprach, und dann blieb er an die drei Minuten besonders schweigsam und gesetzt... In diesem ersten Jahre hatte ich manchmal dumme Augenblicke, wo ich (und zwar immer ganz unvermittelt) Akim Akimytsch, ich weiß selbst nicht warum, zu hassen anfing und stumm mein Schicksal verfluchte, weil es mich auf der Pritsche Kopf an Kopf mit ihm untergebracht hatte. Gewöhnlich machte ich mir deswegen schon nach einer Stunde Vorwürfe. Aber das kam nur im ersten Jahre vor; später versöhnte ich mich in meinem Herzen gänzlich mit Akim Akimytsch und schämte mich meiner früheren dummen Anwandlungen. Äußerlich haben wir uns aber, wie ich mich erinnere, niemals gezankt.

1 ... 81 82 83 84 85 86 87 88 89 ... 96
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)