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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Ach, Kaveh.« Sie zog die Nase hoch. »Du weißt es nicht, aber du bist so viel weiser, als du denkst!«

»Was?« Er lächelte. »Ich bin nicht weise.«

»Doch, das bist du. Du weißt mit deinem Herzen mehr als alle klugen Köpfe dieser Welt. Und ...« Sie versuchte auszudrücken, was sie nun für ihn empfand. »Dir würde ich mein Leben anvertrauen.«

»Wirklich?«

Nill nickte heftig. Einen Moment sah er sie nur an.

Dann beugte er sich näher zu ihr vor. Seine Hand schloss sich um ihr Handgelenk. »Dann bitte ich dich, vertrau es mir jetzt an!«

»Was?«

Kaveh zog Nill auf die Beine und flüsterte: »Wir wollen ausbrechen. Zwei Wochen lang haben wir uns einen Weg aus unserem Kerker gegraben, und jetzt hat Bruno mehrere Stollen gefunden, die uns vielleicht von hier wegbringen. Hast du noch das magische Messer?«

Nill schüttelte den Kopf.

»Egal«, fuhr Kaveh fort. »Wir werden es uns wieder holen.«

»Aber –«

Ehe Nill noch etwas sagen konnte, nahm er ihre Hand und zog sie zum Loch in der Wand. Augenblicke später tastete sie sich mit den Elfen und Bruno durch undurchdringliche Finsternis.

Durch die Finsternis

Es war spät in der Nacht, als Scapa sich in das Bett legte, zu dem die Dienerinnen ihn geführt hatten.

Samtblaue Vorhänge umschlossen das Bett und die bestickten Decken. Scapa lag reglos in der Dunkelheit, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, und blickte zum Baldachin auf, als sich die Türflügel des Zimmers einen Spalt öffneten. Eine weiße Gestalt huschte über den Teppich. Vor dem Bett blieb sie stehen und schob die Vorhänge zur Seite. Scapa stützte sich auf seine Ellbogen.

Es war Arane. Sie stand in einem langen Nachthemd vor ihm. Die Krone trug sie noch immer.

Wortlos setzte sie sich neben ihn ins Bett.

»Das verfluchte Messer glüht immerzu.« Arane sagte es so leise, dass er sie kaum hörte. »Und wenn ich in seine Nähe komme, dann glüht auch die Krone.«

Scapas Blick wanderte zu dem Steindiadem hinauf, aber es war so nachtschwarz wie immer. »Dann setz die Krone doch ab.«

Ohne darauf einzugehen, nahm Arane seine Hand.

»Ich habe den Steindorn weggebracht.«

»Wohin?«, fragte er verblüfft.

»Er liegt in einem Schmuckkästchen unter meiner Liege, im Thronsaal«, flüsterte sie. »Da ist er sicher vor meinen Dienern und Wächtern. Sie beobachten mich, weißt du. Ich traue ihnen nicht. Sie könnten kommen und das Messer nehmen ... Du weißt, was für eine Gefahr das bedeutet. Aber jetzt ... die Krone, ich glaube, sie wird immer wärmer! Wenn jemand den Steindorn geholt hat und in meiner Nähe ist ...« Ihre Finger krampften sich um seine Hand.

»Scapa, du musst nachsehen, ob der Steindorn noch im Kästchen ist!«

Er sah sie eine Weile an. »Wieso willst du nicht selbst gehen?«

Ihr Nachthemd rauschte, als sie sich vorbeugte und die Arme um ihn schlang. Ihre Stirn ruhte an seiner Schulter. Er spürte die Krone am Nacken, aber sie kam ihm nicht warm vor, im Gegenteil, sie bereitete ihm eine Gänsehaut.

»Ich habe Angst, noch mal hinzugehen. Wenn gerade jemand da ist, mit dem Messer, und ich komme in die Thronhalle ... ich hatte schon Angst, allein in meinem Schlafzimmer zu bleiben.«

»Dann wirf das Messer doch weg. Zerstöre es.«

Arane lächelte leise. Es klang wie ein Seufzen.

»Du verstehst nicht, Scapa. Ich muss dir viel erzählen. Sehr viel. Aber schau erst nach dem Steindorn. Es ... es tut mir so weh! Mein Kopf ... es brennt so ...« Sie hob eine Hand an die Schläfe und Scapa schluckte, als er sah, dass ihre Finger zitterten.

»Ist gut«, murmelte er schnell. »Warte hier.«

Er kletterte aus dem Bett. Dann nahm er das neue Hemd, das die Dienerinnen auf die Betttruhe gelegt hatten, und schlüpfte hinein. »Bis gleich«, flüsterte Arane.

Er öffnete die Tür und trat in den dunklen Gang hinaus.

Lautlos wie ein Einbrecher lief er durch die Korridore. Elfenwächter standen hier und da vor den Türen, aber keiner trat ihm, dem Menschenjungen, in den Weg. Der Schein der Fackeln glitt über ihn hinweg. Er fühlte sich beobachtet und gleichzeitig so allein, als gäbe es außer ihm kein Lebewesen im Turm. Die Stille saß über allem. Sie saß schwer über den Möbeln, den Statuen, lehnte an den Türen und dunklen Fenstern, sie sickerte aus dem Boden und strömte durch die Wände. Die Stille war es, die Scapa beobachtete – und in der er sich so verlassen fühlte.

Er erreichte die hohe Tür, durch die Arane sie zuvor geführt hatte, und zwei Wächter öffneten ihm.

Groß und finster lag die Thronhalle vor ihm. Die Fackeln, die rings an den Wänden hingen, gaben kaum genug Licht, um die Stufen zur Empore zu beleuchten. Mit einem Ächzen schlossen sich die Türen hinter Scapa und plötzlich stand er allein in der Halle.

Mit seltsam weichen Knien stieg er die Stufen zur Empore hinauf. Vor wenigen Stunden hatte er noch geglaubt, hinter den Vorhängen verberge sich der König von Korr, Aranes Mörder. Und jetzt ...

Die Vorhänge bewegten sich wie von unsichtbaren Geistern berührt, als Scapa die Treppe erklomm.

Vielleicht war es aber auch nur der Fackelschein, der auf dem Stoff tanzte. Scapa trat durch die Vorhänge.

Eine rote Samtliege stand vor ihm, umgeben von Holztischchen und Hockern. Silberschalen voller Trauben, Pfirsichen und anderen Köstlichkeiten standen rings um die Liege. Die Kerne waren unachtsam auf den Boden geworfen worden.

Das alles hier ist Arane, dachte Scapa. Und es kam ihm so unwirklich vor wie ein Traum.

Vor der Liege kniete er sich hin, tastete mit den Fingern unter den Stoff und zog ein breites Kästchen aus Holz hervor. Man musste einen goldenen Haken drehen, um es zu öffnen. Trotz der Dunkelheit glitzerte und glänzte es im Inneren des Kästchens: Lange Ketten aus Perlen und Muscheln, ein Bronzearmreif mit Gravuren und funkelnde Rubinringe lagen auf der eingearbeiteten Samtfüllung. Vorsichtig schob Scapa den Schmuck zur Seite und entdeckte das magische Messer. Es sah seltsam aus, wie der Steindorn neben dem Geschmeide im Kästchen ruhte. Ein mattes rotes Glühen umstrahlte seine Spitze, und Scapa fand, dass er schön und gefährlich zugleich aussah.

Es kostete Scapa etwas Überwindung, das Kästchen zu schließen und unter die Liege zu schieben.

Er fragte sich, wieso Arane sich ausgerechnet diesen Platz für den Steindorn ausgesucht hatte. Aber er würde es gewiss noch erfahren.

Im blassen Fackelschein erkannte er plötzlich eine kleine Armbrust zwischen den Kissen der Liege.

Scapa nahm sie in die Hand. Zwar war die Armbrust nicht gespannt, aber ein Pfeil war bereits geladen.

Arane schien sich gegen Gefahr bestens zu schützen.

Eine Weile wog Scapa die Waffe in der Hand. Er musste an die Eroberung des Fuchsbaus denken, an die Armbrust, die er hatte fallen lassen in jenem finsteren Kerker, in dem Torron gestorben war. Seltsame Gefühle überkamen ihn, aber er konnte keines von ihnen richtig einordnen. Er war so verwirrt wie noch nie. Und vielleicht würde diese Verwirrung sich nie wieder legen.

In der Finsternis gab es keine Zeit. Nill folgte Kaveh, den Zwillingen und Bruno durch die Irrgänge der Kerker, und keiner wusste mehr, wie lange sie sich schon vorantasteten. Manchmal wurden die unsichtbaren Wände so eng, dass Nill Panik beschlich. An anderen Stellen hallten ihre Schritte unheimlich in der Höhe wider, und etwas weiter mussten sie geduckt laufen, um sich die Köpfe nicht am rauen Fels anzuschlagen.

Es war Nill ein Rätsel, wie sie aus der Finsternis herausfinden sollten. Gewiss war die Nase des Keilers schon oft ein Segen gewesen – aber wie sollte er hier, in diesem meilenweiten Bauwerk aus Fels und Stein, einen Ausweg riechen können?

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