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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Endlich sahen sie am Ende eines Ganges ein breites Eisentor aufragen. Dahinter zog sich eine Treppe in die Höhe. Mehrere Graue Krieger hielten am Tor Wache.

Mareju fluchte. »Wie sollen wir Bruno an denen vorbei bringen?«, stöhnte er – und hatte noch im selben Augenblick einen Einfall. Hastig zog er sich seinen eigenen Mantel aus, den er unter dem des Grauen Kriegers getragen hatte. »Gib deinen Mantel auch her, Arjas!«

Zögernd rückte Arjas seinen Mantel heraus. Mareju nahm ihn und breitete beide Mäntel auf dem Boden aus. »Kaveh – kannst du Bruno vielleicht überreden, da hineinzusteigen?«, fragte Mareju. »Und außerdem muss Bruno still sein. Und darf sich nicht bewegen.«

Ratlos sah Kaveh den Keiler an, der seinen Blick nicht weniger zweifelnd erwiderte.

Nill war klar gewesen, dass ein ausgewachsener Keiler ein schwerer Brocken ist. Aber dass er so schwer war – das wäre ihr in den kühnsten Träumen nicht eingefallen.

Sie hatten Bruno in beide Mäntel gewickelt und die Ärmel an seinem Rücken verknotet. Nach größtem Bitten und Flehen von Kaveh hatte der Keiler sich bereit erklärt, ihren Plan zu erdulden; nur ein hoffnungsloses Grunzen drang durch den Mantelstoff, als sie ihn zu viert hochhievten. Nill ging fast in die Knie, so schwer kam ihr der Hinterbau des Wildschweins vor.

Aber weder die Zwillinge noch Kaveh ließen sich etwas anmerken, und so biss auch Nill die Zähne zusammen – schließlich durfte sie nicht stolpernd und ächzend vor die Grauen Krieger treten. Sie senkte den Kopf, sodass die Kapuze ihr noch tiefer ins Gesicht fiel, und dann gingen sie langsam und im Gleichschritt los.

Die Grauen Krieger vor dem Eisentor sahen sie aus der Dunkelheit kommen und hoben ihre Speere höher. Mit misstrauischen Blicken maßen sie die Gefährten und das schwere Bündel in ihrer Mitte. Als sie vor dem Tor angekommen waren, richtete einer der Wächter seine Speerspitze auf sie. Nills Herz schlug bis zum Hals. Sie wagte nicht den Kopf zu heben, geschweige denn die schreckliche Stille zu durchbrechen.

»Toter?«, knurrte der Graue Krieger. Die Speerspitze schwenkte auf Bruno.

Kaveh warf einen Blick zu Mareju. Dann nickte er knapp. Er räusperte sich und bestätigte mit einem vorgetäuschten Akzent: »Toter.«

Die Grauen Krieger nickten sich zu und öffneten das Tor ein Stück, sodass die Gefährten mit Bruno hindurchpassten. Nill hörte, wie das Tor hinter ihnen wieder ins Schloss fiel. Schweiß rann ihr den Rücken herab. Stufe um Stufe schleppten sie Bruno hoch.

Die Treppe führte in einen Korridor aus schwarzem Stein, der sich gänzlich von den Gewölben darunter unterschied: Hier war die Decke wieder viermal so hoch. Kein Stroh und keine zerbröckelten Steine lagen auf dem Boden verstreut und die Fackeln an den Wänden steckten in goldverzierten Haltern. Sie waren wieder im Reich des Königs.

Der Königin, verbesserte sich Nill. Sie und die drei Jungen traten ein Stück hinter der Treppe zur Seite und ließen mit einem gemeinsamen Aufseufzen Bruno auf den Boden. Sie hatten es geschafft! Sie waren tatsächlich aus den Kerkern entkommen – es war kaum zu glauben.

Augenblicklich regte es sich wieder in den beiden Mänteln, der Keiler röchelte und schnaubte wütend und sprang aus dem Stoff, sobald Mareju die verknoteten Ärmel gelöst hatte.

»Das war ein guter Plan«, sagte Kaveh und tätschelte Bruno den Kopf, der dazu ein eingeschnapptes Grunzen vernehmen ließ.

Mareju grinste. »Vielleicht werde ich später mal dein königlicher Berater.«

»Jaah, wenn es ein Später gibt«, ergänzte Arjas.

»Erst mal sollten wir uns verdrücken, und zwar schnell.«

Sie stellten sich wieder rings um Bruno auf und schritten durch die stillen Korridore. Nill versuchte sich an den Weg zu erinnern, den die Grauen Krieger genommen hatten, als sie sie aus der Thronhalle ins Verlies gebracht hatten. Aber ihr schien, als sehe sie die Gänge und Hallen jetzt zum ersten Mal.

Und doch – etwas war ihr vertraut. Sie spürte es in der Luft: die Anwesenheit des Steindorns. Er war hier. Er war nah. Als Nills Blick über die dunklen Deckengewölbe glitt, glaubte sie seine Gegenwart durch jede Mauer, jeden Stein zu spüren ...

»Das magische Messer«, flüsterte sie. »Wir müssen noch das magische Messer holen. Ohne das können wir nicht gehen.«

Kaveh warf ihr einen Blick zu. »Weißt du, wo es ist?«

Im letzten Moment verkniff Nill sich ein »Nein«.

Sie dachte an den Steindorn und glaubte ihn für den Bruchteil einer Sekunde in den Händen zu halten. Sie spürte den kalten, glatten Stein, die buckelige Form – »Ich weiß, wo er ist.« Die Worte überraschten sie selbst mehr als die anderen. »Das heißt – ich glaube, ich kann es spüren.«

Nill wich Kavehs verwundertem Blick aus und sah geradeaus. Sie musste sich konzentrieren. Sie konnte es.

Steindorn!

Der Gedanke an ihn schien durch den ganzen Turm zu hallen. Und von fern her kam die Antwort, ein Pochen, das durch die Gemäuer vibrierte wie ein schwacher Herzschlag ...

Nun war es Nill, die die Elfen führte. Sie bogen in verschiedene Korridore ab, liefen wuchtige Wendeltreppen empor, weiter, weiter hinein in die Stille des gigantischen Turms. Es war, als zögen Nill unsichtbare Fäden voran. Aber sie spürte sie stärker als irgendetwas sonst. Es war dasselbe Ahnen, das sie schon früher gehabt hatte. Wenn sie gewusst hatte, dass ein Gewitter heraufziehen oder eine Regenflut kommen würde, noch lange bevor es geschah. Es war ihr immer vorgekommen, als flüsterten ihr die Bäume diese Ahnungen zu. Nill hatte geglaubt, dass sie diese merkwürdige Gabe ihrer elfischen Herkunft verdankte. Doch nun, da Kaveh und die Zwillinge sie erstaunt musterten, erkannte sie, dass es nichts damit zu tun hatte. Es hatte nur etwas mit ihr zu tun ... Doch auch darüber wollte Nill jetzt nicht nachdenken. Sie versuchte sich ausschließlich auf den Weg zu konzentrieren – und das Flüstern des Steindorns. In der Ferne ragte ein Tor auf. Im Näherkommen stellte Nill fest, dass dahinter die Thronhalle lag: Sie waren in einem Korridor gelandet, der seitlich von der Halle abbog! Die Gefährten liefen schneller.

Konnte das sein? Befand sich das magische Messer tatsächlich noch dort, wo es Scapa aus den Fingern geglitten war?

Im Schatten des hohen Torbogens blieben Nill, die Elfen und Bruno stehen. Ihre Blicke durchstreiften die riesige Thronhalle, doch es hielt niemand Wache.

Nur die Fackellichter bewegten sich leicht. Wolkenfetzen trieben über den Nachthimmel und warfen Schatten durch die hohen Fenster.

»Das Messer muss bei der Empore dort sein«, flüsterte Nill. Sie versuchte beim Anblick der dunkelroten Vorhänge nicht an das Geschehene zu denken, aber es gelang ihr nicht. Der Schmerz des Augenblicks flammte erneut in ihr auf, und sie musste an Scapas Augen denken, die sie fremd und eisig durchdrungen hatten ...

Er hatte sie so schändlich im Stich gelassen. Er hatte sie schlichtweg aufgegeben für seine Arane.

»Nill und ich holen das Messer. Mareju, Arjas, ihr haltet hier Wache, in Ordnung?« Die Zwillinge hoben ihre Lanzen und nickten.

»Also los«, murmelte Nill und trat mit Kaveh in die Thronhalle ein.

Ihre Füße rutschten mit jedem Schritt, so spiegelglatt war der Steinboden. Dann erreichten sie den langen Teppich. Nill blickte nicht auf die Stelle, an der sie zu Boden gesunken war. Nicht jetzt, dachte sie. Später ... später.

Sie huschten die Stufen zur Empore hinauf. Mit klammen Fingern strich Nill die Vorhänge zur Seite.

Im Halbdunkel erkannte sie eine Liege und mehrere kleine Tischchen, Hocker und Tabletts. Eine Harfe stand etwas abseits bei den Vorhängen. Obstkerne bestreuten den Boden. Die Anwesenheit des Steindorns hing so dicht in der Luft wie ein starker Duft.

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