Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
Der Agent schoß erneut. Diesmal hinderte ihn der andere nicht daran, und die Kugel riß eine meterlange Furche in die Wand zwei Zentimeter über Angelas Kopf. Sie duckte sich, hob ihre eigene Waffe, wagte es aber immer noch nicht, zu schießen. In dem Flur, in dem sich plötzlich mehr als ein Dutzend Menschen aufhielten, hätte eine einzige Salve aus ihrer MP ein Blutbad angerichtet. Dafür schoß der Agent zurück. Angela entging dem Tod nur, indem sie sich blitzschnell zur Seite warf und über den Teppich rollte, und die Kugel bohrte sich genau dort in die Wand, wo gerade noch ihr Gesicht gewesen war. Die nächste, spätestens übernächste Kugel würde treffen, begriff Bremer. Die Männer schossen sich allmählich ein.
Er sprang auf die Füße, spurtete los und riß Angela in die Höhe und so herum, daß er sich zwischen ihr und den Agenten befand. Wenn er sich täuschte, dann waren sie beide tot, aber das spielte jetzt wahrscheinlich auch keine Rolle mehr.
Bremer versetzte Angela einen Stoß, der sie haltlos lostaumeln ließ, und warf im Rennen einen Blick zurück. Auch die beiden Agenten waren aufgesprungen. Ihre Waffen wiesen in seine Richtung, aber sie wagten es nicht, abzudrücken.
Dafür rannten sie praktisch im gleichen Moment los, in dem Angela und er den Lift erreichten und Angelas Hand auf den Knopf hämmerte. Die Kabine war nicht da, aber Bremer konnte hören, wie sie sich nur eine Etage unter ihnen in Bewegung setzte. Nur ein paar Sekunden.
Die sie nicht hatten. Ihre Verfolger stürmten mit Riesenschritten heran und hatten sie praktisch schon erreicht. Bremer zielte mit seiner Waffe auf sie, aber plötzlich erging es ihm wie den Agenten gerade: Er wagte es nicht, abzudrücken. Indem die beiden Männer darauf verzichtet hatten ihre Waffen zu benutzen, wäre er sich wie ein Mörder vorgekommen, auf sie zu schießen. Er mußte die Kerle ein paar Sekunden aufhalten, egal wie.
Sein Blick irrte hilflos durch den Flur. Die Schüsse hatten einige weitere Patienten in ihre Zimmer zurückgetrieben, aber längst nicht alle. Albert zum Beispiel stand vor seiner Tür, hüpfte vor Aufregung auf und ab und klatschte begeistert in die Hände. Offenbar genoß er die Show in vollen Zügen.
»Albert!« Bremer deutete auf die beiden Agenten, die in diesem Moment an Albert vorbeistürmten. »Das sind sie!« Der Mongoloide quietschte vor Vergnügen, streckte blitzschnell das Bein aus, so daß einer der Agenten darüber stolperte und der Länge nach hinschlug, und klatschte noch einmal in die Hände - nur, daß sich diesmal das Gesicht des zweiten Agenten dazwischen befand.
Der Mann keuchte vor Schmerz, fuhr wütend herum und schlug Albert die flache Hand ins Gesicht, und das war ein Fehler.
Offenbar glaubte er, daß die Sache damit erledigt sei, denn er wollte unverzüglich weiterstürmen, aber Albert packte ihn mit erstaunlicher Schnelligkeit an der Schulter, riß ihn herum und schlug ihm die geballte Faust mit solcher Kraft auf den Mund, daß der Mann mit hilflos rudernden Armen bis an die gegenüberliegende Wand taumelte und benommen daran zu Boden sank.
Der Aufzug kam. Die Türen glitten auf, und Bremer blieb keine Zeit mehr, zuzusehen, was weiter geschah, als sich Albert schnaubend in Bewegung setzte und sich auf den Mann warf, der auf so gemeine Weise aus dem Spiel Ernst gemacht hatte. Außerdem hatte sich der zweite Agent inzwischen wieder erhoben und war nur noch zwei oder drei Meter entfernt.
Bremer versetzte Angela einen Stoß, der sie in den Aufzug hineinstolpern ließ, drehte sich gleichzeitig zu dem Agenten herum und schoß ihm in den Fuß.
Er wollte es gar nicht. Die Kugel war als Warnschuß vor seine Füße gemeint, aber der Mann bewegte sich einfach zu schnell, und Bremer war noch nie ein sonderlich guter Schütze gewesen, und außerdem im Moment ziemlich aufgeregt. Die Kugel stanzte ein sauberes rundes Loch in den Schuh des Agenten und bohrte sich in den Holzfußboden darunter, und der Mann stürzte auf die Seite, umklammerte sein Bein und wälzte sich brüllend über den Teppich. Bremer wich mit einem Satz in den Aufzug zurück. Die Türen schlossen sich, und Angela schlug mit der Faust auf den Knopf für das Kellergeschoß.
»Was war das gerade?« keuchte sie. »Wolltest du dich umbringen, oder hältst du dich für kugelfest?«
»Sie schießen nicht auf mich«, behauptete Bremer. »Ich bin viel zu wertvoll. Braun braucht mich lebend.«
»Mich anscheinend nicht.« Angela kontrollierte das Magazin ihrer Waffe und verzog das Gesicht. Ihr Blick irrte über die Kontrolleuchten des Aufzugs. Sie hatten den ersten Stock passiert und glitten tiefer.
»Kaum noch Munition«, murmelte sie. »Wenn sie unten auf uns warten, haben wir ein Problem.«
»Glaubst du, daß sie das tun?«
»Du kannst dich darauf verlassen, daß sie es tun«, sagte Angela. »Ich würde es, und ich erwarte von meinem Gegner nie, daß er dümmer ist als ich.« Sie warteten praktisch mit angehaltenem Atem, daß die Kabine am Erdgeschoß vorbeiglitt. Und Bremer war für einen Moment felsenfest davon überzeugt, daß der Aufzug anhalten und die Türen aufgehen mußten, um einem Dutzend von Brauns Agenten Einlaß zu gewähren. Die Kabine sank jedoch weiter in die Tiefe. Als das leuchtende EG über der Tür erlosch, stemmte Angela den Fuß gegen die Wand, preßte sich mit dem Rücken gegen die gegenüberliegende Wand und begann wie ein Bergsteiger in einem Kamin in die Höhe zu steigen.
»Was tust du?« fragte Bremer. »Da oben geht es nicht weiter.«
»Runter!« befahl Angela knapp.
Bremer ließ sich gehorsam auf die Knie herabsinken, und eine Sekunde später hatte der Lift sein Ziel erreicht und ging auf, und Bremer begriff plötzlich zweierlei: Angelas Befürchtungen waren nur zu berechtigt gewesen, und er hatte den Mann oben nur durch schieres Glück erledigt. Er hatte die Waffe auf die Tür gerichtet und den Finger am Abzug. Bremer hatte nicht vor, wirklich zu schießen, aber es wäre ihm vermutlich nicht einmal gelungen, wenn er es gewollt hätte. Der Mann, der draußen vor dem Aufzug gewartet hatte, war so blitzartig über ihm, daß Bremer die Bewegung nicht einmal sah, mit der er seine Waffe zur Seite schleuderte. Zugleich riß der Agent den anderen Arm in die Höhe, um ihm einen fürchterlichen Schlag ins Gesicht zu versetzen.
Angelas Fuß sauste wie ein Fallbeil auf ihn herab, streifte seine Schläfe und ließ ihn halb bewußtlos zurück - und gegen die beiden anderen Agenten stolpern, die hinter ihm standen. Bremer sah, daß er einen davon mit sich zu Boden riß. Der andere steppte blitzschnell zur Seite, und Bremer katapultierte sich aus dem Lift und sprang ihn an.
Der Agent empfing ihn mit einem Fausthieb, der ihm die Luft aus den Lungen trieb und ihn hilflos zur Seite torkeln ließ, aber die wenige Ablenkung hatte Angela gereicht. Sie sprang wie eine Furie aus dem Lift heraus, deckte den Mann mit einem Hagel von Schlägen und Tritten ein, die ihn zu einem hastigen Rückzug zwangen, und fällte ihn schließlich, indem sie ihm wuchtig die Uzi gegen das Kinn schlug.
Noch bevor er zu Boden stürzte, packte sie Bremer am Arm und wirbelte ihn herum. »Los!!« Bremer fand erst jetzt Gelegenheit, sich in ihrer neuen Umgebung umzusehen. Sie befanden sich in einer Großküche die diesen Namen wirklich verdiente. Der Raum mußte mindestens fünfzig, wenn nicht mehr Meter lang sein und war vollgestopft mit Öfen, Arbeitsplatten, riesigen Kesseln und Regalen voller Geschirr. Wie Bremer erwartet hatte, hatte das normale Tagesgeschäft hier schon begonnen: Überall brutzelte und brodelte es, aus den meisten Kesseln quoll Dampf, und die Küchenbelegschaft war bereits in voller Stärke angetreten. Die Männer und Frauen in ihrer unmittelbaren Umgebung ließen erschrocken ihre Werkzeuge fallen oder starrten sie einfach nur verständnislos an, aber die Panik, mit der Bremer eigentlich gerechnet hatte, war noch nicht ausgebrochen. Die meisten hier unten hatten noch nicht einmal gemerkt, was vorging. Obwohl es Bremer vielleicht länger vorkam, waren erst zwei oder drei Sekunden verstrichen, seit sie aus dem Lift gekommen waren.