Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
Trotzdem war ihr Angriff einen Sekundenbruchteil zu spät gekommen. Über Bremers Kopf erwachte eine große Zwillingsneonröhre flackernd zum Leben. Die Schwester hatte den Lichtschalter gedrückt, bevor Angela sie daran hindern konnte.
Bremer war mit einem Schritt an ihr vorbei und hob die Hand, um das Licht wieder auszuschalten, und genau in diesem Moment ging draußen auf dem Gang eine Tür auf, und sie hörten Schritte. Angela schüttelte hastig den Kopf, drehte sich halb herum und rief mit lauter Stimme: »Es ist schon in Ordnung, Albert! Ich komme gleich zu dir! Ich will mich nur eben umziehen!«
Die Schritte verstummten für einen Moment, erklangen dann erneut, und eine Sekunde später klappte eine Tür. Angela atmete hörbar auf.
»Albert?« fragte Bremer.
Angela hob die Schultern. »Es hat doch funktioniert, oder?« Sie wich schnell zwei, drei weitere Schritte in den Raum zurück, dann wandte sie sich an die Krankenschwester, die sie noch immer in einem eisigen Klammergriff hielt. Wahrscheinlich wäre es nicht einmal nötig gewesen Die junge Frau starrte aus weit aufgerissenen Augen um sich, machte aber nicht einmal den Versuch, sich zu wehren. Sie schien buchstäblich starr vor Schreck.
»Hören Sie mir zu!« begann Angela. Sie stockte noch einmal, beugte sich vor und öffnete mit der linken Hand den Mantel der jungen Frau, bis sie das Namensschildchen auf der weißen Schwesterntracht entziffern konnte, die sie darunter trug.
»Hören Sie mir zu, Schwester Marion«, begann sie von neuem. »Sie verstehen mich doch, oder?« Marion nickte. Die Bewegung war kaum zu sehen.
»Gut«, fuhr Angela fort. »Wir wollen Ihnen nicht weh tun. Sie haben nichts zu befürchten. Ich habe Ihnen nur den Mund zugehalten, damit Sie nicht schreien. Versprechen Sie mir, vernünftig zu sein, wenn ich die Hand herunternehme?« Marion nickte, wenn auch erst nach zwei endlosen Sekunden und fast noch weniger deutlich als beim ersten Mal. Angela zögerte noch einen Moment, aber dann nahm sie die Hand herunter. Schwester Marion nahm einen hörbaren, tiefen Atemzug.
»Sie haben nichts zu befürchten«, sagte Angela leise. »Wir wollen nichts von Ihnen oder Ihren Patienten. Aber wir brauchen Ihre Hilfe.«
»Wer ... sind Sie?« stammelte Marion. Ihr Blick flackerte unsicher von einem zum andern. »Was wollt ihr?«
»Wir wollen nur hier raus«, sagte Bremer. »Gibt es noch einen anderen Weg - außer der Treppe und dem Aufzug?«
Marion schüttelte den Kopf und nickte im nächsten Sekundenbruchteil. Sie begann am ganzen Leib zu zittern. »Nur den ... Personalaufzug. Er führt in den Keller hinunter. In die Küche.«
»Na, das klingt ja prima«, sagte Bremer. »Zeigen Sie uns, wo er ist.« Marions Blick flackerte immer heftiger. Ihr Atem beschleunigte sich zusehends, und Bremer begriff plötzlich, daß sie kurz davor stand, in Hysterie auszubrechen. Um sie zu beruhigen, griff er in die Tasche und zog seinen Dienstausweis hervor.
»Es ist nicht so, wie Sie vielleicht glauben«, sagte er. »Ich habe jetzt keine Zeit für Erklärungen, aber wir beide sind Polizisten. Hier, sehen Sie?« Sie blickte den grünen Dienstausweis unsicher an. Draußen auf dem Flur öffnete sich wieder eine Tür, und Marion stieß einen gellenden Hilferuf aus.
Angela fluchte und riß die Hand wieder hoch; wie Bremer glaubte, um Marion erneut den Mund zuzuhalten. Statt dessen berührte sie einen bestimmten Punkt am Hals der Krankenschwester, und Marion seufzte noch einmal und erschlaffte in ihren Armen. Draußen polterten Schritte heran. Angela bewegte sich plötzlich unglaublich schnell. Sie ließ Marion einfach fallen, so daß Bremer instinktiv zugreifen mußte, um sie aufzufangen, wirbelte herum und riß den erstbesten Spind auf. Noch während sie erneut herumfuhr, zerrte sie einen weißen Kittel heraus und schlüpfte hinein. Der billige Kunststoffkleiderbügel polterte erst zu Boden, als sie bereits die Tür öffnete und hindurchtrat. Und plötzlich waren ihre Bewegungen wieder sehr ruhig. Auf ihrem Gesicht erschien das überzeugendste Lächeln, daß Bremer sich nur vorstellen konnte.
»Es ist alles in Ordnung«, rief sie. »Da war eine eklige Spinne. Ich habe mich nur erschrocken, und...« Etwas knallte. In dem Teppichboden fünf Zentimeter vor Angelas linkem Fuß erschien ein ausgefranstes qualmendes Loch, und praktisch gleichzeitig spritzten Putz und Farbe aus der Wand hinter ihr, und eine Stimme schrie: »Das ist sie!«
Angela verwandelte sich von einer von Spinnenphobie geplagten Krankenschwester wieder in das, was sie wirklich war (auch wenn Bremer noch keine Ahnung hatte, was): Sie sprang in eine geduckte Haltung. Ihre rechte Hand, die sie bisher hinter dem Rücken verborgen gehalten hatte, kam nach vorne, und Bremer sah erst jetzt, daß sie darin wieder die erbeutete Uzi hielt.
Die Maschinenpistole stieß einen kurzen, unerwartet leisen Feuerstoß aus. Glas klirrte, und Bremer konnte hören wie sich die Geschosse in Putz und Holz bohrten, und ein erschrockener Schrei erklang. Aber die Männer feuerten auch gleichzeitig zurück. In der Wand hinter Angela erschien ein asymmetrisches Muster faustgroßer Löcher, und die Glasscheibe des Schwesternzimmers zerbarst mit einem gewaltigen Knall und fiel in einem Scherbenregen in sich zusammen.
Bremer kam endlich auf die Idee, die bewußtlose Krankenschwester in seinen Armen vorsichtig zu Boden sinken zu lassen und seine eigene Waffe zu ziehen. Draußen fielen noch immer Schüsse. Angelas Maschinenpistole ratterte erneut, und das Pistolenfeuer hörte für einen Moment auf. Dann konnte er hören, wie mindestens zwei oder drei Türen geöffnet wurden, wenn nicht mehr.
Bremer spurtete los, sprang mit eingezogenem Kopf durch die zerborstene Glasscheibe des Schwesternzimmers und spürte, wie etwas durch seine Jacke und tief in seine rechte Schulter biß. Er kam ungeschickt auf, kippte nach vorne und schaffte es zumindest, seinen Sturz in eine etwas verunglückte Rolle umzuwandeln. Während der Flur einen ruckenden Purzelbaum vor seinen Augen aufführte, sah er, daß Angela sich vor der gegenüberliegenden Wand zusammengekauert hatte und die Waffe nunmehr in beiden Händen hatte. Sie schoß aber nicht.
Als Bremer herumrollte und sich auf die Knie hinaufstemmte, erkannte er auch den Grund dafür. Nahezu jede Tür auf dem Gang war aufgeflogen, und die Bewohner der Zimmer dahinter waren herausgekommen, um nach der Ursache des Lärms zu sehen, der sie so unsanft aus dem Schlaf gerissen hatte: Männer und Frauen unterschiedlichen Alters, die größtenteils gar nicht zu begreifen schienen, was los war. Zwei oder drei zogen sich hastig wieder in ihre Zimmer zurück, aber die meisten standen einfach nur da und glotzten. Einige klatschten Beifall. Einer davon war Albert.
»Haut ab!« schrie Bremer. Er hob seine Waffe und feuerte eine Kugel in die Decke, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, erreichte aber praktisch nichts. Dafür hob einer der Agenten, die nebeneinander am anderen Ende des Korridors knieten, seine Waffe und legte auf ihn an. Als er abdrückte, schlug der andere seinen Arm beiseite. Die Kugel stanzte ein Loch in eine Tür, nur eine Handbreit neben dem Gesicht eines alten Mannes, und der Patient zog eine beleidigte Schnute, warf den Kopf in den Nacken und ging stolz erhobenen Hauptes in sein Zimmer zurück.