Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
»Tu mir den Gefallen und versuch es«, sagte der Agent. Bremer erkannte ihn. Es war einer der beiden Männer aus Brauns Büro.
»Sie schießen nicht auf mich«, sagte er. »Braun braucht mich lebend.«
»Er nimmt dich auch mit einem zerschossenen Knie«, sagte der Agent.
Bremer zögerte noch eine einzelne Sekunde, aber dann ließ er seine Pistole fallen. Der Mann meinte seine Worte bitter ernst - und wahrscheinlich hatte er sogar recht. Ein Bremer mit einem steifen Bein war Braun möglicherweise lieber, weil er nicht mehr so gut davonlaufen konnte. Es war vorbei. Sie hatten es versucht und verloren. Eine zweite Chance würden sie nicht bekommen. Jetzt konnte sie nur noch ein Wunder retten. Aber er fürchtete, daß der Vorrat an Wundern, die das Schicksal für sie bereithielt, allmählich aufgebraucht war.
Er deutete auf Angela. »Laß sie laufen«, sagte er. »Sie hat nichts damit zu tun.«
»Keine Chance«, antwortete der Agent.
Hinter ihm krachten wieder Schüsse. Ein Chor gellender, entsetzter Schreie klang auf, und irgend etwas zerbarst mit einem ungeheuren Knall. Wieder Schüsse. Bremer fragte sich betäubt, wer da schoß, und auf wen. Es war doch vorbei.
Auch der Agent wandte irritiert den Blick und wich rasch zwei, drei Schritte vor ihnen zurück. »Rührt euch nicht!« drohte er.
Im nächsten Moment verschwanden seine Beine nach oben aus Bremers Gesichtsfeld. Ein gellender Schrei erklang, gefolgt von einem einzelnen, ungeheuer lauten Schuß, dann polterte seine Waffe unmittelbar vor Bremers Füßen zu Boden, gefolgt von einem plätschernden, roten Strom, der Bremers Beine bis über die Knie hinauf besudelte. Aus dem Schrei wurde ein Gurgeln, dann ein Wimmern.
Ganz langsam hob Bremer den Kopf. Er wußte, was er sehen würde, und er wollte es um nichts auf der Welt sehen. Er wäre lieber gestorben, als das Ding auch nur noch ein einziges Mal anzublicken. Aber er konnte nicht anders. Etwas zwang ihn mit unwiderstehlicher Macht dazu. Der Dämon stand mit weit gespreizten Flügeln über ihm. Er war unversehrt. Von den schrecklichen Wunden, die er bei dem Kampf vor dem Haus davongetragen hatte, war nichts mehr geblieben, und das Blut, das von seinen Klauen und den grauenhaften Kieferzangen troff, war nicht seines. Der Blick seiner riesigen, schillernden Insektenaugen bohrte sich in den Bremers, und es war etwas darin, etwas Fremdes und Uraltes und trotzdem auf unerträgliche Weise Vertrautes, das Bremer innerlich in Agonie aufstöhnen ließ.
Ein einzelner Schuß fiel. Der Dämon fuhr mit einem wütenden Vogelkreischen herum, schleuderte den Körper des toten Agenten davon wie ein Kind eine Stoffpuppe, an der es urplötzlich das Interesse verloren hatte, und stürzte sich mit einem zweiten kreischenden Schrei auf den unsichtbaren Schützen.
Und Bremer fuhr herum, riß Angela mit verzweifelter Kraft auf die Füße und stürzte davon.
32
Nachdem die beiden Sanitäter Markus herausgeschafft hatten, war es in dem großen Büro im fünften Stock der St.-Elisabeth-Klinik sehr still geworden. Braun hatte die Tür hinter ihnen abgeschlossen, und jetzt stand er seit gut einer Minute da und starrte den Blutfleck an, der auf dem teuren Teppich zurückgeblieben war. Bei genauerem Hinsehen hätte er entdeckt, daß der Fleck die ungefähre Form eines Engels hatte (allerdings nur mit sehr viel Fantasie), aber Braun sah nicht genau hin.
Er empfand eine tiefe, mit Wut gepaarte Verzweiflung. Vielleicht war Verzweiflung nicht das richtige Wort. Möglicherweise war es auch nur Hilflosigkeit, das allmähliche Begreifen, daß alles, wofür er die letzten fünf Jahre seines Lebens geopfert hatte, wofür er getötet, gelogen und betrogen hatte, scheitern würde.
Es war vorbei. Braun wußte es. Noch war er nicht soweit, es wirklich zuzugeben, aber tief in sich wußte er bereits, daß er verloren hatte. Er hatte alles genau geplant. Er war überpenibel gewesen, hatte jede noch so unwahrscheinliche Eventualität berücksichtigt und drei - ach was! zehnfache Sicherheitsvorkehrungen getroffen, und in weniger als vierundzwanzig Stunden hatte sich sein Lebenswerk in einen Scherbenhaufen verwandelt.
Und alles nur wegen eines kleinen, schwachsinnigen Polizeibeamten, der seine Grenzen nicht kannte, und eines größenwahnsinnigen Teenies, die sich für die weibliche Re-Inkarnation von James Bond hielt! Nicht zu vergessen dieser sabbernde Tattergreis Mecklenburg, der ihn fünf Jahre lang belogen hatte und ihm noch aus dem Grab heraus den Mittelfinger zeigte.
Wäre Braun ein bißchen weniger erregt gewesen, dann hätte er sich vielleicht gesagt, daß er selbst nicht ganz unschuldig an seiner momentanen Situation war. Aber Braun gehörte nicht zu jener Art von Männern, die einen Fehler zugaben; nicht, wenn sie keinen Nutzen daraus zogen. Und seine Situation war verzweifelt.
In seinem Büro herrschte vollkommene Stille, aber das galt wahrscheinlich mittlerweile nur noch für sein Büro. Im Rest des Gebäudes war im wahrsten Sinne des Wortes der Teufel los, und es würde schlimmer werden, mit jeder Minute, die verging. Es war nach sechs. Unten im Gebäude trafen jetzt in immer schnellerer Folge Verwaltungsangestellte, Köche, Krankenschwestern, Ärzte, Pfleger und Putzfrauen ein, die ganze Mannschaft eben, die nötig war, um eine teure Privatklinik mit fünfhundert stationären Patienten aufrechtzuerhalten. Keiner von ihnen hatte hier etwas zu suchen - nicht heute, verdammt! -, aber er hatte einfach nicht genug Leute, um diese Armee aufzuhalten. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, ein wirklich funktionierendes Krankenhaus für seine eigentlichen Aktivitäten zu benutzen.
Nun, wenn es ein Fehler gewesen war, dann nur einer in einer sehr langen Reihe von Fehlern, die sich nun allmählich als aufeinanderfolgende Kette verhängnisvoller Entscheidungen offenbarten. Es hatte wenig Sinn, über gemachte Fehler zu lamentieren. Er konnte nur noch versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.
Was wahrscheinlich nicht viel war. Braun verfügte nach der verlorenen Schlacht vor Mecklenburgs Haus noch über zwölf Agenten - abzüglich der, die Bremer und dieses verdammte Miststück in seiner Begleitung einen nach dem anderen ausschalteten. Braun verstand einfach nicht, wieso diese beiden noch am Leben waren, geschweige denn auf freiem Fuß. Er hatte die beste Truppe des Landes, zwei Dutzend hochtrainierter, skrupelloser Killermaschinen, die auf Knopfdruck so präzise funktionierten wie Roboter und noch nie versagt hatten, und dieser Hilfspolizist drehte ihnen seit Stunden eine lange Nase!
Sein Handy meldete sich. Braun zog das Gerät aus der Tasche, klappte es auf und fragte übergangslos: »Habt ihr sie?«
»Nein«, antwortete eine kleinlaute Stimme. Braun identifizierte sie als die Malchows. Offensichtlich hatte dieser Vollidiot sich vorgenommen, heute alle schlechten Nachrichten zu überbringen. »Aber die Lage hier unten wird allmählich kritisch. Die Leute lassen sich nicht wegschicken, und...«
»Ja?« fragte Braun, als Malchow nicht weitersprach. Selbst durch das Telefon konnte Braun spüren, wie schwer es seinem künftigen Ex-Agenten fiel, fortzufahren.
»Nördlinger und dieser Pastor sind hier. Sie verlangen Sie zu sprechen.«
»In Ordnung«, seufzte Braun. »Halten Sie sie auf. Ich brauche fünf Minuten.«
»Aber...«