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Azrael: Die Wiederkehr

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Azrael: Die Wiederkehr
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Hinter ihnen krachte ein Schuß. Angela keuchte vor Schmerz, und Bremer drehte erschrocken im Laufen den Kopf und sah, daß sich der rechte Ärmel ihres weißen Schwesternkittels rot färbte. Der Schußwinkel ließ einen Streifschuß vermuten, aber er wußte aus eigener leidvoller Erfahrung, wie sehr eine solche Wunde schmerzen konnte.

Ohne im Rennen innezuhalten, packte er Angelas unverletzten Arm, zerrte sie an sich vorbei und lief nun hinter ihr her, um einen lebenden Schutzschild zu bilden.

Wieder krachte ein Schuß. Die Kugel zertrümmerte eine komplette, drei Meter lange Regalreihe voller Teller rechts neben ihm und überschüttete Bremer und Angela mit einem Hagel scharfkantiger weißer Splitter, und jetzt brach in der Krankenhausküche Panik aus.

Vielleicht verschaffte ihnen gerade das die Frist, die sie brauchten. Bremer hatte den Ausgang entdeckt, aber er lag unglücklicherweise nahezu am anderen Ende des Raumes.

Ihre Verfolger kamen jedoch kaum voran, wie ihm ein neuerlicher rascher Blick über die Schulter zurück bewies. Nach den beiden Schüssen hatte sich die Küche in ein einziges Chaos verwandelt. Dutzende von Männern und Frauen in weißen Kitteln versuchten den Ausgang zu erreichen, liefen einfach kopflos durcheinander, und sie behinderten dabei nicht nur sich gegenseitig, sondern vor allem die drei Agenten, die hinter Angela und Bremer her waren. Selbst wenn sie rücksichtslos genug gewesen wären, ihre Waffen trotzdem abzufeuern, hätten sie es in diesem Moment wahrscheinlich gar nicht gekonnt.

Die große Schwingtür flog auf, und zwei weitere Agenten stürmten herein. Einen davon erkannte Bremer wieder: Es war einer der beiden Männer, die Angela und er vorhin an die Heizung in Brauns Büro gekettet hatten. Ihre Flucht schien wirklich nicht sehr lange unbemerkt geblieben zu sein.

Der Mann blieb breitbeinig stehen, richtete seine Waffe mit beiden Händen auf sie, und sein Kollege schlug einen Haken, um ihm nicht in die Schußbahn zu rennen, und jagte weiter auf sie zu. Angela fluchte und sprang so plötzlich nach rechts, daß Bremer beinahe einfach weitergestürmt wäre und erst im allerletzten Moment in die gleiche Richtung schwenkte. Hinter ihnen fiel ein einzelner Schuß. Glas zerbarst, und ein gellender Schrei antwortete.

Sie rannten geduckt durch den schmalen Zwischenraum zwischen einem gewaltigen Herd, auf dessen Platten Dutzende von Spiegeleiern verbrannten, und einer fünf Meter langen Anrichte aus spiegelndem Metall hindurch. Die Hitze war fast unerträglich. Angela rannte trotz ihrer Verletzung schneller vor ihm her, als er es jemals gekonnt hätte, und plötzlich hörte er trappelnde, harte Schritte hinter sich. Bremer warf einen gehetzten Blick über die Schulter zurück, sah eine Gestalt in einem dunkelblauen Anzug keine zwei Meter hinter sich und schoß, ohne zu zielen. Die Kugel tötete nicht mehr als ein Spiegelei, aber der Rückstoß brachte Bremer aus der Balance. Er stolperte, drehte sich ungeschickt halb um seine Achse und prallte (natürlich! Wie auch sonst!) mit den Nieren gegen die Metallkante der Anrichte.

Der Schmerz war so gräßlich, daß er ihm fast das Bewußtsein geraubt hätte. Seine Beine gaben unter ihm nach. Hilflos brach er in die Knie, sah wie durch einen dichten Nebelvorhang eine Faust auf sich zukommen und hatte nicht mehr die Kraft, dem Schlag auszuweichen. Der Hieb schleuderte ihn zurück, knallte seinen Kopf gegen die gleiche Metallkante, mit der gerade schon seine Nieren Bekanntschaft gemacht hatten, und prügelte ihn endgültig an den Rand der Bewußtlosigkeit.

Offensichtlich nur für wenige Sekunden, denn das nächste, was er wieder wahrnahm, waren eine Folge dumpfer, klatschender Laute und ein gepreßtes Stöhnen. Mühsam öffnete er die Augen, versuchte dem tanzenden Durcheinander von Schatten vor sich irgendeinen Sinn abzugewinnen und erkannte schließlich, daß es Angela war, die sich einen verzweifelten Kampf mit dem Agenten lieferte.

Eigentlich war es eher umgekehrt, denn der breitschultrige Koloß hatte kaum eine Chance gegen die Frau in der weißen Schwesterntracht. Angela deckte ihn mit einem Hagel von Schlägen ein, die fast alle ihr Ziel trafen. Sie hatte nicht genug Bewegungsfreiheit, um ihre Beine einzusetzen, was wahrscheinlich der einzige Grund war, aus dem ihr Gegner überhaupt noch stand, aber auch so dauerte es nur noch Sekunden. Angela deutete einen Schlag gegen seinen Magen an, riß im allerletzten Moment die linke Hand hoch und traf den Adamsapfel ihres Gegners mit den versteiften Fingerspitzen. Der Mann keuchte, schlug beide Hände gegen den Hals und brach verzweifelt nach Luft ringend zusammen. Angela fing ihn auf, als er mit dem Oberkörper auf eine glühende Herdplatte zu stürzen drohte, ließ ihn dann aber achtlos zu Boden fallen. Hastig ließ sie sich vor Bremer in die Hocke sinken.

»Alles in Ordnung?« fragte sie. Als Bremer nicht sofort antwortete, schlug sie ihm leicht ein paarmal mit der flachen Hand ins Gesicht und fragte noch einmaclass="underline" »Alles okay?«

»Nein.« Bremer versuchte schwächlich, ihre Hand zur Seite zu schieben. »Nichts ist in Ordnung. Ich ... kann nicht weiter. Hau ab. Bring dich in Sicherheit. Sie ... wollen nur mich.«

»Du spinnst«, antwortete Angela. »Dich wollen sie lebend, mich tot. Du bist meine Lebensversicherung. Also komm hoch, alter Mann.« Sie zerrte ihn auf die Füße, wie sie meinte, wahrscheinlich behutsam, nach Bremers Empfinden aber mehr als grob. Trotzdem konnte er sich besser bewegen, als er erwartet hatte. In seinem Körper mußten sich doch noch mehr Kraftreserven befinden, als er glaubte Aber irgendwann würden sie aufgebraucht sein. Und er spürte, daß es nicht mehr sehr lange dauern konnte. Vor ihnen tauchten plötzlich zwei Agenten auf. Angela ließ ihre Uzi Kugeln spucken, und die Männer brachten sich mit hastigen Sätzen in Sicherheit. Bremer glaubte nicht, daß sie einen von ihnen getroffen hatte.

Sie hetzten weiter. Rings um sie herum herrschte noch immer ein unvorstellbares Chaos, und Bremer führte sich vor Augen, daß sie trotz allem noch nicht sehr viel länger als eine Minute hier unten sein konnten. Wie weit war es noch bis zu diesem verdammten Ausgang? Hundert Millionen Lichtjahre?

Wieder fielen Schüsse. Aus dem Metall neben ihm stoben Funken, und Angela stieß ihn hastig in Deckung und feuerte zurück. Ihre MP stieß einen ratternden, viel zu kurzen Feuerstoß aus, und Bremer sah, daß sich der Mann, auf den sie geschossen hatte, hastig hinter einem überdimensionalen Herd mit zwei dampfenden Suppentöpfen in Deckung brachte. Dann schlug der Hammer der Miniaturmaschinenpistole klickend ins Leere. Das Geräusch hallte wie metallenes Hohngelächter in Bremers Ohren wider.

Der Agent mußte es wohl auch gehört haben, denn er richtete sich vorsichtig hinter seiner Deckung auf und spähte über den Rand des Suppentopfes. Als niemand auf ihn schoß, rief er: »Geben Sie auf, Bremer. Noch haben Sie eine Chance, lebend hier herauszukommen. Und Ihre Freundin auch!«

»Bleib unten«, flüsterte Angela. Sie hob die Hände, wobei sie die MP am ausgestreckten Zeigefinger der Rechten baumeln ließ, und richtete sich ganz langsam auf.

Der Agent zielte mit seiner Pistole auf sie. »Ganz ruhig«, sagte er. »Wirf die Waffe herüber!«

»Gern«, antwortete Angela und schleuderte die Uzi. Sie beschrieb eine perfekte Parabel und landete zielsicher im Suppentopf vor dem Agenten. Der Mann brüllte vor Schmerz, als ihm kochendheiße Hühnerbrühe ins Gesicht spritzte, taumelte zurück und ließ seine Waffe fallen, und Angela riß ihre Pistole unter dem Gürtel hervor und schoß ihm in den linken Oberarm.

»Puh«, murmelte Bremer. »Dich möchte ich auch nicht zum Feind haben.«

»Wer will das schon?« grinste Angela. »Komm! Wir müssen...«

»Paß auf!!« Bremers Schrei kam zu spät. Der Agent sprang warnungslos hinter einem Regal hervor, rammte Angela das Knie in den Leib und schlug ihr den Lauf seiner Waffe in den Nacken, als sie sich krümmte. Angela brach in die Knie, ließ ihre Pistole fallen und versuchte ihren Sturz mit ausgestreckten Armen aufzufangen, schaffte es aber nicht ganz. Während sie schwer auf das Gesicht schlug, schwenkte der Agent seine Pistole herum und richtete sie auf Bremer, der seine Waffe halb erhoben hatte, nun aber mitten in der Bewegung zögerte.

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