Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
Das Wesen stand zwei Meter hinter ihm. Es war riesig, viel größer, als ein Mensch, und es ähnelte nichts, was Grinner je zuvor im Leben gesehen hatte - nicht wirklich. Trotzdem wußte er sofort, wem er gegenüberstand.
Grinner wartete auf den Tod, denn nichts anderes konnte es bedeuten, einem Geschöpf wie diesem zu begegnen, aber er kam nicht.
Statt dessen ruhte der Blick der riesigen, von einem uralten, allumfassenden Wissen erfüllten Augen des Geschöpfs für einige endlose Sekunden auf ihm, und als es sich schließlich herumdrehte und seine gewaltigen Flügel ausbreitete, um an den geheimnisvollen Ort zurückzukehren, von dem es gekommen war, da wußte auch Grinner, was er zu tun hatte.
31
Der Sims ragte an beiden Seiten ungefähr fünfzehn Zentimeter über die Fensterbreite hinaus und endete dann abrupt. Das jeweils nächste Fenster war mehr als zwei Meter entfernt, was selbst unter normalen Umständen und auf ebenem Boden wahrscheinlich mehr war, als irgend jemand - selbst jemand mit Angelas erstaunlicher Körperbeherrschung - ansatzlos springen konnte. Von einem Fenstersims in zehn Metern Höhe und vor allem mit einem Landeplatz, der nicht breiter war als eine Hand, war es ganz und gar ausgeschlossen. Wenn sie diesen Sprung gewagt hatte, dann mußte sie abgestürzt sein und jetzt mit gebrochenem Genick zehn Meter tiefer auf dem Asphalt liegen. Bremers Herz klopfte bis zum Hals, als er sich vorbeugte und versuchte, die Dunkelheit unter sich mit Blicken zu durchdringen.
Er sah nichts. Unter ihm war nur Schwärze. Wenn Angela dort unten lag, dann hätte er sie in ihrer hellen Kleidung zumindest schemenhaft erkennen müssen, versuchte er sich einzureden. Vielleicht hatte sie es ja geschafft. Er nahm an, daß unter dem Fenster Asphalt oder Stein war, aber vielleicht waren es ja Gras und weicher Erdboden, die ihren Sturz einigermaßen gedämpft hatten. Zehn Meter waren eine gewaltige Höhe, aber zu schaffen. Er hatte gesehen, wozu Angela fähig war.
Er hörte ein Geräusch, drehte sich herum und riß ungläubig Mund und Augen auf, als er Angela hinter sich aus dem Badezimmer kommen sah. »Aber...«
»Sind sie weg?« fragte Angela mit dem unschuldigsten Gesicht der Welt.
Bremer nickte automatisch, drehte noch einmal den Kopf, sah aus dem Fenster und blickte dann wieder Angela an. »Aber ... aber wo ... wo bist du gewesen?«
»Was für eine Frage!« Angela machte eine Kopfbewegung auf die Tür hinter sich. »Gehört sich so etwas für einen Kavalier alter Schule?«
»Wo warst du?!« krächzte Bremer. Was er sah, war ... vollkommen unmöglich!
»Großer Gott - wenn du es genau wissen willst, ich war für kleine Mädchen.« Angela rümpfte die Nase. »Obwohl es dort drinnen eher riecht wie für große Jungen. Unser Albert ist ein kleines Ferkel.«
»Ja, das scheint mir auch so.« Bremer warf Albert einen raschen Blick zu und sah dann wieder Angela an. Er begriff immer noch nicht, wie sie es geschafft hatte, vom Fenstersims herunter und ins Bad zu kommen, ohne daß er es auch nur gemerkt hatte. Und hatten die beiden Agenten das Badezimmer nicht kontrolliert? Er wußte es nicht genau.
Angela drehte sich zum Bett herum. »Das hast du gut gemacht, Albert«, sagte sie. »Die Männer haben uns nicht gefunden. Jetzt werden wir das Spiel vielleicht gewinnen. Vielen Dank.«
»Albert hat euch geholfen!« krähte der Mongoloide. Er hüpfte in seinem Bett auf und ab, daß Bremer sich zu fragen begann, wie lange das Möbelstück die grobe Behandlung noch aushalten würde. »Fast hätten sie ihn erwischt. Aber dann habe ich gepupst, und sie sind wieder gegangen.« Angela sah ihn irritiert an.
»Das ... ist eine lange Geschichte«, sagte Bremer ausweichend. »Ich erzähle sie dir später.«
Angela grinste. »Darauf wette ich. Los jetzt. Verschwinden wir von hier!« Sie traten auf den Flur hinaus, nachdem Angela einen sichernden Blick nach rechts und links geworfen hatte. Geduckt huschten sie den Weg zurück, den sie gekommen waren. Angela wollte die Tür zum Treppenhaus öffnen, aber die Klinke rührte sich nicht. Offensichtlich hatten die Agenten die Tür hinter sich abgeschlossen, nachdem sie hereingekommen waren.
Sie verschwendete keine Zeit mit einem zweiten Versuch, sondern lief weiter und steuerte das Schwesternzimmer an. Nachdem Bremer hinter ihr hereingekommen war, schloß sie die Tür, und kaum hatte sie es getan, da konnten sie hören, wie draußen auf dem Gang eine Tür geöffnet wurde und schwere Schritte über den Boden polterten. Sekunden später hörten sie das Geräusch einer weiteren Tür. Offensichtlich kontrollierten die Agenten ein Zimmer nach dem anderen.
»Für den Moment sind wir hier in Sicherheit«, sagte Angela. »Aber ich weiß nicht, wie wir hier rauskommen sollen. Sie überwachen garantiert jeden Ausgang!«
»Warum verstecken wir uns nicht einfach?« fragte Bremer. »Es gibt kaum ein besseres Versteck als einen Ort, den sie schon durchsucht haben.«
»Und wie lange? Bis Braun in Rente geht?«
»Das hier ist ein Krankenhaus«, sagte Bremer. »Vielleicht auch Brauns Hauptquartier, aber trotzdem noch immer ein Krankenhaus. Sie haben Hunderte von Patienten, und in spätestens einer Stunde geht hier der normale Betrieb los. Wenn wir uns so lange verstecken, haben wir vielleicht eine größere Chance.«
Angela schnaubte. »Du hast es immer noch nicht begriffen, wie?« fragte sie. »Glaubst du wirklich, Braun hätte auch nur die geringsten Hemmungen, mit einer Maschinenpistole in eine Menschenmenge zu schießen?« Sie schwenkte die erbeutete Uzi. »Außerdem ist da noch jemand, der wahrscheinlich schon darauf brennt, uns in die Finger zu bekommen - oder was immer er hat.« Sie sprach von dem Ungeheuer.
Aber Bremer schüttelte nur den Kopf. »Ich glaube nicht, daß es uns hier aufspüren kann«, sagte er.
»Ach? Glaubst du nicht? Und wieso, wenn ich fragen darf?«
»Weil Thomas nicht weiß, daß wir hier sind.«
»Thomas? Du meinst diesen Priester, von dem du andauernd sprichst?«
»Ich spreche nicht andauernd von ihm«, verbesserte sie Bremer betont. »Aber ich bin fast sicher, daß er der Schlüssel ist. Frag mich nicht, wieso. Ich habe keine Ahnung. Aber er war immer in der Nähe, wenn etwas passiert ist. Er ist aufgetaucht, nachdem Rosen ermordet wurde, und Strelowsky hat es genau vor seiner Kirche erwischt. Und nachdem ich bei ihm war, hat die Bestie in genau der Reihenfolge zugeschlagen, die er prophezeit hat. Glaubst du wirklich, daß das Zufall ist? Ich nicht!«
»Dann sollten wir ihm vielleicht einen Besuch abstatten«, meinte Angela.
»Um was zu tun?« fragte Bremer.
Sie schwiegen einen Moment. Dann sagte Angela: »Ich verstehe. Deshalb hast du seinen Namen Braun gegenüber erwähnt. Es ist bequemer, wenn er die Drecksarbeit für dich erledigt, wie?« Sie sah ihn auf eine sonderbare, nicht sehr angenehme Weise an. »Allmählich beginne ich mich zu fragen, vor wem ich mich eigentlich fürchten soll.«
»Das ist nicht fair«, sagte Bremer.
»Und wer hat je behauptet, daß ich das bin?« fragte Angela. Sie hob die Hand. »Still!«
Bremer lauschte. Im ersten Moment hörte er nichts, dann aber identifizierte er ein gedämpftes Summen, dem ein leises, metallisches Schleifen folgte: Der Aufzug. In das abermalige Geräusch der Türen, die sich wieder schlossen, mischten sich leichte, rasch näher kommende Schritte.
Angela warf einen raschen Blick auf den Flur hinaus und fluchte dann wenig damenhaft. »Jemand kommt.«
»Wer?«
»Woher soll ich das wissen?« fragte Angela verärgert. »Irgendeine überflüssige Krankenschwester, nehme ich an, die es gar nicht erwarten kann, die Frühschicht anzutreten. Versteck dich!«
Das war leichter gesagt als getan. Soweit Bremer das bei der praktisch nicht vorhandenen Beleuchtung sagen konnte, war das Schwesternzimmer zwar recht geräumig, bot aber so gut wie kein Versteck - es sei denn, sie würden sich zu zweit in die Toilette quetschen, die die Schwester möglicherweise als erstes aufsuchen würde. Er duckte sich hinter den Tisch - ein Versteck, das geradezu lächerlich war -, während Angela hinter der Tür Aufstellung nahm, was Bremer kaum weniger lächerlich vorkam: Die Tür bestand aus Glas. Die Schritte kamen jetzt rasch näher. Eine schlanke Gestalt betrat das Schwesternzimmer und tastete im Eintreten zielsicher nach dem Lichtschalter an der Wand, und Angela sprang lautlos aus ihrem Versteck hervor und stürzte sich auf sie. Noch ehe die Krankenschwester auch nur richtig begriff, wie ihr geschah, schlang Angela den Arm um ihren Hals, riß ihren Oberkörper zurück und hielt ihr mit der Hand den Mund zu.