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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Hetwar jedenfalls nicht, denn er blickte finster drein und wechselte das Thema. »So sieht es aus. Wir werden uns mit dem Mädchen zu gegebener Zeit befassen. Doch im Augenblick ist uns eine dringlichere Anschuldigung zu Ohren gekommen: Was sagt Ihr zu Cumrils Behauptung, dass auch Wenzel von Rossfluten einen Tiergeist in sich trägt?«

Ingrey holte tief Luft. »Dass eine solche schwerwiegende Anklage gewiss eine gründliche Untersuchung der Kirche erfordert.«

»Und was würde bei dieser Untersuchung herauskommen?«

Wie weit reichten Wenzels Kräfte der Verschleierung? Weiter jedenfalls als die von Ingrey, so viel war sicher. »Das würde vermutlich von den Fähigkeiten der Personen abhängen, die diese Untersuchung vornehmen.«

»Ingrey.« Hetwars warnender Tonfall ließ diesmal sowohl Gesca wie auch Biast zusammenzucken. Doch Ingrey blieb reglos. »Der Mann ist Kurgraf, und wir stehen unmittelbar vor einer Wahl. Ich dachte, er wäre ein treuer Befürworter des rechtmäßigen Erben.«

Er nickte in Biasts Richtung, der diese Geste dankbar erwiderte. Fritine blinzelte und schwieg.

Hetwar fuhr fort: »Wenn das nicht der Fall sein sollte, muss ich es wissen! Ich kann es mir nicht leisten, durch eine unzeitige Festnahme seine Unterstützung zu verlieren.«

»Nun«, stellte Ingrey höflich fest. »Da gibt es doch eine einfache Lösung: Ihr wartet einfach, bis Ihr seine Stimme bekommen habt, und wendet Euch dann erst gegen ihn.«

Biast machte ein Gesicht, als hätte er soeben einen Wurm verschluckt. Hetwar sah einen Moment lang so aus, als würde er diese Möglichkeit ernsthaft in Erwägung ziehen. Fritine stellte eine ausdruckslose Miene zur Schau, und Ingrey fragte sich ein weiteres Mal, wem der Erzprälat wohl seine Stimme versprochen hatte.

War soeben Cumrils Aussicht auf ein Bad im Storchenfluss wieder gestiegen? Kümmert mich das? Ingrey seufzte. Möglicherweise schon. Missmutig stellte er fest, dass es in diesem Raum nicht eine Person gab, der er genug vertraute, um seine neuesten Entdeckungen über Rossfluten mit ihr zu teilen. Ich brauche Ijada.

Ingrey verschränkte die Hände hinter dem Rücken. Ich bin am Zug. »Eure Eminenz. Ihr seid sowohl Theologe wie auch Kurfürst. Wenn es überhaupt jemand wissen kann, dann Ihr. Könnt Ihr mir den genauen theologischen Unterschied zwischen der geheiligten Königswürde des Alten Weald und ihrer erneuerten Form nach der quintarischen Orthodoxie erläutern?«

Hetwar starrte ihn an. Wie, bei den fünf Göttern, kommst du jetzt auf diese Frage!, sagte sein Blick. Doch er lehnte sich im Stuhl zurück und bedeutete dem Erzprälaten, Ingrey zu antworten. Er war offenbar ebenfalls neugierig, wohin diese Antwort sie führen würde.

Fritine klopfte mit den Fingern auf die Armlehne. »Der frühere Geheiligte König wurde von den Oberhäuptern der dreizehn mächtigsten alten Sippen gewählt, der neue Geheiligte König von acht großen Häusern und fünf geistlichen Kurfürsten. Dem Erbrecht und der Primogenitur wird eine größere Bedeutung eingeräumt als früher«, er warf Biast einen Blick zu, »den darthacischen Gepflogenheiten entsprechend. Da die Wahl eines Geheiligten Königs in der Vergangenheit mehr als einmal nur das Vorspiel zu einem Stammeskrieg war, scheint allein schon der heute eher friedliche Machtübergang ein Zeichen des göttlichen Segens zu sein.« Ein weiteres Nicken in Biasts Richtung schien anzudeuten: Und dabei sollten wir es auch belassen.

»Ich hatte nicht nach einer politischen Antwort gefragt«, wandte Ingrey ein. »War der frühere Geheiligte König stets ein Totemkrieger oder … oder ein Schamane?« Und wie gefährlich war es, letzteren Ausdruck in dieser Gesellschaft zu verwenden?

Mit wachsendem Interesse setzte Lewko sich auf. »Ich habe schon etwas darüber gehört. Der frühere Geheiligte König stand im Mittelpunkt verschiedener stammesübergreifender Rituale. Womöglich war er eher magisch als heilig, wenn man es genau betrachtet.«

Ingrey versuchte, sich irgendeinen der Geheiligten Könige der jüngeren Vergangenheit als magisch vorzustellen, und schaffte es nicht. Und als heilig genauso wenig, wenn man es genau betrachtet. »Ist also diese … übernatürliche Macht der Königswürde gänzlich verloren gegangen?«

»Ja?«, sagte Lewko.

Ingrey war sich nicht so sicher, ob die Betonung Einverständnis oder Ermutigung ausdrücken sollte. »Was ist also noch übrig? Was macht den Geheiligten König heute noch heilig?«

Der Erzbischof blickte indigniert. »Der Segen der fünf Götter.«

»Mit Verlaub, Eminenz, aber ich empfange den Segen der fünf Götter bei jedem Gottesdienst. Aber das macht mich nicht zum Heiligen.«

»Allerdings«, murmelte Hetwar fast unhörbar.

Ingrey beachtete ihn nicht und drängte weiter: »Beinhaltet dieser königliche Segen mehr als fromme Wünsche?«

Würdevoll erklärte der Erzprälat: »Es gibt Gebete. Die fünf geistlichen Kurfürsten beten darum, dass ihre Stimmabgabe von göttlicher Inspiration getragen wird; alle bitten ihre Götter um ein Zeichen.«

Ingrey befand, dass er selbst schon eine ganze Hand voll dieser Zeichen übermittelt hatte. Und doch fühlte er sich nicht wie ein Bote der Götter. »Was sonst? Was ändert sich noch? Da muss noch etwas sein.« Die leichte Anspannung in seiner Stimme verriet zu große Dringlichkeit, und er schluckte, um sie wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Fünf alte Sippen fehlten nun, so viel war klar. Drei von ihnen waren ausgelöscht, zwei weitere in die Bedeutungslosigkeit abgesunken. Die fünf Vertreter der Kirche ersetzten sie nahtlos, und wer mochte behaupten, dass sie weniger rechtmäßige Vertreter ihres Volkes waren? Und doch hatte die Wahl aus Rossfluten einst einen Zauberkönig gemacht, ihn zu etwas Außergewöhnlichem werden lassen. War etwa die gegenwärtige Königswürde deshalb zum Teil entleert, weil Rossfluten in seinem endlos verlängerten Leben etwas davon zurückhielt?

Biast war die ganze Zeit unruhig auf seinem Stuhl umhergerutscht. Nun warf er ein: »Wenn die Beschuldigungen gegen Wenzel der Wahrheit entsprechen, fürchte ich um die Sicherheit meiner Schwester!«

Ingrey hegte wenig Zuneigung zu Fara, nach allem, was sie Ijada angetan hatte. Doch wenn er daran dachte, was für Mutmaßungen er in Bezug auf das Schicksal von Rossflutens letzter Ehefrau-Mutter hegte, musste er sich diesen Befürchtungen anschließen. »Ich halte Eure Sorgen für gerechtfertigt, Herr.«

Bei dieser Bestätigung setzte Hetwar sich auf.

»Was mich noch an etwas erinnert, Lord Hetwar«, fügte Ingrey hinzu. »Der Graf von Rossfluten hat kürzlich angedeutet, dass er mich gerne in seinen Diensten sehen würde. Ich bitte Euch, Herr: Wenn er deswegen anfragt, so sagt ihm, dass Ihr mich nicht freigeben wollt. Ich habe Angst, ihm seinen Wunsch rundweg abzuschlagen, denn ich will mir nicht seine Feindschaft zuziehen.«

Hetwar kniff nachdenklich die Brauen zusammen. Der Erzprälat riss die Augen auf und sagte: »Zwei von Tiergeistern heimgesuchte Männer in ein und demselben Haus? Was bezweckt Wenzel damit?«

»Bisher stützt Ihr Euch nur auf eine Annahme, Eminenz«, hob Ingrey hervor. »Der Graf wurde beschuldigt, aber er ist nicht überführt.«

Fritine drehte sich auf seinem Stuhl herum. »Lewko …?«

Lewko breitete die Hände aus. »Ich müsste ihn mir näher ansehen. Und selbst dann bräuchte ich die Hilfe meines Gottes, die ich nicht erzwingen kann.«

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