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Azrael: Die Wiederkehr

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Azrael: Die Wiederkehr
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»Es ist okay«, sagte er. »Ich weiß, wo sie sind.« Er wandte sich an den Fahrer. »Biegen Sie an der übernächsten Ampel links ab. Und dann gehen Sie auf die Autobahn Richtung Pankow. Ich sage Ihnen, wann Sie abbiegen müssen.« Er ließ sich wieder zurücksinken, griff in die Manteltasche und zog sein Handy heraus. Bevor er die Nummer wählte, wandte er sich an Vater Thomas, der neben ihm saß. »Ich hoffe, Sie haben mir wirklich die Wahrheit gesagt, Vater«, sagte er. »Ich möchte nicht meine Karriere aufs Spiel setzen, weil ich einem religiösen Spinner aufgesessen bin.«

»Wenn Sie das wirklich glauben würden, dann wären wir jetzt nicht hier, Herr Nördlinger«, antwortete Vater Thomas ruhig. »Habe ich recht?« Nördlinger antwortete nicht. Wozu auch? Vater Thomas wußte so gut wie er, daß er diese Frage im Grunde nur gestellt hatte, um seine Nervosität irgendwie zu kompensieren. Was ihn letztlich überzeugt hatte, das waren nicht Thomas Worte gewesen. Und auch nicht das, was er gesehen hatte. Für alles das hätte er eine ganz natürliche, rationale Erklärung gefunden, wenn er sich nur die Mühe machte, lange genug danach zu suchen. Aber er spürte, daß da noch mehr war. Irgend etwas ... Unvorstellbares ging hier vor. Und ihnen blieb nicht mehr viel Zeit, es aufzuhalten. Er drückte eine Taste auf seinem Telefon, und Meiler meldete sich.

»Nördlinger hier«, begann er. »Hören Sie mir zu. Stellen Sie keine Fragen, sondern hören Sie mir einfach zu. Sie werden jetzt folgendes tun...« Er sprach eine ganze Weile. Vürfels, der auf dem Beifahrersitz saß und natürlich ebenso wie Meiler am anderen Ende der Leitung hörte, welche Anweisungen Nördlinger gab, sagte nichts, aber er wurde kreidebleich.

29

Bremers Nieren hatten sich den unpassendsten aller Augenblicke ausgesucht, um sich wieder daran zu erinnern, wie übel sie behandelt worden waren. Als sie in den Korridor hinaustraten, schoß ein so grausamer Schmerz durch seinen Rücken, daß er für einen Moment die Augen schloß und sich stöhnend gegen die Wand lehnte. Ihm wurde übel.

Angela sagte etwas zu ihm, aber er verstand es erst beim zweiten Mal, nachdem er die Augen wieder geöffnet hatte und sie ansah.

»Alles in Ordnung?«

»Nein«, preßte Bremer zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Natürlich ist nicht alles in Ordnung«

Angela runzelte die Stirn, dann nickte sie. »Okay. Dreh dich um.« Bremer fühlte sich viel zu mies, um zu widersprechen. Gehorsam drehte er sich herum, lehnte die Stirn gegen die kühle Kunststoffverkleidung der Wand und spürte, wie Angela seine Jacke hochschlug und anschließend sein Hemd aus der Jacke zerrte. Ihre Finger tasteten über seinen Rücken und machten sich an seiner Nierengegend zu schaffen. Er hatte keine Ahnung, was sie tat, aber er erwartete instinktiv, daß es weh tun würde, doch ganz das Gegenteil war der Falclass="underline" Von der Stelle ausgehend, an der ihre Finger seine Haut berührten, breitete sich ein prickelndes, wohltuendes Gefühl von Betäubung in seinem Rücken aus. Als es seine Nieren erreichte, verschwand der Schmerz zwar nicht ganz, sank aber auf ein halbwegs erträgliches Maß herab.

»So«, sagte sie. »Das muß für den Moment reichen.« Ihre Hände verschwanden von seinem Körper, und Bremer drehte sich verblüfft zu ihr herum.

»Wie hast du das gemacht?«

»Ich habe doch gesagt, ich habe heilende Hände«, lächelte Angela. Sie wurde fast sofort wieder ernst und sagte: »Es wird nicht allzu lange vorhalten. Wir sollten uns beeilen.«

Sie gingen nebeneinander den Flur entlang. Wie Brauns Büro, erinnerte auch er viel mehr an die Verwaltungsanlage eines modernen Industrieunternehmens als an ein Krankenhaus, aber Bremer vergaß trotzdem keine Sekunde, wo er war. Nur ein paar Etagen unter ihm lag eine von vermutlich sehr vielen modernen Versionen der berühmten Gummizellen. Er hatte sie kennengelernt. Nur für eine knappe Stunde, aber das war schon eine Stunde mehr, als er sich gewünscht hätte. Und vermutlich sehr viele Stunden weniger, als er noch darin zubringen würde, wenn er wirklich so dumm gewesen wäre, auf Brauns Beteuerungen hereinzufallen.

Es schien ihm selbst jetzt fast unglaublich, daß er auch nur eine Sekunde lang auf diesen Kerl hereingefallen sein sollte. Braun gehörte zu jener Art von Männern, denen er normalerweise nicht einmal mit gutem Gewissen geglaubt hätte, hätte er ihn nach der Uhrzeit gefragt.

Sie erreichten den Aufzug. Angela ging daran vorbei, ohne auch nur im Schritt zu stocken, und öffnete die Tür am Ende des langen Flurs. Zu Bremers Enttäuschung führte sie jedoch nicht ins Treppenhaus. Dahinter verbarg sich nur eine kleine Kammer, die mit Besen, Eimern und anderen Putzutensilien vollgestopft war. Trotzdem verharrte Angela einige Sekunden lang mit der Hand auf der Klinke und machte ein nachdenkliches Gesicht.

»Willst du einen davon nehmen und davonfliegen?« Bremer deutete auf die Besen, die säuberlich an der Wand aufgereiht waren.

»Und wie kommst du dann hier weg?« fragte Angela ernsthaft. Dann schüttelte sie den Kopf. »Vielleicht sollten wir uns einfach hier drinnen verstecken. Manchmal sind die simpelsten Pläne immer noch die besten.«

»Sie werden hier jeden Teppich hochheben und darunter sehen, wenn sie merken, daß wir weg sind«, sagte Bremer.

Angela seufzte. »Wahrscheinlich hast du recht. Komm. Irgendwo muß dieses verdammte Treppenhaus ja sein.«

Hinter der dritten oder vierten Tür wurden sie fündig. Die Illusion, sich in einem supermodernen Gebäude zu befinden, zerplatzte wie eine Seifenblase, als sie in das Treppenhaus hinaustraten. Die Renovierungsarbeiten hatten sich nicht auf diesen Teil der Klinik erstreckt. Das Treppenhaus war groß, wie man es nur bei wirklich alten Gebäuden fand, und man sah ihm sein Alter an. Wände und Decke waren weiß verputzt, und hier und da sah man sogar noch die Reste von Stuckarbeiten, die vor einem Menschenalter abzubröckeln begonnen hatten. Die Treppe selbst und das Geländer waren in einem häßlichen Rot gestrichen. Als Bremer seinen Fuß auf die oberste Stufe setzte, knarrte sie so erbärmlich, daß er erschrocken zurückprallte.

»Los!« sagte Angela. Vollkommen überflüssig fügte sie hinzu: »Mach möglichst wenig Lärm!« Sie selbst stürmte los, das Bremer meinte, man müsse das Knarren und Dröhnen der Stufen im gesamten Gebäude hören.

Sie hatten die zweite Etage fast erreicht, als über und unter ihnen gleichzeitig Türen aufflogen. Aufgeregte Stimmen gellten durch das Treppenhaus. Ihre Flucht war entdeckt worden. Spätestens jetzt begann das, was Angela als den richtig spannenden Teil bezeichnet hatte. Bremer hätte allerdings gerne auf diese Art von Spannung verzichtet.

Während er noch wie angewurzelt dastand und sich seine Gedanken zu überschlagen begannen, änderte Angela plötzlich den Rhythmus ihrer Schritte. Sie schlich nicht etwa weiter, oder versuchte wenigstens, möglichst leise aufzutreten, wie es vermutlich jeder andere an ihrer Stelle getan hätte - der Takt ihrer Schritte änderte sich und paßte sich dem der Schritte an, die von unten auf sie zukamen. Das Geräusch verschmolz damit und wurde praktisch unhörbar.

Sie erreichte die Tür zur zweiten Etage, öffnete sie einen Spalt breit und drehte sich halb zu ihm herum. Ihre freie Hand gestikulierte hektisch, und ihre Lippen formten lautlose Worte, die er zwar nicht verstand, von denen er aber kaum glaubte, daß sie besonders freundlich waren.

Bremer wich lautlos bis zur Wand zurück, wodurch er Angela zwar für den Moment aus den Augen verlor, gleichzeitig aber auch nicht in Gefahr lief, entdeckt zu werden, sollte einer der Männer, die über ihnen herangestürmt kamen, einen Blick in die Tiefe werfen. Erst dann bewegte er sich weiter, so schnell er es eben konnte, ohne dabei allzu viel Lärm zu machen - was nicht eben schnell war. Die Schritte unter ihnen waren bereits unangenehm nahe herangekommen, als er Angela endlich erreichte.

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Сюжет
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Главный герой
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