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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Und?«, sagte er pflichtbewusst. Der Tee tat seine Wirkung; der Schmerz in seinem Hals war fast fort.

Sie senkte den Blick auf den Tisch und malte mit dem Zeigefinger unsichtbare Muster auf das Eichenholz.

»Sie hat nichts davon gesagt … aber ich glaube, dass er sie schlägt.«

Roger spürte eine plötzliche Schwere auf seinem Herzen. Seine erste Reaktion war, diese Vorstellung rundweg von sich zu weisen – doch als er noch beim Reverend wohnte, hatte er zu viel gesehen. Zu viele Familien, die nach außen hin zufrieden und respektabel lebten, während sich die Frauen über ihre eigene »Trampeligkeit« lustig machten und jede Sorge über blaue Augen, gebrochene Nasen oder ausgerenkte Handgelenke als unbegründet abtaten. Zu viele Männer, die unter dem Druck, eine Familie versorgen zu müssen, zur Flasche griffen.

»Verdammt«, sagte er und fühlte sich auf einmal zutiefst erschöpft. Er rieb sich die Stirn, unter der sich Kopfschmerzen meldeten.

»Wie kommst du darauf?«, fragte er unverblümt. »Hat sie irgendwelche Verletzungen?«

Brianna nickte unglücklich. Sie blickte immer noch nicht auf, auch wenn ihr Finger jetzt zur Ruhe gekommen war.

»Am Arm.« Sie schlang zur Demonstration die Hand um ihren Unterarm. »Kleine runde blaue Flecken, wie Fingerabdrücke. Ich habe sie gesehen, als sie nach oben gelangt hat, um einen Eimer Honigwaben vom Wagen zu heben, und ihr Ärmel verrutscht ist.«

Er nickte und wünschte, in seiner Tasse wäre etwas Stärkeres als Tee.

»Meinst du, ich soll mit ihm reden?«

Bei diesen Worten sah sie zu ihm auf, und ihr Blick wurde sanfter, auch wenn der Ausdruck der Sorge blieb.

»Weißt du, dieses Angebot würden die meisten anderen Männer nicht machen.«

»Na ja, ich kann mir spaßigere Dinge vorstellen«, räumte er ein. »Aber man kann so etwas ja nicht einfach so weitergehen lassen und hoffen, dass es sich von selbst erledigt. Irgendjemand muss etwas sagen.«

Wusste der Himmel, was – oder wie. Während er versuchte, sich zu überlegen, was er sagen konnte, bereute er sein Angebot bereits. »Hallo, Fergus, alter Knabe. Ich höre, du verprügelst deine Frau. Sei so gut und hör auf damit, okay?«

Er trank seinen Becher leer und stand auf, um den Whisky zu suchen.

»Wir haben nichts mehr«, sagte Brianna, als sie merkte, was er vorhatte. »Mr. Wemyss ist erkältet.«

Er stellte die leere Flasche seufzend hin. Sie berührte sanft seinen Arm.

»Wir sind oben zum Abendessen eingeladen. Wir könnten ja etwas eher gehen.« Das war ein Vorschlag, der seine Lebensgeister wieder weckte. Jamie bewahrte stets eine Flasche exzellenten Single Malt irgendwo im Haus auf.

»Aye, gut.« Er nahm ihren Umhang vom Haken und legte ihn schwungvoll um ihre Schultern. »Hey. Meinst du, ich sollte die Sache mit Fergus gegenüber deinem Pa erwähnen? Oder es besser selbst regeln?« Er hegte eine spontane, nicht besonders würdevolle Hoffnung, dass Jamie es als seine Sache betrachten und sich selbst darum kümmern würde.

Genau davor schien Brianna Angst zu haben; sie schüttelte den Kopf und lockerte damit gleichzeitig ihr halb getrocknetes Haar auf.

»Nein! Ich glaube, Pa würde ihm den Hals brechen. Und wenn er tot ist, wird Fergus Marsali noch weniger nützen.«

»Mmpfm.« Er fügte sich in das Unausweichliche und hielt ihr die Tür auf. Das große weiße Haus leuchtete über ihnen auf dem Hügel, und im Licht des Nachmittags strahlte es Ruhe aus; die große Rotfichte ragte als gütige Präsenz dahinter auf; nicht zum ersten Mal hatte er das Gefühl, dass der Baum irgendwie Wache über dem Haus stand – und in seinem derzeitigen zerbrechlichen Gemütszustand fand er diese Vorstellung tröstlich.

Sie machten einen kurzen Umweg, damit er die frische Grube angemessen bewundern konnte und sich die Funktionsweise eines Murmeltierbrennofens erklären lassen konnte. Es gelang ihm nicht, diese im Detail zu verstehen, er begriff aber zumindest, dass es darum ging, in seinem Inneren große Hitze zu erzeugen – und er fand den Fluss ihrer Erklärungen beruhigend.

»… Ziegel für den Schornstein«, sagte sie gerade und wies zum anderen Ende der zweieinhalb Meter tiefen Grube, die momentan größte Ähnlichkeit mit dem Ruheplatz für einen extrem großen Sarg hatte. Doch bis jetzt hatte sie ihre Sache sehr ordentlich gemacht; die Ecken waren rechtwinklig, wie mit Hilfe eines Werkzeugs hergestellt, und die Wände wiesen nicht die geringste Unebenheit auf. Er sagte es laut, und sie strahlte ihn an, während sie sich eine rote Locke hinter das Ohr strich.

»Es muss noch viel tiefer werden«, sagte sie, »etwa noch einen knappen Meter. Aber der Boden hier eignet sich gut zum Graben; er ist weich, bröckelt jedoch nicht allzu viel. Ich hoffe, ich habe das Loch fertig, bevor es anfängt zu schneien, aber ich weiß es nicht.« Sie rieb sich die Nase und blinzelte skeptisch in das Loch. »Eigentlich muss ich noch Wolle kämmen und spinnen, damit ich den Stoff für deine und Jemmys Winterhemden weben kann, ich muss die ganze nächste Woche einkochen, und …«

»Ich grabe es für dich.«

Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn genau unter das Ohr, und er lachte und fühlte sich plötzlich besser.

»Nicht für diesen Winter«, sagte sie und nahm ihn zufrieden beim Arm, »aber irgendwann – ich frage mich, ob ich einen Teil der Hitze des Ofens ableiten und unter dem Boden der Hütte hindurchführen kann. Weißt du, was ein römisches Hypokaustum ist?«

»Ja.« Er drehte sich um und betrachtete das Fundament seines Domizils, eine simple hohle Grundplatte aus Feldsteinen, auf denen die Holzwände standen. Bei der Vorstellung einer Zentralheizung in einer schlichten Berghütte hätte er am liebsten gelacht, doch eigentlich hatte sie nichts Unmögliches an sich. »Und wie würdest du das tun? Rohre mit warmer Luft durch die Steine des Fundaments leiten?«

»Ja. Immer vorausgesetzt, dass ich wirklich gute Rohre hinbekomme, was noch abzuwarten ist. Was meinst du?«

Er richtete den Blick von ihrem geplanten Projekt bergauf zum Haupthaus. Selbst aus dieser Entfernung war der Erdhaufen neben dem Fundament sichtbar, der von der Grabelust der weißen Sau zeugte.

»Ich glaube, du würdest Gefahr laufen, dass unser weißes Buddelwunder seine Aufmerksamkeit auf uns richtet, wenn du unter unserem Haus eine gemütliche warme Höhle baust.«

»Dann freut sich Major MacDonald, wenn es ihn endlich in Ruhe lässt. Dieses Schwein kann Major MacDonald wirklich nicht ausstehen«, sinnierte Brianna. »Ich frage mich, warum?«

»Frag deine Mutter, sie mag ihn auch nicht besonders.«

»Oh, nun ja, das –« Sie blieb abrupt stehen, spitzte die Lippen und warf einen nachdenklichen Blick auf das Haus ihrer Eltern. Ein Schatten ging hinter dem Fenster des Sprechzimmers vorbei; innen bewegte sich jemand. »Weißt du was? Such Pa und trink einen Whisky mit ihm; währenddessen erzähle ich Mama von Marsali und Fergus. Vielleicht hat sie ja eine gute Idee.«

»Ich weiß zwar nicht, ob hier ein medizinisches Problem vorliegt«, sagte er. »Aber eine Vollnarkose für Germain wäre sicherlich ein Anfang.«

Kapitel 27

Die Mälzerei

Ich konnte den süßen, etwas modrigen Geruch feuchten Getreides im Wind riechen, als ich den Pfad hinaufstieg. Er hatte nichts mit dem durchdringend betäubenden Geruch der Maische zu tun, dem kaffeeähnlichen Röstgeruch der Malzbildung oder dem Destillieraroma – doch er erinnerte bereits stark an Whisky. Sie war eine geruchsintensive Angelegenheit, diese Herstellung von uisge beatha, und das war der Grund, warum die Whiskylichtung fast eine Meile vom Haus entfernt stand. Selbst so fing meine Nase oft einen wilden, schwachen Alkoholgeruch auf, wenn mein Sprechzimmerfenster offen war und der Wind richtig stand, während die Maische vergor.

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