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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Vielleicht, so besann ich mich, war ich ja einfach kein besonders edelmütiger Mensch. Gelegentlich sogar ziemlich kleinmütig und nachtragend.

Dieser Anfall von Selbstkritik wurde durch das Geräusch von Stimmen und Bewegung draußen abrupt beendet. Ich trat an die Tür des Schuppens und blinzelte ins blendende Licht der Nachmittagssonne.

Ich konnte weder ihre Gesichter sehen noch mit Sicherheit sagen, wie viele es waren. Einige waren zu Pferd, andere zu Fuß, schwarze Scherenschnitte vor dem Hintergrund der sinkenden Sonne. Aus dem Augenwinkel fing ich eine Bewegung auf; Marsali war aufgestanden und kam langsam rückwärts auf den Schuppen zu.

»Wer seid Ihr, meine Herren?«, sagte sie mit erhobenem Kinn.

»Durstige Reisende, Mistress«, sagte eine der schwarzen Gestalten und trieb ihr Pferd vor die anderen. »Auf der Suche nach Gastfreundschaft.«

Die Worte waren ganz höflich; die Stimme war es nicht. Ich trat aus dem Schuppen, die Schaufel immer noch fest umklammert.

»Willkommen«, sagte ich und gab mir keine Mühe, den Anschein zu erwecken, als meinte ich es ernst. »Bleibt, wo Ihr seid, Gentlemen; wir bringen Euch gern etwas zu trinken. Marsali, kannst du das Fass holen?«

Wir bewahrten ein kleines Whiskyfass für genau solche Gelegenheiten in der Nähe auf. Mein Herzschlag dröhnte mir laut in den Ohren, und ich hielt den Holzstiel der Schaufel so fest umklammert, dass ich die Maserung des Holzes spüren konnte.

So viele Fremde auf einmal waren in den Bergen ein ungewöhnlicher Anblick. Dann und wann sahen wir eine Gruppe Cherokee auf der Jagd – doch diese Männer waren keine Indianer.

»Macht Euch keine Mühe, Mistress«, sagte ein anderer Mann und schwang sich vom Pferd. »Ich helfe ihr, es zu holen. Ich glaube allerdings, dass wir mehr als ein Fass brauchen werden.«

Die Stimme war die eines Engländers, und sie kam mir seltsam bekannt vor. Kein kultivierter Akzent, aber eine sorgfältige Aussprache.

»Wir haben nur ein Fass fertig«, sagte ich, während ich mich langsam seitwärts bewegte, ohne den Wortführer aus den Augen zu lassen. Er war nicht groß und sehr schlank, und seine Bewegungen waren steif und ruckartig wie die einer Marionette.

Er bewegte sich auf mich zu; die anderen folgten seinem Beispiel. Marsali hatte den Holzstapel erreicht und tastete hinter den Eichen- und Hickoryscheiten herum. Ich konnte ihren Atem rauh in ihrer Kehle hören. Unter dem Holz war das Fass versteckt. Neben dem Stapel, das wusste ich, lag auch eine Axt.

»Marsali«, sagte ich. »Bleib da. Ich komme und helfe dir.«

Eine Axt war eine bessere Waffe als eine Schaufel – aber zwei Frauen gegen … wie viele Männer? Zehn … ein Dutzend … mehr? Ich kniff die Augen zu, die von der Sonne tränten, und sah noch ein paar aus dem Wald kommen. Diese konnte ich klar erkennen; einer von ihnen grinste mich an, und ich musste mich zwingen, den Blick nicht abzuwenden. Sein Grinsen wurde breiter.

Der kleingewachsene Mann kam ebenfalls näher. Ich beobachtete ihn, und ein Kribbeln sagte mir, dass ich ihn kannte. Ich kannte ihn; ich hatte ihn schon einmal gesehen – und doch konnte ich seinen Pausbacken und seiner schmalen Stirn keinen Namen zuordnen.

Er stank penetrant nach längst getrocknetem Schweiß, nach in die Haut geriebenem Schmutz und nach Urintropfen; sie alle stanken so, und ihre Ausdünstung trieb auf dem Wind dahin wie der Wildgestank der Wiesel.

Er sah, dass ich ihn erkannte; seine dünnen Lippen pressten sich kurz zusammen, dann entspannten sie sich.

»Mrs. Fraser«, sagte er, und mein dumpfes Gefühl verschärfte sich abrupt, als ich den Ausdruck in seinen kleinen, schlauen Augen sah.

»Ich fürchte, ich kann Euch nicht ganz folgen, Sir«, sagte ich und setzte meine wagemutigste Miene auf. »Sind wir uns schon einmal begegnet?«

Er gab keine Antwort. Einer seiner Mundwinkel verzog sich nach oben, doch dann wurde er durch die beiden Männer abgelenkt, die sich nach vorn gestürzt hatten, um das Fass an sich zu nehmen, das Marsali jetzt aus dem Versteck gerollt hatte. Der eine hatte bereits nach der Axt gegriffen, auf die ich es eigentlich abgesehen hatte, und war im Begriff, den Fassdeckel zu zertrümmern, als der schmächtige Mann ihn anschrie.

»Aufhören!«

Der Mann blickte zu ihm hoch und riss völlig verdattert den Mund auf.

»Ich sagte, aufhören!«, schnappte der Schmächtige, als der andere den Blick verwirrt von dem Fass zur Axt und zurückwandern ließ. »Wir nehmen es mit; es kommt nicht in Frage, dass Ihr Euch jetzt alle besauft.«

Er wandte sich mir zu, und als nähme er ein Gespräch wieder auf, sagte er: »Wo ist der Rest?«

»Mehr haben wir nicht«, sagte Marsali, bevor ich antworten konnte. Sie sah ihn stirnrunzelnd an, argwöhnisch, aber auch voller Wut. »Dann nehmt es eben mit.«

Der schmächtige Mann richtete seine Aufmerksamkeit jetzt erstmals auf sie, warf ihr jedoch nicht mehr als einen beiläufigen Blick zu, bevor er sich wieder mir zuwandte.

»Macht Euch nicht die Mühe, mich anzulügen, Mrs. Fraser. Ich weiß sehr wohl, dass noch mehr da ist, und ich werde es bekommen.«

»Das stimmt nicht. Gib mir das, du Idiot!« Marsali entriss ihrem Gegenüber mit einem Ruck die Axt und sah den Schmächtigen finster an. »So revanchiert Ihr Euch also für den freundlichen Empfang – mit Diebstahl? Nun, dann nehmt Euch, weshalb Ihr gekommen seid, und geht!«

Mir blieb nichts anderes übrig, als ihr Spiel mitzuspielen, obwohl in meinem Kopf jedes Mal die Alarmglocken schlugen, wenn ich den schmächtigen Mann anblickte.

»Sie hat recht«, sagte ich. »Überzeugt Euch selbst.« Ich wies auf den Schuppen und den Destillierapparat, der danebenstand, unverschlossen und eindeutig leer. »Wir beginnen gerade erst mit dem Mälzen. Es dauert noch Wochen, bis es eine neue Fuhre Whisky gibt.«

Ohne eine Miene zu verziehen, trat er rasch vor und schlug mir mit voller Wucht ins Gesicht.

Der Schlag war nicht so fest, dass ich stürzte, doch mein Kopf fiel nach hinten, und meine Augen tränten. Ich war mehr schockiert als ernstlich verletzt, obwohl ich einen scharfen Blutgeschmack im Mund hatte und ich bereits spüren konnte, wie meine Lippe anschwoll.

Marsali stieß einen kurzen Aufschrei des Schreckens und der Entrüstung aus, und ich hörte einige der Männer fasziniert und überrascht miteinander tuscheln. Sie waren jetzt so nah herangekommen, dass sie uns umzingelten.

Ich hielt mir den Handrücken vor den blutenden Mund und registrierte geistesabwesend, dass meine Hand zitterte. Doch mein Verstand hatte sich in sichere Entfernung zurückgezogen und schmiedete und verwarf seine Gedanken so schnell, dass sie wie Karten beim Mischen vorbeiflatterten.

Wer waren diese Männer? Wie gefährlich waren sie? Wie weit waren sie bereit zu gehen? Die Sonne ging unter – wie lange würde es dauern, bis man Marsali oder mich vermisste und uns jemand suchen kam? Würde es Fergus oder Jamie sein? Selbst Jamie, wenn er allein kam …

Ich hatte keinen Zweifel, dass dies dieselben Männer waren, die das Massaker an den Holländern verübt hatten und wahrscheinlich auch für viele weitere Überfälle verantwortlich waren. Gewaltbereit also – jedoch hauptsächlich auf Diebstahl aus.

Mein Mund schmeckte nach Kupfer; das Metallaroma von Blut und Angst. All diese Überlegungen hatten nicht mehr als eine Sekunde beansprucht, doch als ich jetzt den Kopf senkte, war ich zu dem Schluss gekommen, dass es das Beste sein würde, ihnen zu geben, was sie wollten, und zu hoffen, dass sie unverzüglich mit dem Whisky verschwanden.

Ich bekam jedoch keine Gelegenheit, das zu sagen. Der schmächtige Mann packte mich am Handgelenk und verdrehte es brutal. Ich spürte, wie sich die Knochen unter dem durchdringenden Schmerz verschoben und nachgaben, und sank im Laub auf die Knie, unfähig, mehr als ein leises, atemloses Geräusch auszustoßen.

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