Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Oder suchte ich nur nach Ausreden, weil ich mir die Möglichkeit dessen, was Brianna geargwöhnt hatte, nicht eingestehen wollte?
»Eins für mich«, erklärte Germain und legte den Finger auf die Eier, »und eins für Joan und eins für Felicité und eins für Monsieur l’Œuf.« Er zeigte auf ihren wie eine Melone geschwollenen Bauch.
»Ach, was für ein lieber Junge«, sagte Marsali, zog ihn an sich und küsste seine fleckige Stirn. »Du bist wirklich mein kleines Küken.«
Germains Strahlen verwandelte sich in eine spekulierende Miene, als er mit dem vorgewölbten Bauch seiner Mutter in Berührung kam. Er tätschelte ihn vorsichtig.
»Wenn das Ei da drinnen ausschlüpft, was machst du mit der Schale?«, erkundigte er sich. »Kann ich sie haben?«
Marsali verkniff sich so mühsam das Lachen, dass sie rot wurde.
»Menschen kommen nicht mit Schale«, erklärte sie. »Gott sei Dank.«
»Bist du sicher, Maman?« Er warf einen argwöhnischen Blick auf ihren Bauch, dann stupste er ihn sanft mit dem Finger an. »Es fühlt sich aber wie ein Ei an.«
»Nun, das stimmt, aber es ist keins. Papa und ich nennen die Kleinen nur so, bevor sie geboren werden. Du warst auch einmal Monsieur l’Œuf, aye?«
»Wirklich?« Bei dieser Enthüllung zog Germain ein Gesicht wie vom Donner gerührt.
»O ja. Deine Schwestern auch.«
Germain runzelte die Stirn, bis der fransige Pony fast seine Nase berührte.
»Nein, das stimmt nicht. Sie sind Mesdemoiselles les Œufs.«
»Oui, certainement«, sagte Marsali und lachte ihn an. »Dieses hier vielleicht auch – aber es ist leichter, Monsieur zu sagen. Hier, sieh mal.« Sie lehnte sich ein wenig zurück und drückte ihre Hand fest in die Seite ihres Kugelbauches.
Dann nahm sie Germains Hand und legte sie auf die Stelle. Sogar ich konnte sehen, wie sich ihre Haut ausbeulte, als das Baby als Reaktion auf den Druck heftig trat.
Germain riss erschrocken die Hand fort, dann legte er sie mit faszinierter Miene wieder auf die Stelle und drückte zu.
»Hallo?«, sagte er laut und hielt sein Gesicht dicht an den Bauch seiner Mutter. »Comment ça va da drinnen, Monsieur l’Œuf?«
»Es geht ihm gut«, versicherte ihm seine Mutter. »Oder ihr. Aber ganz am Anfang sagen Babys noch nichts. Das weißt du doch. Felicité sagt ja sogar jetzt noch nichts außer ›Mama‹.«
»Oh, aye.« Germain verlor jetzt das Interesse an seinem werdenden Geschwisterchen und bückte sich, um einen interessant aussehenden Stein aufzuheben.
Marsali hob den Kopf und blinzelte in die Sonne.
»Du solltest nach Hause gehen, Germain. Mirabel will bestimmt gemolken werden, und ich habe hier noch ein bisschen zu tun. Geh und hilf Papa, aye?« Mirabel war eine Ziege und erst so kürzlich zu ihrem Haushalt gestoßen, dass sie noch interessant war, denn bei diesem Vorschlag erhellte sich Germains Gesicht.
»Oui, Maman. Au’voir, Grand-mère!« Er zielte und warf den Stein in Richtung des Schuppens, verfehlte ihn, drehte sich um und hüpfte auf den Pfad zu.
»Germain«, rief Marsali ihm nach. »Na tuit.«
»Was bedeutet das?«, fragte ich neugierig. »Es ist doch Gälisch, oder? Oder Französisch?«
»Es ist Gälisch«, sagte sie lächelnd. »Es bedeutet ›Fall nicht!‹« Sie schüttelte in gespielter Bestürzung den Kopf. »Der Junge kann für sein Leben keinem Baum fernbleiben.« Germain hatte das Nest mit den Eiern dagelassen; sie setzte es sanft auf den Boden, und da sah ich die blassen gelblichen Ovale an ihrem Unterarm – verblichen, aber genau so, wie Brianna sie beschrieben hatte.
»Wie kommt Fergus denn zurecht?«, fragte ich, als hätte das irgendetwas mit unserer Unterhaltung zu tun.
»Ganz gut«, erwiderte sie, und ein Ausdruck des Argwohns verschloss ihre Züge.
»Wirklich?« Ich blickte gezielt auf ihren Arm, dann in ihre Augen. Sie errötete und verdrehte hastig den Arm, um die Flecken zu verbergen.
»Aye, es geht ihm gut!«, sagte sie. »Das Melken gelingt ihm noch nicht besonders gut, aber das klappt bestimmt bald. Mit nur einer Hand ist es natürlich schwierig, aber er ist –«
Ich setzte mich neben sie auf den Baumstamm und drehte ihr Handgelenk um.
»Brianna hat es mir erzählt«, sagte ich. »Ist das Fergus gewesen?«
»Oh.« Sie schien verlegen zu werden, zog ihr Handgelenk fort und drückte den Unterarm an ihren Bauch, um die Stellen zu verdecken. »Nun, aye. Aye, das war er.«
»Möchtest du, dass ich mit Jamie darüber spreche?«
Kräftige Röte stieg ihr ins Gesicht, und sie richtete sich alarmiert auf.
»Himmel, nein! Pa würde Fergus das Genick brechen! Und es war nicht seine Schuld.«
»Natürlich war es seine Schuld«, sagte ich bestimmt. Ich hatte in der Bostoner Notaufnahme viel zu viele misshandelte Frauen gesehen, die allesamt behaupteten, dass es nicht die Schuld ihrer Männer oder Freunde gewesen war. Natürlich lag es oft an den Frauen, aber trotzdem –
»Aber nein«, beharrte Marsali. Die Farbe in ihrem Gesicht war nicht verblichen; wenn überhaupt, wurde sie jetzt noch kräftiger. »Ich – er – ich meine, er hat mich am Arm gepackt, aye, aber das war nur, weil ich … äh … na ja, ich hatte gerade versucht, ihm einen Holzscheit über den Schädel zu ziehen.« Sie wandte den Blick ab und errötete erneut heftig.
»Oh.« Ich rieb mir ein wenig verblüfft die Nase. »Ich verstehe. Und warum hast du das versucht? Hat er dich … angegriffen?«
Sie seufzte und ließ die Schultern hängen.
»Oh. Nein. Nun ja, es war, weil Joanie die Milch verschüttet hat, und er hat sie angeschrien, und sie hat geweint, und …« Sie zuckte schwach mit den Achseln und sah so aus, als sei ihr das Ganze sehr peinlich. »Ich nehme an, mich hat ein kleines Teufelchen geritten.«
»Es sieht Fergus aber nicht ähnlich, die Kinder anzuschreien, oder?«
»Oh, nein, gar nicht!«, sagte sie schnell. »Es kommt kaum vor, dass er … nun ja, früher jedenfalls nicht, aber jetzt, wo es so viele sind … nun ja, diesmal konnte ich ihm jedenfalls keine Vorwürfe machen. Er hat furchtbar lange gebraucht, um die Ziege zu melken, und dann zuzusehen, wie alles verschüttet und vergeudet wurde – ich glaube, ich hätte auch geschimpft.«
Sie hielt die Augen fest auf den Boden geheftet, um meinem Blick auszuweichen, und spielte mit dem Saum ihres Hemdes, indem sie den Daumen wieder und wieder über die Naht gleiten ließ.
»Kleine Kinder können einen wahrhaftig auf die Geduldsprobe stellen«, pflichtete ich ihr bei und erinnerte mich dabei lebhaft an einen Vorfall, dessen Hauptrollen die zweijährige Brianna, ein Anruf, der mich abgelenkt hatte, eine große Schüssel Spaghetti mit Fleischklößchen und Franks offene Aktentasche gespielt hatten. Frank hatte normalerweise eine Engelsgeduld mit Brianna – wenn auch nicht mit mir –, aber bei dieser Gelegenheit hatte sein Wutgebrüll die Fensterscheiben beben lassen.
Und jetzt, da ich mich daran erinnerte, hatte ich in meiner an Hysterie grenzenden Wut einen Fleischkloß nach ihm geworfen. Brianna ebenfalls, obwohl sie es nicht aus Rachsucht getan hatte, sondern weil sie es lustig fand. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt am Herd gestanden, wäre es gut möglich gewesen, dass ich mit dem Topf nach ihm geworfen hätte. Ich rieb mir mit dem Finger unter der Nase entlang und war mir nicht sicher, ob ich diese Erinnerung bedauern oder darüber lachen sollte. Ich hatte die Flecken nie wieder aus dem Teppich bekommen.
Es war schade, dass ich diese Erinnerung nicht mit Marsali teilen konnte, da sie weder Spaghetti noch Aktentaschen kannte und auch keine Ahnung von Franks Existenz hatte. Sie hielt den Blick nach wie vor zu Boden gerichtet und schob mit dem Zeh Eichenblätter hin und her.
»Es war wirklich alles meine Schuld«, sagte sie und biss sich auf die Lippe.