Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Brianna sah ihm suchend ins Gesicht, sah, wie sich seine Hand über die wulstige Stricknarbe an seinem Hals legte.
»Bekommst du noch Luft?«, fragte sie ängstlich. Er schüttelte den Kopf, aber es stimmte nicht; irgendwie atmete er, obwohl es sich anfühlte, als hätte eine Riesenhand ihm die Kehle zerquetscht und Speise- und Luftröhre zu blutigem Brei zermalmt.
Er wedelte mit der Hand, um anzudeuten, dass es schon gehen würde, sosehr er es auch selbst bezweifelte. Sie trat hinter seinen Rücken, zog seine Hand von seinem Hals fort und legte ihre Finger ganz sacht auf die Narbe.
»Alles wird gut«, sagte sie leise. »Du musst nur atmen. Nicht nachdenken. Nur atmen.«
Ihre Finger waren kalt, und ihre Hände rochen nach Erde. Er hatte Wasser in den Augen. Er kniff sie zusammen, weil er das Zimmer sehen wollte, den Kamin und die Kerze, das Geschirr und den Webstuhl, um sich davon zu überzeugen, wo er war. Ein warmer Tropfen rollte ihm über die Wange.
Er versuchte, ihr zu sagen, dass es schon gut war, dass er nicht weinte, doch sie drückte ihn nur fester an sich, legte einen Arm um seine Brust, während die andere Hand weiter kühl auf dem schmerzenden Knoten in seiner Kehle lag. Ihre Brüste drückten sich weich an seinen Rücken, und er konnte ihr Summen eher spüren, als dass er es hörte, jenes leise, tonlose Geräusch, das sie machte, wenn sie nervös war oder sich sehr stark konzentrierte.
Schließlich begann der Krampf nachzulassen, und das Erstickungsgefühl verschwand. Seine Brust füllte sich mit der unglaublichen Erleichterung ungehinderten Atmens, und sie ließ ihn los.
»Was … gräbst du … denn da eigentlich?«, fragte er schon viel weniger angestrengt. Er sah sich nach ihr um und lächelte, was schon schwieriger war. »Eine Bar…becuegrube für ein Nilpferd?«
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, obwohl die Sorge ihre Augen noch verdunkelte.
»Nein«, sagte sie. »Es ist ein Murmeltierbrennofen.«
Er versuchte kurz, sich eine schlagfertige Erwiderung auszudenken, dass es doch ein ziemlich großes Loch als Falle für so etwas Kleines wie ein Murmeltier sei, doch er schaffte es nicht.
»Oh«, sagte er stattdessen.
Er nahm den Becher mit heißem Tee, den sie ihm in die Hand gab, und hielt ihn an sein Gesicht, so dass ihm der duftende Dampf die Nase wärmen und sich an der kalten Haut seiner Wangen niederschlagen konnte.
Brianna goss sich ebenfalls einen Becher ein und setzte sich ihm gegenüber.
»Ich bin froh, dass du zu Hause bist«, sagte sie leise.
»Ja. Ich auch.« Er nippte probeweise; der Tee war noch kochend heiß. »Ein Brennofen?« Er hatte ihr von den O’Brians erzählt; er hatte es gemusst, aber er wollte nicht darüber reden. Nicht jetzt. Sie schien das zu spüren und bedrängte ihn nicht.
»Mm-hm. Für das Wasser.« Er musste ein verwirrtes Gesicht gezogen haben, denn ihr Lächeln verbreiterte sich. »Ich habe dir doch gesagt, dass es unter anderem Erdarbeiten gibt, oder nicht? Außerdem war es deine Idee.«
»Ach ja?« Derzeit konnte ihn so gut wie nichts überraschen, doch er konnte sich nicht erinnern, schlaue Ideen gehabt zu haben, die etwas mit Wasser zu tun gehabt hatten.
Wenn man Wasser in die Häuser bringen wollte, war der Transport das Problem. Der Himmel wusste, dass es nicht an Wasser mangelte; es strömte in Bächen dahin, stürzte als Wasserfall in die Tiefe, tropfte von Klippen, entsprang aus Quellen, sammelte sich in sumpfigen Pfützen am Fuß der Felsen … aber um es dahin zu dirigieren, wo man es haben wollte, musste man es irgendwie einfangen.
»Mr. Wemyss hat Fräulein Berrisch – das ist seine Freundin; Ute hat sie verkuppelt – erzählt, was ich vorhabe, und sie hat ihm gesagt, dass der Männerchor in Salem an dem gleichen Problem arbeitet, also –«
»Der Chor?« Er versuchte einen weiteren, vorsichtigen Schluck und fand den Tee trinkbar. »Was hat denn der Chor –?«
»So nennen sie sich nur. Es gibt einen Chor der unverheirateten Männer, einen Chor der unverheirateten Frauen, den Chor der Verheirateten … Aber sie singen nicht nur gemeinsam, sondern es ist eher eine soziale Initiative, und jeder Chor hat bestimmte Aufgaben, die er für die Gemeinschaft tut. Also jedenfalls«, sagte sie mit einer Geste, »versuchen sie, Wasser in den Ort zu holen, und haben dasselbe Problem – kein Metall für Rohre. Aber du kannst dich bestimmt daran erinnern, dass du mich auf die Keramik aufmerksam gemacht hast, die in Salem hergestellt wird. Nun, sie haben versucht, Wasserleitungen aus Baumstämmen herzustellen, aber das ist wirklich schwierig und zeitaufwendig, weil man mit einem Stangenbohrer die Mitte herausbohren muss und trotzdem Verbindungsstücke aus Metall braucht. Und nach einer Weile verrotten sie. Aber dann sind sie auf dieselbe Idee gekommen wie du – warum die Rohre nicht aus gebranntem Lehm herstellen?«
Je länger sie darüber redete, desto lebhafter wurde sie. Ihre Nase war nicht mehr von der Kälte gerötet, aber das Blut war ihr in die Wangen gestiegen, und ihre Augen leuchteten gebannt. Sie gestikulierte beim Reden – das hatte sie von ihrer Mutter, dachte er amüsiert.
»… also haben wir die Kinder bei Mama und Mrs. Bug untergebracht, und Marsali und ich haben einen Ausflug nach Salem gemacht –«
»Marsali? Aber sie konnte doch wohl nicht reiten?« Marsali war hochschwanger, so sehr, dass es ihn schon nervös machte, nur in ihrer Nähe zu sein, weil er fürchtete, sie könnte jeden Moment Wehen bekommen.
»Sie hat noch einen Monat. Außerdem sind wir ja nicht geritten; wir haben den Wagen genommen und Honig, Cidre und Wild gegen Käse und Decken eingetauscht und – siehst du meine neue Teekanne?« Sie wies stolz darauf, eine unansehnliche, bauchige Kanne, die rotbraun glasiert war und in der Mitte einen Streifen aus gelben Schnörkeln hatte. Sie war einer der hässlichsten Gegenstände, die er je gesehen hatte, und ihr Anblick trieb ihm die Tränen in die Augen, so froh war er, zu Hause zu sein.
»Gefällt sie dir nicht?«, fragte sie und runzelte ein wenig die Stirn.
»Nein, sie ist toll«, sagte er heiser. Er tastete nach einem Taschentuch und putzte sich die Nase, um nicht zu zeigen, wie überwältigt er war. »Sie gefällt mir gut. Du warst bei … Marsali?«
»Ich war bei den Wasserleitungen. Aber – mit Marsali ist auch etwas.« Ihr Stirnrunzeln nahm zu. »Ich habe das Gefühl, dass sich Fergus danebenbenimmt.«
»Nein! Was macht er denn? Hat er eine wilde Affäre mit Mrs. Crombie?«
Die Erwiderung auf diese Frage war ein vernichtender Blick, der allerdings nicht lange anhielt.
»Zunächst einmal ist er oft fort, und Marsali darf sich um die Kinder kümmern und die ganze Arbeit machen.«
»Völlig normal für diese Zeit«, merkte er an. »Das tun doch die meisten Männer. Dein Vater macht es auch. Ich auch; ist dir das noch nicht aufgefallen?«
»Doch«, sagte sie und spendierte ihm einen giftigen Blick. »Aber was ich meine, ist, dass die meisten Männer die Schwerarbeit verrichten, das Pflügen und die Aussaat, und ihren Frauen die Hausarbeit überlassen, das Kochen und Spinnen und Weben und die Wäsche und das Einkochen und – nun ja, egal, all das. Aber Marsali macht alles, und sie hat die Kinder und arbeitet auf dem Feld und in der Mälzerei. Und wenn Fergus zu Hause ist, hat er schlechte Laune und trinkt zu viel.«
Auch das klang nach dem ganz normalen Verhalten eines Vaters dreier kleiner, wilder Kinder und dem Mann einer schwangeren Frau, dachte Roger, doch er schwieg dazu.
»Ich würde Fergus aber nicht als Faulenzer einschätzen«, sagte er nachsichtig. Brianna schüttelte stirnrunzelnd den Kopf und schenkte ihm Tee nach.
»Nein, faul ist er eigentlich nicht. Es ist hart für ihn mit nur einer Hand; mit vielen der schweren Arbeiten ist er ja tatsächlich überfordert – aber er weigert sich, Marsali bei den Kindern zu helfen oder zu kochen oder sauber zu machen, während sich Marsali um sie kümmert. Pa und Ian helfen ihnen beim Pflügen, aber … Und er ist oft tagelang fort; manchmal macht er hier und dort Gelegenheitsarbeiten, übersetzt für Reisende – aber meistens ist er einfach nur fort. Und …« Sie zögerte und warf ihm einen Blick zu, als fragte sie sich, ob sie weiterreden sollte.