Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Oh, aye?« Auch in seiner Brust regte sich Belustigung.
»Ja. Und deshalb, so sagt er, fühlt er sich berufen, diesen ahnungslosen Wilden das Wort Christi zu überbringen. Denn wie sollten sie es sonst hören?«
Jamie rieb sich die Oberlippe. Er war jetzt hin- und hergerissen zwischen Belustigung und Bestürzung bei der Vorstellung, dass Hiram Crombie mit dem Psalmbuch in der Hand in die Dörfer der Cherokee eindrang.
»Mmpfm. Nun, aber … glaubt ihr – Presbyterianer – nicht, dass alles vorherbestimmt ist? Dass die einen gerettet werden, meine ich, und sich nichts daran ändern lässt? Weshalb die Papisten demzufolge allesamt zur Hölle fahren werden?«
»Äh … nun ja …« Roger zögerte, denn er hatte offensichtlich nicht vor, es ganz so drastisch zu formulieren. »Mmpfm. Da gibt es unter den Presbyterianern einige Meinungsverschiedenheiten. Aber, ja, das ist es, was Hiram und Konsorten glauben.«
»Aye. Nun denn, wenn er glaubt, dass einige der Indianer bereits gerettet sind, warum muss man zu ihnen predigen?«
Roger rieb sich die Stelle zwischen den Augen.
»Nun, verstehst du, aus demselben Grund, warum Presbyterianer beten und zur Kirche gehen und all das. Selbst als Gerettete wollen sie Gott dafür preisen und – und lernen, sich zu bessern und so zu leben, wie Gott es von ihnen wünscht. Aus Dankbarkeit für ihre Errettung, aye?«
»Ich glaube, Hiram Crombies Gott wäre von der Lebensweise der Indianer nicht begeistert«, sagte Jamie und erinnerte sich lebhaft an nackte Frauenkörper im Zwielicht der glühenden Holzkohlen und dem Geruch der Felle.
»Wohl kaum«, sagte Roger und traf Claires trockenen Tonfall so genau, dass Jamie lachte.
»Aye, ich sehe das Problem«, sagte er, und so war es auch, obwohl er es immer noch zum Lachen fand. »Also hat Hiram vor, die Cherokee-Dörfer aufzusuchen und zu predigen? Ist es das?«
Roger nickte und schluckte seine Wurst herunter.
»Um genau zu sein, möchte er, dass du ihn dorthin mitnimmst. Und ihn vorstellst. Er erwartet nicht von dir, dass du die Predigten übersetzt, sagt er.«
»Grundgütiger.« Er malte sich diese Vorstellung einen Moment lang aus, dann schüttelte er entschlossen den Kopf. »Nein.«
»Natürlich nicht.« Roger entkorkte eine Bierflasche und bot sie ihm an. »Ich dachte nur, ich sage es dir, damit du dir überlegen kannst, was du am besten zu ihm sagst, wenn er dich fragt.«
»Sehr vorausschauend von dir«, sagte Jamie. Er nahm die Flasche und trank in tiefen Zügen.
Dann ließ er sie sinken, holte tief Luft – und erstarrte. Er sah, wie Roger Mac scharf den Kopf wandte, und wusste, dass er es ebenfalls inmitten des kalten Windes aufgefangen hatte.
Roger Mac wandte sich wieder zu ihm um, die schwarzen Augenbrauen zusammengezogen.
»Riechst du Brandgeruch?«, sagte er.
Roger hörte sie zuerst; ein wilder Chor von krächzenden Rufen, schrill wie Hexen. Dann Flügelknattern, als sie in Sicht kamen und die Vögel aufflogen, Krähen zum Großteil, aber hier und dort auch ein riesiger schwarzer Rabe.
»Oh, Gott«, sagte er leise.
Zwei Tote hingen an einem Baum neben dem Haus. Das, was von ihnen übrig war. Er konnte erkennen, dass es ein Mann und eine Frau waren, aber nur an ihren Kleidern. Jemand hatte dem Mann ein Stück Papier ans Bein geheftet, das so zerknittert und fleckig war, dass er es nur deshalb sah, weil ein Rand im Wind flatterte.
Jamie riss es ab, faltete es so weit auseinander, dass er es lesen konnte, und warf es zu Boden. »Tod den Regulatoren«, stand dort; er sah die hingekritzelten Worte, eine Sekunde bevor der Wind den Zettel fortwehte.
»Wo sind die Kinder?«, fragte Jamie und wandte sich abrupt zu ihm um. »Diese Leute haben Kinder. Wo sind sie?«
Die Asche war kalt und wurde bereits vom Wind verstreut, doch der Brandgeruch erfüllte ihn, verstopfte seine Atemwege und versengte ihm die Kehle, so dass die Worte wie Kies knirschten, bedeutungslos wie das Schaben von Steinchen unter seinen Füßen. Er versuchte zu sprechen, räusperte sich und spuckte auf den Boden.
»Versteckt vielleicht«, rasselte er und streckte den Arm in Richtung des Waldes aus.
»Aye, vielleicht.« Jamie stand abrupt auf und rief in den Wald hinein. Ohne eine Antwort abzuwarten, ging er auf die Bäume zu und wiederholte seinen Ruf.
Roger folgte ihm, bog ab, als sie den Waldrand erreichten, und stieg hinter dem Haus bergauf. Sie riefen beruhigende Worte, die ohne Ausnahme von der Stille des Waldes verschluckt wurden.
Er stolperte schwitzend und keuchend zwischen den Bäumen hindurch, ohne beim Rufen den Schmerz in seinem Hals zu beachten, und blieb gerade eben lange genug stehen, um zu hören, ob jemand antwortete. Mehrmals sah er aus dem Augenwinkel eine Bewegung und drehte sich danach um, sah aber nur den Wind durch trocknendes Schilf oder eine hängende Kletterpflanze fegen, die schwankte, als sei jemand hindurchgegangen.
Er bildete sich halb ein, er sähe Jem beim Versteckspiel, und das Bild eines davonhuschenden Fußes, eines kleinen, in der Sonne schimmernden Kopfes verlieh ihm die Kraft, noch einmal zu rufen und noch einmal. Schließlich jedoch musste er sich eingestehen, dass die Kinder niemals so weit gerannt wären, und er machte wieder in Richtung der Blockhütte kehrt. Dabei rief er nach wie vor heiser und erstickt krächzend nach den Kindern.
Als er zurück auf den Hof trat, sah er, wie sich Jamie nach einem Stein bückte, den er mit aller Kraft nach einem Rabenpärchen warf, das sich auf dem Galgenbaum niedergelassen hatte und sich mit leuchtenden Augen wieder auf dessen Bürde zuschlich. Die Raben krächzten und flatterten davon – allerdings nur bis zum nächsten Baum, wo sie abwartend sitzen blieben.
Der Tag war kalt, aber sie waren beide in Schweiß gebadet, und das Haar hing ihnen feucht im Nacken. Jamie wischte sich schwer atmend mit dem Ärmel über das Gesicht.
»Wie – wie viele Kinder?« Er war selbst kurzatmig, seine Kehle so wund, dass die Worte kaum ein Flüstern waren.
»Mindestens drei.« Jamie hustete und spuckte aus. »Das älteste vielleicht zwölf.« Eine Minute stand er da und betrachtete die Toten. Dann bekreuzigte er sich und zog seinen Dolch, um sie herunterzuschneiden.
Sie hatten kein Werkzeug zum Graben; das Beste, was sie zuwege brachten, war eine breite Mulde im zerfallenden Laub des Waldes und ein flacher Steinhügel, den Raben zum Trotz und um des Anstands willen.
»Waren sie Regulatoren?«, fragte Roger und hielt inne, um sich das Gesicht am Ärmel abzuwischen.
»Aye, aber …« Jamies Stimme verstummte. »Das hier hat nichts damit zu tun.« Er schüttelte den Kopf und wandte sich ab, um noch mehr Steine zu sammeln.
Zuerst dachte Roger, es wäre ein Stein, halb verborgen unter den Blättern, die gegen die verkohlte Hüttenwand geweht waren. Er berührte es, und es bewegte sich. Er war mit einem Schrei auf den Beinen, der den Krähen alle Ehre gemacht hätte.
Jamie war in Sekundenschnelle bei ihm, um ihm zu helfen, als er das kleine Mädchen aus dem Laub und den Holzresten ausgrub.
»Schht, a muirninn, schht«, sagte Jamie drängend, obwohl das Kind gar nicht weinte. Sie war etwa acht; ihre Kleider und Haare waren verbrannt und ihre Haut so schwarz und aufgesprungen, dass sie tatsächlich aus Stein hätte sein können, wären ihre Augen nicht gewesen.
»O Gott, o Gott.« Roger sagte es ununterbrochen vor sich hin, auch als schon lange klar war, dass, wenn es ein Gebet war, die Zeit für seine Erhörung lange vorbei war.
Er wiegte sie an seiner Brust, und ihre Augen öffneten sich bis zur Hälfte und betrachteten ihn ohne jede Erleichterung oder Neugier – nur mit schicksalsergebener Ruhe.
Jamie hatte Wasser aus seiner Feldflasche auf sein Taschentuch geschüttet und schob ihr die Spitze zwischen die Lippen, um sie anzufeuchten, und Roger sah die automatische Bewegung ihrer Kehle, als sie daran sog.