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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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»Nein, das stimmt nicht.« Ich drückte ihr beruhigend den Arm. »An solchen Dingen ist niemand schuld; Unfälle passieren nun einmal, und dann regt man sich auf … Aber am Ende wird alles gut.« So war es tatsächlich, dachte ich – wenn auch oft nicht so, wie man es erwartete.

Sie nickte, doch der Schatten lag weiter über ihrem Gesicht, und sie hatte die Unterlippe eingeklemmt.

»Aye, es ist nur …«, begann sie, dann brach sie ab.

Ich saß geduldig da, sorgsam darauf bedacht, sie nicht zu bedrängen. Sie wollte – musste – reden. Und ich musste es hören, bevor ich entschied, was – oder ob überhaupt – ich Jamie sagen sollte. Irgendetwas ging zwischen ihr und Fergus vor, das war sicher.

»Ich … ich habe gerade noch daran gedacht, beim Schaufeln. Ich hätte es nicht getan, glaube ich, es hat mich nur so sehr daran erinnert, wie … ich habe mich nur wieder genauso gefühlt …«

»Genau wie?«, fragte ich, als klar war, dass sie ihre Erzählung abgebrochen hatte.

»Ich habe die Milch verschüttet«, sagte sie, und es kam fast wie ein Wort heraus. »Als ich noch klein war. Ich hatte Hunger und habe die Hand nach dem Krug ausgestreckt, um ihn zu mir zu ziehen, und ihn verschüttet.«

»Oh?«

»Aye. Und er hat geschrien.« Sie zog ein wenig die Schultern hoch, als erinnerte sie sich an einen Schlag.

»Wer hat geschrien?«

»Ich weiß es nicht genau. Kann sein, dass es mein Vater war, Hugh – aber es kann auch Simon gewesen sein, Mamas zweiter Mann. Ich kann mich nicht genau erinnern – nur daran, dass ich solche Angst hatte, dass ich mir ins Hemd gemacht habe, und das hat ihn noch wütender gemacht.« Ihr Gesicht stand in roten Flammen, und sie verkrampfte beschämt die Zehen.

»Meine Mutter hat geweint, weil es alles war, was wir zu essen hatten, etwas Brot und Milch, und jetzt war die Milch nicht mehr da – aber er hat geschrien, er könnte den Lärm nicht ertragen, denn inzwischen haben Joan und ich beide geheult … Und dann hat er mich geohrfeigt, und Mama ist blind auf ihn losgegangen, und er hat sie geschubst, so dass sie gegen den Kamin gefallen ist und sich das Gesicht am Schornstein gestoßen hat – ich konnte das Blut aus ihrer Nase laufen sehen.«

Sie zog die Nase hoch, fuhr mit dem Handrücken darunter entlang und blinzelte, den Blick fest auf das Laub gerichtet.

»Dann ist er hinausgestampft, hat die Tür zugeschlagen, und Joanie und ich sind beide zu Mama gerannt und haben aus voller Kehle gebrüllt, weil wir dachten, sie ist tot … Aber sie hat sich auf Hände und Knie hochgerappelt und uns gesagt, es sei gut, alles würde wieder gut – und sie ist hin- und hergeschwankt, ihre Haube war heruntergefallen, und blutiger Schleim triefte ihr aus dem Gesicht auf den Boden … Das hatte ich vergessen. Aber als Fergus angefangen hat, die arme kleine Joanie anzuschreien … war es, als wäre er Simon. Oder vielleicht Hugh. Er, wer immer es war.« Sie schloss die Augen, stieß einen tiefen Seufzer aus und beugte sich vor, so dass ihre Arme die Bürde ihrer Schwangerschaft wiegten.

Ich streckte die Hand aus und strich ihr die feuchten Haarsträhnen aus dem Gesicht, aus der runden Stirn.

»Deine Mutter fehlt dir, nicht wahr?«, sagte ich leise. Zum ersten Mal empfand ich ein wenig Mitgefühl mit ihrer Mutter Laoghaire, nicht nur mit Marsali.

»Oh, aye«, sagte Marsali schlicht. »Schrecklich.« Sie seufzte noch einmal, schloss die Augen und legte ihre Wange an meine Hand. Ich zog ihren Kopf an mich, hielt sie fest und streichelte wortlos ihr Haar.

Es war später Nachmittag, und die Schatten lagen lang und kalt auf dem Eichenwald. Die Hitze war jetzt von ihr gewichen, und sie erschauerte in der abkühlenden Luft. Gänsehaut lief ihr über die feinknochigen Arme.

»Hier«, sagte ich, stand auf und schwang mir den Umhang von den Schultern. »Zieh ihn an. Du willst dich doch nicht erkälten.«

»Ah, nein, ist schon gut.« Sie richtete sich auf, schüttelte ihr Haar zurück und wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht. »Hier ist nur noch eine Kleinigkeit zu tun, und dann muss ich nach Hause, das Abendessen machen …«

»Ich mache das«, sagte ich bestimmt und legte ihr den Umhang fest um die Schultern. »Ruh dich ein bisschen aus.«

Die Luft im Inneren des kleinen Schuppens war so dick, dass man allein davon Schwindelgefühle bekam, geschwängert mit den fruchtbaren Ausdünstungen der keimenden Gerste und dem feinen, scharfen Staub der Spelzen. Nach der kühlen Luft im Freien war mir die Wärme willkommen, doch in Sekunden war meine Haut unter Kleid und Hemd feucht.

Egal; sie hatte recht, es war nicht viel zu tun. Die Arbeit würde mich warm halten, und dann würde ich unverzüglich mit Marsali heimgehen. Ich würde das Abendessen für die Familie machen und sie sich ausruhen lassen – und mich vielleicht dabei mit Fergus unterhalten und herausfinden, was zwischen ihm und Marsali vorging.

Fergus hätte doch das Abendessen machen können, dachte ich stirnrunzelnd, während ich die flachen Haufen aus klebrigem Korn umgrub. Nicht, dass ihm so etwas in den Sinn kommen würde, dem kleinen französischen Faulenzer. Das Melken der Ziege war alles, was er an »Frauenarbeit« zu leisten bereit war.

Dann fielen mir Joan und Felicité ein, und ich wurde etwas nachsichtiger, was Fergus betraf. Joan war drei, Felicité anderthalb – und jeder, der mit den beiden in einem Haus allein war, hatte mein volles Mitgefühl, ganz gleich, welche Arbeit er tat.

Äußerlich war Joan ein hübsches, braunhaariges, zartes Kind, und allein war sie lieb und folgsam – bis zu einem gewissen Punkt. Felicité war ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten, dunkelhaarig, feinknochig mit einem Hang zu abwechselnden Anwandlungen herzerweichenden Charmes und zügelloser Leidenschaft. Zusammen … Jamie bezeichnete sie beiläufig als die Höllenkätzchen, und wenn sie zu Hause waren, war es kein Wunder, dass Germain im Wald unterwegs war – oder dass Marsali es als Erleichterung empfand, allein hier draußen zu sein und Schwerarbeit zu leisten.

Wobei »schwer« das Wort war, auf das es hier ankam, dachte ich, während ich erneut mit der Schaufel zustieß und sie anhob. Keimende Gerste war feuchte Gerste, und jede Schaufel wog mehrere Kilo. Das gewendete Korn war unregelmäßig gefärbt und hatte dunkle Flecken von der Feuchtigkeit der unteren Schichten. Das ungewendete Korn war heller, selbst im schwindenden Licht. Es blieben nur noch ein paar Haufen hellen Korns in der anderen Ecke.

Ich stürzte mich entschlossen darauf und musste dabei feststellen, dass ich mir alle Mühe gab, nicht an die Geschichte zu denken, die Marsali mir erzählt hatte. Ich wollte keine freundschaftlichen Gefühle für Laoghaire entwickeln – und tat es auch nicht. Aber ich wollte ebenso wenig Mitleid mit ihr haben, und das zu vermeiden, erwies sich als schwieriger.

Anscheinend hatte sie kein leichtes Leben gehabt. Nun, das galt ebenso für jeden anderen, der zu dieser Zeit in den Highlands lebte, dachte ich und warf ächzend eine Schaufel voll Korn zur Seite. Mutter zu sein, war an keinem Ort der Welt einfach – aber es sah so aus, als hätte sie ihre Sache gut gemacht.

Der Kornstaub ließ mich niesen. Ich hielt inne, um mir die Nase am Ärmel abzuwischen, dann schaufelte ich weiter.

Schließlich war es ja nicht so gewesen, dass sie versucht hatte, mir Jamie wegzuschnappen, redete ich mir ein, um Mitgefühl und edelmütige Objektivität bemüht. Eigentlich eher umgekehrt – oder zumindest war es gut möglich, dass sie es so sah.

Die Kante der Schaufel knirschte über den Boden, als ich die letzte Gerste aufschabte. Ich warf das Korn zur Seite, dann benutzte ich die flache Seite des Schaufelblatts, um ein wenig frisch gewendetes Korn in die leere Ecke zu schieben und die höchsten Haufen etwas zu glätten.

Ich kannte die Gründe, warum er sie geheiratet hatte – und ich glaubte ihm. Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass die Erwähnung ihres Namens eine ganze Reihe von Bildern heraufbeschwor – angefangen damit, dass Jamie sie leidenschaftlich in einem Alkoven der Burg Leoch küsste, bis dahin, dass er sich in der Dunkelheit ihres Ehebetts unter ihrem Nachthemd vortastete, seine Hände warm und begierig auf ihren Oberschenkeln –, die mich wie einen Orca prusten und mir das Blut in den Schläfen hämmern ließ.

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