Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er hob Jem hoch, damit er dem Maultier die Nase streicheln konnte, und um seiner Tochter und ihrem Mann einen Moment unter vier Augen zu gewähren. Clarence war von der gutmütigen Sorte und ließ Jems heftiges Tätscheln und seine falsch ausgesprochenen Cherokee-Ausdrücke geduldig über sich ergehen. Doch als sich Jem auf seinem Arm in Gideons Richtung wandte, lehnte sich Jamie abrupt zurück.
»Nein, Junge, diesen hinterlistigen Kerl fasst du besser nicht an. Er beißt dir glatt die Hand ab.«
Gideon zuckte mit den Ohren und stampfte ungeduldig mit dem Huf. Der kräftige Hengst konnte es gar nicht abwarten, aufzubrechen und sich erneut an Jamies Ermordung zu versuchen.
»Warum behältst du dieses gemeingefährliche Vieh?«, fragte Brianna, als sie sah, wie Gideon seine Lippe krauszog und voller Vorfreude seine gelben Zähne bleckte. Sie nahm ihm Jemmy ab und trat weit aus Gideons Reichweite heraus.
»Was, unseren Gideon? Oh, wir kommen schon zurecht. Außerdem ist er die Hälfte meiner Tauschware, Liebes.«
»Wirklich?« Sie warf dem großen Fuchs einen argwöhnischen Blick zu. »Bist du sicher, dass du keinen Krieg heraufbeschwörst, wenn du den Indianern so etwas gibst?«
»Oh, ich habe nicht vor, ihnen Gideon zu geben«, versicherte er ihr. »Zumindest nicht direkt.«
Gideon war ein übelgelauntes, eigensinniges Pferd mit einem eisernen Maul und dem dazu passenden Willen. Diese abstoßenden Eigenschaften schienen den Indianern höchst begehrenswert vorgekommen zu sein, genau wie seine kräftige Brust, seine Kondition und sein gut bemuskeltes Gebäude. Als ihm Quiet Air, der Sachem in einem der Dörfer, drei Hirschfelle im Austausch dafür angeboten hatte, seine gescheckte Stute von Gideon decken zu lassen, war Jamie mit einem Mal klargeworden, über was für ein Kapital er hier verfügte.
»Es ist ein Riesenglück, dass ich nie Zeit hatte, ihn zu kastrieren«, sagte er. Er klopfte Gideon vertraulich auf den Widerrist und wich automatisch aus, als der Hengst mit dem Kopf herumfuhr, um nach ihm zu schnappen. »Er verdient sich seinen Lebensunterhalt und mehr, wenn er die Indianerpferde deckt. Es ist das Einzige, worum ich ihn je gebeten habe, ohne dass er sich geweigert hätte.«
Brianna war von der Morgenkälte so rot wie eine Christrose; bei diesen Worten lachte sie jedoch und wurde noch röter.
»Was heißt kastrieren?«, erkundigte sich Jemmy.
»Das wird dir deine Mutter erklären.« Er grinste sie an, wuschelte mit der Hand durch Jemmys Haar und wandte sich Roger zu. »Fertig, Junge?«
Roger beugte sich aus dem Sattel, um Brianna ein letztes Mal zu küssen, dann waren sie unterwegs. Er hatte sich vorhin schon unter vier Augen – und gründlich – von Claire verabschiedet.
Sie stand im Fenster ihres Schlafzimmers, um ihnen im Vorbeireiten zuzuwinken, ihre Haarbürste in der Hand. Ihre Locken umstanden ihren Kopf in alle Richtungen, und die frühe Morgensonne fing sich darin wie Flammen in einem Dornbusch. Ihm wurde merkwürdig zumute, als er sie so ungeordnet sah, halbnackt in ihrem Hemd. Es war ein Gefühl heftigen Verlangens, trotz der Dinge, die er vor nicht einmal einer Stunde mit ihr getan hatte. Und etwas, das beinahe Angst war, als könnte er sie nie wiedersehen.
Unwillkürlich blickte er auf seine linke Hand und sah den Geist der Narbe an der Wurzel seines Daumens. Das »C« war so verblichen, dass es kaum noch zu sehen war. Er hatte es seit Jahren nicht mehr bewusst wahrgenommen oder daran gedacht, und plötzlich hatte er das Gefühl, als reichte die Luft nicht zum Atmen.
Doch er winkte, und sie warf ihm lachend einen spöttischen Kuss zu. Himmel, er hatte seinen Abdruck auf ihr hinterlassen; er konnte den dunklen Flecken sehen, den er auf ihren Hals gedrückt hatte, und vor Verlegenheit stieg ihm die Röte ins Gesicht. Er bohrte Gideon die Fersen in die Flanken, woraufhin der Hengst missmutig quietschte und herumfuhr, um ihn ins Bein zu beißen.
Dadurch wurde er abgelenkt, bis sie das Haus hinter sich gelassen hatten. Er blickte nur noch einmal zurück, an der Wegmündung, und sah sie immer noch dort stehen, vom Licht umrahmt. Sie hob die Hand, als wollte sie ihn segnen, und dann verschwand sie hinter den Bäumen.
Das Wetter war schön, wenn auch kalt, so früh, wie es noch im Herbst war; der Atem der Pferde dampfte, als sie von Fraser’s Ridge hinunter durch die winzige Siedlung ritten, die die Leute jetzt Cooperville nannten, und sich dann Richtung Norden dem Great Buffalo Trail anschlossen. Er behielt den Himmel stets im Blick; es war viel zu früh für Schnee, aber schwere Regenfälle waren nichts Ungewöhnliches. Doch die wenigen Wolken waren Zirruswolken; kein Grund zur Sorge.
Sie redeten nicht viel, denn sie waren beide allein mit ihren Gedanken. Roger Mac war normalerweise ein angenehmer Begleiter. Doch ihm fehlte Ian; er hätte sich gern mit ihm darüber unterhalten, wie die Dinge jetzt mit Tsisqua standen. Ian verstand die Gedanken der Indianer besser als die meisten Weißen. Jamie hatte zwar keine Schwierigkeiten damit, Birds Geste, ihm die Gebeine des Eremiten zu schicken, zu verstehen – es sollte der Beweis seines fortgesetzten guten Willens gegenüber den Siedlern sein, falls der König ihm Gewehre schickte –, doch Ians Meinung wäre ihm viel wert gewesen.
Und um der Zukunft willen war es zwar notwendig, Roger Mac in den Dörfern vorzustellen … aber er wurde rot bei dem Gedanken, dem Mann erklären zu müssen, was …
Dieser verflixte Ian. Der Junge war einfach vor ein paar Tagen in der Nacht gegangen, er und sein Hund. Es war nicht das erste Mal, und er würde gewiss genauso plötzlich, wie er verschwunden war, wieder auftauchen. Welche Dunkelheit ihn auch immer aus dem Norden zurückgebracht hatte, dann und wann wurde sie zu viel für ihn, und er verschwand im Wald, um schließlich schweigend und in sich gekehrt, aber friedvoller zurückzukehren.
Jamie verstand ihn sehr gut; das Alleinsein war auf seine eigene Weise ein Balsam gegen die Einsamkeit. Und gegen die Erinnerung, vor der der Junge im Wald flüchtete – oder die er dort suchte …
Hat er dir je von ihnen erzählt?, hatte Claire ihn sorgenvoll gefragt. Seiner Frau, seinem Kind?
Nein. Ian erzählte nicht das Geringste von seiner Zeit bei den Mohawk. Das Einzige, was er aus dem Norden mitgebracht hatte, war eine Armbinde aus blauen und weißen Wampum-Muscheln. Jamie hatte sie einmal in Ians Sporran erspäht, aber nicht genug gesehen, um das Muster zu erkennen.
»Der selige Michael beschütze dich, Junge, und mögen dich die Engel heilen«, dachte er, an Ian gewandt.
So kam es, dass er kein wirkliches Gespräch mit Roger Mac führte, bis sie anhielten, um zu Mittag zu essen. Mit Genuss aßen sie die frisch zubereiteten Dinge, die die Frauen ihnen mitgegeben hatten. Es blieb genug für das Abendessen übrig; vom nächsten Tag an gab es nur noch Maisküchlein und alles, was ihren Weg kreuzte und sich leicht fangen und braten ließ. Dann noch ein Tag, und die Snowbird-Frauen würden sie als Vertreter des Königs von England auch königlich verpflegen.
»Letztes Mal gab es gefüllte Ente mit Yamswurzeln und Mais«, berichtete er Roger. »Wenn man Gast ist, gehört es sich, so viel zu essen, wie man kann, ganz gleich, was es gibt.«
»Verstehe.« Roger lächelte schwach, dann sah er das halb gegessene Wurstbrötchen in seiner Hand an. »Das mit den Gästen, meine ich. Ich glaube, wir haben ein kleines Problem – mit Hiram Crombie.«
»Hiram?« Jamie war überrascht. »Was ist denn mit Hiram?«
Rogers Mund zuckte; er war unsicher, ob er lachen sollte oder nicht.
»Nun, es ist nur – du weißt doch, dass alle das Skelett, das wir beerdigt haben, ›Ephraim‹ nennen, aye? Es ist ganz allein Briannas Schuld, aber so ist es nun einmal.«
Jamie nickte neugierig.
»Nun gut. Gestern ist Hiram zu mir gekommen und hat gesagt, er hätte über die Angelegenheit nachgedacht – im Gebet und so – und sei zu dem Schluss gelangt, dass, wenn es wahr sei, dass einige der Indianer Verwandte seiner Frau seien, es doch nur auf der Hand läge, dass einige von ihnen gerettet werden müssten.«