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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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»Wir haben den Ort am Heiligen Baum selbst mit eingebunden in unseren Zauber für Unbesiegbarkeit, und ich als der Geheiligte König war die Nabe des Zaubers.«

Singende Stimmen, die wie auf Flügeln in den Nachthimmel stiegen. Die Bäume erbebten, als würde der Atem des Gesangs über sie hinweg streichen. Die tiefen, ineinander fließenden Töne ließen Ingrey jedes Haar am Leibe zu Berge stehen.

»Doch wir konnten nicht länger den Fortbestand der Königswürde dem Geschick der Schlachten überlassen. Denn wenn ich fallen würde, dann würde auch der Zauber zerspringen, und alle, die darin eingewoben waren, wären im selben Moment verloren. Deshalb haben mein ältester Sohn …«

Ein bärtiger, blonder Jüngling, das vertrauensvolle Gesicht vor der Zeit gealtert unter der Last. Ja, es zeigte sich eine gewisse Verwandtschaft zu dem gelbbraunen jungen Mann in der Eiche, sowohl in den Gesichtszügen wie auch in der Bürde, die darin zu lesen war. Ein Bruder oder ein Vetter?

»… und schufen gemeinsam das große Band, in dem Königswürde, Seele, Pferd, der Angelpunkt des Zaubers und alles andere zusammengehalten und ohne Unterbrechung weitergereicht werden sollten, egal wo, wann oder wie unsere körperlichen Hüllen ihr Ende fanden. Bis der Sieg errungen war.« Wenzel hielt kurz inne. »Ihr seht, worauf es hinausläuft?«

Ingrey gab zwischen den halb geöffneten Lippen einen erstickten Laut von sich. Wenzel bewegte sich, stellte sich mehr seitlich zu Ingrey. Sein Atem strich über Ingreys Gesicht, als er weitersprach.

»Audars Truppen ergriffen mich noch in den ersten Stunden der Schlacht. Sie brachen mir die Knochen, wickelten mich in meine königliche Standarte und warfen mich in die erste Grube, die sie ausgehoben hatten. Noch bevor die Kämpfe vorüber waren, fingen sie mit der Schlächterei an. Ich starb mit dem Mund voll Erde und dunklem Blut …«

Der Gestank ließ Ingrey würgen; eine Brühe aus Schmutz und Blut und Urin.

»… und erwachte im Leib meines Kindes, das inzwischen selbst schon im Mannesalter stand. Und bereits ein Gefangener war. Unseren Blicken blieb nichts von dem Grauen erspart, und am Ende hießen wir die Axt auf unserem Hals willkommen wie den Kuss einer Geliebten. Ich dachte, es wäre vorüber. Die Niederlage war wie Asche in meinem Mund …«

Die klammen Splitter eines Baumstumpfs, blutdurchtränkt, bohrten sich in Ingreys durchgestreckte Kehle. Eine müde Stimme ächzte vor Anstrengung, und aus dem Augenwinkel sah Ingrey einen stählernen Bogen herabgleiten, und sein Klagelaut endete mit einem Krachen, als der Rückenwirbel durchtrennt wurde.

»… und dann erwachte ich im Körper meines zweiten Sohnes, Meilen entfernt an der Grenze. Ich war dem Gemetzel vom Blutfeld auf die bitterste Weise entkommen, auf den Schwingen unseres Zaubers. Sein Geist war nicht auf meine Ankunft vorbereitet. Ich musste mit ihm kämpfen, ihm die Sprache entringen, jede Bewegung, sein Augenlicht. Einen kurzen Moment lang waren wir alle wie wahnsinnig, zusammen in seinem Schädel eingeschlossen. Aber dann gewann ich seinen Leib und begann einen Krieg, um das Weald zurück zu erringen.«

Ingrey schluckte und versuchte, die Herrschaft über die eigene Stimme wiederzuerlangen, und sei es auch nur, um sich durch deren Klang zu vergewissern, dass er sich noch in seinem eigenen Kopf befand. »Ich glaube, ich habe schon von diesem Rossfluten-Prinz gehört. Er war ein berühmter Kriegsherr. Zwanzig Jahre kämpfte er entlang der Feuchtmarschen, bis zu seiner Niederlage und seinem Tod.«

»Niederlage, ja. Tod … nun. Der Sohn meines Sohnes war zwanzig Jahre alt, als ich mir seinen Körper zu Eigen machte. Der Ort am Heiligen Baum war zu diesem Zeitpunkt schon ein verlassenes Ödland …«

Ein durchnässter Wald kämpfte sich aus einem schwarzen Morast empor, blattlos in eisigen Nebel gehüllt. Die Bäume waren verdreht, knotig von Zysten, aus denen kalter Saft in gefrorenen Körnern hervorquoll wie Schleim aus entzündeten Augen.

»… Ein jeder Stammeskrieger, der dort in den Zauber miteingebunden war, lebte inzwischen nicht mehr; sie waren in der Schlacht gefallen oder am Alter gestorben, auch die wenigen, die dem Gemetzel entkommen waren. Bis auf einen.«

Wenzels Blicke, die sich in Ingreys Augen bohrten, schienen nun selbst einem Traum entsprungen. Die Visionen kreiselten in den Pupillen, wie von einem Wirbel verschlungen. Visionen, die niemals trogen, hatte Wenzel einst gesagt. Das mochte sein. Aber Ingrey wusste selbst zu gut, wie man mit der Wahrheit lügen konnte. Ich glaube, was ich sehe. Aber was habe ich nicht gesehen?

»Unser Widerstand verlief nicht glücklich. Es gab viele Tode, in rascher Abfolge, unter den verbannten Angehörigen der Rossfluten-Sippe der alten, königlichen Linie. Plötzlich fand ich mich selbst im nutzlosen Körper eines Kindes gefangen, und meine Ungeduld verzehrte ihn. Man betrachtete uns als verrückt. Es brauchte dreißig Jahre und einen weiteren Tod, bis ich wieder die Herrschaft beanspruchen konnte. Doch wollte keine der anderen Sippen mehr für uns kämpfen Ich wandte mich der Politik zu und versuchte, das Weald von innen heraus wiederzugewinnen. Ich sammelte Wohlstand an, und jede Macht, die ich bekommen konnte, und ich lernte, wie man Männer beugen konnte, die sich nicht zerbrechen ließen. Ich suchte nach Bruchstellen in der königlichen Familie von Darthaca, und ich machte mich daran, selbige zu erweitern.«

Die Visionen verloren an Eindringlichkeit, als würde das Nachlassen der Leidenschaft auch die Erinnerungen zu fahlen, blassen Geistern altern lassen. »Dieser Graf von Rossfluten, den man als den ›Königsmacher‹ bezeichnete, nicht wahr?«, fragte Ingrey schwach. »Das wart auch Ihr?«

»Ja, und sein Sohn und der Sohn seines Sohnes. Ich strömte von Körper zu Körper und sammelte eine große Dichte von Leben an. Doch meine Söhne waren keine freiwilligen Opfer mehr. Wie es heißt, sammeln die Götter die Seelen, ohne sie zu zerstören. Das ist der Beweis, dass ich kein Gott auf Erden bin. Sollten die heimgesuchten Geister nicht in Wahnsinn auseinander fallen, durfte nur einer herrschen. Und zu dem Zeitpunkt gab es keine Wahl mehr, wer das sein würde.

Einhundertfünfzig Jahre lang kämpfte ich, plante, blutete und starb und schändete meine Seele durch verhängnisvolle Fehler und das menschenfresserische Zehren meiner Kindeskinder. Und für einen einzigen, ruhmvollen Augenblick meinte ich, es wäre vollbracht, das Weald neu auferstanden. Doch der neuen Königswürde fehlte der Zauber, das Legendenlied des Landes. Da war nichts von der alten Waldmagie. Die Götter hatten es mir verfälscht. Ich wurde nicht aus dem qualvollen Kreislauf befreit. Mein Krieg war vorüber, aber nicht gewonnen.

Und so begann die Linie der absonderlichen Grafen von Rossfluten, die vor allem für ihre Zurückgezogenheit bekannt wurden …«

»Könnt Ihr Euch nicht aus dem Zauber befreien?«, hauchte Ingrey. »Irgendwie?«

Wenzels Stimme und sein Gesicht verzerrten sich gleichermaßen: »Glaubt Ihr vielleicht, ich hätte es nicht versucht

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