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Die Zypressen von Cordoba

Электронная книга - «Die Zypressen von Cordoba». Краткое содержание книги:

Spanien im 10. Jahrhundert: Am Hof von Córdoba herrschen die Mauren. Der Kalif Abd ar-Rahman III. spürt, daß er von seinen Leibärzten verraten wird. Nur Da'ud ibn Yatom, dem Sohn des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, vertraut er. Ihn beauftragt er, den großen Theriak wieder zu entdecken, ein Mittel, mit dem sich der Herrscher vor Schlangenbissen schützen will, vor denen er panische Angst hat. Falls Da'ud dies gelingt, wird er mit Gold überschüttet, falls nicht, droht der Kalif Da'ud und seine Familie auszulöschen …
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Stella fühlte sich in Hais geschickten Händen so sicher, daß sie ohne Zögern seinem Vorschlag zustimmte, den Knoten in ihrer Brust unverzüglich zu entfernen. Sie fragte nicht nach dem Warum und Weshalb. Wenn Hai es sagte, war ihr das genug. Und da sie ihn nicht fragte, sah er keinen Grund, ihr zu erklären, daß das Risiko für ihre Gesundheit – ja, für ihr Leben – auch nach dem Schnitt noch bestehen würde, denn er konnte nicht sagen, wie tief die bösartige Krankheit schon in ihren Körper eingedrungen war. Warum sollte er jedoch einen so grauenerregenden Schatten auf ihr Leben werfen, ehe er alles in seiner Möglichkeit Stehende getan hatte, um sie zu heilen?

Vor der Operation ließ Hai sie selbst zur Ader, um ihren Körper von der schwarzen Galle zu befreien, und er bereitete auch den betäubenden Trank aus Opium, Baldrian und Honig in einem solchen Mischungsverhältnis zu, daß sie unter Abu'l Kasims Messer keine Schmerzen verspüren, aber auch keine Nebenwirkungen erleiden würde. Als der Chirurg in das Zimmer eintrat, das für die Operation vorbereitet war – das man auf Hais Geheiß gründlich gereinigt hatte –, lag seine Patientin schon betäubt und reglos auf dem Marmortisch, auf dem er seine Operationen vornahm.

Mit geschickten, sicheren Bewegungen schnitt Abu'l Kasim den gesamten Knoten mit dem umgebenden Gewebe heraus. Dann ließ er das Blut eine Zeitlang frei strömen und dämmte anschließend den Fluß ein, indem er die umgebenden Blutgefäße abdrückte. Während er begann, die Wunde zu versorgen, drängte ihn Hai, all seine Kunstfertigkeit zu benutzen, damit die Narbe, die dort bleiben sollte, wo sonst die sanfteste, weichste Rundung einer Frau war, so glatt wurde, wie es seine geschickten Hände nur erreichen konnten. Wenn sie bekleidet war, würde niemand bemerken, daß die Rundung fehlte, denn Stellas Brüste waren von Natur aus recht flach gewesen, und man konnte sie unter der Bekleidung kaum ausmachen. Aber was war in ihrer Hochzeitsnacht? fragte er sich, während er zusah, wie der Chirurg die klaffende Wunde kauterisierte und verband. Nach der Operation beschäftigte die gleiche, unausgesprochene Frage die Gedanken der beiden Ärzte: Hatte die bösartige Geschwulst auch andere Körperteile befallen, oder hatten sie sie entfernt, solange sie noch auf einen Ort begrenzt war?

Stella war noch immer benebelt von dem Betäubungsmittel und erschien Hai erstaunlich leicht, als er sie hochhob und zu einer bereitstehenden Trage brachte, auf der sie zu seinem kleinen Landhaus transportiert wurde. Er selbst ritt neben ihr her, um ständig über sie wachen zu können. Als sie zu Hause ankamen, brachte Dalitha die junge Frau in einem sauberen, frischen Zimmer unter. Obwohl seine Frau selbst neben der Patientin wachte, die die ganze Nacht unruhig schlief, kam auch Hai immer wieder herein, um nach ihr zu sehen und ihr wohl bemessene Mengen Opium und Baldrian zu geben, die ihr über den schlimmsten Schmerz hinweghelfen sollten. Er verband die Wunde im Lauf der nächsten Tage regelmäßig neu, versorgte sie mit frischen Galläpfeln, den Schalen von Granatäpfeln, Lakritzrinden und natürlich frischem Aloesaft, dessen heilende Wirkung bekannt war. Er achtete peinlich auf erste Anzeichen von Wundbrand, die sich als Folge der Operation zeigen könnten, doch Abu'l Kasim hatte so sorgfältig gearbeitet, daß diese Angst sich als unbegründet herausstellte.

Hais Besuche waren die Glanzpunkte in Stellas ereignislosen Tagen. Die Fürsorge, die sie aus seinen tiefblauen Augen las, die zarte Berührung seiner Hände auf ihrem Körper waren für sie das wirksamste Heilmittel, das er verschreiben konnte. Hätte sie ihn nicht mit solcher Ehrfurcht betrachtet, so hätte sie seine Hand auch auf die andere, die gesunde Brust pressen mögen, um auch dort die süße und erregende Berührung seiner Finger zu spüren. Von seiner ständigen aufmunternden Gegenwart gestärkt, konnte sie schon bald eine Weile aufsitzen und Nahrung zu sich nehmen.

Hai verschwendete keine Zeit und begann ihr sofort Ralambos Extrakt zu verabreichen, gab ihr danach gleich einen süßen Honigtrunk, um die Bitterkeit herunterzuspülen, die sie schaudern machte. Er wartete, angespannt und geduldig, und er mußte nicht lange warten. Schnell kehrten Stellas Kräfte zurück, genau wie die seines Vaters. Ralambo hatte ihn nicht betrogen. So erleichtert er auch war, diesen Verdacht nicht mehr hegen zu müssen, so war er sich zum anderen darüber im klaren, wie gefährdet seine Patientin immer noch war. Nur wenn sie den Extrakt ständig einnahm und dann eine beträchtliche Zeit gesund blieb, konnte er vermuten, daß diese Behandlung wirksam war. Aber nur vermuten, denn er würde niemals feststellen können, ob die Operation allein oder der Extrakt allein oder eine Kombination von beidem die bösartige Geschwulst eingedämmt hatte. Er würde unendliche Geduld brauchen und müßte viele ähnliche Fälle sorgfältig beobachten, um eine vorsichtige Schlußfolgerung ziehen zu können.

Als Dalitha etwa drei Wochen nach der Operation mit einem vollbeladenen Frühstückstablett und einem fröhlichen Lächeln in Stellas Zimmer trat, fand sie die Patienten auf und angekleidet. Unter unzähligen Dankesbekundungen gab Stella ihr zu verstehen, sie könne nun die Gastfreundschaft der Ibn Yatoms nicht mehr länger mißbrauchen. Sie wolle nach Hause gehen und in Kürze wieder ihre Arbeit als Kinderschwester bei anderen wohlhabenden Familien in Córdoba aufnehmen, eine Arbeit, die sie sehr liebte.

»Bist du ganz sicher, daß du gesund genug bist, uns schon zu verlassen?«

»Ich habe mich nie besser gefühlt.«

»Das freut mich sehr. Ich spreche nur kurz mit Hai. Er hat wahrscheinlich noch ein Medikament für dich.«

»Was?« rief Hai aus und fuhr sich erstaunt mit den Händen durch das Haar, als sie ihm Bericht erstattete. »Stella geht? Das ist unmöglich. Sie kann nicht gehen. Ich brauche sie hier. Ich muß sicher sein, daß sie den Extrakt genauso einnimmt, wie ich es ihr verschrieben habe, damit ich die Wirkung beobachten und die Dosis verändern kann …«

»Aber Hai, Liebster«, unterbrach ihn Dalitha, »Stella ist ein Mensch, kein lebloses Studienobjekt. Sie hat ihr eigenes Leben, eigene Bedürfnisse und Wünsche. Da du ihr nicht sagen kannst, wie lange sie noch zu leben hat, hast du auch nicht das Recht, ihr das Vergnügen vorzuenthalten, das sie in ihrem schlichten Alltagsleben findet. Solange sie sich dazu in der Lage fühlt, muß es ihr gestattet sein, ein normales Leben wie jeder andere Mensch zu führen.«

»Ich weiß, aber trotzdem …«

Schließlich einigte man sich. Stella würde genug Extrakt für eine ganze Woche nach Hause mitbekommen sowie strikte Anweisungen, wie sie ihn einzunehmen hatte. Wenn er aufgebraucht war, würde sie bei Hai mehr abholen. So konnte er überprüfen, wieviel sie von dem Pulver einnahm, und sie unter Beobachtung halten. Als Woche um Woche verging und Stella regelmäßig stark und gesund bei ihm erschien, um sich ihren Extrakt abzuholen, war Hai allmählich zufrieden. Jeder Tag, jede Woche voller Leben und Gesundheit war ein Sieg im Kampf gegen den Tod.

Hai berichtete seinen Kollegen im Hospital kaum etwas von seinem ersten Experiment. Nur Abu'l Kasim erkundigte sich ab und zu nach dem Zustand der Patientin und lächelte wie Hai mit vorsichtigem Optimismus. An dem Tag, als ihm Stella schüchtern mitteilte, sie werde bald heiraten, leuchtete Hais Gesicht vor Freude auf. Ihr zukünftiger Ehemann sei Sklave in dem Haushalt gewesen, in dem sie zuletzt angestellt war, erzählte sie ihm. Inzwischen war er frei und hatte vor, sich auf einem kleinen Stück Land niederzulassen, das ihm sein früherer Herr in Anerkennung seiner treuen Dienste überschrieben hatte. Nein, meinte sie und beantwortete die unausgesprochene Frage, die sie in Hais Augen las, ihr körperlicher Mangel machte ihm nichts aus. Er liebte sie, liebte ihre Wärme und ihr Verständnis für menschliche Schwächen. Ihr Körper sei nur eine Hülle für diese geliebte Seele. Was tat es da zur Sache, wenn er ein wenig beschädigt war?

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