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Die Zypressen von Cordoba

Электронная книга - «Die Zypressen von Cordoba». Краткое содержание книги:

Spanien im 10. Jahrhundert: Am Hof von Córdoba herrschen die Mauren. Der Kalif Abd ar-Rahman III. spürt, daß er von seinen Leibärzten verraten wird. Nur Da'ud ibn Yatom, dem Sohn des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, vertraut er. Ihn beauftragt er, den großen Theriak wieder zu entdecken, ein Mittel, mit dem sich der Herrscher vor Schlangenbissen schützen will, vor denen er panische Angst hat. Falls Da'ud dies gelingt, wird er mit Gold überschüttet, falls nicht, droht der Kalif Da'ud und seine Familie auszulöschen …
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Puterrot vor Empörung spuckte Prinzessin Subh ohne große Zeremonie auf die Bodenkacheln – ein Ausdruck ihres glühenden Hasses auf den offiziellen Vormund ihres Sohnes. Dieses Gefühl stand der leidenschaftlichen Liebe in nichts nach, die sie für den Regenten nach al-Hakams Tod – wenn nicht, wie manche meinten, schon vorher – empfunden hatte. Während ihrer Witwenzeit hatte er sie beschützt und beraten, hatte ihren elfjährigen Sohn vor den Machenschaften von al-Hakams Bruder bewahrt, als der mit einer Verschwörung dem einzigen männlichen Erben des toten Kalifen den Thron zu entreißen versuchte.

»Wie sehr der Regent uns ausgenutzt hat, da wir so schwach und vertrauensvoll waren! Wie geschickt er das Kind verdorben hat, zu Ausschweifungen der Sinne verlockt hat, kaum daß sich der erste dunkle Flaum auf seiner Oberlippe zeigte. Jetzt, mit sechzehn Jahren, ist Hisham bereits übersättigt von allen Lockungen, die der königliche Harem bieten kann. Ihn langweilen diese profanen Vergnügungen so sehr, daß er sich nach anderer Befriedigung umsieht. Schon hat er sich Männern zugewandt, und während ich zusehen muß, wie er unaufhaltsam in schlimmste Verderbtheit hinabgleitet, fürchte ich, daß ihn schon bald nach den reinen, unschuldigen Körpern kleiner Jungen gelüsten wird …«

Während er sich den Wortschwall der Prinzessin geduldig anhörte, dankte Hai Gott für die Eingebung, sich von den herrschenden Kreisen Córdobas fernzuhalten. Der Erzintrigant und meisterliche Ränkeschmied Ibn Abi'Amir hatte sich vom Verwalter der Güter und Einnahmen des einzigen Sohnes von al-Hakam zum Posten des hajib, des Großkämmerers, des mächtigsten Würdenträgers im ganzen Reich, hochgearbeitet. Um sich die Unterstützung von Ghalib, dem mächtigsten Militär des Kalifates, zu sichern, hatte er listig dessen Tochter geheiratet. Als nächstes hatte er sich daran gemacht, die konservativen muslimischen Juristen auf seine Seite zu ziehen, eine Aufgabe, bei der ihm seine juristische Ausbildung hervorragende Dienste geleistet hatte. Mit eigener Hand hatte er den gesamten Text des Koran abgeschrieben und danach die Tat begangen, die in Hais Augen das übelste Verbrechen auf seinem skrupellosen Weg zur Macht war: Er hatte Werke, die von unbeugsamen Vertretern einer starren Auslegung der muslimischen Gesetze für gotteslästerlich erklärt wurden, aus der Bibliothek entfernt, die al-Hakam und Da'ud unter so großen Mühen zusammengetragen hatten, und sie ohne viel Federlesens verbrennen lassen. Wie viele Leichen den Weg des Ibn Abi'Amir säumten, wußte Hai nicht, wollte es auch gar nicht wissen … Aber die Prinzessin, die ihrem Zorn Luft gemacht hatte, wandte sich nun direkt an ihn.

»Ihr seid der Sohn des Mannes, der Vertrauter meines armen verstorbenen Mannes und dessen Vaters vor ihm war, Ihr seid trotz Eurer Jugend ein berühmter Arzt, und so wende ich mich nun an Euch mit der verzweifelten Bitte, meinen Sohn aus dem Zustand tiefster Lethargie und Machtlosigkeit zu befreien, zu dem ihn sein Vormund auf so zynische Weise verurteilt hat. Alles, was Hisham noch geblieben ist, sind die Segenssprüche auf ihn als den Kalifen in den Freitagsgebeten und sein Name auf den Münzen des Kalifats, dem er nur mehr zum äußeren Schein vorsteht.«

»Geehrte Prinzessin, ich würde Euch nur zu gern helfen, aber ich bin nur ein bescheidener Arzt, kein Höfling, der seinen Einfluß geltend machen kann.«

»Ich wende mich an Euch als Arzt. Ich möchte, daß Ihr Hisham einen Trank verschreibt, der ihn aus seiner Starrheit aufrüttelt, der seine Neigung zu sinnlichen Vergnügungen löscht und ihn dazu anregt, endlich gegen den Mann vorzugehen, der ihm seine Macht geraubt hat.«

Es war ein unglaubliches Ansinnen! Seit Menschengedenken hatten Herrscher Ihre Leibärzte um Liebestränke gebeten, aber das Gegenteil? Das war noch nie dagewesen. Außerdem war Hai so wenig wie eh und je gewillt, irgendeinen Kontakt zum Hof aufzunehmen, der wie nie zuvor von Intrigen und Verschwörungen heimgesucht war. Erst vor einigen Tagen hatte ihm ein christlicher Söldner im Dienst des Regenten, den er wegen eines schweren Falls von Ruhr behandelte, angedeutet, es stünde eine Konfrontation zwischen Ibn Abi'Amir und seinem Schwiegervater General Ghalib unmittelbar bevor, dem Mann, der ihm vor einigen Jahren erst zur Macht verholfen hatte. Der unrechtmäßige Machthaber hatte bereits Berbertruppen aus Afrika zur Verstärkung gerufen, und nach Meinung des Soldaten gab es keinen Zweifel über das Ergebnis dieser Konfrontation. Ibn Abi'Amir war so siegessicher, daß man ihn schon den Titel hatte aussprechen hören, den er nach triumphaler Schlacht zu führen gedachte: al-Mansur bi-Allah, ›Der, den Gott siegreich gemacht hat‹. Was konnten sich die Prinzessin und ihr verweichlichter Sohn angesichts eines so intelligenten, mächtigen, schlauen und skrupellosen Menschen erhoffen, dessen ungeheurer Ehrgeiz jegliches Hindernis aus dem Weg fegte? Trotz seiner Skepsis versuchte Hai mit professioneller Integrität zu antworten.

»Ich muß Eure Bitte überdenken, geehrte Prinzessin. In meiner kurzen Erfahrung als Arzt hat man mich bisher noch nie gebeten, ein Mittel zu verabreichen, das genau die gegenteilige Wirkung eines Aphrodisiakums hätte. Ich muß die Sache sorgfältig bedenken. Inzwischen möchte ich jedoch vorschlagen, daß man den Herrscher der Gläubigen zu regelmäßiger Bewegung anregt und ihm nahelegt, andere Interessen zu kultivieren, die seinen Neigungen entsprechen.«

»Er hat keine, außer der Befriedigung seiner Sinne.«

»Sicherlich könnt Ihr, seine Mutter, die ihn besser als jeder andere Mensch kennt, ihn zu irgendeiner anderen Beschäftigung verlocken – Falkenjagd, Schach, die Komposition eines prinzlichen Verses?«

»Den er seinem neuesten Liebhaber widmen kann, meint Ihr? Das habe ich alles bereits versucht. Ich komme heute aus purer Verzweiflung zu Euch.«

»Ich werde die Werke der großen Meister der Antike studieren, in dem aufrichtigen Wunsch, Euch zu helfen. Doch ich bezweifle, daß irgendein Mittel Wirkung zeigen kann, wenn Eurem Sohn der Wille fehlt, selbst etwas zu verändern.«

Mit einem resignierten Seufzer erhob sich die Prinzessin zum Gehen. Der einzige Mensch im Reich, an dessen Aufrichtigkeit sie keinen Zweifel hegte, hatte ihre Meinung bestätigt. Es gab nichts mehr zu sagen. Langsam legte sie ihren Schleier wieder an, ehe sie einen wohlgefüllten Beutel aus dem Ärmel zog und auf Hais niedrigen damaszener Tisch setzte. Hai nahm den Beutel sofort auf und gab ihn ihr zurück.

»Donnerstags ist mein Rat kostenlos«, sagte er. »Verteilt das Geld unter den Armen, die Euch unterwegs begegnen.«

Die Nacht war schon weit fortgeschritten, als endlich der letzte Patient das Haus verließ. Sari war noch auf, wartete darauf, mit Hai einen Spaziergang am Wasserlauf entlang zu machen, wie sie das so oft mit Da'ud getan hatte, und noch ein wenig mit ihm zu reden. Wie vorauszusehen war, erkundigte sie sich gleich nach dem heimlichen Besuch der feinen Dame. Hai mußte sie nicht erst darum bitten, niemandem etwas von all dem zu erzählen, ehe er ihr seine Unterhaltung mit Prinzessin Subh wiedergab. Die Diskretion war tief in der Familie verwurzelt.

»Wie seltsam«, meinte Sari, als Hai seinen Bericht beendet hatte, »wie seltsam, daß es ausgerechnet eine Baskin war, die al-Hakam so spät noch einen Sohn geschenkt hat.«

»Eine Vorliebe, die er vielleicht von seinem Großvater geerbt hat.«

»Ja. Die gleiche unwiderstehliche Anziehungskraft, die aus der Verschiedenheit kommt – eine blonde Schönheit in atemberaubendem Kontrast zu den glutäugigen Arabermädchen und den sinnlichen Slawinnen, die seinen Harem bevölkerten. Weißt du«, sinnierte sie, »ich habe mich oft gefragt, ob es auch dieser Unterschied war, oder vielmehr der Reiz des Neuen, der deinen Vater an jenem Tag auf dem Sklavenmarkt so magisch zu mir hingezogen hat.«

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