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Die Zypressen von Cordoba

Электронная книга - «Die Zypressen von Cordoba». Краткое содержание книги:

Spanien im 10. Jahrhundert: Am Hof von Córdoba herrschen die Mauren. Der Kalif Abd ar-Rahman III. spürt, daß er von seinen Leibärzten verraten wird. Nur Da'ud ibn Yatom, dem Sohn des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, vertraut er. Ihn beauftragt er, den großen Theriak wieder zu entdecken, ein Mittel, mit dem sich der Herrscher vor Schlangenbissen schützen will, vor denen er panische Angst hat. Falls Da'ud dies gelingt, wird er mit Gold überschüttet, falls nicht, droht der Kalif Da'ud und seine Familie auszulöschen …
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Darauf hatte Amira mit großer Empörung reagiert, und man hatte die Sache eine Weile auf sich beruhen lassen. Dalitha erinnerte sich daran, als nun die Familie über die Einladung nach Córdoba nachdachte. Sie hatte das Gefühl, es sei jetzt an ihr, ihrerseits ein wenig Saris Rolle zu übernehmen und zu verhindern, daß die Bande der Zuneigung, die Hai und Amira seit ihren Kindertagen vereinten, nun für immer zerrissen.

»Wir haben sogar zwei Eheschließungen zu besprechen«, sagte sie leichthin. »Laßt uns eine Doppelhochzeit feiern, ein großes Fest hier draußen im Garten, so fröhlich und offen, wie Mutter es mag.«

»Und was ist mit dem Glanz und Prunk der größten jüdischen Familie in ganz Spanien, in die du einheiraten willst?« erkundigte sich Menahem sachlich.

»Das hat doch nichts mit Hai und mir zu tun«, protestierte Dalitha.

»Vielleicht nicht, aber die Umstände erlegen euch gewisse Beschränkungen auf.«

»Im Gegenteil, wenn wir wirklich die größte Familie sind, dann können wir uns die Freiheit nehmen, den Lebensstil zu wählen, der unseren Neigungen am ehesten entspricht. Hai und ich haben schon längst entschieden, daß wir unsere Hochzeit hier draußen feiern möchten.«

Djamila wurde ganz warm ums Herz, als sie in ihrer jüngeren Tochter, die in so vielem anderem ihrem geduldigen, gelehrten Vater mehr ähnelte, einen Funken ihres eigenen unabhängigen Geistes aufflammen sah. Doch das Alter und die Erfahrung hatten sie gelehrt, ihre spontanen Eingebungen zu mäßigen und vorsichtig zu sein.

»Ich denke, wir sollten warten, bis wir alles mit Hai und Sari besprochen haben«, riet sie nüchtern.

»Es muß doch eine Möglichkeit geben, alle zufriedenzustellen«, beharrte Dalitha.

»Wie wäre es mit einer förmlichen Doppelhochzeit in Hais Haus für all die Würdenträger und dann einem fröhlichen Familienfest hier draußen für uns am Tag danach?«

»Ich heirate nicht unter dem Dach der Ibn Yatom!« platzte Amira heraus, und die ganze Bitterkeit über die Demütigungen ihrer Kindheit floß in diese wütende Weigerung.

Diesmal trat Menahem dazwischen. »Du kannst deine Herkunft nicht verleugnen, Kind. Im Gegenteil, du solltest stolz darauf sein. Was für Fehler dein Vater auch immer hatte, er war ein wirklich großer Mann. Es ist also nur recht und billig, daß du dich mit seinem Hause versöhnst, ehe du in Sevilla ein neues Leben beginnst.«

»Ich brauche mich nicht mit meinem kleinen Halbbruder zu versöhnen«, knurrte Amira. »Er ist vielleicht der Vorstand des Haushaltes, aber für mich bleibt er immer der kleine Junge, mit dem ich Murmeln gespielt habe.«

»Und warum willst du dann nicht in seinem – in unserem – Haus heiraten?« murmelte Dalitha, und ihre Stimme bebte vor Emotionen.

Gegen dieses Argument konnte Amira nichts vorbringen.

Schließlich stellten sich, als der Tag des Besuches gekommen war, die Sorgen, die jeder in der Familie aus ganz eigenen Gründen gehegt hatte, als völlig unbegründet heraus. Mit seiner natürlichen Schlichtheit und seiner wachen Aufmerksamkeit für die Gefühle anderer erreichte Hai, daß alle sich sofort wohl fühlten, und die Wärme und Herzlichkeit seines Willkommens vertrieb alle unguten Gefühle. Die gleiche fröhliche und lebhafte Atmosphäre, die immer bei den Familientreffen im kleinen Haus vor der Stadt geherrscht hatte, umfing sie nun auch hier am Sabbattisch im Haus der Ibn Yatom. Im Gegensatz zu Amiras Befürchtungen hatte sich Hais Einstellung ihr gegenüber in keiner Weise geändert. Nur die Umgebung war eine andere – was allen Anwesenden deutlich vor Augen führte, was weltliche Güter wirklich wert waren …

Hai begrüßte die Nachricht von Amiras bevorstehender Hochzeit und legte die Summe als Mitgift fest, die ihr Vater schon lange für sie bestimmt hatte. Dann war Menahem an der Reihe.

»Djamila und ich wünschen, daß Dalitha in aller Würde verheiratet wird.« Wie ähnlich ihnen das sieht, dachte Sari und erinnerte sich an das Geschenk zu Hais Bar Mizwa. »Wir werden älter, und die Landarbeit fällt uns zunehmend schwer. Jetzt, da unsere beiden Töchter aus dem Haus sind, haben wir beschlossen, nach Lucena zu ziehen, wo man mir an einer der religiösen Akademien eine Stelle als Lehrer für hebräische Philologie und Grammatik angeboten hat. So fällt also unser kleines Häuschen an dich zurück, Hai, und das Einkommen daraus soll die Mitgift unserer Tochter sein.«

»Aber das Haus gehört doch euch!« rief Hai in einiger Verwunderung. »Hat Vater euch nicht mitgeteilt, daß er es von den Erben der verstorbenen Witwe Tamara für euch gekauft hat?«

»Nein«, antwortete Menahem abrupt, schmerzlich berührt davon, daß sein früherer Mäzen ihn über diese Transaktion in Unwissenheit gelassen hatte, eine letzte Beleidigung noch von jenseits des Grabes.

»Ich glaube, er wünschte euch eine Sicherheit für eure alten Tage zu geben«, sagte Hai sanft.

»Um so besser also«, erwiderte Menahem mit einer Spur Ironie. »Dann ist das Landhaus also eine echte Mitgift, nicht nur eine symbolische. Was unsere Sicherheit im hohen Alter betrifft, so ist die Sorge deines verstorbenen Vaters überflüssig gewesen. Die Akademie hat uns in dieser Beziehung ausreichende Zusicherungen gemacht.«

Manch eine Stirn wurde in den jüdischen Gemeinden von Córdoba und auch Sevilla gerunzelt, als die Nachricht von der Doppelhochzeit die Runde machte. Aber Hai trat allen Beteiligten, seien sie nun erlaucht oder bescheiden, mit einer solch angeborenen Freundlichkeit und zauberhaften Leichtigkeit, mit Takt und Eleganz entgegen, daß die Gäste, die zu dem förmlichen Empfang eingeladen waren, der mit aller traditionellen Zurückhaltung des Hauses Ibn Yatom gegeben werden sollte, sogar ein wenig neidisch waren, nicht an dem Ereignis teilnehmen zu können, das Gesprächsstoff aller Klatschrunden war: an der schlichten und spontanen Freudenfeier der Familie im bescheidenen Landhaus vor der Stadt am nächsten Tag.

Der Gesandte, den der Kalif als seinen Vertreter zur Hochzeitsfeier des Vorstehers der jüdischen Gemeinde von Córdoba geschickt hatte, brachte zusätzlich zu dem traditionellen Geschenk von zwölf goldenen Tellern noch die Aufforderung für Hai mit, sich nach den Hochzeitsfeierlichkeiten beim Herrscher einzufinden. Der ignorierte diese Aufforderung, so lange er konnte, mußte ihr aber schließlich Folge leisten.

Am Tag vor der Audienz malte sich das junge Paar genau aus, welche Fragen der Kalif Hai wohl stellen könnte, und gemeinsam formulierten sie die Antworten, die sie für angemessen hielten – Antworten, die so ehrlich, geradeheraus und naiv waren wie sie selbst. Aber Hai wirkte ungewöhnlich angespannt, als er seine junge Frau an sich zog. Zum ersten Mal seit ihren Kindertagen war es nun Dalitha, die ihn beruhigte und leise ermutigte, und all die Liebe und Zuneigung, mit der Hai sie in vielen Jahren umgeben hatte, floß nun zu ihm zurück, nahm die Furcht von ihm und stärkte seinen Geist.

Der Kalif wurde von einem lästigen Reizhusten geschüttelt, als man Hai in sein Gemach bat. Er wirkte gebrechlich und bleich, lag ganz in die Seidenkissen versunken da, die müden Augen tief in den Höhlen, und ließ seinen Blick unverwandt auf dem hübschen jungen Mann ruhen, der vor ihm stand, suchte im tiefen Blau seiner Augen, in dem braunen Haar mit seinen roten Schattierungen, in dem offenen Ausdruck des hellhäutigen Gesichts eine Spur, eine Bewegung, die ihn ein wenig an den Vater erinnern würde. Er war sichtlich enttäuscht.

»Ihr seid also Hai, von dem ich schon so viel gehört habe, der Sohn des einzigen Mannes in meinem ganzen Königreich, den ich geliebt und dem ich vertraut habe.«

Hai verbeugte sich angesichts dieses königlichen Tributs an seinen verstorbenen Vater.

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