Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Er würde alles tun, um einen seiner Männer zu beschützen«, sagte ich stattdessen.
Christies Blick war ziemlich glasig, aber immer noch wach; er fixierte mich einige Sekunden lang wortlos, und die Gedanken wanderten langsam hinter seinen Augen entlang. Im Flur ächzte eine Diele, und ich lauschte auf Jamies Atmung. Ja, ich konnte sie hören, leise und regelmäßig; er schlief noch.
»Hält er mich für einen ›seiner Männer‹?«, fragte Christie schließlich. Seine Stimme war leise, aber voller Unglauben und Entrüstung. »Denn das bin ich nicht, das versisch-versischer ich Euch!«
Ich begann zu glauben, dass jenes letzte Glas Whisky ein schwerer Fehler gewesen war.
»Nein«, sagte ich seufzend und unterdrückte das Bedürfnis, die Augen zu schließen und mir die Stirn zu reiben. »Ich bin sicher, dass er das nicht tut. Wenn Ihr das hier meint –«, ich wies kopfnickend auf die kleine Bibel, »so bin ich mir sicher, dass es reine Freundlichkeit gewesen ist. Das hätte er auch für jeden Fremden getan – Ihr doch ebenfalls, oder nicht?«
Er atmete eine Weile schwer und funkelte vor sich hin, dann nickte er einmal mit dem Kopf und legte sich zurück, als sei er erschöpft – wozu er auch allen Grund hatte. Die Streitlust war so plötzlich von ihm gewichen wie die Luft aus einem Ballon, und er sah irgendwie kleiner aus und arg verloren.
»Es tut mir leid«, nuschelte er leise. Er hob die verbundene Hand ein kleines Stück und ließ sie wieder fallen.
Ich war mir nicht sicher, ob er sich für seine Bemerkungen über Jamie entschuldigte oder für das, was er als mangelnde Tapferkeit seinerseits bei der Operation heute Morgen betrachtete. Ich hielt es jedoch für klüger, nicht nachzufragen, erhob mich und strich mir das leinene Nachthemd glatt.
Ich zog die Bettdecke ein Stück höher und glättete sie, dann blies ich die Kerze aus. Er war nur noch ein dunkler Umriss auf dem Kissen, sein Atem langsam und heiser.
»Ihr habt Eure Sache gut gemacht«, flüsterte ich und legte ihm kurz die Hand auf die Schulter. »Gute Nacht, Mr. Christie.«
Mein persönlicher Barbar schlief, erwachte jedoch wie eine Katze, als ich ins Bett kroch. Er streckte einen Arm aus und zog mich mit einem schläfrig fragenden »Mmmm?« an sich.
Ich kuschelte mich an ihn, und in seiner Wärme begannen sich meine verspannten Muskeln automatisch zu lockern.
»Mmmm.«
»Ah. Und wie geht es dem alten Tom?« Er rückte ein Stück, und seine kräftigen Hände legten sich auf meinen Schultermuskel und kneteten die Knoten in meinem Nacken und meinen Schultern.
»Oh. Oh. Aufmüpfig, reizbar, arrogant und ziemlich betrunken. Ansonsten gut. Oh, ja. Mehr, bitte – etwas höher, oh, ja. Oooh.«
»Aye, das klingt nach Tom in seinen besten Zeiten – abgesehen von der Trunkenheit. Wenn du so stöhnst, Sassenach, wird er glauben, ich massiere dir etwas anderes als den Nacken.«
»Das interessiert mich nicht«, sagte ich und schloss die Augen, um die wunderbaren Empfindungen zu genießen, die an meiner Wirbelsäule entlangvibrierten. »Vorerst habe ich wirklich genug von Tom Christie. Außerdem ist er wahrscheinlich gar nicht mehr bei Bewusstsein, so viel, wie er getrunken hat.«
Dennoch zügelte ich meine hörbaren Reaktionen im Interesse meines ruhenden Patienten.
»Woher kommt eigentlich diese Bibel?«, fragte ich, obwohl die Antwort auf der Hand lag. Jenny musste sie aus Lallybroch geschickt haben; ihr letztes Paket war vor ein paar Tagen eingetroffen, als ich in Salem war.
Seufzend, so dass sein Atem mein Haar anhob, beantwortete Jamie die Frage, die ich eigentlich gestellt hatte.
»Ich habe mich ziemlich erschrocken, als ich sie unter den Büchern gefunden habe, die meine Schwester uns geschickt hat. Ich konnte mich nicht gleich entscheiden, was ich damit anfangen sollte, aye?«
Kein Wunder, dass er einen Schreck bekommen hatte.
»Hat sie gesagt, warum sie sie mitgeschickt hat?« Meine Schultern begannen, sich zu entspannen, und der Schmerz dazwischen ließ nach. Ich spürte, wie er hinter mir mit den Achseln zuckte.
»Sie hat sie zusammen mit ein paar anderen Büchern geschickt; sie sagt, sie hat den Dachboden aufgeräumt und dabei eine Bücherkiste gefunden, also hat sie beschlossen, sie mir zu schicken. Aber sie sagt auch, sie hat gehört, dass das Dorf Kildennie beschlossen hat, nach North Carolina auszuwandern; das sind alles MacGregors, weißt du?«
»Oh, ich verstehe.« Jamie hatte mir einmal erzählt, er hätte vor, eines Tages Alex MacGregors Mutter zu suchen, ihr seine Bibel zu geben und ihr zu sagen, dass ihr Sohn gerächt sei. In der Zeit nach Culloden hatte er Nachforschungen nach ihr angestellt, jedoch herausgefunden, dass beide MacGregor-Eltern tot waren. Nur seine Schwester hatte überlebt, und sie hatte geheiratet und war von zu Hause fortgegangen; niemand schien zu wissen, wo sie lebte oder ob sie überhaupt noch in Schottland war.
»Glaubst du, Jenny – oder vielmehr Ian – hat seine Schwester endlich gefunden? Und sie hat in diesem Dorf gelebt?«
Er zuckte erneut mit den Achseln, drückte mir noch einmal die Schultern und ließ sie los.
»Möglich. Du kennst doch Jenny; sie würde es mir überlassen, ob ich nach der Frau suchen will.«
»Und wirst du es tun?« Ich drehte mich zu ihm um. Alex MacGregor hatte sich lieber erhängt, als Black Jack Randalls Beute zu sein. Jack Randall war tot, war in Culloden gestorben. Doch Jamies Erinnerungen an Culloden waren nur Bruchstücke; das Trauma der Schlacht und das darauf folgende Fieber hatten sie vertrieben. Er war verletzt erwacht, und Jack Randalls Leiche hatte über ihm gelegen – doch er konnte sich an nichts von dem, was passiert war, erinnern.
Und doch, so dachte ich, war Alex MacGregor gerächt – ob durch Jamies Hand oder nicht.
Er dachte kurz nach, und ich spürte die schwache Bewegung, als die beiden steifen Finger seiner rechten Hand auf seinen Oberschenkel klopften.
»Ich werde mich umhören«, sagte er schließlich. »Ihr Name war Mairi.«
»Ich verstehe«, sagte ich. »Nun, viel mehr als, oh … drei- oder vierhundert Frauen namens Mairi MacGregor kann es in North Carolina ja nicht geben.«
Das brachte ihn zum Lachen, und wir drifteten in den Schlaf, begleitet von Tom Christies sonorem Schnarchen auf der anderen Seite des Flurs.
Vielleicht Minuten, vielleicht Stunden später erwachte ich plötzlich und lauschte angespannt. Im Zimmer war es dunkel, das Kaminfeuer war erkaltet, und die Fensterläden klapperten schwach. Ich spannte mich sofort an und versuchte, so weit wach zu werden, dass ich aufstehen und nach meinem Patienten sehen konnte – hörte ihn dann aber, ein langes, pfeifendes Einatmen, gefolgt von einem dröhnenden Schnarchen.
Mir wurde klar, dass es nicht das war, was mich geweckt hatte. Es war die plötzliche Stille an meiner Seite. Jamie lag stocksteif neben mir und atmete kaum.
Ich streckte langsam die Hand aus, um ihn nicht mit meiner Berührung zu erschrecken, und legte sie auf sein Bein. Er hatte seit Monaten keine Alpträume mehr gehabt, doch ich erkannte die Anzeichen.
»Was ist?«, flüsterte ich.
Er holte ein wenig tiefer Luft als sonst, und sein Körper schien sich ganz in sich zusammenzuziehen. Ich machte keine Bewegung, ließ meine Hand aber auf seinem Bein liegen. Ich fühlte, wie sich seine Muskeln kaum spürbar unter meinen Fingern anspannten, eine winzige Vorbereitung aufs Weglaufen.
Doch er ergriff nicht die Flucht. Er zuckte kurz und heftig mit den Schultern, dann atmete er aus und entspannte sich wieder. Eine Weile sagte er nichts, doch sein Gewicht zog mich an sich wie einen Mond, der von seinem Planeten angezogen wird. Ich lag still, meine Hand auf ihm, meine Hüfte an der seinen – Fleisch von seinem Fleisch.
Er starrte nach oben, in die Schatten zwischen den Deckenbalken. Ich konnte sein Profil als Linie sehen, und dann und wann schimmerten seine Augen auf, wenn er blinzelte.