Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»In der Dunkelheit …«, flüsterte er schließlich, »damals in Ardsmuir haben wir im Dunklen gelegen. Manchmal schien der Mond, oder die Sterne haben geleuchtet, aber selbst dann konnte man auf dem Boden, wo wir lagen, nichts erkennen. Es war einfach nur schwarz – aber hören konnte man.«
Die Atmung der vierzig Männer in der Zelle hören, das Rascheln ihrer Bewegungen. Schnarchen, Husten, die Geräusche unruhigen Schlafs – und die leisen, flüchtigen Geräusche derjenigen, die wach lagen.
»Oft sind Wochen vergangen, und wir haben keinen Gedanken daran verschwendet.« Jetzt fiel ihm das Sprechen leichter. »Wir hatten immer Hunger, haben immer gefroren. Müde bis auf die Knochen. In einer solchen Lage denkt man nicht viel nach, höchstens darüber, wie man einen Fuß vor den anderen setzt, den nächsten Stein hochhebt … Eigentlich möchte man nicht denken, verstehst du? Und es ist gar nicht so schwer, es nicht zu tun. Eine Zeitlang.«
Doch hin und wieder änderte sich etwas. Der Nebel der Erschöpfung hob sich unvermittelt und ohne Vorwarnung.
»Manchmal wussten wir, woran es lag – eine Geschichte, die jemand erzählt hatte, vielleicht, oder ein Brief, den jemand von seiner Frau oder Schwester bekommen hatte. Manchmal kam es aus dem Nichts; niemand sagte ein Wort, doch man wachte mitten in der Nacht davon auf, und es war wie der Geruch einer Frau, die neben einem lag.«
Erinnerungen, Sehnsucht … Not. Sie wurden zu Männern, die brannten – von der plötzlichen, schneidenden Erinnerung an ihren Verlust aus ihrer dumpfen Akzeptanz gerissen.
»Dann waren alle eine Zeitlang außer sich. Es wurde ununterbrochen gestritten. Und des Nachts, in der Dunkelheit …«
Des Nachts konnte man die Laute der Verzweiflung hören, unterdrücktes Schluchzen oder verstohlenes Rascheln. Manche der Männer streckten schließlich die Hände nach einem anderen aus – und wurden manchmal lautstark mit Fausthieben abgewiesen. Manchmal nicht.
Ich war mir nicht sicher, was er mir zu sagen versuchte oder was es mit Thomas Christie zu tun hatte. Oder vielleicht mit Lord John Grey.
»Hat irgendeiner von ihnen jemals … dich berührt?«, fragte ich zögernd.
»Nein. Keiner von ihnen wäre auch nur auf den Gedanken gekommen«, sagte er ganz leise. »Ich war ihr Anführer. Sie haben mich geliebt – aber sie wären nie darauf gekommen, mich zu berühren.«
Er holte tief und angestrengt Luft.
»Und hast du es dir gewünscht?«, flüsterte ich. Ich konnte spüren, wie mein Puls in meinen Fingerspitzen zu pochen begann, an seiner Haut.
»Ich habe danach gehungert«, sagte er so leise, dass ich ihn kaum hören konnte, obwohl ich so dicht bei ihm lag. »Mehr als nach Nahrung. Mehr als nach dem Schlaf – obwohl ich mir den Schlaf verzweifelt herbeigewünscht habe, und das nicht nur aus Müdigkeit. Denn im Schlaf habe ich manchmal dich gesehen. Aber es war keine Sehnsucht nach einer Frau – obwohl sie weiß Gott stark genug war. Es war nur – ich habe mir die Berührung einer Hand gewünscht. Nur das.«
Seine Haut hatte vor Sehnsucht so sehr geschmerzt, dass er das Gefühl hatte, sie müsste durchsichtig werden, so dass jeder das wunde Herz in seiner Brust sehen konnte.
Er stieß ein leises reumütiges Geräusch aus, nicht ganz ein Lachen.
»Du kennst doch diese Bilder vom Herzen Jesu – wie wir sie in Paris gesehen haben?«
Ich kannte sie – Renaissancegemälde, deren Farben auf den Buntglasfenstern von Notre-Dame leuchteten. Der Schmerzensmann, dessen durchbohrtes Herz bloßlag und Liebe ausstrahlte.
»Daran musste ich denken. Und ich habe mir gedacht, wer auch immer diese Vision Unseres Herrn hatte, muss wahrscheinlich selbst sehr einsam gewesen sein, um es so gut zu verstehen.«
Ich hob die Hand und legte sie ganz leicht auf die kleine Mulde in der Mitte seiner Brust. Er hatte das Laken zurückgeschlagen, und seine Haut war kühl.
Er schloss seufzend die Augen und umfasste fest meine Hand.
»Dieser Gedanke ist mir manchmal gekommen, und dann dachte ich, ich wüsste, wie sich Jesus dort fühlen muss – so voller Sehnsucht, ohne dass ihn jemand berührt.«
Kapitel 25
Asche zu Asche
Jamie überprüfte noch einmal seine Satteltaschen, obwohl er das in letzter Zeit so oft getan hatte, dass diese Übung kaum noch mehr für ihn war als eine Angewohnheit. Doch er lächelte jedes Mal, wenn er die linke Tasche öffnete. Brianna hatte sie für ihn umgearbeitet und ihm Lederschlaufen hineingenäht, die seine Pistolen mit dem Kolben nach oben für den Notfall griffbereit hielten, sowie eine clevere Ansammlung von Fächern, die seinen Patronenbeutel enthielten, sein Pulverhorn, ein zusätzliches Messer, eine zusammengerollte Angelschnur, eine Rolle Garn zum Legen von Schlingen, Nähzeug, ein Esspaket, eine Flasche Bier und ein ordentlich zusammengerolltes sauberes Hemd.
An der Außenseite der Tasche hing ein kleiner Beutel, den sie voller Stolz »Erste-Hilfe-Ausrüstung« nannte, obwohl ihm nicht ganz klar war, wem die Hilfe gelten sollte. Er enthielt mehrere Gazepäckchen mit einem bitter duftenden Tee, eine Dose Salbe und mehrere Streifen ihres selbstklebenden Pflasters. Nichts davon schien im Fall eines vorhersehbaren Unglücks von irgendwelchem Nutzen zu sein, doch es schadete auch nicht.
Er entfernte das Stück Seife, das sie hinzugefügt hatte, gemeinsam mit einigem anderem unnötigem Tand, und versteckte das Ganze unter einem Eimer, damit sie nicht beleidigt war.
Gerade rechtzeitig; er hörte ihre Stimme, die dem armen Roger einen Vortrag darüber hielt, wie wichtig es war, genügend saubere Strümpfe einzupacken. Als sie um die Ecke des Heuschobers bogen, hatte er alles sicher verstaut.
»Fertig, a charaid?«
»Oh, aye.« Roger nickte, schlang sich die Satteltaschen von der Schulter und legte sie auf den Boden. Er wandte sich Brianna zu, die Jemmy auf dem Arm hatte, und gab ihr einen kurzen Kuss.
»Ich komme mit dir, Papa!«, rief Jem hoffnungsvoll.
»Diesmal nicht, Kumpel.«
»Will Indianer sehen!«
»Später vielleicht, wenn du größer bist.«
»Ich kann Indianersprache! Von Onkel Ian! Will mit!«
»Diesmal nicht«, sagte Brianna fest zu ihm, doch er hatte keine Lust zu hören und fing an zu treten, damit sie ihn auf den Boden stellte. Jamie stieß ein leises Grollen aus und sah ihn gebieterisch an.
»Du hast deine Eltern gehört«, sagte er. Jem funkelte ihn an und schob die Unterlippe vor, hörte aber auf, Theater zu machen.
»Irgendwann musst du mir verraten, wie du das machst«, sagte Roger mit einem Blick auf seinen Nachwuchs.
Jamie lachte und beugte sich zu Jemmy hinüber.
»Gib Opa einen Abschiedskuss, aye?«
Jemmy, der seine Enttäuschung großzügig abgelegt hatte, streckte die Ärmchen aus und legte sie ihm um den Hals. Er nahm Brianna den Kleinen ab, drückte ihn und gab ihm einen Kuss. Jem roch nach Porridge, Toast und Honig, ein kuschelig warmes Gewicht in seinen Armen.
»Sei ein lieber Junge und hör auf deine Mutter, aye? Und wenn du etwas größer bist, kannst du mitkommen. Komm und sag Clarence auf Wiedersehen; du kannst ihm die Worte sagen, die Onkel Ian dir beigebracht hat.« Mit etwas Glück würden es ja Worte sein, die für ein dreijähriges Kind geeignet waren. Ian hatte einen höchst verantwortungslosen Sinn für Humor.
Oder vielleicht, dachte er und grinste vor sich hin, denke ich ja auch nur an ein paar Dinge, die ich Jennys Kindern – einschließlich Ian – auf Englisch beigebracht habe.
Er hatte Rogers Pferd schon gesattelt und aufgezäumt, und Clarence, das Packmuli, war voll beladen. Brianna überprüfte Sattelgurt und Steigbügel, während Roger seine Satteltaschen über den Pferderücken schwang – mehr, um sich zu beschäftigen, als es nötig gewesen wäre. Sie hatte die Unterlippe zwischen die Zähne geklemmt und gab sich Mühe, keinen besorgten Eindruck zu machen, doch sie konnte niemandem etwas vorgaukeln.