Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»O Gott«, sagte Jamie und ließ sich in seinen Sessel fallen, als sei er vollkommen erschöpft. »Grundgütiger. Maria, Michael und Bride. Himmel, ich brauche etwas zu trinken. Nicht läuten!«, rief er alarmiert aus, obwohl ich keine Bewegung in Richtung der Glocke gemacht hatte. »Ich könnte es im Moment nicht ertragen, einem der Dienstboten gegenüberzutreten.«
Er stand auf und kramte im Schrank. »Ich glaube aber, ich habe hier eine Flasche.«
So war es in der Tat, einen schönen alten Whisky. Ohne Rücksicht auf das Protokoll zog er den Korken mit den Zähnen heraus und senkte den Pegelstand des Inhalts um gute drei Zentimeter, dann reichte er mir die Flasche. Ich folgte seinem Beispiel ohne Zögern.
»Himmel«, sagte ich, als ich wieder bei Atem war.
»Ja«, sagte er, während er die Flasche wieder an sich nahm, und trank noch einen Schluck. Dann stellte er die Flasche hin, hielt sich den Kopf und fuhr sich mit den Fingern durch das Haar, bis es wild in alle Richtungen abstand. Er lachte schwach.
»Ich bin mir in meinem ganzen Leben noch nie so albern vorgekommen. Gott; ich war so ein Idiot!«
»Ich auch«, sagte ich und griff meinerseits noch einmal nach der Flasche. »Vermutlich sogar mehr als du. Schließlich war es meine Schuld. Jamie, ich kann dir gar nicht sagen, wie leid es mir tut; ich hätte nie gedacht …«
»Ach, mach dir keine Sorgen.« Die Anspannung der letzten halben Stunde war verflogen, und er drückte mir liebevoll die Schulter. »Du konntest es nicht wissen. Ich wusste es schließlich auch nicht«, fügte er nachdenklich hinzu. »Vermutlich hat er gedacht, ich würde ihn entlassen, und er müsste wieder auf der Straße leben … armer Kerl. Kein Wunder, dass er es als Glück empfunden hat, stattdessen nur Prügel zu bekommen.«
Ich erschauerte bei dem Gedanken an die Straßen, die Monsieur Forez’ Kutsche durchquert hatte. Zerlumpte Bettler verteidigten ihr Territorium mit aller Gewalt und schliefen selbst in den kältesten Nächten auf dem Boden, um sich ihre profitable Ecke nicht von einem Rivalen stehlen zu lassen. Kinder, die noch kleiner waren als Fergus, huschten wie hungrige Mäuse durch die Massen auf dem Markt und hielten Ausschau nach jedem Krumen, der zu Boden fiel, jeder ungeschützten Tasche. Und für die, die zu krank zum Arbeiten waren, zu hässlich für die Bordelle oder einfach nur zu sehr vom Pech verfolgt … für sie blieb es ein kurzes Leben, das alles andere als fröhlich war. Kein Wunder, dass die Aussicht, aus dem Luxus dreier Mahlzeiten pro Tag und sauberer Kleider wieder in diese trübe Suppe geworfen zu werden, ausgereicht hatte, um Fergus in unnötige Anwandlungen von Schuld zu stürzen.
»Vermutlich«, sagte ich. Ich trank inzwischen nicht mehr in vollen Zügen, sondern nippte nur noch manierlich an der Flasche. Ich trank einen letzten Schluck, dann reichte ich sie ihm zurück und stellte dabei etwas zerstreut fest, dass sie mehr als halbleer war. »Trotzdem hoffe ich, dass du ihn nicht verletzt hast.«
»Ach, es wird ihn morgen ein bisschen ziepen.« Er schüttelte den Kopf und blinzelte durch die Flasche hindurch, um zu beurteilen, wie viel Whisky sich noch darin befand. »Weißt du, Sassenach, dass ich erst heute Abend begriffen habe, wie schwer es für meinen Vater gewesen sein muss, mich zu schlagen? Ich dachte immer, ich hätte den schwierigeren Teil des Handels erwischt.« Er legte den Kopf zurück und trank, dann stellte er die Flasche hin und blickte mit Eulenaugen ins Feuer. »Vater zu sein, wird vielleicht etwas komplizierter als erwartet. Darüber muss ich nachdenken.«
»Nun, denk nicht zu heftig nach«, sagte ich. »Du hast ziemlich viel getrunken.«
»Och, keine Sorge«, sagte er fröhlich. »Ich habe noch eine Flasche im Schrank.«
Kapitel 15
In welchem Musik eine Rolle spielt
Wir blieben mit der zweiten Flasche noch lange auf und befassten uns wieder und wieder mit den jüngsten entwendeten Briefen des Chevalier de St. George – auch bekannt als Seine Majestät, James II. – und den Briefen, die Prinz Charles von jakobitischen Gefolgsleuten bekam.
»Fergus hat ein großes Paket erwischt, das zu Seiner Hoheit unterwegs war«, erklärte Jamie. »Es waren so viele Briefe, dass wir sie gar nicht schnell genug kopieren konnten, also habe ich ein paar behalten, die er nächstes Mal mit zurücknehmen kann.«
Er zog ein Blatt aus dem Stapel und legte es mir auf das Knie. »Die Briefe sind zum Großteil verschlüsselt, wie dieser hier: ›Ich höre, dass die Aussichten auf Rebhühner in den Hügeln über Salerno dieses Jahr bestens scheinen; die Jäger in dieser Gegend dürften Erfolg haben.‹ Das ist einfach; es bezieht sich auf den italienischen Bankier Manzetti; er ist aus Salerno. Ich habe herausgefunden, dass Charles mit ihm zu Abend gegessen hat und einen Kredit in Höhe von fünfzehntausend Livres von ihm bekommen hat – anscheinend hat ihm James den richtigen Rat gegeben. Aber hier …« Er blätterte den Stapel durch und zog ein anderes Blatt heraus.
»Sieh dir das an«, sagte Jamie und reichte mir ein Blatt, das mit schiefen Schnörkeln vollgeschrieben war.
Ich blinzelte gehorsam auf das Papier, auf dem ich einzelne Buchstaben ausmachen konnte, die durch ein Netz von Pfeilen und Fragezeichen verbunden waren.
»Was ist das für eine Sprache?«, fragte ich. »Polnisch?« Charles Stuarts Mutter, die verstorbene Clementina Sobieski, war schließlich Polin gewesen.
»Nein, es ist Englisch«, sagte Jamie grinsend. »Du kannst es nicht lesen?«
»Du denn?«
»Oh, aye«, sagte er selbstzufrieden. »Es ist ein Code, Sassenach, und zwar kein besonders komplizierter. Hier, alles, was du tun musst, ist, die Buchstaben in Fünfergruppen zu sortieren – aber das Q und das X zählen nicht. Das X dient als Punkt zwischen den Sätzen, und das Q ist nur hier und da eingestreut, um Verwirrung zu stiften.«
»Wenn du das sagst?« Ich blickte von dem in der Tat extrem verwirrend aussehenden Brief zu dem Blatt in Jamies Hand hinüber, auf dem in einer Zeile Fünfergruppen von Buchstaben standen, über denen sorgfältig einzelne Buchstaben angeordnet waren.
»Man braucht also nur die Buchstaben durch andere Buchstaben zu ersetzen; die Reihenfolge bleibt«, erklärte mir Jamie. »Wenn man also eine größere Textmenge hat und hier und da ein Wort raten kann, braucht man es nur von einem Alphabet ins andere zu übertragen – siehst du?« Er wedelte mit einem langen Papierstreifen vor meiner Nase, auf dem zwei Alphabete übereinanderstanden.
»Mehr oder weniger«, sagte ich. »Du verstehst es ja anscheinend, und das ist es, was zählt. Was steht denn da?«
Der Ausdruck tatkräftiger Neugier, mit dem Jamie jedem Rätsel gegenübertrat, verblasste ein wenig, und er ließ das Blatt auf sein Knie sinken. Er sah mich an und bohrte die Zähne nachdenklich in seine Unterlippe.
»Nun«, sagte er, »das ist ja das Komische. Und trotzdem wüsste ich nicht, wo ich mich geirrt haben sollte. James’ Briefe tendieren alle in eine gewisse Richtung, und dieses codierte Schreiben sagt es ganz deutlich.«
Seine blauen Augen blickten mir unter den dichten roten Brauen entgegen.
»James möchte, dass sich Charles mit Louis gut stellt«, sagte er langsam, »aber er sucht keine Unterstützung für eine Invasion in Schottland. James hat kein Interesse daran, den Thron zurückzuerlangen.«
»Was?« Ich nahm ihm die Briefe aus der Hand, und meine Augen huschten fieberhaft über den hingekritzelten Text.
Jamie hatte recht; die Briefe seiner Anhänger äußerten sich zwar hoffnungsvoll über die bevorstehende Eroberung des Throns, doch James’ eigene Briefe an seinen Sohn verloren kein Wort darüber. Stattdessen ging es einzig darum, dass Charles bei Louis einen guten Eindruck machen sollte. Selbst der Kredit von Manzetti aus Salerno sollte nur dazu dienen, Charles in die Lage zu versetzen, in Paris wie ein feiner Herr leben zu können, nicht zu militärischen Zwecken.