Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Und wie lange stehst du da schon, Sassenach?«, fragte er trocken.
»Lange genug«, sagte ich mit der Selbstzufriedenheit eines Menschen, der in Boutons Gunst stand. »Was hättest du mit ihm gemacht, wenn du es geschafft hättest, ihn in dein Plaid zu wickeln?«
»Hätte ihn aus dem Fenster geworfen und wäre wie der Teufel davongerannt«, antwortete er mit einem ehrfurchtsvollen Blick auf Mutter Hildegardes eindrucksvolle Gestalt. »Spricht sie zufälligerweise Englisch?«
»Nein, du hast Glück«, antwortete ich und wechselte dann ins Französische, um ihn vorzustellen. »Ma mère, je vous présente mon mari, le seigneur de Broch Tuarach.«
»Milord.« Mutter Hildegarde hatte inzwischen ihren Humor wieder im Griff und begrüßte ihn mit ihrer üblichen Miene respekteinflößender Freundlichkeit. »Eure Frau wird uns fehlen, aber wenn Ihr sie natürlich braucht …«
»Ich bin nicht meiner Frau wegen hier«, unterbrach Jamie. »Ich wollte Euch sprechen, ma mère.«
Nachdem er in Mutter Hildegardes Schreibzimmer Platz genommen hatte, legte Jamie das Papierbündel, das er dabeihatte, auf ihre glänzende Schreibtischplatte. Bouton, der den Eindringling argwöhnisch im Blick behielt, legte sich zu den Füßen seiner Herrin nieder. Er legte die Nase auf seine Pfoten, hielt aber die Ohren gespitzt und einen Eckzahn gefletscht für den Fall, dass man ihn doch noch brauchte, um den Besucher in Stücke zu reißen.
Jamie sah Bouton mit zusammengekniffenen Augen an und zog seine Füße betont von der zuckenden schwarzen Nase fort. »Herr Gerstmann hat mir geraten, Euch in Bezug auf diese Dokumente zu konsultieren, Mutter«, sagte er und rollte das dicke Bündel auseinander, um es dann mit den Handflächen zu glätten.
Mutter Hildegarde betrachtete Jamie einen Moment mit fragend hochgezogener Augenbraue. Dann wandte sie sich den Papieren zu und legte dabei jene Fähigkeit einer guten Verwaltungskraft an den Tag, sich ganz und gar auf die vorliegende Aufgabe zu konzentrieren, während sie ihre empfindlichen Antennen gleichzeitig darauf ausgerichtet hielt, auch den leisesten Hauch eines Notfalls in der letzten Ecke des Krankenhauses aufzufangen.
»Ja?«, sagte sie und fuhr mit dem stumpfen Finger über die handschriftlichen Notenzeilen, als hörte sie die Töne, wenn sie sie berührte. Ein Fingerschnippen, und das Blatt glitt beiseite und gab die Hälfte des nächsten frei.
»Was ist es denn, was Ihr wissen möchtet, Monsieur Fraser?«, fragte sie.
»Ich weiß es nicht, Mutter.« Jamie hatte sich gebannt vornübergebeugt. Auch er berührte die schwarzen Linien und tippte sacht auf den Fleck, den die Hand des Verfassers hinterlassen hatte, als er unvorsichtigerweise über die Noten wischte, ehe die Tinte getrocknet war.
»Irgendetwas ist seltsam an dieser Musik, Mutter.«
Der breite Mund der Nonne verzog sich sacht zu etwas, das vielleicht ein Lächeln war.
»Tatsächlich, Monsieur Fraser? Und doch teilt man mir mit – ich nehme an, Ihr werdet Euch nicht beleidigt fühlen –, dass Musik für Euch … ein Schloss ist, zu dem Ihr keinen Schlüssel besitzt?«
Jamie lachte, und eine Schwester, die durch den Flur ging, wandte sich um, verblüfft über einen solchen Klang in den Mauern des Hôpital. Es war zwar geräuschvoll hier, doch Gelächter war ungewöhnlich.
»Das ist eine sehr taktvolle Beschreibung meiner Unzulänglichkeit, Mutter. Und absolut wahr. Wenn Ihr eins dieser Stücke singen würdet«, sein Finger, länger und schlanker zwar, aber fast genauso groß wie Mutter Hildegardes, tippte auf das leise raschelnde Blatt, »könnte ich es nicht vom ›Kyrie Eleison‹ oder von ›La Dame fait bien‹ unterscheiden, außer anhand des Textes«, fügte er grinsend hinzu.
Jetzt war es an Mutter Hildegarde zu lachen.
»So so, Monsieur Fraser«, sagte sie. »Nun, immerhin hört Ihr auf den Text!« Sie nahm den Papierstapel und fuhr mit dem Finger über die Oberkanten der Blätter. Ich konnte sehen, wie ihr Hals beim Lesen über dem engen Band des Kopfputzes sacht anschwoll, als sänge sie lautlos vor sich hin, und ihr großer Fuß zuckte sanft im Takt.
Jamie saß reglos auf seinem Hocker und beobachtete sie, die gesunde Hand über der verstümmelten auf seinem Knie. Seine schrägen blauen Augen waren gebannt, und er hatte keinerlei Aufmerksamkeit für die Geräusche aus den Tiefen des Krankenhauses in seinem Rücken übrig. Patienten schrien auf, Helfer und Nonnen riefen zurück, Angehörige kreischten schmerzerfüllt oder bestürzt, und das gedämpfte Scheppern der Metallinstrumente hallte von den alten Steinen des Gebäudes wider, doch weder Jamie noch Mutter Hildegarde bewegten sich.
Schließlich ließ sie die Blätter sinken und blinzelte ihn darüber hinweg an. Ihre Augen glitzerten, und sie sah plötzlich wie ein junges Mädchen aus.
»Ich glaube, Ihr habt recht!«, sagte sie. »Aber ich kann mir jetzt nicht die Zeit nehmen, ausführlich darüber nachzudenken«, sie blickte zur offenen Tür hinüber, die genau in diesem Moment durch einen Laufburschen verdunkelt wurde, der mit einem Sack voller Scharpie vorbeihastete, »doch irgendetwas ist hier eindeutig seltsam.« Sie klopfte die Seiten auf dem Schreibtisch zu einem ordentlichen Stapel zusammen.
»Wie außergewöhnlich«, sagte sie.
»Sei es, wie es will, Mutter – könnt Ihr mit Hilfe Eurer Gabe erkennen, was das für ein Muster ist? Es ist vermutlich kompliziert; ich habe Grund zu der Annahme, dass es eine Chiffre ist und dass die Sprache der Nachricht Englisch ist, obwohl die Liedtexte deutsch sind.«
Mutter Hildegarde stieß einen leisen Überraschungslaut aus.
»Englisch? Seid Ihr sicher?«
Jamie schüttelte den Kopf. »Nicht sicher, nein, aber ich glaube es. Ein Grund ist das Ursprungsland; die Noten kommen aus England.«
»Nun, Monsieur«, sagte sie und zog eine Augenbraue hoch. »Eure Frau spricht doch Englisch, nicht wahr? Und ich gehe davon aus, dass Ihr ihre Gesellschaft opfern würdet, damit sie mir dabei behilflich ist, diese Aufgabe für Euch auszuführen?«
Jamie betrachtete sie mit dem gleichen angedeuteten Lächeln, das auch sie im Gesicht trug. Er ließ den Blick auf seine Füße sinken, wo Boutons Schnurrhaare unhörbar knurrend bebten.
»Ich mache Euch einen Vorschlag, Mutter«, sagte er. »Wenn mich Euer Hündchen auf dem Weg ins Freie nicht in den Hintern beißt, könnt Ihr meine Frau haben.«
Und so kam es, dass ich an diesem Abend nicht in Jareds Haus an der Rue Tremoulins zurückkehrte, sondern am langen Tisch im Refektorium mit den Schwestern des Convent des Anges zu Abend aß und mich dann zum Arbeiten in Mutter Hildegardes Privatgemächer zurückzog.
Diese bestanden aus drei Zimmern. Das erste war wie eine Art Salon möbliert und recht großzügig ausgestattet. Dies war schließlich der Ort, an dem sie vermutlich häufig offizielle Besucher empfing. Das zweite Zimmer hatte etwas Schockierendes an sich, weil ich einfach nicht darauf gefasst war. Im ersten Moment hatte ich den Eindruck, dass sich in dem kleinen Zimmer nichts befand außer einem großen Cembalo aus glänzendem, poliertem Walnussholz, bemalt mit kleinen Blumen, die aus einer gewundenen Ranke sprossen, welche sich oberhalb der schimmernden Ebenholztasten über den Resonanzboden zog.
Auf den zweiten Blick sah ich noch andere Möbelstücke, darunter einige Bücherborde, die sich an der einen Wand entlangzogen und mit musiktheoretischen Werken vollgestopft waren – und handgenähten Manuskripten, ähnlich dem, das Mutter Hildegarde nun auf den Notenhalter des Cembalos stellte.
Sie winkte mich zu einem Stuhl hinüber, der an der Wand vor einem kleinen Sekretär stand.
»Dort findet Ihr Papier und Tinte, Milady. Nun, dann wollen wir doch einmal sehen, was uns dieses kleine Musikstück erzählen mag.«
Die Noten waren auf schweres Pergament geschrieben, die Notenlinien sauber quer über die Seite gezogen. Die Noten selbst, die Schlüssel, Pausen und Vorzeichen waren mit großer Sorgfalt zu Papier gebracht; dies war eindeutig eine Reinschrift, kein Entwurf oder eine hastig hingekritzelte Melodie. Oben auf der Seite stand der Titeclass="underline" »Lied vom Lande«.