Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Nun, ich denke, James ist ein kluger Kopf«, sagte Jamie und tippte auf einen der Briefe. »Er hat ja selbst nur wenig Geld, Sassenach; seine Frau war zwar sehr vermögend, doch Onkel Alex hat mir erzählt, dass sie bei ihrem Tod alles der Kirche hinterlassen hat. Der Papst sorgt für James’ Unterhalt – er ist schließlich ein katholischer Monarch, und der Papst ist verpflichtet, seine Interessen gegenüber dem Hause Hannover zu behaupten.«
Er legte die Hände um ein Knie und blickte nachdenklich auf den Papierstapel, der jetzt zwischen uns auf dem Sofa lag.
»Philip von Spanien und Louis – der vorige, meine ich – haben ihm vor dreißig Jahren ein paar Soldaten und eine Handvoll Schiffe für den Versuch überlassen, seinen Thron wieder an sich zu reißen. Doch es ist alles schiefgegangen; ein paar der Schiffe sind im Sturm gesunken, und der Rest hatte keine Navigatoren an Bord und ist am falschen Ort gelandet – nichts hat funktioniert. Am Ende sind die Franzosen einfach zurückgefahren, ohne dass James überhaupt den Fuß auf schottischen Boden gesetzt hatte. Vielleicht hat er in den Jahren, die seitdem vergangen sind, tatsächlich jeden Gedanken daran aufgegeben, seinen Thron zurückzubekommen. Doch er hatte zwei Söhne, die allmählich ins Mannesalter kamen, und keine Möglichkeit, ihnen einen anständigen Lebensinhalt zu bieten. Also frage ich mich, Sassenach«, er lehnte sich ein wenig zurück, »was würde ich in einer solchen Lage tun? Und die Antwort ist, ich würde wohl versuchen herauszufinden, ob sich mein lieber Vetter Louis – der schließlich König von Frankreich ist – möglicherweise bewegen lässt, dem einen Sohn eine gute Stellung zu verschaffen; vielleicht einen militärischen Rang. General von Frankreich ist keine schlechte Lebensstellung.«
»Mm.« Ich nickte und überlegte. »Ja, aber wenn ich ein kluger Kopf wäre, würde ich nicht einfach als armer Verwandter vor Louis treten und betteln. Ich würde meinen Sohn nach Paris schicken und alles dafür tun, dass Louis gar nichts anderes übrigbleibt, als ihn bei Hofe zu empfangen. Und unterdessen die Illusion aufrechterhalten, dass ich tatsächlich auf den Thron aus bin.«
»Denn sobald James offen einräumt, dass die Stuarts nie wieder über Schottland regieren werden«, fügte Jamie leise hinzu, »hat er für Louis keinerlei Wert mehr.«
Und ohne die Aussicht auf eine bewaffnete jakobitische Invasion, die die Engländer auf Trab hielt, würde Louis kaum einen Grund haben, seinem jungen Vetter Charles irgendetwas zu geben außer dem Almosen, das zu spenden ihn der Anstand und die öffentliche Meinung zwingen würden.
Es war alles andere als sicher; die Briefe, die Jamie an sich bringen konnte, datierten nur bis zu dem Zeitpunkt zurück, als Charles im Januar in Frankreich eingetroffen war. Und dank der verklausulierten Ausdrucksweise und der Chiffren war die Lage alles andere als klar. Doch im Großen und Ganzen schien alles in diese Richtung zu weisen.
Und wenn Jamies Einschätzung der Motive des Chevaliers korrekt war – dann war unsere Aufgabe bereits vollendet; hatte eigentlich sogar niemals existiert.
Am nächsten Tag wurde ich vom Nachdenken über die Ereignisse des gestrigen Abends abgelenkt, weil ich Marie d’Arbanvilles Morgensalon besuchte, um einen ungarischen Dichter zu hören, weil ich einen Kräuterhändler in der Nachbarschaft besuchte, um mich mit Baldrian und Veilchenwurzel zu versorgen, und weil ich am Nachmittag meinen Rundgang im Hôpital des Anges machte.
Schließlich gab ich die Arbeit auf, weil ich Angst hatte, aus Versehen tatsächlich jemanden zu verletzen, während ich vor mich hin sinnierte. Noch waren weder Murtagh noch Fergus hier, um mich heimzubegleiten, also legte ich mein Übergewand ab und setzte mich in Mutter Hildegardes verlassene Schreibstube im Vestibül des Hospitals, um zu warten.
Dort saß ich seit etwa einer halben Stunde und knetete zerstreut mit den Fingern mein Kleid, als ich draußen den Hund hörte.
Der Pförtner war unterwegs, was öfter vorkam – vermutlich um Lebensmittel zu kaufen oder einen Botengang für eine der Nonnen zu erledigen. Wie immer, wenn er fort war, lag die Aufgabe, die Pforte zu bewachen, in Boutons kompetenten Pfoten – und Zähnen.
Auf das erste warnende Japsen folgte ein tiefes Knurren, das dem Eindringling bedeutete zu bleiben, wo er war, wenn er nicht auf der Stelle in Stücke gerissen werden wollte. Ich erhob mich und steckte den Kopf aus der Zimmertür, um zu sehen, ob Vater Balmain einmal mehr dem Dämon trotzte, um seinen sakramentalen Pflichten nachzugehen. Doch die Gestalt, deren Umriss vor dem großen Buntglasfenster der Eingangshalle zu erkennen war, gehörte nicht dem schmalen Priester. Es war ein hochgewachsener Mann, dem der Umriss eines Kilts sacht um die Beine schwang, während er vor dem kleinen, scharfzahnigen Tier zu seinen Füßen zurückwich.
Jamie blinzelte, denn mit einem solchen Angriff hatte er nicht gerechnet. Er hielt sich eine Hand über die Augen, um sie vor der gleißenden Helligkeit des Fensters zu schützen, und blickte in den Schatten hinunter.
»Oh, hallo, Hündchen«, sagte er höflich und trat mit ausgestreckten Fingerknöcheln einen Schritt vor. Bouton ließ die Lautstärke seines Knurrens um einige Dezibel anschwellen, und Jamie trat einen Schritt zurück.
»Oh, so ist das also, ja?«, sagte er und sah den Hund scharf an.
»Überleg’s dir gut, Junge«, riet er dem Hund, den er von oben herab betrachtete. »Ich bin um einiges größer als du. An deiner Stelle würde ich nichts Voreiliges tun.«
Bouton wechselte ein wenig die Stellung, klang aber immer noch wie eine Fokker in der Ferne.
»Und schneller«, sagte Jamie und machte einen Ausfallschritt zur Seite. Boutons Zähne schnappten ein paar Zentimeter neben Jamies Wade zusammen, und er trat hastig zurück. Dann lehnte er sich an die Wand, verschränkte die Arme und nickte dem Hund zu.
»Nun, ich gebe zu, dass das ein Argument ist. Deine Zähne sind besser als meine, das steht fest.« Bouton spitzte argwöhnisch ein Ohr, als er diese diplomatischen Worte hörte, setzte dann jedoch das leise Knurren fort.
Jamie schlug die Füße übereinander wie ein Mensch, der unbegrenzt Zeit hat. Das bunte Licht des Fensters tauchte sein Gesicht in Blau, so dass er aussah wie eine der kühlen Marmorstatuen nebenan in der Kathedrale.
»Du hast doch wohl Besseres zu tun, als unschuldige Besucher zu behelligen?«, fragte er freundlich. »Ich habe schon von dir gehört – du bist doch der berühmte Hund, der Krankheiten erriechen kann, nicht wahr? Nun denn, warum verschwendest du dein Talent mit Albernheiten wie dem Bewachen der Pforte, wenn du dich doch nützlich machen kannst, indem du an Gichtzehen und eitrigen Arschlöchern schnupperst? Beantworte mir das doch bitte!«
Ein scharfes Bellen als Reaktion darauf, dass er die Füße wieder nebeneinanderstellte, war die einzige Antwort.
Hinter mir raschelten Roben, und Mutter Hildegarde kam aus dem inneren Schreibzimmer.
»Was ist denn?«, fragte sie, als sie mich um die Ecke linsen sah. »Haben wir Besuch?«
»Bouton scheint eine Meinungsverschiedenheit mit meinem Mann zu haben«, sagte ich.
»Ich brauche mir das eigentlich nicht gefallen zu lassen«, drohte Jamie jetzt. Seine Hand stahl sich auf die Brosche zu, die sein Plaid an seiner Schulter festhielt. »Ein Satz mit meinem Plaid, und ich wickele dich ein wie eine … oh, bonjour, Madame!«, sagte er und wechselte rasch ins Französische über, als er Mutter Hildegarde sah.
»Bonjour, Monsieur Fraser.« Sie neigte huldvoll ihren Schleier, mehr, um ihr breites Lächeln zu verbergen als zum Gruß, dachte ich. »Ich sehe, Ihr habt Bekanntschaft mit Bouton geschlossen. Seid Ihr vielleicht auf der Suche nach Eurer Frau?«
Da das mein Stichwort zu sein schien, glitt ich hinter ihr aus der Stube. Mein hingebungsvoller Ehemann ließ den Blick von Bouton zur Tür des Schreibzimmers wandern und zog dann anscheinend seine Schlüsse.