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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»Macht es dich gar nicht nervös?«, fragte ich, als wir die Treppe hinaufgingen. »Dass du überhaupt niemandem trauen kannst?«

Er lachte leise. »Nun, niemandem würde ich nicht sagen, Sassenach. Ich habe dich … und Murtagh und meine Schwester Jenny und ihren Mann Ian. Euch vieren würde ich mein Leben anvertrauen – und habe das ja auch schon mehr als einmal getan.«

Ich erschauerte, als er die Vorhänge des großen Betts beiseitezog. Im Kamin lag nur noch Glut, und es wurde jetzt kalt im Zimmer.

»Vier Menschen, denen du vertrauen kannst, scheinen mir aber nicht besonders viel zu sein«, sagte ich und öffnete mein Kleid.

Er zog sich das Hemd über den Kopf und warf es auf den Stuhl. Die Narben auf seinem Rücken schimmerten silbrig im schwachen Licht des Nachthimmels vor dem Fenster.

»Aye, nun ja«, sagte er ungerührt. »Es sind vier mehr, als Charles Stuart hat.«

Draußen sang ein Vogel, obwohl es noch weit vor Tagesanbruch war. Eine Nachtigall, die ihre trillernden Melodien übte, wieder und wieder, während sie irgendwo in der Nähe im Dunklen auf einer Regenrinne hockte.

Mit schläfrigen Bewegungen rieb Jamie seine Wange an der glatten Haut meines frisch gewachsten Unterarms, dann drehte er den Kopf und drückte mir einen sanften Kuss in die warme Mulde, der mich lustvoll erschauern ließ.

»Mm«, murmelte er und fuhr mir sacht mit der Hand über die Rippen. »Ich mag es, wenn du so erschauerst, Sassenach.«

»So?«, antwortete ich und fuhr ihm mit den Nägeln der rechten Hand sanft über die Haut auf seinem Rücken, die sich unter der neckenden Berührung gehorsam kräuselte.

»Ah.«

»Selber ah«, antwortete ich leise und wiederholte die Bewegung.

»Mmmm.« Mit einem genüsslichen Stöhnen wälzte er sich auf die Seite und schlang die Arme um mich, als ich es ihm gleichtat – ein herrliches Gefühl, wie sich unsere Haut von Kopf bis Fuß auf der Vorderseite berührte. Er war warm wie ein glimmendes Feuer, für die Nacht bis auf die Glut heruntergebrannt, um in der schwarzen Kälte vor dem Morgengrauen wieder zu entflammen.

Seine Lippen hefteten sich sanft an meine Brustwarze, und auch ich stöhnte und bäumte mich sacht auf, um ihn zu ermuntern, mich tiefer in seinen warmen Mund zu nehmen. Meine Brüste wurden mit jedem Tag voller und empfindlicher; hin und wieder kribbelten meine Brustwarzen unter den engen Schnüren meiner Kleider, weil sie gesaugt werden wollten.

»Wirst du mich das später tun lassen?«, murmelte er und biss sacht zu. »Wenn das Kind da ist und sich deine Brüste mit Milch füllen? Wirst du mich dann auch an deinem Herzen nähren?«

Ich nahm seine Hand und umfasste sie, die Finger tief in dem babyweichen Haar, das dicht an der Basis seines Schädels wuchs.

»Immer«, flüsterte ich.

Kapitel 14

Leibesübungen

Fergus erfüllte seine Aufgabe mehr als gut und brachte uns beinahe täglich eine neue Auswahl der Korrespondenz Seiner Hoheit; manchmal schaffte ich es kaum, alles zu kopieren, bis Fergus die nächste Expedition antrat und die entwendeten Gegenstände zurückbrachte, ehe er neue Briefe stahl.

Manches waren weitere verschlüsselte Briefe von König James in Rom; die Kopien dieser Briefe legte Jamie beiseite, um sich später in Ruhe den Kopf darüber zu zerbrechen. Das Gros der Korrespondenz Seiner Hoheit war harmlos: Briefe von Freunden in Italien, eine wachsende Anzahl Rechnungen ortsansässiger Kaufleute – Charles hatte eine Vorliebe für prunkvolle Kleidung und gute Schuhe, dazu für Brandy – und hin und wieder eine Note von Louise de Rohan. Diese Briefe waren leicht zu erkennen; abgesehen von ihrer winzigen, manierlichen Handschrift, die ihren Briefen das Aussehen verlieh, als hätte ein kleiner Vogel seine Spuren darauf hinterlassen, tränkte sie das Papier grundsätzlich mit ihrem typischen Hyazinthenduft. Jamie weigerte sich standhaft, diese Briefe zu lesen.

»Es kommt nicht in Frage, dass ich die Liebesbriefe des Mannes lese«, sagte er entschlossen. »Selbst ein Intrigant muss doch vor irgendetwas Skrupel haben.« Er nieste und ließ den jüngsten Brief wieder in Fergus’ Tasche fallen. »Außerdem«, fügte er jetzt sachlicher hinzu, »erzählt dir Louise ohnehin alles.«

Das stimmte; Louise war eine gute Freundin geworden, die beinahe genauso viel Zeit in meinem Salon wie in ihrem eigenen damit verbrachte, die Hände über Charles zu ringen und ihn dann prompt zu vergessen, um über die Wunder der Schwangerschaft zu staunen – ihr war morgens nie übel, verflixt! Sie war zwar ein zerstreutes Huhn, doch ich mochte sie gern; dennoch erleichterte es mich sehr, jeden Nachmittag aus ihrer Gesellschaft in das Hôpital des Anges zu entfliehen.

Louise hätte zwar wohl kaum je den Fuß in das Hôpital des Anges gesetzt, doch ich war nicht allein, wenn ich dorthin ging. Unbeeindruckt von den Erlebnissen ihres ersten Besuchs im Hôpital, brachte Mary den Mut auf, mich erneut zu begleiten. Und erneut. Noch konnte sie sich zwar nicht dazu durchringen, den Blick direkt auf eine Wunde zu richten, doch sie machte sich nützlich, indem sie den Leuten Brei einflößte und die Böden schrubbte. Anscheinend betrachtete sie diese Tätigkeiten als willkommene Abwechslung von den Zusammenkünften bei Hofe und dem Leben im Haus ihres Onkels.

Obwohl sie sich häufig schockiert darüber zeigte, wie sich die Leute bei Hofe benahmen – nicht, dass sie viel davon sah, doch sie war schnell schockiert –, legte sie keinen besonderen Ekel oder Schrecken an den Tag, wenn der Vicomte Marigny ihren Weg kreuzte, woraus ich schloss, dass ihre skrupellose Familie die Verhandlungen in Bezug auf ihre Heirat immer noch nicht abgeschlossen hatte – und ihr daher noch nichts davon erzählt hatte.

Diese Schlussfolgerung bestätigte sich eines Tages Ende April, als sie mir auf dem Weg zum Hôpital des Anges errötend gestand, dass sie verliebt war.

»Oh, er sieht so gut aus«, schwärmte sie, und ihr Stottern war gänzlich vergessen. »Außerdem ist er so … nun ja, so spirituell …«

»Spirituell«, sagte ich. »Mm, ja, sehr schön.« Insgeheim dachte ich zwar, dass diese Eigenschaft auf meiner Liste der wünschenswerten Eigenschaften eines Geliebten nicht unbedingt ganz oben gestanden hätte, doch die Geschmäcker waren nun einmal verschieden.

»Und wer ist dieser Mann deiner Träume?«, zog ich sie vorsichtig auf. »Jemand, den ich kenne?«

Ihre hübsche Röte nahm noch zu. »Nein, ich glaube nicht.« Dann blickte sie mit glitzernden Augen auf. »Aber – oh, ich sollte dir das nicht erzählen, aber ich muss es einfach tun. Ich habe meinem Vater geschrieben. Er kommt nächste Woche nach Paris!«

»Tatsächlich?« Das war eine interessante Neuigkeit. »Ich habe gehört, dass der Comte de Palles nächste Woche bei Hofe erwartet wird«, sagte ich. »Gehört dein, äh, Angebeteter zu seinem Gefolge?«

Diese Andeutung schien Mary zu entgeistern.

»Ein Franzose! Oh, nein, Claire; wirklich, wie sollte ich denn einen Franzosen heiraten?«

»Stimmt denn mit den Franzosen etwas nicht?«, fragte ich, über ihre Heftigkeit überrascht. »Du sprichst doch schließlich Französisch.« Doch vielleicht war das ja das Problem; Mary sprach zwar gut Französisch, doch aufgrund ihrer Schüchternheit stotterte sie in dieser Sprache noch schlimmer als auf Englisch. Erst am Vortag hatte ich ein paar Küchenjungen dabei erwischt, wie sie sich mit boshaften Nachahmungen der »petite Anglaise maladroite« amüsierten.

»Du weißt nicht, was die Franzosen tun?«, flüsterte sie mit großen, entsetzten Augen. »Doch natürlich, woher denn auch. Dein Mann ist so freundlich und so gütig … er würde nie, ich m-meine, ich weiß, dass er dich nicht so behelligt …« Ihr Gesicht sah vom Kinn bis zum Haaransatz wie eine Pfingstrose aus, und ihr Stottern erwürgte sie fast.

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