Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Kommt, ma sœur«, befahl er. »Zurück an Euren Posten! Die Wirkung des Stimulantiums ist nicht von langer Dauer; wir müssen jetzt zu Werke gehen, solange die Blutung reduziert ist.«
Das Bein, das so gut wie reglos war, ließ sich leicht gerade ziehen, so dass die gesplitterten Knochenenden wieder unter die Haut zurückwichen. Auf Monsieur Forez’ Anordnung umfasste ich dann den Oberkörper des jungen Mannes, während er sich an Fuß und Unterschenkel zu schaffen machte, so dass wir konstanten Zug ausübten, während er die letzten kleinen Anpassungen durchführte.
»Das reicht, Schwester. Wenn Ihr jetzt seinen Fuß einen Moment still halten würdet.« Ein lautes Wort rief einen Helfer mit ein paar stabilen Stöckchen und einigen Tüchern zum Verbinden herbei, und im Handumdrehen hatten wir das Bein ordentlich geschient und die offenen Wunden fest verbunden.
Monsieur Forez und ich gratulierten uns über den Körper unseres Patienten hinweg mit einem breiten Grinsen.
»Das war gute Arbeit«, sagte ich und schob mir eine Locke aus dem Gesicht, die sich während unserer Anstrengungen gelöst hatte. Ich sah, wie sich Monsieur Forez’ Miene plötzlich änderte, als er begriff, dass ich keinen Schleier trug, und just in diesem Moment läutete die Vesperglocke laut aus der nahen Kirche herüber. Ich blickte mit offenem Mund zu dem hohen Fenster am Ende der Krankenstation hinüber, das nicht verglast war, um die ungesunden Dämpfe ins Freie zu lassen. Und tatsächlich, das rechteckige Stück Himmel hatte die tiefblaue Färbung des frühen Abends.
»Entschuldigt mich«, sagte ich und begann, mich aus dem Überkleid zu winden. »Ich muss auf der Stelle gehen; mein Mann wird sich schon sorgen, weil ich so spät nach Hause komme. Ich bin so froh, dass ich diese Gelegenheit hatte, Euch zu assistieren, Monsieur Forez.« Der hochgewachsene Knochenrichter beobachtete diesen Entkleidungsakt mit unverhohlenem Erstaunen.
»Aber Ihr … nun ja, nein, natürlich seid Ihr keine Nonne, das hätte mir schon eher klarwerden sollen … aber Ihr … wer seid Ihr?«, fragte er neugierig.
»Mein Name ist Fraser«, sagte ich knapp zu ihm. »Hört zu, ich muss gehen, sonst wird mein Mann …«
Er richtete sich zu seiner vollen, spindeldürren Größe auf und verbeugte sich tiefernst.
»Ich würde es als Privileg betrachten, wenn Ihr mir gestatten würdet, Euch heimzubegleiten, Madame Fraser.«
»Oh … danke sehr«, sagte ich, gerührt von seiner Fürsorge. »Aber ich habe einen Begleiter.« Ich blickte mich vage nach Fergus um, der diesen Dienst an Murtaghs Stelle übernahm, wenn er nicht zum Stehlen gebraucht wurde. Da war er ja; er lehnte im Türrahmen und zappelte ungeduldig. Ich fragte mich, wie lange er wohl schon da war – die Schwestern ließen ihn nicht in den großen Saal oder die Stationen, sondern bestanden grundsätzlich darauf, dass er an der Tür auf mich wartete.
Monsieur Forez warf einen skeptischen Blick auf meinen Begleiter, dann nahm er mich fest beim Ellbogen.
»Ich werde Euch bis zu Eurer Haustür begleiten, Madame«, erklärte er. »Dieser Teil der Stadt ist in den Abendstunden viel zu gefährlich, als dass Ihr dort nur mit einem Kind zu Eurem Schutz unterwegs sein solltet.«
Ich konnte sehen, wie Fergus vor Entrüstung der Kamm schwoll, weil man ihn als Kind bezeichnet hatte, und ich beeilte mich einzuwenden, dass er ein exzellenter Begleiter war und stets darauf achtete, mich über die sichersten Straßen zu führen. Monsieur Forez beachtete uns beide nicht, sondern nickte nur huldvoll in Schwester Angeliques Richtung, während er mich durch die gewaltige Flügeltür am Eingang des Hospitals schob.
Fergus war mir dicht auf den Fersen und zupfte an meinem Ärmel. »Madame!«, flüsterte er drängend. »Madame! Ich habe dem Herrn versprochen, dass ich es nicht zulasse, dass Ihr Euch mit unerwünschten Personen …«
»Ah, da sind wir ja. Madame, setzt Euch hierher; Euer Junge kann den anderen Sitz haben.« Ohne Fergus’ Gejapse zu beachten, hob ihn Monsieur Forez beiläufig in die wartende Kutsche.
Es war ein kleiner, offener Wagen, der jedoch elegant ausgestattet war, mit dunkelblauen Samtsitzen und einem kleinen Baldachin zum Schutz der Passagiere vor plötzlichen Wetterkapriolen oder von oben ausgeschütteten Abfalleimern. Die Tür des Fahrzeugs trug kein Wappen oder sonstige Verzierungen; Monsieur Forez war kein Adeliger – ich vermutete, dass er ein wohlhabender Bürger war.
Auf dem Heimweg unterhielten wir uns höflich über medizinische Fragen, während Fergus in der Ecke schmollte und uns unter seinem strubbeligen Haarschopf finstere Blicke zuwarf. Als wir an der Rue Tremoulins anhielten, sprang er über die Seitenwand, ohne zu warten, bis der Kutscher die Tür öffnete, und spurtete ins Haus. Ich blickte ihm nach und fragte mich, was er nur hatte, dann wandte ich mich Monsieur Forez zu, um mich zu verabschieden.
»Wirklich nicht der Rede wert«, versicherte er mir großzügig als Erwiderung auf meinen herzlichen Dank. »Euer Haus liegt ohnehin auf meinem Heimweg. Und ich hätte die Person einer so anmutigen Dame um diese Uhrzeit nicht den Pariser Straßen anvertrauen können.« Er half mir aus der Kutsche und öffnete gerade den Mund, um noch etwas zu sagen, als sich hinter uns geräuschvoll die Pforte öffnete.
Ich wandte gerade noch rechtzeitig den Kopf, um zu sehen, wie sich Jamies Miene von leichter Verärgerung in verblüffte Überraschung verwandelte.
»Oh!«, sagte er. »Guten Abend, Monsieur.« Er verbeugte sich vor Monsieur Forez, der die Geste mit großem Ernst erwiderte.
»Eure Gemahlin hat mir die Freude gewährt, sie sicher an Eurer Tür abzuliefern, Milord. Was ihr spätes Eintreffen angeht, so bitte ich Euch, mir die Schuld dafür zuzuweisen; sie hat mir höchst selbstlos bei einem kleinen Unterfangen im Hôpital des Anges assistiert.«
»Davon gehe ich aus«, sagte Jamie in resigniertem Ton. »Man kann ja schließlich nicht erwarten«, fügte er auf Englisch hinzu und sah mich mit hochgezogener Augenbraue an, »dass es ein bloßer Ehemann an Anziehungskraft mit einem erkrankten Darm oder einem entzündlichen Ausschlag aufnehmen kann, nicht wahr?« Doch sein Mundwinkel zuckte, und ich wusste, dass er nicht ernstlich verärgert war, sondern sich nur Gedanken gemacht hatte, weil ich noch nicht zu Hause war; ich empfand einen Stich des Bedauerns, weil ich ihm Grund zur Sorge gegeben hatte.
Mit einer erneuten Verbeugung vor Monsieur Forez packte er mich am Oberarm und schob mich durch die Pforte.
»Wo ist denn Fergus?«, fragte ich, sobald sich die Pforte hinter uns geschlossen hatte. Jamie prustete.
»In der Küche, wo er vermutlich seine Strafe erwartet.«
»Strafe? Was meinst du damit?«, wollte ich wissen. Unerwarteterweise lachte er.
»Nun ja«, sagte er, »ich war im Studierzimmer und habe mich gefragt, wo zum Teufel du wohl steckst, und fast hätte ich mich schon selbst zum Hôpital aufgemacht, als die Tür aufflog und der gute Fergus hereingeschossen kam. Er hat sich vor meine Füße geworfen und mich angefleht, ihn auf der Stelle umzubringen.«
»Umbringen? Warum denn das?«
»Nun, das habe ich ihn auch gefragt, Sassenach. Ich dachte, du und er, ihr wärt vielleicht unterwegs überfallen worden – die Straßen sind ja voll von gefährlichem Gesindel, und ich dachte, das Einzige, was ihn zu einem solchen Verhalten bewegen würde, wäre, wenn er dich auf diese Weise verloren hätte. Aber er sagte, du wärst an der Pforte, also bin ich dorthin gerannt, um zu sehen, ob dir etwas fehlt, und Fergus ist hinter mir her und hat in einem fort gebrabbelt, er hätte das Vertrauen verraten, das ich in ihn setze, und er wäre es nicht wert, mich seinen Herrn zu nennen, und er hat mich angefleht, ihn zu Tode zu prügeln. Unter diesen Umständen fiel mir das Denken schwer, und so habe ich gesagt, ich würde mich später mit ihm befassen, und habe ihn in die Küche geschickt.«