Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ach, du liebe Güte!«, sagte ich. »Meint er wirklich, er hat dein Vertrauen verletzt, nur weil ich mich ein bisschen verspätet habe?«
Jamie sah mich von der Seite an.
»Aye, das tut er. Und es stimmt ja auch, denn er hat dich mit einem Fremden mitfahren lassen. Er schwört, dass er sich lieber vor die Pferde geworfen hätte, als dich in die Kutsche steigen zu lassen, wenn du«, betonte er, »nicht den Eindruck gemacht hättest, dass du dich mit dem Mann verstehst.«
»Nun, so war es ja auch«, sagte ich aufgebracht. »Ich hatte ihm gerade geholfen, ein gebrochenes Bein zu richten.«
»Mmphm.« Diese Begründung schien ihn nicht zu überzeugen.
»Oh, also schön«, räumte ich widerstrebend ein. »Vielleicht war es ein wenig unklug. Aber er kam mir wirklich völlig respektabel vor, und ich hatte es eilig, nach Hause zu kommen – ich wusste doch, dass du dir Sorgen machen würdest.« Dennoch wünschte ich jetzt, ich hätte etwas mehr auf Fergus’ Gemurmel und Gezupfe geachtet. Doch mir war es in diesem Moment nur darum gegangen, so schnell wie möglich zu Hause zu sein.
»Du wirst ihn doch nicht tatsächlich schlagen, oder?«, fragte ich alarmiert. »Es war doch überhaupt nicht seine Schuld – ich habe darauf bestanden, mit Monsieur Forez zu fahren. Ich meine, wenn irgendjemand Schläge verdient hat, bin ich es.«
Jamie, der sich jetzt der Küche zuwandte, zog sardonisch die Augenbraue hoch.
»Aye, das stimmt«, pflichtete er mir bei. »Aber da ich ja geschworen habe, von derartigen Handlungen abzusehen, muss ich mich wohl mit Fergus begnügen.«
»Jamie! Das kannst du doch nicht tun!« Ich blieb stehen und riss an seinem Arm. »Jamie! Bitte!« Dann sah ich das Lächeln, das sich in seinem Mundwinkel verbarg, und seufzte erleichtert auf.
»Nein«, sagte er und ließ das Lächeln heraus. »Natürlich will ich ihn nicht umbringen – oder ihn auch nur schlagen. Es kann aber sein, dass ich ihm ein oder zwei Ohrfeigen verpassen muss, und sei es nur zu seiner Ehrenrettung«, fügte er hinzu. »Er meint, er hat ein schweres Verbrechen begangen, weil er meinen Befehl, dich zu bewachen, nicht befolgt hat – das kann ich ihm kaum durchgehen lassen, ohne mein Missfallen öffentlich kundzutun.«
Vor der Schwingtür zur Küche blieb er stehen, um seine Manschetten zu schließen und sich die Halsbinde frisch zu wickeln.
»Kann ich so gehen?«, erkundigte er sich und strich sich das dichte, widerspenstige Haar zurück. »Vielleicht sollte ich meinen Rock holen gehen – ich kenne die Etikette für das Erteilen eines Tadels nicht.«
»Du siehst gut aus«, sagte ich und verkniff mir ein Lächeln. »Sehr streng.«
»Oh, das ist gut«, sagte er. Er richtete sich auf und presste die Lippen zusammen. »Ich hoffe, ich lache nicht, das wäre ja furchtbar«, murmelte er und drückte die Tür zur Küchentreppe auf.
Doch die Atmosphäre in der Küche war ganz und gar nicht zum Lachen. Bei unserem Eintreten verstummte das übliche Geplapper auf der Stelle, und das gesamte Personal bezog hastig an einer Seite der Küche Stellung. Einen Moment lang stand alles stocksteif da, dann regte sich etwas zwischen zwei Küchenmägden, und Fergus trat vor uns hin.
Das Gesicht des Jungen war weiß und voller Tränenspuren, doch jetzt weinte er nicht. Mit beträchtlicher Würde verbeugte er sich nacheinander erst vor mir, dann vor Jamie.
»Madame, Monsieur, ich schäme mich«, sagte er leise, aber deutlich. »Ich bin es nicht wert, bei Euch in Lohn und Brot zu stehen, doch ich bitte Euch dennoch, mich nicht zu entlassen.« Sein schrilles Stimmchen bebte bei diesem Gedanken, und ich biss mir auf die Lippe. Fergus blickte zur Seite, wo die Dienstboten aufgereiht standen, als wollte er sich dort moralische Unterstützung holen, und er bekam ein ermutigendes Kopfnicken von Ferdinand, dem Kutscher. Er holte tief Luft, richtete sich auf und sprach Jamie direkt an.
»Ich bin jetzt bereit, meine Strafe entgegenzunehmen, Milord«, sagte er. Als sei dies ein Signal gewesen, trat einer der Hausdiener aus der reglosen Menge hervor, führte den Jungen zu dem blanken Holztisch, trat auf die andere Seite und ergriff seine Hände, um ihn halb über die Tischplatte zu ziehen und ihn so ausgestreckt dort festzuhalten.
»Aber …«, sagte Jamie, der von den Ereignissen überrannt wurde. Weiter kam er nicht, denn Magnus, der ältere Butler, trat tiefernst vor ihn hin und präsentierte ihm den Lederriemen, der zum Schärfen der Küchenmesser diente, zeremoniell auf einer Fleischplatte.
»Äh«, sagte Jamie und sah mich hilflos an.
»Öhm«, sagte ich und trat einen Schritt zurück. Mit zusammengekniffenen Augen packte er meine Hand und drückte sie fest.
»Nein, das tust du nicht, Sassenach«, murmelte er auf Englisch. »Wenn ich es tun muss, musst du zusehen!«
Nach einem verzweifelten Blick auf sein zukünftiges Opfer und das dargebotene Exekutionsinstrument zögerte er noch einem Moment, dann gab er auf.
»Oh, zum Kuckuck, verdammt«, knurrte er leise auf Englisch und entriss Magnus den Riemen. Er bog das breite Lederstück skeptisch zwischen den Händen hin und her; es war fast acht Zentimeter breit und über einen halben Zentimeter dick, eine echte Waffe. Man sah ihm deutlich an, dass er sich sonst wohin wünschte, als er auf Fergus’ hingestreckte Gestalt zuschritt.
»Nun denn, also schön«, sagte er und ließ den Blick finster durch das Zimmer schweifen. »Zehn Hiebe, und ich will kein Theater hören.« Einige der Dienstmädchen erbleichten und klammerten sich aneinander, um sich gegenseitig zu stützen, doch es herrschte Totenstille in der großen Küche, als er den Riemen hob.
Das Aufklatschen ließ mich zusammenfahren, und die Küchenmägde quietschten erschrocken auf, doch von Fergus kam kein Ton. Sein schmächtiger Körper erbebte, und Jamie schloss kurz die Augen, dann biss er die Zähne zusammen und fuhr mit dem Rest der Bestrafung fort, indem er die Hiebe gleichmäßig verteilte. Mir war übel, und ich wischte mir unauffällig die feuchten Hände an meinem Rock ab. Gleichzeitig verspürte ich ein hemmungsloses Bedürfnis, über die ganze furchtbare Farce zu lachen.
Fergus erduldete alles in völligem Schweigen, und als Jamie dann fertig war und bleich und verschwitzt zurücktrat, lag er derart reglos da, dass ich im ersten Moment Angst hatte, er wäre tot – am Schock gestorben, wenn schon nicht durch die Prügel selbst. Doch dann schien ein tiefer Schauder über seine kleine Gestalt zu laufen, und der Junge ließ sich rückwärts vom Tisch rutschen und erhob sich steif.
Jamie war mit einem Satz bei ihm, um ihn beim Arm zu nehmen, und strich ihm nervös das schweißnasse Haar aus der Stirn.
»Geht es dir gut, Mann?«, fragte er. »Gott, Fergus, sag mir, dass es dir gutgeht!«
Der Junge war zwar blass um den Mund, und seine Augen waren so groß wie Untertassen, aber er lächelte über dieses offensichtliche Wohlwollen seines Brotherrn, so dass seine Schneidezähne im Lampenschein glänzten.
»Oh ja, Milord«, japste er. »Ist mir verziehen?«
»Großer Gott«, murmelte Jamie und drückte den Jungen fest an seine Brust. »Natürlich, du Dummkopf.« Er hielt den Jungen auf Armeslänge vor sich hin und schüttelte ihn sacht. »Ich will das nie wieder tun, hörst du mich?«
Fergus nickte mit brennenden Augen, dann löste er sich aus Jamies Griff und fiel vor mir auf die Knie.
»Verzeiht Ihr mir ebenfalls, Madame?«, fragte er. Er faltete die Hände formell vor dem Bauch und blickte vertrauensvoll zu mir auf wie ein Erdmännchen, das um Nüsse bettelt.
Ich verging fast auf der Stelle vor Verlegenheit, brachte jedoch genügend Selbstbeherrschung auf, um die Hand auszustrecken und den Jungen hochzuziehen.
»Da gibt es nichts zu verzeihen«, sagte ich entschlossen zu ihm, und meine Wangen brannten. »Du bist ein tapferer junger Mann, Fergus. Wie … wie wäre es, wenn du jetzt zu Abend isst?«
Bei diesen Worten entspannte sich die Atmosphäre in der Küche, als hätten alle Anwesenden gleichzeitig einen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen. Die anderen Bediensteten drängten sich vor und drückten Fergus ihre Anteilnahme und ihre Glückwünsche aus, und man bereitete ihm einen Heldenempfang, während Jamie und ich uns hastig in unser Quartier in der oberen Etage zurückzogen.