Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
Er erreichte die oberste Stufe und klingelte, drückte eine ganz gewöhnliche Klingel; die Tür allerdings war nicht so ganz gewöhnlich, das konnte der Major sehen. Das massive Holz war mit einer Stahlplatte vernietet, und die schmiedeeiserne Dekoration diente in Wirklichkeit dazu, die Nieten zu verbergen, während der große Bronzeknopf eine Platte tarnte, die dafür sorgte, daß eine Reihe stählerner Bolzen durch Berührung einer menschlichen Hand in stählerne Fassungen schossen, wenn Alarm ausgelöst wurde. Webb blickte zum Fenster empor. Er wußte, daß jede Glasscheibe einen Zoll dick war und so selbst direktem Beschuß mit.30-Kaliber Widerstand leisten konnte. Treadstone Seventy-One war eine Festung.
Die Tür öffnete sich, und der Major lächelte unwillkürlich, als er die Gestalt sah, die hier so völlig unpassend wirkte. Eine pagenhaft schlanke, elegant aussehende, grauhaarige Frau mit weichen, aristokratischen Zügen und einer Haltung, die auf alten Geldadel schließen ließ. Ihre Stimme entsprach dem ersten Eindruck; sie sprach jenes elegante >mid-Atlantic<, ein Amerikanisch, das eher in Boston als New York zu Hause war und selbst in den besten Kreisen Londons akzeptiert wurde. Diese Art zu sprechen wurde auf vornehmen Colleges und bei Polospielen gepflegt.
«Wie schön, daß Sie gekommen sind, Major. Jeremy hat Sie schon angemeldet. Kommen Sie doch bitte herein. Es ist wirklich eine Freude, Sie wiederzusehen.«
«Ganz meinerseits«, erwiderte Webb und trat in das geschmackvoll ausgestattete Foyer. Er beendete den Satz erst, als die Tür sich hinter ihm geschlossen hatte.»Aber ich bin nicht sicher, wo wir uns schon einmal begegnet sind.«
Die Frau lachte.»Oh, wir haben manchmal miteinander zu Abend gegessen.«
«Mit Jeremy?«
«Natürlich.«
«Wer ist Jeremy?«
«Ein sehr ergebener Neffe, der auch ein guter Freund von Ihnen ist. Wirklich ein reizender junger Mann; wie schade, daß es ihn nicht gibt. «Sie griff nach seinem Ellbogen, als sie den langen Korridor hinuntergingen.»Das ist alles nur wegen der Nachbarn, die vielleicht zuhören könnten. Kommen Sie jetzt bitte, man wartet.«
Sie gingen an einem Bogen vorbei, der in ein großes Wohnzimmer führte; der Major blickte hinein. Am Fenster stand ein Flügel und daneben eine Harfe, und überall — auf dem Flügel und auf polierten Tischen, die sich im gedämpften Licht spiegelten — standen silbergerahmte Fotografien, Erinnerungen an eine Vergangenheit, die mit Wohlstand und Eleganz verbunden war. Segelboote, Männer und Frauen auf den Decks von Ozeandampfern, einige Militärporträts. Und tatsächlich zwei Schnappschüsse von einem Polospieler im Sattel. Es war ein Raum, wie er in ein geschmackvolles Backsteingebäude an dieser Straße paßte.
Sie erreichten das Ende des Korridors; es gab dort eine mächtige Mahagonitür mit Halbreliefschnitzereien und schmiedeeisernen Dekorationsteilen, die ebenfalls wieder ihrem Schutz dienten. Wenn es hier irgendwo eine
Infrarotkamera gab, konnte Webb das Objektiv nicht entdecken. Die grauhaarige Frau drückte einen unsichtbaren Klingelknopf, und der Major konnte ein leises Summen hören.
«Ihr Freund ist hier, Gentlemen. Hören Sie auf, Poker zu spielen und machen Sie sich an die Arbeit. Reißen Sie sich zusammen, Jesuit.«
«Jesuit?«fragte Webb verblufft.
«Ein alter Witz«, erwiderte die Frau.»Er reicht in die Zeit zurück, in der Sie wahrscheinlich mit Murmeln spielten und kleine Mädchen anfauchten.«
Die Tür öffnete sich und gab den Blick auf die alte, aber immer noch kerzengerade Gestalt von David Abbott frei.»Freut mich, Sie zu sehen, Major«, sagte der ehemalige stumme >Mönch< der Geheimdienste und streckte ihm die Hand hin.
«Freut mich, hier zu sein, Sir. «Webb schüttelte ihm die Hand. Ein weiterer älterer, imposant wirkender Mann trat neben Abbott.
«Ein Freund von Jeremy, ohne Zweifel«, sagte der Mann mit einem Lächeln in der Stimme.»Tut mir schrecklich leid, daß die Zeit keine richtige Vorstellung zuläßt, junger Freund. Kommen Sie, Margaret. Oben brennt ein wärmendes Feuer im Kamin. «Er wandte sich Abbott zu.»Sie sagen mir doch Bescheid, wenn Sie gehen, David?«
«Um meine übliche Zeit, vermute ich«, erwiderte der >Mönch<.»Ich werde diesen beiden zeigen, wie man Ihnen klingelt.«
Erst jetzt merkte Webb, daß noch ein dritter Mann im Raum war; er stand am anderen Ende im Schatten, der Major erkannte ihn sofort. Es war Elliot Stevens, der Seniorratgeber des Präsidenten der Vereinigten Staaten — einige sagten, sein zweites Ich. Er war ein Mann um die Vierzig, schlank, Brillenträger, von seiner Körperhaltung ging eine Aura unauffälliger Autorität aus.
«… schon gut. «Der eindrucksvolle ältere Mann, der keine Zeit gehabt hatte, sich vorzustellen, hatte etwas gesagt. Webb hatte ihn nicht verstanden, weil er auf den Mann aus dem Weißen Haus geachtet hatte.»Ich warte dann.«
«Bis zum nächsten Mal«, fuhr Abbott fort und musterte die grauhaarige Frau freundlich.»Danke, Schwester Meg. Und daß Sie mir Ihr Ordenskleid gut gebügelt halten. Passen Sie auf.«
«Sie sind ein böser, alter Mann, Jesuit.«
Die beiden verließen den Raum und schlossen die Türe hinter sich. Webb stand einen Augenblick da und schüttelte lächelnd den Kopf. Der Mann und die Frau von 139 East Seventy-first gehörten in den Raum am Ende des Korridors ebenso wie jener Raum in das Backsteingebäude gehörte, und wie das Ganze ein Teil der stillen, wohlhabenden, von Bäumen gesäumten Straße war.»Sie kennen die beiden schon lange Zeit, nicht wahr?«
«Ein Leben lang, könnte man sagen«, erwiderte Abbott.»Er war Yachtsegler, und wir konnten ihn in der Adria gut für Donovans Operationen in Jugoslawien einsetzen. Mikhailowitsch hat einmal gesagt, keiner hätte sich bei schlechtem Wetter so wie er aufs Wasser gewagt. Und lassen Sie sich ja nicht von Schwester Megs gepflegter Eleganz täuschen. Sie war eines der Mädchen von Intrepids, ein Piranha mit scharfen Zähnen.«
«Legendär.«
«Aber eine Legende, die nie erzählt werden wird«, sagte Abbott und schloß das Thema damit ab.»Ich möchte Sie mit Elliot Stevens bekannt machen. Ich brauche Ihnen, glaube ich, nicht zu sagen, wer er ist. Webb, Stevens. Stevens, Webb.«
«Klingt ja wie ein Anwaltsbüro«, sagte Stevens liebenswürdig und ging mit ausgestreckter Hand durchs Zimmer auf Webb zu.»Nett, Sie kennenzulernen, Webb. Gute Reise gehabt?«
«Ich hätte eine Militärmaschine vorgezogen. Ich hasse diese verdammten Fluggesellschaften. Ich dachte schon, ein Zollbeamter im Kennedy wollte mir das Kofferfutter aufschneiden.«
«Sie wirken in dieser Uniform zu ehrfurchtgebietend«, lachte der >Mönch<.»Sie sind ganz offensichtlich ein Schmuggler.«
«Ich bin immer noch nicht sicher, ob ich die Uniform verstehe«, sagte der Major und trug seine Aktentasche zu einem langen Klapptisch an der Wand und löste die Nylonschnur von seinem Gürtel.
«Ich brauche Ihnen wahrscheinlich nicht zu sagen, daß die schärfsten Sicherheitsvorkehrungen manchmal höchst auffällig wirken«, antwortete Abbott.»Ein Offizier der Militärischen Abwehr, der sich inkognito in Zürich herumtreibt, würde im Augenblick ganz bestimmt Unruhe auslösen.«
«Dann verstehe ich überhaupt nichts mehr«, sagte der Mann aus dem Weißen Haus und trat neben Webb und sah ihm zu, wie er sein Schloß betätigte.»Würde denn das offene Auftreten eines solchen Mannes nicht einen noch schrilleren Alarm auslösen? Ich dachte, die Geheimoperation sei deshalb durchgeführt worden, weil man annahm, daß die Gefahr der Entdeckung geringer wäre.«
«Webbs Reise nach Zürich war eine Routineüberprüfung des Konsulats und bereits auf den beiden Zeitplänen von G-Zwo eingetragen. Niemand macht irgend jemand in bezug auf diese Reisen etwas vor; sie sind das, was sie sind und sonst nichts. Die Versicherung neuer Gewährsleute und die Zahlung von Informanten. Die Sowjets tun das die ganze Zeit; sie machen sich nicht einmal die Mühe, es zu verbergen. Wir tun das, offen gestanden, auch nicht.«