Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
«Das kann ich nicht glauben«, sagte der >Mönch<.
«Würde es Ihnen etwas ausmachen, das alles noch mal zu wiederholen?«fragte der Mann aus dem Weißen Haus und nahm gegenüber dem Major Platz.
«Lassen Sie mich erklären«, unterbrach Abbott, der die Verwirrung in Webbs Gesicht sah.»Elliot ist auf Anweisung des Präsidenten hier. Es geht um den Mord am Flughafen in Ottawa.«
«Eine scheußliche Angelegenheit«, sagte Stevens.»Der Premierminister war nahe dran, dem Präsidenten zu sagen, er solle unsere Stationen aus Nova Scotia herausholen.«
«Wie ist das denn passiert?«fragte Webb.
«Wir wissen nur, daß jemand im Schatzamt diskrete Nachforschungen nach einer nicht im Telefonbuch stehenden amerikanischen Firma angestellt hat und dafür umgebracht wurde. Um die Dinge noch schlimmer zu machen, sagte man der kanadischen Abwehr, sie solle sich heraushalten, es handle sich um eine US-Operation von hohem Vertraulichkeitsgrad.«
«Und was, zum Teufel, hat das bewirkt?«
«Ich glaube, ich habe hier und dort schon den Namen Eisenarsch gehört«, sagte der >Mönch<.
«General Crawford? Ein blöder Hund — ein wirklich blöder Hund mit einem eisernen Arsch!«
«Können Sie sich das vorstellen?«warf Stevens ein. »Ihr Mann wird umgebracht, und wir besitzen die Frechheit, ihnen Vorschriften zu machen.«
«Er hatte natürlich recht«, verbesserte Abbott.»Es mußte schnell etwas geschehen. Für Mißverständnisse blieb keine Zeit. Ich habe sofort versucht, MacKenzie Hawkins zu erreichen — Mac und ich waren zusammen in Burma; er ist bereits pensioniert, aber immer noch einflußreich. Jetzt fängt die Sache immerhin an zu laufen.«
Stevens wandte sich wieder an Webb.»So, bitte, und jetzt noch einmal. Genau, was haben Sie getan und warum? Welche Rolle spielt diese Kanadierin in unseren Überlegungen?«
«Ursprünglich überhaupt keine; Carlos kam auf die Idee. Jemand, der in der Züricher Polizei ziemlich weit oben sitzt, wird von Carlos bestochen. Die Züricher Polizei hat das sogenannte Beweismaterial, das die Frau mit den Morden in Verbindung bringt, getürkt. Die Kanadierin ist keine Mörderin.«
«Schon gut, schon gut«, sagte der Mann aus dem Stab des Präsidenten ungeduldig.»Das war Carlos. Warum hat er es getan?«
«Um Borowski aufzuscheuchen. Marie St. Jacques und Borowski stecken zusammen.«
«Und Borowski ist dieser bezahlte Killer, der sich Cain nennt, stimmt das?«
«Ja«, sagte Webb.»Carlos hat geschworen, ihn umzubringen. Cain hat sich in ganz Europa und im Mittleren Osten in Carlos' Revier gedrängt; aber es gibt keine Fotografie von Cain, niemand weiß genau, wie er aussieht. Indem man also ein Bild der Frau in Umlauf bringt — und ich kann Ihnen versichern, das finden Sie im Augenblick dort drüben in jeder verdammten Zeitung —, könnte jemand sie entdecken. Und wenn man sie findet, besteht die Chance, daß Cain — Borowski — ebenfalls gefunden wird. Carlos wird sie beide töten.«
«Gut. Da sind wir wieder bei Carlos. Aber was haben Sie getan?«
«Genau was ich sagte. Ich ging zur Gemeinschaftsbank, um die Angestellten dort auf die Spur der Frau zu hetzen und ihnen einzubleuen, daß die Frau möglicherweise — wohlgemerkt, möglicherweise — in Verbindung mit einem umfangreichen Diebstahl stehen könnte. Das war nicht leicht, aber schließlich hat man ihren Mitarbeiter Koenig bestochen. Dann rief ich die Zeitungen an und hetzte sie Walther Apfel auf den Hals. Geheimnisvolle Frau, Mord, Millionendiebstahl— die haben sich förmlich darauf gestürzt.«
«Um Himmels willen, warum?«schrie Stevens.»Sie haben den Bürger eines anderen Landes für eine Maßnahme der amerikanischen Abwehr eingesetzt! Die Angestellte einer eng befreundeten Regierung. Sind Sie denn alle wahnsinnig?«
«Da irren Sie«, sagte Webb.»Wir versuchen, ihr Leben zu retten. Wir haben Carlos' Waffe gegen ihn selbst gerichtet.«
«In welcher Hinsicht?«
Der >Mönch< hob die Hand.»Etwas anderes. Vor wenigen Augenblicken habe ich den Major gefragt, wie Carlos' Komplize Borowski gefunden haben konnte. — Bitte, Major!«
Webb beugte sich vor.»Die Medusa-Akten«, sagte er leise und widerstrebend.
«Medusa…?«Stevens Gesichtsausdruck ließ erkennen, daß Medusa Gegenstand vertraulicher Gespräche im Weißen Hause gewesen war.»Die sind doch vergraben«, sagte er.
Abbott schaltete sich ein.»Es gibt ein Original und zwei Kopien, und die liegen in den Safes im Pentagon, dem CIA und dem Nationalen Sicherheitsrat. Der Zugang zu ihnen beschränkt sich auf eine auserwählte Gruppe, von denen jeder einzelne dieser Einheit angehört. Borowski kommt von Medusa… Carlos jedenfalls kennt seinen Namen…«
Stevens starrte den >Mönch< an.»Wollen Sie damit sagen, daß Carlos… mit solchen Männern… in Verbindung steht? Das ist eine schwere Anschuldigung.«
«Aber die einzige Erklärung«, sagte Webb.
«Warum sollte Borowski denn seinen eigenen Namen gebrauchen?«
«Aus Gründen der Authentizität«, erwiderte Abbott.
«Wieso?«
«Vielleicht verstehen Sie jetzt«, fuhr der Major fort.»Indem wir die St. Jacques mit den Millionen, die angeblich aus der Gemeinschaftsbank gestohlen wurden, in Verbindung bringen, sagen wir Borowski, daß er ans Licht treten soll. Er weiß ja, daß das nicht stimmt.«
«Borowski soll ans Licht treten!«
«Der Mann, der sich Jason Borowski nennt«, sagte Abbott, stand auf und ging langsam auf die Vorhänge zu,»ist ein amerikanischer Abwehrbeamter. Es gibt keinen Cain, nicht den Cain, an den Carlos glaubt. Er ist ein Köder, eine Falle für Carlos.«
Kurzes Schweigen. Dann meldete sich der Mann aus dem Weißen Haus wieder zu Wort.»Ich glaube, Sie sollten uns das besser erklären. Der Präsident muß das wissen.«
«Ja, wahrscheinlich«, sinnierte Abbott, schob die Vorhänge auseinander und blickte geistesabwesend nach draußen.
«Vor drei Jahren haben wir eine Anleihe bei den Briten aufgenommen. Wir schufen einen Mann, den es nie gab. Vielleicht erinnern Sie sich noch: Vor der Invasion in der Normandie ließ die britische Abwehr eine Leiche an der Küste Portugals antreiben und hoffte, daß die bei der Leiche verborgenen Dokumente ihren Weg zur deutschen Botschaft in Lissabon finden würden. Ein Leben wurde für jene Leiche geschaffen; ein Name, ein Rang als Marineoffizier; Schulen, Ausbildung, Reisebefehle, Führerschein, Mitgliedskarten in exklusiven Londoner Clubs und ein halbes Dutzend persönlicher Briefe, die voller Andeutungen steckten und auch ein paar exakte Informationen enthielten. Alles wies darauf hin, daß die Invasion hundert Meilen von dem eigentlichen Zielgebiet in der Normandie entfernt stattfinden sollte, und zwar sechs Wochen später als tatsächlich geplant war. In panischer Angst überprüften deutsche Agenten in England die Angaben — während sie übrigens von MI Fünf beobachtet wurden — dann handelte das Oberkommando in Berlin dementsprechend und verlegte einen großen Teil seiner Defensivtruppen. So viele Opfer die Invasion auch kostete, Tausende und Abertausende wurden von jenem Mann, der nie existierte, gerettet. «Abbott ließ den Vorhang herunterfallen und ging müde zu seinem Sessel zurück.
«Ich habe die Geschichte gehört«, sagte der Mann aus dem Weißen Haus.»Und?«
«Die unsere ist eine Abwandlung jenes Themas«, sagte der >Mönch< und setzte sich müde.»Man schaffte einen lebenden Mann, fast eine Legende, einen Mann, der sich scheinbar gleichzeitig überall befand, ganz Sudostasien unsicher machte. Jedesmal, wenn es einen Mord gab oder einen unerklärten Todesfall, oder wenn eine prominente Persönlichkeit in einen Unfall verwickelt wurde, war auch Cain zur Stelle. Verläßlichen Quellen — bezahlte Informanten, die für ihre Diskretion bekannt waren — wurde sein Name zugesteckt; Botschaften, Lauschposten, ganze Geheimdienstorganisationen erhielten wiederholt Berichte, die sich mit Cains Aktivitäten befaßten. Von Monat zu Monat wurde er gefährlicher. Er war überall… und nirgends, löste sich schier in Luft auf.«