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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Sie meinen diesen Borowski?«

«Ja. Er verbrachte Monate damit, alles über Carlos in Erfahrung zu bringen, studierte jede Akte, die wir besaßen, jeden Mordfall, in den Carlos verwickelt war. Er studierte Carlos' Taktik, seine Methoden, alles. Ein großer Teil jenes Materials hatte nie das Licht des Tages erblickt und wird das auch wahrscheinlich nie. Das ist hochexplosiver Zündstoff — Regierungen und internationale Firmen würden sich gegenseitig an die Kehle gehen. Es gab buchstäblich nichts, das Borowski nicht über Carlos erfuhr. Er wechselte immer wieder sein Aussehen. Er sprach einige Sprachen und hatte Zugang zu Verbrecherkreisen. Wenn er verschwand, hinterließ er verwirrte und verstörte Männer und Frauen. Sie hatten Cain gesehen; er existierte und er war rücksichtslos. Das war das Bild, das Borowski sich aufbaute.«

«Und so hat er drei Jahre im Untergrund gelebt?«fragte Stevens.

«Ja. Dann ging er nach Europa, ein Profikiller, Berufskiller, Absolvent der berüchtigten Medusa, und forderte Carlos in seinem eigenen Revier heraus. Dabei rettete er vier Männer, die Carlos sich als Opfer ausersehen hatte, beanspruchte andere Morde für sich, die Carlos begangen hatte, und verspottete ihn bei jeder Gelegenheit… Versuchte dabei die ganze Zeit, ihn ans Licht zu locken. Er verbrachte beinahe drei Jahre damit, die gefährlichste Lüge zu leben, die ein Mann leben kann. Die meisten wären daran zerbrochen, eine Gefahr, die man nie ausschließen kann.«

«Was für ein Mensch ist er?«

«Ein Profi«, antwortete Gordon Webb.»Jemand, der begriff, daß man Carlos finden und aufhalten mußte.«

«Aber drei Jahre…?«

«Wenn Ihnen das unglaublich erscheint«, sagte Abbott,»sollten Sie wissen, daß er sich chirurgisch behandeln ließ. Es war wie ein letzter Bruch mit der Vergangenheit, mit dem Mann, der er einmal war. — Ich glaube nicht, daß man einen Mann wie Borowski je für das entschädigen kann, was er getan hat. Man kann ihm eigentlich nur helfen, wenn man ihm die Chance zum Erfolg gibt — und das habe ich, weiß Gott, vor. «Der >Mönch< hielt exakt zwei Sekunden inne und fügte dann hinzu:»Wenn es Borowski ist.«

Es war, als hätte ein unsichtbarer Hammer Elliot Stevens getroffen.»Was sagen Sie da?«fragte er.

«Ich muß gestehen, daß ich mir das für den Schluß aufbewahrt habe. Ich wollte, daß Sie Bescheid wissen, bevor ich zu diesem dunklen Punkt komme. Vielleicht gibt es ihn auch gar nicht — wir wissen es nicht. Wir können nicht ohne weiteres einen Mann verurteilen, einen Mann, der viel mehr gegeben hat als irgendeiner von uns. Später, wenn alles vorüber ist, kann er wieder in sein eigenes Leben zurückkehren, anonym, seine Identität darf nie bekannt werden.«

«Ich fürchte, Sie müssen das näher erklären«, sagte der erstaunte Mann aus dem Weißen Haus.

«Carlos hat sich eine Armee von Männern und Frauen aufgebaut, die ihm ergeben sind. Wenn er Carlos erledigen kann — oder ihn in die Falle locken, damit wir ihn erledigen können — und dann verschwindet, dann hat er es geschafft.«

«Aber Sie sagen, daß er nicht Borowski ist!«

«Ich sagte, daß wir es nicht wissen. Das in der Bank war Borowski, die Unterschriften waren authentisch. Aber ist es jetzt Borowski? Wir werden es in den nächsten Tagen erfahren.«

«Wenn er an die Oberfläche tritt«, fügte Webb hinzu.

«Das ist höchst kompliziert«, fuhr der alte Mann fort.»Es gibt so viele Möglichkeiten. Wenn es nicht Borowski ist — oder wenn man ihn >umgedreht< hat — dann könnte das den Anruf in Ottawa erklären und den Mord am Flughafen. Nach allem, was wir in Erfahrung bringen können, wurden die Erfahrung und das Fachwissen der Frau dazu eingesetzt, das Geld in Paris abzuheben. Carlos brauchte nur ein paar Erkundigungen beim kanadischen Finanzministerium anzustellen. Der Rest wäre für ihn ein Kinderspiel.«

«Könnten Sie ihr eine Nachricht zukommen lassen?«fragte der Major.

«Ich habe es versucht, aber es ist mir nicht gelungen. Ich ließ Mac Hawkins einen Mann anrufen, der eng mit Marie St. Jacques zusammengearbeitet hat. Ein Mann namens Alan Soundso. Er wies sie an, sofort nach Kanada zurückzukehren. Sie hat aufgelegt.«

«Verdammtl« platzte Webb heraus.

«Sie sagen es. Wenn wir es geschafft hätten, sie zurückzuholen, hätten wir viel erfahren können. Sie ist der Schlüssel. Warum ist sie bei ihm? Warum ist er bei ihr? Das leuchtet einfach nicht ein.«

«Mir noch viel weniger!«sagte Stevens, dessen Verblüffung langsam in Ärger überging.»Wenn Sie die Unterstützung des Präsidenten haben wollen, müssen Sie sich schon deutlicher ausdrücken.«

Abbott wandte sich zu ihm.»Vor etwa sechs Monaten verschwand Borowski«, sagte er.»Etwas ist geschehen; wir sind nicht sicher, was. Aber wir können uns einiges zusammenreimen. Er ließ in Zürich wissen, daß er nach Marseille unterwegs sei. Später — zu spät — begriffen wir. Er hatte erfahren, daß Carlos einen Kontrakt gegen Howard Leland akzeptiert hatte, und Borowski versuchte, das zu verhindern. Und dann — plötzlich — verschwand er. Hatte man ihn getötet? War er unter der Anspannung zerbrochen? Hatte er… aufgegeben?«

«Das kann und will ich nicht akzeptieren«, unterbrach Webb ärgerlich.

«Deshalb möchte ich ja, daß Sie sich diese Akte ansehen. Sie kennen seine Codes. Schauen Sie, ob Sie irgendwelche Abweichungen in Zürich feststellen können.«

«Bitte!«unterbrach Stevens.»Was denken Sie denn? Sie müssen doch etwas Konkretes gefunden haben, etwas, worauf man ein Urteil aufbauen kann. Ich brauche das, Mr. Abbott. Der Präsident braucht es.«

«Ich wünschte, ich hätte es«, erwiderte der >Mönch<.»Was haben wir gefunden? Alles und nichts. Fast drei Jahre lang klappte alles vorzüglich. Die Akten geben Aufschluß über alle Informanten, Kontaktpersonen, Quellen. Wir haben ihre Gesichter, ihre Stimmen, ihre Geschichten. Und jeden Monat, jede Woche kommt Cain etwas näher an Carlos heran. Und dann plötzlich, nichts. Schweigen. Sechs Monate Vakuum.«

«Aber jetzt«, widersprach der Mann aus dem Stab des Präsidenten,»ist das Schweigen doch gebrochen worden. Von wem?«

«Das ist eben die grundlegende Frage«, sagte der alte Mann und seine Stimme klang müde.»Monate des Schweigens und dann plötzlich eine solche Geschichte. Ein Millionenbetrug. Ein Mord. Mehrere Morde. Warum nur?«Der Mönch schüttelte müde den Kopf.»Wer ist der Mann draußen?«

Kapitel 20

Die Limousine parkte zwischen zwei Straßenlampem, schräg gegenüber der schweren, mit Schmiedeeisen verzierten Türe der Backsteinvilla. Auf dem Vordersitz saß ein uniformierter Chauffeur; keineswegs ein ungewöhnlicher Anblick auf der von Bäumen gesäumten Straße. Ungewöhnlich war aber die Tatsache, daß sich im Fond zwei weitere Männer aufhielten und keinerlei Anstalten machten, den Wagen zu verlassen. Sie ließen vielmehr den Eingang zu der Backsteinvilla nicht aus den Augen.

Einer der Männer schob sich die Brille zurecht, er hatte Augen, die von Argwohn geprägt schienen, und sah aus wie eine Eule. Alfred Gillette, Leiter der Personalbewertung für den Nationalen Sicherheitsrat, sagte:»Es tut gut, dabei zu sein, wenn Hochmut vor dem Fall kommt. Und noch viel schöner ist es, dabei mitzumischen.«

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