Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
«Das mußt du bitte erklären.«
«Das steht hier, Jason. Glaube mir, wenn ich dir das sage: das steht hier vor unseren Augen.«
«Was denn?«
«Jemand versucht, uns eine Nachricht zukommen zu lassen.«
Kapitel 19
Die Militärlimousine jagte in südlicher Richtung auf dem East River Drive von Manhattan dahin, und ihre Scheinwerfer beleuchteten die durcheinander wirbelnden Flocken eines spätwinterlichen Schneefalles. Der Major auf dem Rücksitz döste, hatte sich in seiner ganzen Länge in die Ecke gezwängt, die Beine schräg im Fond ausgestreckt. Auf seinem Schoß lag eine Aktentasche, an deren Handgriff vermittels eines Metallhakens eine dünne Nylonschnur befestigt war. Die Schnur führte durch seinen rechten Ärmel und unter dem Umformrock bis zu seinem Gürtel. In den letzten neun Stunden war die Sicherheitsschnur nur zweimal abgenommen worden. Einmal während des Abflugs des Majors in Zürich und dann, als er am Kennedy-Airport eintraf. An beiden Orten hatten Beamte der US-Regierung die Zollangestellten beobachtet — genauer gesagt, die Aktentasche beobachtet. Sie kannten nicht die Gründe; sie hatten einfach Anweisung, die Untersuchung zu beobachten; bei der geringsten Abweichung von der üblichen Vorgehensweise — also auffälligem Interesse an der Aktentasche — sollten sie einschreiten. Wenn nötig, mit Waffengewalt.
Plötzlich war ein leises Summen zu hören; der Major riß die Augen auf und hob die linke Hand vors Gesicht. Das Geräusch kam aus seiner Armbanduhr; er drückte den Knopf und sah mit zusammengekniffenen Augen auf das zweite Zifferblatt des auf zwei Zeitzonen ausgelegten Chronometers. Das erste Zeigerpaar war auf Züricher Zeit eingestellt, das zweite auf New Yorker; der Alarm war vor vierundzwanzig Stunden eingestellt worden, als der Offizier seine telegrafischen Anweisungen erhalten hatte. Die Sendung würde innerhalb der nächsten drei Minuten kommen. Das heißt, dachte der Major, sie würde dann kommen, wenn Eisenarsch ebenso präzise war, wie er das von seinen Untergebenen erwartete. Der Offizier streckte sich, balancierte dabei die Aktentasche auf den Knien und beugte sich nach vorne, um zu dem Fahrer etwas zu sagen.»Sergeant, schalten Sie den Zerhacker auf 1430 Megahertz, bitte.«»Yes, Sir. «Der Sergeant legte zwei Schalter unter dem
Armaturenbrett um und drehte die Skala dann auf die Frequenz 1430.»Eingestellt, Major.«
«Danke. Reicht das Mikrophon bis nach hinten?«
«Das weiß ich nicht. Habe ich nie versucht, Sir. «Der Fahrer nahm das kleine Plastikmikrophon vom Haken und streckte die Spiralschnur über den Sitz.»Müßte gehen«, meinte er dann.
Ein Knacken kam aus dem Lautsprecher, während der Zerhacker elektronisch die Frequenz abtastete und in ihre Bestandteile zerlegte. Die Nachricht würde binnen weniger Sekunden eintreffen. Das tat sie.
«Treadstone? Treadstone, bitte melden.«
«Treadstone auf Empfang«, sagte Major Gordon Webb.»Empfang klar. Sprechen, bitte.«
«Melden Sie Ihre Position!«
«Etwa eine Meile südlich der Triborough, East River Drive«, sagte der Major.
«Ihr Timing ist akzeptabel«, sagte die Stimme aus dem Lautsprecher.
«Das freut mich zu hören. Macht mich glücklich… Sir.«
Eine kurze Pause, offenbar wußte die Stimme auf der anderen Seite mit der Bemerkung des Majors nichts anzufangen.»Fahren Sie nach 139 East Seventy-first. Bestätigen Sie.«
«Eins-drei-neun East Seventy-first.«
«Lassen Sie Ihr Fahrzeug außerhalb. Gehen Sie zu Fuß.«
«Verstanden.«
«Ende.«
«Ende. «Webb schob den Sendeknopf zurück und reichte das Mikrophon wieder dem Fahrer.»Vergessen Sie die Adresse, Sergeant. Ihr Name ist jetzt registriert.«
«Kapiert, Major. Ich kriege über den Kasten ohnehin bloß Störungen rein. Aber, da ich nicht weiß, wo es ist, und diese Kiste auch nicht dahin soll — wo soll ich Sie denn rauslassen?«
Webb lächelte.»Höchstens zwei Blocks entfernt. Ich würde im Rinnstein einschlafen, wenn ich weiter gehen müßte.«
«Wie war's mit der Lex und der Einundsiebzigsten?«
«Sind das zwei Blocks?«
«Höchstens drei.«
«Wenn es drei Blocks sind, sind Sie wieder gewöhnlicher Schütze.«
«Dann könnte ich Sie nachher nicht abholen, Major. Gewöhnliche Schützen sind für diesen Dienst nicht freigegeben.«
«Wie Sie meinen, Captain. «Webb schloß die Augen. Nach zwei Jahren sollte er Treadstone Seventy-One zum erstenmal persönlich zu Gesicht bekommen. Er wußte, daß das eigentlich ein Gefühl der Erwartung in ihm auslösen sollte; aber das tat es nicht. Es löste nur Müdigkeit und ein Gefühl der Sinnlosigkeit in ihm aus. Was war los?
Das beständige Dröhnen der Reifen auf dem Straßenpflaster wirkte hypnotisch, aber es kam immer wieder zu kurzen Stößen, wenn der Wagen über ein Schlagloch rollte. Diese Geräusche erweckten Erinnerungen an die Vergangenheit in ihm, Erinnerungen an kreischende Dschungelgeräusche, die in eine einzige Melodie verwoben waren. Und dann die Nacht — jene Nacht — in der rings um ihn blendende Lichter und ein Stakkato von Explosionen war, um ihn und unter ihm und ihm meldeten, daß er gleich sterben würde. Aber er starb nicht; ein Wunder in Gestalt eines Mannes hatte ihm sein Leben zurückgegeben… und die Jahre gingen weiter seit jener Nacht, aber er würde jene Tage nie vergessen. Was zum Teufel war los mit ihm?
«Hier sind wir, Major.«
Webb schlug die Augen auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er sah auf die Uhr, griff nach seiner Aktentasche und mit der anderen Hand nach der Türklinke.
«Ich werde zwischen dreiundzwanzig Uhr und dreiundzwanzig Uhr dreißig hier sein, Sergant. Wenn Sie nicht parken können, fahren Sie einfach ein paarmal um den Block, dann finde ich Sie schon.«
«Yes, Sir. «Der Fahrer drehte sich in seinem Sitz herum.»Könnten Herr Major mir sagen, ob wir noch eine größere Strecke fahren?«
«Warum? Haben Sie noch eine Fahrt zu machen?«
«Ach kommen Sie, Sir. Ich bin Ihnen zugewiesen, bis Sie sagen, daß Sie mich nicht mehr brauchen. Das wissen Sie doch. Aber diese gepanzerten Kästen brauchen genausoviel Benzin wie die alten Shermans. Wenn wir weit fahren müssen, sollte ich tanken.«
«Entschuldigung. «Der Major hielt inne.»Okay. Sie müssen ohnehin ausfindig machen, wo es ist, weil ich es nämlich nicht weiß. Wir fahren zu einem Privatflugplatz in Madison, New
Jersey. Ich muß spätestens um ein Uhr dort sein.«
«Ich kann es mir ungefähr vorstellen«, sagte der Fahrer.»Wenn Sie erst um halb zwölf Uhr kommen, wird das ziemlich knapp, Sir.«
«Okay — also elf Uhr. Und vielen Dank. «Webb stieg aus, schloß die Tür und wartete, bis die braune Limousine sich in den Verkehrsfluß der Zweiundsiebzigsten Straße eingereiht hatte. Dann ging er in südlicher Richtung auf die Einundsiebzigste zu.
Vier Minuten später stand er vor einem gepflegten Backsteinbau, dessen eleganter Stil sich dem der anderen Häuser in der von Bäumen gesäumten Straße anpaßte. Es war eine stille Straße, eine, die nach Geld roch — altem Geld. Wahrscheinlich gab es in ganz Manhatten keinen Ort, an dem man weniger eine der empfindlichsten Abwehrorganisationen im ganzen Land vermutet hätte. Und bis vor zwanzig Minuten war Major Gordon Webb einer unter acht oder zehn Leuten im ganzen Land gewesen, die von ihrer Existenz wußten.
Treadstone Seventy-One.
Er ging die Treppe hinauf und wußte, daß der Druck, den sein Gewicht auf die Eisengitter ausübte, die in den Stein eingelassen waren, elektronische Geräte ansprechen ließ, die ihrerseits Kameras einschalteten, die auf Bildschirmen im Haus sein Bild wiedergaben. Darüber hinaus wußte er wenig, nur daß Treadstone Seventy-One nie schloß; es arbeitete vierundzwanzig Stunden am Tage und wurde während der vierundzwanzig Stunden von einigen wenigen überwacht, deren Identität unbekannt war.