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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Sie können ihn nicht leiden, was?«sagte Gillettes Begleiter, ein breitschultriger Mann in einem schwarzen Regenmantel, dessen schwerer Akzent darauf hindeutete, daß seine Muttersprache der slawischen Sprachenfamilie angehört haben mußte.

«Ich verabscheue ihn. Er verkörpert für mich alles, was ich in Washington hasse. Die richtigen Schulen, Häuser in Georgetown, Farmen in Virginia, stille Zusammenkünfte in den richtigen Clubs. Die haben ihre kleine, abgeschlossene Welt, und man bekommt keinen Zugang dazu — es ist ihre Welt. Diese Schweine. Die überlegene, aufgeblähte Elite von Washington. Sie nutzen den Intellekt und die Arbeit anderer Menschen aus, um davon zu profitieren und die Nase über sie zu rümpfen.«

«Sie übertreiben«, sagte der Europäer, ohne den Blick von der Villa zu wenden.»Sie haben es ja auch zu etwas gebracht. Sonst hätten wir nie Kontakt mit Ihnen aufgenommen.«

Gillette blickte finster.»Ich habe es zu etwas gebracht, weil ich vielen Leuten wie David Abbott unersetzlich geworden bin. Ich trage tausend Fakten im Kopf, an die die sich unmöglich erinnern können. Für die ist es einfach bequemer, mich an der Stelle unterzubringen, wo die Fragen gestellt werden, wo die Probleme Lösungen brauchen. Leiter der Personalbewertung! Diesen Titel, diesen Posten haben die für mich geschaffen. Wissen Sie warum?«

«Nein, Alfred«, erwiderte der Europäer und sah auf die Uhr.

«Weil die nicht die Geduld haben, Stunden damit zu verbringen, sich Tausende von Lebensläufen und Akten anzusehen. Die dinieren lieber im >Sans Souci< oder protzen vor Senatsausschüssen, indem sie Berichte verlesen, die andere vorbereitet haben — jene Unsichtbaren, Unbekannten, die für sie die Dreckarbeit machen.«

«Sie sind verbittert«, sagte der Europäer.

«Ja, und zwar mehr als Sie ahnen. Ein ganzes Leben lang haben mich diese Schweine ausgenützt. Und wofür? Für einen Titel und gelegentlich ein Mittagessen, bei dem man versucht hat, mich während der Vorspeise und dem Hauptgang auszufragen! Kerle, wie dieser arrogante David Abbott, die ohne jemand wie mich überhaupt nichts sind.«

«Sie sollten den >Mönch< nicht unterschätzen, Carlos tut das auch nicht.«

«Wie könnte er das auch? Er weiß nicht, wie der Hase läuft. Alles, was Abbott tut, wird streng geheimgehalten; niemand weiß, wie viele Fehler er gemacht hat. Und kommt einer ans Licht, gibt man Männern wie mir die Schuld dafür.«

Der Europäer wandte den Blick vom Fenster zu Gillette.»Sie sind sehr emotional, Alfred«, sagte er kühl.»Sie sollten da vorsichtiger sein.«

Der Bürokrat lächelte.»Bis jetzt hat das noch nie gestört. Ich glaube, meine Arbeit beweist das. Wie sieht das denn mit Ihnen aus?«

«Meine Motive sind keine komplizierten. Ich komme aus einem Land, wo gebildete Menschen nach den willkürlichen Ansichten von Schwachköpfen befördert werden, die nichts anderes können, als die marxistische Litanei auswendig herunterbeten. Carlos wußte auch, was er suchen mußte.«

Gillette lachte, und seine ausdruckslosen Augen leuchteten beinahe.»Wir sind doch gar nicht so verschieden. Sie brauchen bloß anstelle unseres Establishments Marx zu nehmen und schon haben Sie eine Parallele.«

«Mag sein«, nickte der Europäer und sah wieder auf die Uhr.»Jetzt müßte er gleich kommen. Abbott nimmt immer die Mitternachtsmaschine; schließlich hat er in Washington einen vollen Terminkalender.«

«Sie sind sicher, daß er alleine ist?«

«Das ist er immer, mit Elliot Stevens läßt er sich bestimmt nicht sehen. Webb und Stevens werden ebenfalls getrennt weggehen; meistens im Abstand von zwanzig Minuten.«

«Wie haben Sie Treadstone gefunden?«

«Das war gar nicht so schwierig. «Der Mann lachte, ohne den Blick von der Villa zu wenden.»Cain hatte Medusa verlassen, das haben Sie uns gesagt, und wenn Carlos' Verdacht zutrifft, deutete das auf den >Mönch<, das wußten wir, das war die Verbindung zwischen ihm und Borowski. Carlos hat uns instruiert, Abbott rund um die Uhr zu überwachen; irgend etwas war schiefgelaufen. Nach der Sache in Zürich wurde Abbott unvorsichtig. Wir folgten ihm hierher. Es war einzig und allein eine Frage der Hartnäckigkeit.«

«Und die hat Sie auch nach Kanada geführt? Zu dem Mann in Ottawa?«

«Der Mann in Ottawa hat sich dadurch verraten, daß er Treadstone suchte. Als wir erfuhren, wer die Frau war, ließen wir das Finanzministerium überwachen, ihre Abteilung. In einem Anruf aus Paris forderte sie ihn auf, Untersuchungen anzustellen. Wir wissen nicht warum, aber wir vermuten jedenfalls, daß Borowski versuchen will, Treadstone zu sprengen. Wenn er eine Kehrtwendung vollzogen hat, ist das eine Möglichkeit, auszusteigen und das Geld zu behalten. Plötzlich wurde diesem Abteilungsleiter, von dem niemand außerhalb der kanadischen Regierung je gehört hatte, zu einem Problem von höchster Priorität. Überall gingen Communiques über die Drähte. Das bedeutete, daß Carlos recht hatte; daß Sie recht hatten, Alfred. Es gibt keinen Cain. Er ist eine Erfindung, eine Falle.«

«Das habe ich Ihnen von Anfang an gesagt«, nickte Gillette.

«Ohne Zweifel die genialste Schöpfung des >Mönchs<, «sinnierte der Europäer.»Bis etwas passierte, und die Schöpfung eine Kehrtwendung vollzog. Jetzt wird ihnen die Sache brenzlig.«

«In Ottawa wurde nämlich der Verdacht geäußert, daß ein Abteilungsleiter im Schatzamt von der amerikanischen Abwehr getötet worden wäre.«

Zwei Scheinwerferbalken stachen plötzlich durch die Windschutzscheibe.»Abbotts Taxi ist hier. Ich kümmere mich um den Fahrer. «Der Europäer griff nach rechts und legte einen Schalter unter der Armstütze um.»Ich werde auf der anderen Straßenseite in meinem Wagen sitzen und zuhören. «Er wandte sich an den Chauffeur.»Abbott kommt jetzt jeden Augenblick heraus. Sie wissen, was Sie zu tun haben.«

Der Chauffeur nickte. Beide Männer stiegen gleichzeitig aus der Limousine. Der Fahrer ging um die Motorhaube herum, als wolle er seinen Chef auf die andere Straßenseite geleiten. Gillette blickte durchs Rückfenster hinaus; die beiden Männer blieben noch ein paar Sekunden beisammen, dann trennten sie sich, und der Europäer ging auf das herannahende Taxi zu, die Hand erhoben, einen Geldschein zwischen den Fingern. Das Taxi würde weggeschickt werden, man brauchte es nicht mehr. Der Chauffeur war inzwischen auf die andere Straßenseite gerannt und hielt sich jetzt im Schatten einer Treppe verborgen.

Dreißig Sekunden später wanderte Gillettes Blick zur Tür der Backsteinvilla. Licht drang ins Freie, als ein ungeduldiger David Abbott herauskam und die Straße hinauf- und hinunterblickte, auf die Uhr sah, offensichtlich verärgert. Das Taxi verspätete sich, und er mußte ein Flugzeug erreichen; mußte präzise Terminpläne einhalten. Abbott ging die Stufen hinunter, bog auf dem Pflaster nach links, hielt Ausschau nach dem Taxi. Binnen Sekunden würde er an dem Chauffeur vorbeikommen. Als er das tat, waren beide Männer außerhalb des Sichtwinkels der Kamera.

Es ging ganz schnell, und binnen weniger Sekunden stieg ein etwas verwirrter David Abbott in die Limousine, während der Chauffeur sich im Schatten entfernte.

«Sie!«sagte der >Mönch<, und aus seiner Stimme klang Ärger und eine Spur von Ekel.»Ausgerechnet Sie.«

«Ihr arrogantes Gehabe, Sie Narr, wird Ihnen gleich vergehen…«, drohte der andere.

«Wie können Sie es wagen. Zürich. Die Medusa-Akte. Sie waren das!«

«Die Medusa-Akten, ja. Zürich, ja. Aber es kommt nicht auf das an, was ich getan habe, es geht um das, was Sie getan haben. Wir haben unsere eigenen Leute nach Zürich geschickt und ihnen gesagt, wonach sie Ausschau halten sollen. Und es hat geklappt, Borowski heißt er, nicht wahr? Er ist der Mann, den Sie Cain nennen. Der Mann, den Sie erfunden haben.«

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