Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
Sie drückte die Hände gegen seine Brust, versuchte, ihn von sich zu schieben. Und ihr von Tränen überströmtes Gesicht bettelte:»Warum, Jason? Warum?«
«Später. Nicht jetzt. Sag gar nichts. Halt mich nur fest; laß mich dich festhalten.«
Die Minuten verstrichen, ihre Hysterie verging, und sie beide konnten wieder klare Gedanken fassen. Borowski führte sie zum Stuhl; ihr Ärmel verfing sich in den Spitzen. Dann lächelten sie beide, und er kniete neben ihr nieder und hielt schweigend ihre Hand.
«Wie wär's mit einem Drink?«sagte er schließlich.
«Ja, bitte«, erwiderte sie, und der Druck ihrer Hand auf der seinen verstärkte sich, als er aufstand.»Du hast ihn schon vor einer Weile eingeschenkt.«
«Das macht nichts. «Er ging zu der Kommode und kam mit zwei Gläsern zurück, die zur Hälfte mit Whisky gefüllt waren. Sie nahm das ihre.»Fühlst du dich jetzt besser?«fragte er.
«Ruhiger. Zwar immer noch verwirrt… und verängstigt natürlich. Vielleicht auch ärgerlich, ich weiß nicht genau. Ich habe zu viel Angst, um darüber nachzudenken. «Sie trank, schloß die Augen, legte den Kopf gegen die Stuhllehne.»Warum hast du das getan, Jason?«
«Um dich zu schützen.«
«Schützen — «
Er hob die Hand, unterbrach sie.»Das kommt später. Alles, wenn du willst. Aber zuerst müssen wir wissen, was geschehen ist — nicht mir — sondern dir. Dort müssen wir beginnen. Kannst du das?«
«Die Zeitung.«
«Ja.«
«Hier. «Jason ging zu dem Bett, auf das er die beiden Zeitungen hatte fallen lassen.
Sie lasen den langen Artikel schweigend. Hie und da stöhnte Marie auf, schockiert von dem, was sie las; dann schüttelte sie wieder ungläubig den Kopf. Borowski sagte nichts. Er sah die Hand von IIjitsch Ramirez Sanchez. Carlos wird Cain bis zum Ende der Welt folgen. Carlos wird ihn töten. Marie St. Jacques war überflüssig, ein Köder, der in der Falle sterben würde, die Cain fing.
Ich bin Cain. Ich bin der Tod.
Der Artikel bestand in Wirklichkeit aus zwei Artikeln — ein seltsames Gemisch aus Fakten und Vermutungen, das mit Spekulationen aufwartete, wo greifbare Beweise fehlten. Zuerst wurde eine Angestellte der kanadischen Regierung vorgestellt, eine Volkswirtschaftlerin namens Marie St. Jacques. Sie war am Schauplatz zweier Morde gewesen, die kanadische Regierung bestätigte ihre Fingerabdrücke. Ferner fand die Polizei einen Hotelschlüssel des >Carillon du Lac<, der offensichtlich während des Geschehens am Mythen-Quai verlorengegangen war. Es war der Schlüssel zum Zimmer von Marie St. Jacques, den der Hotelangestellte ihr gegeben hatte, ein Angestellter, der sich gut an sie erinnerte — an einen Gast in einem Zustand höchster Verwirrung und Angst. Das letzte Beweisstück war eine Pistole, die man unweit der Brauerstraße gefunden hatte, in einer Seitengasse nahe dem Schauplatz zweier weiterer Morde. Die Ballistikfachleute hielten sie für die Mordwaffe. Sie trug die Fingerabdrücke von Marie St. Jacques. An diesem Punkt wich der Artikel von den Tatsachen ab. Er berichtete von Gerüchten in der Bahnhofstraße, daß viele Millionen Dollar gestohlen worden wären, und zwar ein Computerverbrechen, ein vertrauliches Nummernkonto, das einer amerikanischen Firma gehörte, die sich Treadstone Seventy-One nannte. Auch die Bank wurde genannt; natürlich die Gemeinschaftsbank. Aber alles andere war nebulös, obskur, eher Spekulation als Tatsachen.
Nach namentlich nicht bekannten Gewährsleuten hatte ein Amerikaner, der im Besitze der entsprechenden Codes auftrat, Millionen an eine Bank in Paris überwiesen, und das neue Konto Personen zugänglich gemacht, die bereits in Paris warteten und die Millionen sofort nach Eintreffen abhoben und verschwanden. Der Erfolg der Operation ging darauf zurück, daß der Amerikaner sich die richtigen Codes für das Konto in Zürich beschafft hatte, etwas, das ihm nur dadurch möglich war, daß er die Nummernsequenz der Bank ausfindig machte, die Jahr, Monat und Tag der Einzahlung ausdrückte — die übliche Vorgehensweise für geheime Konten. Eine solche Analyse war nur durch Einsatz komplizierter Computertechniken und gründliches Wissen um Schweizer Bankpraktiken möglich. Auf Befragen bestätigte ein leitender Angestellter der Bank, Herr Walther Apfel, daß Nachforschungen über die amerikanische Firma eingeleitet worden seien, aber gemäß Schweizer Gesetz >würde die Bank keine weiteren Kommentare abgeben<.
An dieser Stelle wurde die Verbindung zu Marie St. Jacques offensichtlich. Sie wurde als Volkswirtschaftlerin in Regierungsdiensten geschildert, die man in den internationalen Bankgepflogenheiten ausgebildet hatte, und die darüber hinaus Erfahrung als Computerprogrammiererin hatte. Man argwöhnte, daß sie eine Komplizin des Täters wäre, deren spezielle Erfahrung für den Coup notwendig gewesen sei. Einen männlichen Verdächtigen, hieß es, hätte man in ihrer Gesellschaft im >Carillon du Lac< gesehen.
Marie hatte den Artikel zu Ende gelesen und ließ die Zeitung zu Boden fallen. Auf das Geräusch hin blickte Borowski auf. Sie starrte die Wand an und wirkte plötzlich seltsam ruhig. Er war über ihre Reaktion erstaunt und las schnell zu Ende. Einen Augenblick lang war er sprachlos. Dann fand er seine Stimme wieder und sagte:
«Lügen, die man meinetwegen verbreitet hat. Die wollen dich ausräuchern, um mich zu finden. Es tut mir leid. Ich bin schuld.«
Marie wandte den Blick von der Wand und sah ihn an.»Die Gründe gehen tiefer, Jason«, sagte sie.»Alles enthält ein Quentchen Wahrheit, das bewußt verdreht wurde.«
«Wahrheit? Das einzige, das stimmt ist, daß du in Zürich warst. Du hast nie eine Pistole berührt, du warst nie in einer Seitengasse in der Nähe der Brauerstraße. Du hast keinen Hotelschlüssel verloren, du warst nie in der Gemeinschaftsbank.«
«Richtig, aber das ist nicht die Wahrheit, von der ich spreche.«
«Was ist es dann?«
«Die Gemeinschaftsbank, Treadstone Seventy-One, Apfel. Das ist die Wahrheit, und die Tatsache, daß man das erwähnt— insbesondere die Aussage Apfels — ist unglaublich. Schweizer Bankiers sind vorsichtige Leute. Sie machen sich nicht über die Gesetze lustig, nicht auf diese Art; dazu sind die Gefängnisstrafen zu streng. Die Statuten, die die Vertraulichkeit der Bankgeschäfte schützen, sind heilig in der Schweiz. Apfel könnte auf Jahre ins Gefängnis wandern, für das, was hier steht, auch nur die Andeutung, daß es ein solches Konto gibt, geschweige denn, daß er Namen nennt, ist strafbar. Es sei denn, eine Autorität, die stark genug war, um die Gesetze zu umgehen, hat ihn dazu gezwungen. «Sie hielt inne, und ihre Augen wanderten wieder zur Wand.»Warum? Warum hat man die Gemeinschaftsbank, Treadstone oder Apfel in die Geschichte hineingezogen?«
«Das habe ich dir doch gesagt. Sie wollen mich, und sie wissen, daß wir zusammen sind. Carlos weiß, daß wir zusammen sind. Wenn er dich findet, hat er auch mich gefunden.«
«Nein, Jason, das hat mit Carlos nichts mehr zu tun. Du kennst die Gesetze in der Schweiz wirklich nicht. Nicht einmal ein Carlos könnte erreichen, daß man sich so über sie hinwegsetzt. «Sie sah ihn an, aber ihre Augen sahen nicht ihn, sie blickte jetzt in ihre eigenen Nebel.»Das ist nicht nur eine Geschichte, das sind zwei. Beide sind aus Lügen aufgebaut, und die erste ist durch nebulöse Spekulation mit der zweiten verbunden — einer Spekulation über eine Bankkrise, die nie das Licht der Öffentlichkeit erblickte, solange nicht eine gründliche und sorgfältige Untersuchung die Fakten bewiesen hätte. Und die andere Geschichte — jene offenkundig falsche Aussage, daß der Gemeinschaftsbank Millionen gestohlen worden waren — ist an die ebenso falsche Geschichte angehängt, daß man mich wegen Mordes an drei Männern in Zürich sucht. Man hat sie hinzugefügt, absichtlich.«