Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
Der letzte Satz war unfair — er würde sie nie erreichen —, aber die kleine, gefiederte Hoffnung mußte da sein und wäre es nur, um dafür zu sorgen, daß sie tatsächlich das Flugzeug nach Ottawa bestieg. Mit der Zeit würden ihre gemeinsamen Wochen zu einem dunkel gehüteten Geheimnis verblassen, so wie eine kostbare Kette von Juwelen, die man in stillen Augenblicken herausholte und berührte. Irgendwann würde es vorbei sein, denn man lebte das Leben in aktiven Erinnerungen; die schlafenden verloren ihre Bedeutung.
Niemand wußte das besser als er.
Er ging durch das Vestibül, nickte dem Portier zu, der hinter der Marmortheke auf seinem Hocker saß und eine Zeitung las. Der Mann blickte kaum auf, registrierte nur, daß der Eindringling hierher gehörte.
Die Liftkabine polterte und ächzte ins fünfte Stockwerk. Jason atmete tief und griff nach der schmiedeeisernen Lifttüre; in allererster Linie mußte vermieden werden, die Szene zu dramatisieren — weder durch Worte noch durch Blicke. Er wußte, was er sagen mußte; er hatte sorgfältig darüber nachgedacht, ebenso sorgfältig wie über den Brief, den er schreiben würde.
«Den größten Teil der Nacht herumgelaufen«, sagte er und hielt sie an sich gedrückt. Er strich über ihr dunkelrotes Haar, spürte ihren Kopf an seiner Schulter…. und litt,»hinter fahlgesichtigen Angestellten hergelaufen, mir Unsinn angehört und Kaffee getrunken, der wie Spülwasser schmeckte. Les Classiques war Zeitvergeudung; das ist der reinste Zoo. Die Affen und die Pfauen haben eine grandiose Schau abgezogen, aber ich glaube nicht, daß irgend jemand dort etwas weiß. Die Möglichkeit besteht natürlich. Es gibt dort einen Mann, der an der Telefonzelle sitzt, aber ebensogut ein cleverer Franzose sein kann, der sich einfach einen Amerikaner, den er ausnehmen kann, als Opfer sucht. Ich will mich mit ihm gegen Mitternacht am Bastringue an der Rue Hautefeuille treffen.«
«Was hat er gesagt?«
«Sehr wenig, aber genug, um mein Interesse zu wecken. Ich sah, daß er mich beobachtete, während ich Fragen stellte. Der Laden war ziemlich voll, und ich konnte mich daher einigermaßen frei bewegen und mit den Angestellten sprechen.«
«Fragen? Was für Fragen hast du denn gestellt?«
«Alles, was mir in den Sinn kam. Hauptsächlich über die Geschäftsführerin oder wie man sie nennt. In Anbetracht dessen, was heute nachmittag geschah, hätte sie — wenn sie eine Verbindungsperson zu Carlos ist — fast hysterisch sein müssen. Ich habe sie gesehen. Sie war keineswegs hysterisch; sie verhielt sich völlig normal.«
«Aber d'Amacourt glaubt, daß sie eine Verbindungsperson ist, wie du das nennst.«
«Indirekt. Sie bekommt einen Anruf, wo sie Instruktionen erhält. «Tatsächlich, dachte Jason, beruhte die von ihm erfundene Einschätzung der Situation auf Wirklichkeit. Jacqueline Lavier war eine indirekte Verbindungsperson.
«Du konntest doch nicht einfach herumgehen und Fragen stellen, ohne Argwohn zu erwecken«, wandte Marie ein.
«Doch das kann man«, antwortete Borowski,»wenn man amerikanischer Journalist ist und für ein bekanntes Magazin einen Artikel über die Geschäfte an der Rue Saint-Honore schreibt.«
«Das ist raffiniert, Jason.«
«Es hat funktioniert. Alle waren ganz wild darauf.«
«Was hast du erfahren?«
«Nun, Les Classiques hat wie die meisten Geschäfte dieser Art seinen eigenen Kundenkreis, alles wohlhabende Leute, die sich untereinander meistens kennen. Da gibt es natürlich auch die üblichen Intrigen und Heimlichkeiten, die in dieser Szene auf der Tagesordnung stehen. Hauptsächlich dieser Bergeron und die Geschäftsführerin scheinen Schlüsselfiguren zu sein. Nach allem, was ich erfahren habe, ist sie geradezu eine Fundgrube für gesellschaftliche Informationen.«
«Warum gehst du eigentlich heute nacht nach Bastringue?«
«Als ich hinausgehen wollte, kam Bergeron auf mich zu und sagte etwas sehr Seltsames. «Diesen Teil der Lüge brauchte Jason nicht zu erfinden. Er hatte die Worte vor nicht einmal einer Stunde in einem eleganten Restaurant in Argenteuil auf einem Zettel gelesen.»Er hat gesagt, >mag sein, daß Sie sind, was Sie vorgeben, vielleicht aber auch nicht<. Und dann schlug er mir vor, später gemeinsam einen Drink zu nehmen, aber nicht in der Rue Saint-Honore. «Borowski sah, wie ihre Zweifel zerstreut wurden. Er hatte es geschafft; sie akzeptierte sein Lügengeflecht. Und warum auch nicht? Er war ein Mann von außergewöhnlicher Geschicklichkeit und höchst erfinderisch. Schließlich hieß er ja Cain.
«Vielleicht ist er es, Jason. Du hast doch gesagt, du brauchtest nur einen; er könnte es sein!«
«Wir werden sehen. «Borowski sah auf die Uhr. Der Countdown für seinen Abgang hatte begonnen; er konnte jetzt nicht mehr zurück.»Wir haben fast zwei Stunden Zeit. Wo hast du den Aktenkoffer hingebracht?«
«Ins >Meurice<! Ich bin dort eingetragen.«
«Holen wir ihn uns und gehen wir essen. Du hast doch Hunger?«
«Nein…«Marie sah ihn verwirrt an.»Warum lassen wir den Koffer nicht, wo er ist? Dort ist er doch in Sicherheit.«
«Und was ist, wenn wir schnell verschwinden müssen«, sagte er beinahe brüsk und ging zu der Kommode. Er durfte nicht die Gewalt über sich verlieren. Die Spuren von Gereiztheit, die sich langsam in seine Wort einschlichen, mußte er sich abgewöhnen. Sie würde später genug Zeit haben, alles zu begreifen, wenn sie seine Worte las.»Es ist vorbei, ich habe meine Pfeile gefunden….«
«Was ist denn, Darling?«
«Nichts. «Das Chamäleon lächelte.»Ich bin nur müde und vielleicht ein wenig enttäuscht.«
«Du lieber Gott, warum denn? Ein Mann will sich mitten in der Nacht vertraulich mit dir treffen. Ein Mann, der eine Telefonzentrale bedient. Er könnte dich weiterbringen. Du bist doch überzeugt, daß diese Frau eine Kontaktperson von Carlos ist; sie muß dir doch irgend etwas sagen können, ob sie nun will oder nicht. Ich hätte gedacht, daß du auf eine makabre Weise glücklich sein müßtest.«
«Ich bin nicht sicher, ob ich das erklären kann«, sagte Jason und sah ihr Bild im Spiegel.»Du müßtest als Frau verstehen, was ich dort gefunden habe.«
«Was du gefunden hast?«
«Was ich gefunden habe. Es ist eine andere Welt«, fuhr Borowski fort und griff nach der Scotchflasche und einem Glas,»andere Leute. Diese Welt ist weich und schön und frivol, mit unzähligen winzigen Scheinwerfern und dunklem Samt. Nichts wird dort ernst genommen, nur Klatsch und Wohlleben. Jeder einzelne dieser unwirklichen Leute — jene Frau eingeschlossen — könnte eine Kontaktperson für Carlos sein, ohne es überhaupt zu wissen, ja es auch nur zu vermuten. Ein Mann wie Carlos könnte solche Leute benutzen; das würde wahrscheinlich jeder tun, ich eingeschlossen… Es ist deprimierend.«
«Nein, es ist unvernünftig. Solche Leute treffen im allgemeinen sehr überlegte Entscheidungen. Das ist der Preis für den Wohlstand, von dem du sprichst. Aber ich glaube, daß du wirklich müde bist und hungrig und einen Drink brauchst. «Sie ging auf das Badezimmer zu.»Ich mach' mich ein wenig frisch, dann können wir gehen. Trink einen Schluck, Darling. Es tut dir gut.«
«Marie?«
«Ja?«
«Du mußt versuchen, das zu verstehen. Was ich dort fand, hat mich beunruhigt. Ich dachte nicht, daß es so schwierig sein würde.«
«Während du unterwegs warst, habe ich gewartet, Jason. Ich wußte nicht, wo du steckst. Das war auch nicht schön.«
«Ich dachte, du rufst in Kanada an. Hast du das nicht getan?«
Sie blieb stehen.»Nein«, sagte sie.»Es war schon zu spät.«
Dann schloß sich die Badezimmertür hinter ihr; Borowski ging zum Schreibtisch. Er zog die Schublade auf, entnahm ihr ein Blatt Hotelbriefpapier, griff nach dem Kugelschreiber und schrieb: