Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Wir haben die nachgemachten Drachenlanzen«, unterbrach Bennett. »Laß sie uns für einen letzten Ausfall benutzen. Wenn der Feind verwirrt ist, können wir mit ein paar von ihnen zumindest Zeit gewinnen.«
Fürst Oswal betrachtete brummend die Lanzen der Reiter.
»Ich finde, daß den ganzen Tag nur Wahnsinn herrscht, aber wenn es keine anderen Vorschläge gibt, werden wir den geschichtsträchtigen Ausfall, auf den mein Neffe so aus ist, mit einer gut organisierten Suche und einem Angriff auf Galan Drakos’ Burg verbinden.« Er schaute sich um. Keiner, nicht einmal Lord Avontal, der Kleriker und erfahrene Veteran, konnte gegen diese selbstmörderische Strategie etwas einwenden.
Oswal schüttelte den Kopf. »Wenn man sich überhaupt an mich erinnern wird, dann werde ich der verfluchte Großmeister sein, der seine Männer auf die Schlachtbank schickte.«
Ein Horn ertönte.
»Sie haben die erste Welle ausgemacht«, sagte jemand besorgt. Plötzlich rannten überall Ritter herum. Pferde wurden gesattelt und herausgeführt. Die Ritter stellten sich Reihe um Reihe auf. Pikeniere, Lanzenkämpfer, Bogenschützen – jeder einzelne bemühte sich, daß in dieser Stunde der Gefahr kein Durcheinander entstand.
»Als erstes die Fußsoldaten mit den Lanzen!« brüllte der Großmeister einem seiner Berater zu. Der Mann salutierte eilig und lief zu den Knappen, die davon betroffen waren.
Huma wollte die restlichen Krieger mit Drachenlanzen in Schlachtformation aufstellen, doch Fürst Oswal hielt ihn zurück. »Nein. Wenn du durchbrechen willst, mußt du losfliegen, während die Drachen beschäftigt sind.«
»Aber die Bodentruppen…«
»Werden so viel Schutz wie möglich von den Drachen bekommen. Ich – «
Wieder erklang das Horn, diesmal mit einem anderen Signal.
»Was im Namen Kiri-Jolits soll das?« Der Großmeister und die anderen eilten nach vorne, wo Fürst Falkenauge das Oberkommando hatte.
»Fürst Falkenauge.« Der Kommandoritter des Ordens der Krone fuhr herum.
»Großmeister, sie haben in Sichtweite angehalten. Sogar die Drachen sind zurückgeblieben. Es ist, als würden sie auf etwas warten. Ich habe alle Mann in Bereitschaft versetzt.«
»Sehr gut.« Huma hielt den Atem an, bis die Anspannung im Gesicht des Großmeisters nachließ. »Sie wollen uns nervös machen. Sie wollen, daß wir hinausstürmen und sie angreifen. Völlig hohlköpfig. Lassen wir sie ein bißchen schmoren. Lassen wir sie doch warten. Wenn Galan Drakos oder seine Herrin die Geduld verlieren, sind wir am Zug.«
Ein goldener Drache flatterte von seinem Ausguck in den Hof hinunter. Er war alt, selbst für einen Drachen, und seine Haut war rissig und von alten Kampfnarben übersät. Seine Gestalt verriet jedoch keine Schwäche.
»Ich habe den anderen dein Angebot mitgeteilt.« Die Stimme war tief und grollend, ähnlich wie die des Erdelementars, der Magus gedient hatte.
Die Ritter wurden still.
Fürst Oswal hatte gezögert, doch jetzt fragte er: »Und wie lautet ihre Antwort?«
Der Drache warf ihm einen Blick zu, der eindeutig ein ›Hab’-ich’s-nicht-gesagt?‹ ausdrückte. »Wir werden euch nicht im Stich lassen. Ohne Burg Vingaard kann keine Garnison standhalten. Hier ist der Ort der Entscheidung. Wenn Vingaard fällt, fällt auch Ergod und danach die Länder der Elfen und der Zwerge. Dann unterwirft die Königin alles.«
»Ich wollte nur Paladins Sache weitergeführt wissen, falls wir hier versagen.«
»Die Sache des Guten wird immer überleben. Selbst Takhisis muß das wissen.«
Trotz der Hektik um ihn herum, verstand Huma, daß die Drachen sich zu einem Kampf bis zum Tod entschlossen hatten. Um ihrer menschlichen Verbündeten willen. Um ihres Glaubens an Paladins Lehren willen.
Da tat der Großmeister etwas nie Dagewesenes. Er ließ sich auf ein Knie hinunter und bezollte diesem Drachen und all seinen Artgenossen seinen Respekt. Sie blieben, obwohl ihnen der Weg in die Freiheit offen stand.
»Danke. Ich hatte es gehofft – aber man weiß nie.«
Der goldene Drache nickte majestätisch, breitete seine langen Flügel aus und schwang sich empor. Der Großmeister sah schweigend zu. Dann drängte sich ein anderer Lärm in den Vordergrund. Knappen mit den nachgebauten Drachenlanzen für Fußsoldaten eilten zu den versammelten Rittern. Huma starrte die Lanzen an, die aus den Ständern geholt wurden. Wie sie glänzten! Ganz als ob…
»Mein Fürst!«
»Ja, Huma?«
»Wenn Ihr mich entschuldigt, ich habe noch ein paar Sachen vorzubereiten.«
»Dann geh.«
»Kaz.« Huma zog den Minotaurus beiseite. »Besorg dir eine von den Lanzen, die die Knappen austeilen, und vergleich sie mit einer echten Drachenlanze.«
»Was – « Der Minotaurus kam nicht weiter.
»Ich erkläre es dir, wenn ich zurück bin.« Huma hastete davon und überließ es dem Minotaurus, sich über die Bitte seines Freundes den Kopf zu zerbrechen.
Die Schmiede war nicht weit entfernt. Gerade als Huma ankam, öffneten sich die massiven Holztüren. Huma wich rasch zurück, weil er einem Fremden Auge in Auge gegenüberstand.
»Du solltest besser nicht hinter Türen rumstehen, wenn du nicht verletzt werden willst.« Der Fremde hatte schwarzsilbernes Haar und einen langen, schmalen Kopf. Seine Augen schienen einen Augenblick zu glühen, was Huma an die Gestalt erinnerte, die Gwyneth in jener Nacht angestarrt hatte, als sie im Hof spazierengegangen waren. Der Mann hatte sie eingeschüchtert. Dieser hier konnte es aber nicht gewesen sein. Er war größer und schlanker. Doch die Augen…
»Du bist Huma von der Lanze«, urteilte der Fremde. Sein Blick war durchdringend.
»Ich bin Huma.« Der Ritter war kein Bardenheld, dem so ein Titel zukam.
»Der Schmiedemeister hat viel zu tun, aber ich glaube, er wird etwas Zeit für dich erübrigen können.« Das Lächeln war seltsam, so fremdartig, daß Huma ein Schauer über den Rücken lief. Woran erinnerte es ihn nur?
Von innen drangen Stimmen nach draußen. Beide klangen bekannt, aber eine ganz besonders.
»– kannst du mir keinen Rat geben?«
»– ich bin schon viel zu lange aus der Welt der Menschen fort, und meine Zeit auf Krynn ist fast um. Am besten suchst du dir einen von deiner Art.«
» – keiner von ihnen versteht es! Wie soll ich ihm sagen, daß ich nicht bin, wofür er mich hält? Daß ich fast jeden Tag mit ihm geflogen bin, ohne daß er es gemerkt hat?
Glaubst du, er könnte mich lieben, wenn er wüßte, daß ich – daß wir – «
Es gab kaum Licht außer dem der Esse, und das wenige zeigte gerade die Umrisse der beiden Gestalten, die dort standen.
»Gwyneth?«
Die weibliche Gestalt fuhr bei seiner Stimme erschreckt herum und floh durch die Hintertür. Huma wollte ihr folgen, doch der andere verstellte ihm den Weg und begrüßte ihn herzlich.
»Huma! Wie gut, dich noch einmal zu sehen!« Dunkan Eisenwirker hob ihn hoch, schüttelte ihn wie ein Baby und setzte ihn dann wieder ab. Huma linste an dem hünenhaften Schmied vorbei, doch von Gwyneth war keine Spur mehr zu sehen.
»Hast du wirklich gedacht, ich würde dir nur zwanzig Lanzen geben? Junge, du überraschst mich!«
»Dann sind sie echt! Es ist keine Einbildung!«
»Aber nicht doch! Ich hatte viel, viel mehr als zwanzig, aber nicht in der Nähe. Und du hättest sie auch nie alle zurückbringen können. Zu viele von ihren Spionen überall. Außerdem«, lächelte er, »brauchte ich mal einen Ortswechsel.«
»Und die Schmiede…«
Dunkan Eisenwirker zeigte auf den Arbeitsbereich. »Sie brauchten einen Waffen- und Rüstungsmeister. Ich habe die Wahrheit ein bißchen zurechtgebogen und behauptet, du hättest mich aus dem Süden hergerufen, – was ja gewissermaßen stimmt. Sie waren von meiner Arbeit verständlicherweise beeindruckt und haben mir alles überlassen. Bald waren es nur noch ich und meine Gehilfen.«
»Das ist – das ist unglaublich!« Die ganze Zeit waren in der Schmiede echte Drachenlanzen hergestellt worden.
Der riesige Schmied klopfte ihm auf die Brust. »Du, Huma, hast bewiesen, daß die Drachenlanzen funktionieren. Ich glaube, daß nicht einmal dein illustrer Großmeister eine Ahnung hat, wie viele von diesen Männern eigentlich an die Lanzen glauben.«