Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Buoron ist tot«, sagte Oswals Neffe schließlich, wobei sein Blick immer noch an Gwyneth hing. »Als letztes sah ich, wie er und sein Drache sich auf den Schwarzen stürzten, um dich zu retten. Sie sind gefallen.«
Diese Nachricht erschütterte nicht nur Huma, sondern auch Gwyneth. Weinend schlug sie die Hände vors Gesicht. Huma hob die Hand und berührte ihren Arm.
»Sie weint nicht um Buoron – « Bennett hatte Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden.
»Laß das, Bennett.« Guido Avontal versuchte, sich aufzurichten.
»Huma!« Blitz kam angeflogen, von dessen Rücken Kaz mit seiner Streitaxt winkte. Drache und Minotaurus waren beide mit Kratzern und kleineren Wunden übersät, aber keiner schien ernstlich verletzt zu sein. Huma schenkte ihnen nur einen kurzen Blick, dann kehrten seine Augen zu Gwyneth zurück, die sich abwandte. Er starrte sie weiter an, selbst als er schließlich auf Bennetts Bemerkung antwortete.
»Was soll das heißen, Bennett? Was willst du damit sagen?«
Die habichtartigen Züge von Bennett glitten zu dem ergodianischen Kleriker und Oberkommandierenden. »Alle haben es gesehen. Warum schweigen? Wenn sie es ihm nicht sagen kann, wird es auf jeden Fall jemand anders tun. Er muß es wissen. Ich weiß, was er für sie empfindet.«
»Das ist ganz allein eine Sache zwischen den beiden!« Avontal wurde zornig.
»Hört auf.«
Die Worte kamen von Gwyneth, die sich dabei erhob. Ihre Augen ließen nicht von Huma ab. Ihre Arme hingen schlaff herunter.
Avontal kippte plötzlich nach hinten. Er sah sich nach Bennett und Kaz um. »Helft mir doch, ihr zwei. Mir ist kalt. Ich muß an einen geschützteren Platz.«
Widerstrebend halfen Kaz und Bennett ihm beim Aufstehen. Die drei zogen ab.
Schließlich begann Gwyneth zu reden. »Ich weine um Buoron. Ich weine um jeden, der im Kampf gegen die Drachenkönigin fällt.«
»So wie ich.«
Sie versuchte zu lächeln. »Ich weine vor allem um den Drachen, den Buoron geritten hat, den großen, silbernen.«
Der Bruder seines eigenen, erinnerte sich Huma. Warum sollte Gwyneth so um diesen einen Drachen weinen?
Sie sah sich traurig um. Es waren kaum Menschen hier. Als Huma verwirrt aussah, wurden ihre Zuge weicher. »Bevor ich weiterrede, möchte ich dir sagen, daß ich dich liebe, Huma. Ich würde nie etwas tun, was dir schadet.«
»Ich liebe dich auch.« Die Worte schienen ihm plötzlich so leicht über die Lippen zu gehen.
»Ich fürchte, du könntest deine Meinung ändern«, sagte sie in rätselhaftem Ton.
Huma hatte keine Zeit nachzufragen, was sie meinte, denn auf einmal leuchtete Gwyneth – fast wie die Drachenlanzen. Während er mit gebanntem Schrecken zusah, wurde ihr Gesicht länger, und Nase und Mund verwandelten sich in eine Schnauze voller Zähne. Huma dachte an Hexerei und wollte aufspringen, um ihr zu helfen, doch sein Bein hinderte ihn daran, und die Kopfwunde war noch nicht verbunden. Er sackte zurück.
Ihre langen, schlanken Arme wurden noch länger – und muskulöser. Die kleinen Hände verrenkten sich, um zu furchtbaren Tatzen zu werden. Sie fiel auf alle viere und schien zu wachsen und zu wachsen. Etwas bewegte sich auf ihrem Rücken. Sie war nicht einmal mehr entfernt menschlich, und was für einem Wesen sie glich, ließ den Ritter pausenlos den Kopf schütteln.
Ihre Kleider verschwanden – Paladin weiß wohin –, doch in ihrer gegenwärtigen Gestalt hatte sie sowieso keine Verwendung mehr dafür. Das merkwürdige Zappeln auf ihrem Rücken stammte von zwei dicken Buckeln, die aufbrachen und fledermausartige Flügel freigaben. Sie breiteten sich weit aus, und kurz darauf war die Verwandlung vollendet. Das Wesen, das Gwyneth gewesen war, stand vor ihm: groß, aufrecht – und ängstlich.
Es war ein Drache – ein silberner Drache.
Sein eigener.
28
Mit niedergeschlagenen Augen sagte der Silberdrache: »Huma, um Paladins willen, bitte sag etwas!« Die Stimme war eindeutig die von Gwyneth. Er sah dem Reptil in die Augen und las die Furcht darin – Furcht, daß er sie zurückweisen würde. In Humas Kopf drehte sich alles. Alles um ihn herum schien in Scherben zu brechen. Das konnte nicht Gwyneth sein. Oder doch?
»Du hast meinen Bruder neulich abend getroffen – so wie die zweite Person, die Dunkan Eisenwirker gedient hat. Beides Drachen, aber in Menschengestalt. Wir bewundern euch ja so, Huma, dich und deine Art. In eurem kurzen Leben erreicht ihr so viel.«
Huma sagte kein Wort. Unwillkürlich rückte er ein bißchen von ihr ab. Es geschah nicht aus Angst, sondern aus Verwirrung.
Sie verstand es anders. Die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. Noch während des Sprechens veränderte sie wieder ihre Gestalt. Die Flügel schrumpften. Ihre vier Beine wurden glatter und gerader, bis sie wieder menschenähnlicher waren und sie stehen konnte. Ihr Körper wurde zusehends kleiner, als würde die riesige Gestalt vor seinen entsetzten Augen dahinschmelzen. Das Gesicht wurde kleiner und runder, und das große Drachenmaul schrumpfte zu den wunderschönen, vollen Lippen. Glänzendes, silbernes Haar sproß aus dem Drachenkopf und floß über ihren Rücken. Huma wäre am liebsten davongelaufen. Die Verwandlung, deren Zeuge er gewesen war, konnte nicht wahr sein.
»Mein Bruder hat mir gesagt, was ich zuerst nicht gemerkt habe: daß mir etwas passiert ist, was erst wenige andere erlebt haben. Ich habe so lange unter euch gelebt, daß ich lieben kann wie ihr.«
»Warum?«
Sie runzelte die Stirn, weil sie nicht genau wußte, wonach er fragte. Dann antwortete sie: »Du verkörperst den wahren Glauben an Paladin. Du bist tapfer, freundlich, empfindlich, niemals Haß. Ich liebe dich um deiner selbst willen, weiter nichts.«
»Aha, das glückliche Pärchen.«
Die kalte, siegesgewisse Stimme weckte Huma aus seiner Lähmung. Das konnte nicht sein, nicht hier…
Galan Drakos sah genauso aus wie vorher, als er vor dem Ritter und dem Drachenmädchen auftauchte. Er lächelte. »Ich hätte mich früher bemerkbar gemacht, aber ich wollte die romantische Szene nicht stören.«
Gwyneth stieß einen Schrei aus, zu dem kein menschliches Wesen fähig gewesen wäre, und hätte zugeschlagen, wenn Huma ihr nicht bereits den Weg verstellt hätte. Der Ritter schaffte nur wenige Schritte, bevor sein Bein nachgab und er zu Boden ging. Erst da erinnerte er sich daran, daß die Gestalt vor ihm eine Illusion war. Schweigend verfluchte er sich für seine Dummheit.
Der Abtrünnige lachte. »Ich komme, um dir noch mehr Schwierigkeiten zu bereiten, Huma. Ich komme, um dich für den Verlust von Crynus zahlen zu lassen. Ich muß zugeben, daß er am Ende unkontrollierbar wurde. Aber er war mein bester Befehlshaber, und ich werde ihn vermissen. Schade.«
Kaz und Bennett kamen um die Ecke gerannt, weil sie die Stimme gehört hatten, die sie nur zu gut kannten. Die Illusion von Drakos hob eine Hand, und schon blieben sie stehen, als wären sie gegen eine unsichtbare Wand gelaufen.
»Auge um Auge, du armseliger Sterblicher.« Drakos hob die Hände, und etwas begann sich vor ihnen zu materialisieren. Erst als es ganz erschienen war, erkannte Huma, was es war.
»Magus!«
Sie hatten ihn gefoltert. Sein Gesicht war eine blutige Masse, und sein eines Auge war zugeschwollen. Seine Robe hing in Fetzen herunter, und Huma stellte überrascht fest, daß sie weiß war und nicht rot. Ein Arm war in einem unmöglichen Winkel gekrümmt, und keines seiner Beine schien ihn noch tragen zu können. Magus stützte sich mühsam mit seinem gesunden Arm hoch.
»Hu – Huma.« Zahlreiche Zähne fehlten ihm. »Ich hatte recht – am Ende.«
Drakos lächelte nachsichtig. »Er plapperte manchmal so.«
Mit großer Anstrengung drehte Magus sich um und spuckte den Abtrünnigen an. Galan Drakos kochte vor Wut. Er streckte seine offenen Hand nach dem Gefangenen aus. Magus schrie auf, als sein Körper unter der Folter des Abtrünnigen zuckte.