Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Runter!« schrie er, doch seine Freundin hatte bereits gehandelt. Die Abtrünnigen versuchten, ihrem Kurs zu folgen, doch der Silberdrache schoß in Sturzflügen und Kehren durch die Luft. Während die Magier sich auf ihn konzentrierten, kamen die anderen Drachenreiter näher an sie heran.
Wie lange konnten die Abtrünnigen diese Verteidigung durchhalten und gleichzeitig die Finsternis aufrechterhalten, fragte sich Huma.
»Huma, da unten!«
Gleich hinter dem Hügel rückte unaufhaltsam die Ogerarmee heran. Das Land wimmelte nur so von Ogern, den verbündeten Menschen, Goblins und ein paar unidentifizierbaren Wesen – zweifellos Experimente der Zauberer. Wesen mit zu vielen Armen, zu vielen Beinen – oder gar zu vielen Körpern und Köpfen.
Die Luft selbst riß auseinander, während er noch zusah, und Huma erhaschte einen Blick auf einen Ort, den er nur aus Alpträumen und Gebeten kannte. Es war nur ein winziger Einblick, aber in eine so überwältigende Schwärze, die ihn so gern verschlingen wollte, daß er wußte, es konnte nur der Abgrund sein.
So stark waren sie. Sie hatten einen Spalt in die Ebene der Sterblichen getrieben – der ihn verschlingen würde! Huma zitterte, und selbst der Silberdrache schreckte vor diesem Anblick zurück. Der Riß schien breiter zu werden, sie konnten nirgendwohin fliehen, sich nirgends verstecken. Er kam näher – dann brach die Macht, die den Spalt offen gehalten hatte, zusammen, weil die Abtrünnigen den heranstürmenden Drachen des Lichts zum Opfer fielen. Die Magier hatten ihr höchstes Konzentrationsniveau erreicht; zu viele, zu wichtige Dinge geschahen zugleich. Als die Drachen einer nach dem anderen angriffen, stellten sich ein paar Abtrünnige zum Kampf und starben augenblicklich. Der Rest rannte auseinander, weil das geistige Band zwischen ihnen gerissen war.
Die Dunkelheit hinter ihnen löste sich auf. Mancher kreischte angesichts des Lichts vor Entsetzen auf. Die Wesen waren in völliger Dunkelheit aufgezogen worden, vielleicht sogar im Abgrund selbst. Licht bedeutete für sie den Tod. Ihre Körper konnten ohne die Finsternis nicht existieren; sie verdunsteten wie Tau und hinterließen keine sichtbaren Spuren.
Das würde jedoch nicht die gewaltige Armee abschrecken, die jetzt auf den Hügel zu marschierte, wo die Zauberer auseinandergetrieben worden waren. Die Befehlshaber der Drachenkönigin, denen die Vorstellungskraft und der Wagemut von Crynus fehlte, warfen alles, was sie hatten, in die erste Schlacht.
Der Silberdrache sprach wieder zu Huma: »Sie haben Angst, Huma. Nicht vor uns, glaube ich, sondern vor Galan Drakos und der Drachenkönigin.«
»Was können wir machen?«
»IHR KÖNNT STERBEN.«
Hinter sich hörte Huma die Rufe der anderen. Vor ihm schwebte mitten in der Luft eine Gestalt mit verschränkten Armen, die höhnisch unter einer brauen Kapuze hervorgrinste. Der Mann war groß, vielleicht noch größer als Huma, und schlank. Er wirkte eher wie ein durchtrainierter Ritter, als wie der Zauberer, der er offensichtlich war. Im Gegensatz zu seinem schlangenartigen Lächeln war das Gesicht des schwebenden Zauberkundigen kaum mehr als ein Schatten.
»Galan Drakos.« Huma flüsterte sich selbst diesen Namen zu, doch der Magier hatte ihn anscheinend verstanden, denn er nickte zustimmend mit dem Kopf.
»Du bist Huma. Durch Menschenaugen siehst du ganz anders aus. Der einzige Nachteil an den Schreckenswölfen. Man sieht so wie sie.«
Huma konnte sich kaum davon abhalten, dem Silberdrachen den Befehl zum Angriff zu erteilen. Die schwebende Gestalt war der Inbegriff von allem Bösen.
Galan Drakos lächelte breit. »Du verschwendest deine Zeit, lieber Ritter. Zugegeben, die Lanzen sind ein Vorteil gegenüber den Drachen, aber ihr habt – Verzeihung, hattet – nur zwanzig, und wir haben viel zu viele Drachen. Sieh selbst.« Der Zauberer zeigte auf den Horizont hinter sich.
Huma zuckte zusammen. Eine dunkle Wolke tauchte am Horizont auf. Zuerst hielt er sie für einen weiteren Dunkelheitszauber. Dann sah er, daß die Wolke keine Einheit war, sondern aus vielen, großen, fliegenden Kreaturen bestand.
Drachen. Die Kinder von Takhisis. Zu Hunderten.
Galan Drakos lächelte immer noch, als Huma zu ihm herumfuhr. »Mit Hilfe meiner Dunklen Herrin habe ich sie aus ganz Krynn zusammengerufen. Bis auf den letzten. Schwarze, rote, weiße, grüne – alle Arten von Drachen. Sie sind tagelang hierher geflogen, und sie sind fast da.«
Zwanzig Lanzen – jetzt noch achtzehn. Achtzehn gegen Hunderte und Aberhunderte von Drachen. Wenn sie nur mehr Lanzen hätten…
»Wenn du dich jetzt ergibst, könnte es noch ein Plätzchen für dich geben. Meine Herrin ist von deiner Fähigkeit zu überleben recht beeindruckt. Wenn du bereit bist, ihr deine Talente zur Verfügung zu stellen, wird sie sich als sehr – dankbar erweisen.« Der Abtrünnige grinste. »Du kennst schließlich nur die Finstere Kriegerin. Sie hat andere – hm, Talente – gleicher Güte.«
Der Silberdrache unter ihm stieß ein unerwartetes, wütendes Zischen aus, und Huma wurde plötzlich zum Angriff auf den Magier getragen. Seltsamerweise lachte Drakos nur, als ihn die große Echse mit aufgesperrtem Maul und ausgefahrenen Klauen ansprang.
Ihre Kiefer schlugen aufeinander.
»Illusion«, murmelte Huma.
Ein spöttisches Lachen schien in der Luft zu hängen. Die Gruppe kreiste unsicher, weil sie Humas Befehle erwartete. Er starrte weiter auf den Fleck, wo Galan Drakos’ Illusion geschwebt hatte.
Als er das Warten nicht mehr aushielt, rief irgendein Ritter hinter Huma: »Wir sind verloren!«
»Wir haben erst verloren, wenn der letzte Ritter tot ist, Derrick«, schrie Bennett den Mann an. Er flüsterte dem goldenen Drachen etwas zu, der sofort so nah zu Huma flog, daß sie miteinander reden konnten, ohne von den anderen Reitern gehört zu werden. »Was machen wir jetzt?«
Bennett fragte ihn um Rat? Wäre die ganze Lage nicht so tragisch gewesen, hätte Huma vielleicht gelacht. »Rückzug. Wir müssen die Burg warnen. Bei so wenig Lanzen sollten wir über Vingaard kreisen. Die Einnahme soll sie so teuer wie möglich zu stehen kommen.«
»Du gibst auf?«
»Absolut nicht. Im Moment ist die Verteidigung der Burg das Wichtigste.« Huma wandte sich an die anderen. »Zurück nach Vingaard!«
Huma versuchte, seine eigene Enttäuschung zu verbergen, als sie sich vor den heranrückenden Horden in Sicherheit brachten. Die Lage erschien hoffnungslos.
Da traf ein helles Glitzern seine Augen. Zuerst hielt Huma es für reflektierendes Sonnenlicht. Doch dann fiel ihm auf einmal auf, daß die Sonne nicht schien. Was ihm in die Augen schien, war Licht ohne ersichtliche Quelle.
Als Humas Augen sich auf das winzige, flackernde Licht konzentrierten, schien es zu rufen. Es war kein richtiges Licht, eher ein grünlicher Glanz. Er erinnerte Huma an den Glanz, der vom Schwert der Tränen ausging.
Der Glanz schien zur Erde zu flattern. Huma zögerte. Er machte seine silberne Freundin auf das Glitzerding aufmerksam.
»Was sagst du dazu?«
»Eine Art Bote, aber ich fürchte, sein Schöpfer trägt Schwarz. Beachte es nicht und laß uns verschwinden, bevor die Sache schlimmer wird. Ich – mir gefällt es hier nicht.« Sie verhielt sich merkwürdig, fand Huma. Seit ihrer fehlgeschlagenen Attacke gegen Drakos war sie schweigsam und fast traurig geworden. Huma stellte fest, daß es Drakos’ Hinweis auf die Verführungskünste seiner Herrin gewesen war, was sie so aufgebracht hatte. Aber warum? Hatte der Silberdrache befürchtet, er würde auf einen so trügerischen Traum hereinfallen?
Huma holte tief Luft – und schüttelte den Kopf. »Folge dem Licht nach unten.«
»Huma – «
»LOS JETZT.« Er hatte noch nie so mit ihr geredet, aber er glaubte im Moment nicht, daß er ihren Reaktionen trauen konnte. Er mußte eine Entscheidung treffen.
»Huma!« rief Kaz von vorne. Huma schüttelte den Kopf und zeigte mit ausdruckslosem Gesicht nach hinten zur Burg. Der Minotaurus sagte leise etwas zu Blitz und beobachtete dann die anderen, um zu sehen, was sie taten. Kaz rief wieder etwas. Auf jeden Fall würde der Riese aus dem Osten mit seinem Drachen warten, während der Ritter das untersuchte, was ihn so faszinierte.