Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Wann werden die anderen in der Luft sein?« rief Avontal.
»Bald.« Es war Bennett, der die Antwort rief, wofür Huma dankbar war. Er hätte zu diesem Zeitpunkt nichts garantieren wollen.
Noch während dieses Wortwechsels bewegte sich die Gruppe auf die erste Vorhut der Drachen zu. Sie hielten sich dicht beieinander, weil sie nur zu gut wußten, daß sie einzeln niedergemetzelt werden würden.
Die Drachen der Finsternis schienen ihre Absicht zu durchschauen, denn einige formierten sich genauso. Andere hatten jedoch offenbar andere Ansichten, wozu die Ritter fähig waren, lösten sich vom Pulk und jagten ihren Feinden entgegen. Huma konnte ein kurzes Lächeln nicht unterdrücken. Als die bösen Drachen zähnefletschend ihre Klauen ausfuhren und die Angreifer herausforderten, erkannte er, daß sie nicht an die Kraft der Drachenlanze glaubten.
Fast alle dieser einzelnen Angreifer waren in Minutenschnelle erledigt. Zwei weitere starben, bevor Huma seiner Gruppe Zeichen geben konnte, die Überlebenden davonkommen zu lassen. Ihr Entsetzen würde auch die anderen Drachen ergreifen.
Huma warf einen flüchtigen Blick auf seine Kameraden. Kaz’ Gesicht war lebhaft und gerötet; Blitz konnte sich kaum zurückhalten, die Überlebenden zu verfolgen. Fürst Avontal sah seiner Armee entgegen; Buorons Miene war ruhig und fast ausdruckslos. Die Wunde an seinem Arm war geheilt, und er hielt die Drachenlanze so fest wie möglich.
Jetzt kamen ihnen scharenweise bemannte Drachen entgegen. Rote, schwarze, grüne und blaue. Auch weiße Drachen griffen an, doch sie waren ohne Reiter, und Huma hatte den Verdacht, daß sie als ›Kanonenfutter‹ gedacht waren, weil sie eher wie schlaue Tiere als wie intelligente Wesen handelten. Obwohl sie kleiner waren als die anderen Drachen, konnten sie tödliche Gegner sein, und ihre Anwesenheit verschaffte der Drachenkönigin einen Vorteil.
Unten hatte sich die Marschrichtung der beiden Armeen geändert. Die Ergodianer stellten sich in einer langen, breiten Linie auf, und der südliche Teil der Ogerstreitkräfte wendete, um dieser neuen Bedrohung zu begegnen. Die nördliche Hälfte, die erst noch von dem Angriff erfahren mußte, zog unbeirrt weiter, so daß die Mitte auseinanderbrach, während die Krieger dort auf ihre Befehle warteten. Verwirrung schien sich breitzumachen.
Jetzt, schrie es in Humas Kopf. Jetzt müßten wir angreifen! Die Ritter in der Burg konnten die ergodianische Armee natürlich nicht sehen. Aber ganz sicher sahen sie das Auseinanderbrechen der Oger und merkten, daß etwas zu ihrem Vorteil geschehen war. Wann würden sie reagieren?
Dann traf die kleine Gruppe Lanzenreiter auf die erste der scheinbar endlosen Wellen von Gegnern, und es blieb keine Zeit mehr, an irgend etwas anderes als ans Überleben zu denken.
Zuerst schienen die Drachen bei jedem Augenaufschlag von Huma aufzutauchen und zu verschwinden. Überall erklangen Schreie. Es wurde abgrundtief schwarz und sonnenhell, als die Drachen ihre magischen Künste einsetzten und die Reiter, von denen einige Zauberer oder Kleriker waren, ihre eigene Zauberkraft dazufügten.
Als der Silberdrache einem gegnerischen Schlag auswich, sah Huma, wie einer der Lanzenkämpfer und sein Reittier einer Gruppe von mindestens sechs Drachen zum Opfer fiel. Reiter und Drache wurden von der schrecklichen Kraft der Kreaturen in Stücke gerissen. Das einzige, was Huma übrig blieb, war, angesichts dieses Todesmuts nicht aufzuschreien. In dem Durcheinander konnte er nicht feststellen, wer da gestorben war.
Sie wurden voneinander getrennt. Kaz und Blitz blieben weiter bei Huma und seinem Silberdrachen. Irgendwann hörte der Ritter die laute Stimme Guido Avontals, der etwas rief.
Ein furchterregender schwarzer Drache mit einem von der Schwarzen Garde schoß von oben herab. Huma warnte den Silberdrachen, doch dieser war vollauf mit einem roten beschäftigt, der sich die Drachenlanze immer tiefer in die Schulter rammte, weil er viel zu wütend war, um das überhaupt wahrzunehmen. Der Ritter zog sein Schwert, auch wenn das gegen einen solchen Drachen nutzlos war, und bereitete sich auf den Aufprall vor.
Plötzlich fegte etwas Silbernes vorbei, und ein schlanker Drache lenkte den schwarzen ab. Ein Reiter saß auf dem Rücken des silbernen Drachens, den Huma als Buoron erkannte. Der andere Ritter war bereits mehr als einmal getroffen; seine Rüstung und sein Reittier waren blutüberströmt.
Schmerz! Huma kippte rückwärts, als ein Schock durch sein linkes Bein raste. Er starrte auf das Blut hinunter, das aus einer tiefen Wunde strömte. Er fühlte ein Stechen in seinem Bein, und die Schmerzwellen attackierten weiter seinen Geist. Fast tränenblind entdeckte er einen Oger auf einem Drachen. Mit übermenschlicher Kraft hatte der Oger seine Axt benutzt und gut getroffen.
Huma wehrte den folgenden Schlag des Ogers ab, konnte sich jedoch nicht mehr konzentrieren. Der Schmerz nahm ihn zu sehr in Beschlag.
Zu seiner Erleichterung schaffte es der Silberdrache, seinen Gegner abzuschütteln. Der rote Drache, den der starke Blutverlust aus seinen vielen Wunden geschwächt hatte, fiel hilflos flatternd zur Erde und riß seinen Reiter mit sich.
»Huma!«
Er brauchte einige Augenblicke, bis er merkte, daß die Drachin nach ihm rief. Aus ihren Augen sprach schreckliche Angst – und zwar nicht um sich selbst. Er hatte diese Augen schon früher gesehen, aber…
Neue Schreie von überall her unterbrachen seine Gedanken. Zuerst dachte er, das müßte das Ende sein. Gewiß würden sich noch mehr Drachen zu denen gesellen, die schon jetzt auf die kleine Gruppe eindrangen.
Er hatte unrecht. Die Drachen, die er beim Aufschauen erblickte, waren golden und silbern – all die glänzenden Metallfarben der Drachen Paladins. Es waren über hundert, und jeder trug einen Reiter und einen mit der Lanze bewaffneten Ritter. Drachenlanzen. Sie leuchteten hell und trafen ihr Ziel.
Unter den dunklen Drachen brach Panik aus. Wenn man ihnen überhaupt etwas gesagt hatte, dann hatte es sicher geheißen, daß es bloß eine kleine Anzahl Drachenlanzen gäbe. Die vordersten Drachen starben, ohne auch nur ihre Krallen zur Gegenwehr zu heben, so fassungslos waren sie.
Huma griff sich an die Stirn. Als er die Hand betrachtete, war sie voller Blut – sein eigenes! Er fragte sich, wann und wie das passiert war.
Beim Gedanken an seine Verletzungen sah er wieder sein Bein an. Das Blut strömte noch immer aus der Wunde, und er wußte, daß er bald ohnmächtig werden würde. Der Silberdrache begann, sich aus dem Kampf zurückzuziehen.
Mehr und mehr Drachen eilten von der Burg heran. Wie viele Drachenlanzen mochte der Schmied hergestellt haben?
Der Silberdrache flog, als wäre die Königin der Finsternis persönlich hinter ihm her. Hin und wieder sah er sich nach Huma um, immer mit demselben ängstlichen Ausdruck in den Augen. Stirnrunzelnd preßte er die Hände auf sein Bein, um die Blutung zu stoppen.
Schließlich überflogen sie die Burgmauern, wobei sie nur knapp einem weiteren Trupp Lanzenreiter ausweichen konnten, der gerade startete. Das Drachenweibchen brachte ihn zu dem Platz, wo die anderen Verwundeten seiner Gruppe behandelt wurden.
»Nehmt ihn runter!« Die Drachenstimme war so barsch und befehlend, daß niemand zögerte. Vor Humas Augen verschwammen die Drachin und die ganze Welt.
Beim Aufwachen neigte sich Gwyneth gerade über ihn, säuberte die Wunde und berührte sie auf eine Art, die den Schmerz stillte. Er konnte die Kraft spüren, die von ihren Fingerspitzen ausging. Ihr Gesicht war blaß und teilweise von ihren Haaren verdeckt, während sie sich über sein Bein beugte.
Humas Augen wanderten umher. Sie waren auf einer Anhöhe abseits der Schlacht, aber nicht so weit weg, daß sie den Kampflärm nicht mehr gehört hätten. Avontal war auch da; seine linke Seite war nur noch eine blutige Masse. Kaz war nirgends zu sehen. Von der ursprünglichen Gruppe waren nur neun geblieben. Bennett war unverletzt, sah aber aus, als hätte man ihn in seiner Rüstung durch die ganze Ebene geschleift. Er starrte Gwyneth mit einer seltsamen Mischung aus Abscheu und Faszination an. Seine Augen begegneten kurz denen von Huma, wandten sich dann aber schnell ab.